FrĂŒher gab es vermutlich keine eigenstĂ€ndige TĂ€tigkeit namens Musik, sondern nur eine Töne benutzende Form z.B. der Jagd oder der Religion. Manches von dem, was in "Weltmusik" gemacht wird, lĂ€sst das noch erkennen.
Als sich dann ein eigenstĂ€ndiger Bereich "Musik" herausbildete, kamen in ihm gerade hierzulande [Hervorhebung von mir] bestimmte GesetzmĂ€Ăigkeiten zum Tragen. FĂŒr unser Thema dĂŒrfte vor allem die EinfĂŒhrung von Stimmungen mit prĂ€zise definierten Intervallen interessant sein, die auf ein und demselben Instrument gespielt werden konnten - denn in dem Bereich wurde es eng fĂŒr die "Trommeln".
Ich wĂŒrde sogar noch einen Schritt weitergehen und muss dazu etwas ausholen:
hierzulande bedeutet im obigen Zitat den europĂ€ischen Kulturkreis, und der ist ĂŒber Jahrhunderte rhythmisch minderbemittelt, ja dem rhythmischen Analphabetentum nahe gewesen - aus verschiedenen GrĂŒnden, v.a. die Kirche (nein, die ist nicht an allem schuld) hat durch die Verteufelung des Körperlichen, der der
invocatio dazu beigetragen, dass sich tausend und mehr Jahre lang in Europa, besonders Mitteleuropa, kein RyhthmusgefĂŒhl jenseits eines recht simplen entwickeln konnte.
Schlaginstrumente fehlen fast gĂ€nzlich, bis man aus dem Orient (oder z.B. auch von vor den Toren Wiens lagernden TĂŒrken) im 17./18. Jh. etwas aufschnappte.
Von daher ist das natĂŒrlich kein Wunder, dass sich bei der Herausbildung von europĂ€ischer Harmonik und Melodik, die ja in Ihrer Differenziertheit wirklich ihresgleichen sucht, kein Platz mehr war fĂŒr spontanen, körperlich nachvollzogenen, getanzten oder getrommelten Rhythmus! Das blieb höchstens in der Volksmusik/Folklore den niederen Schichten vorbehalten, die meiste andere Musik (höfische TĂ€nze z.B.) waren arg stilisiert.
Soviel zur verkĂŒrzten europĂ€ischen Kulturgeschichte
Das, was viele Drummer weltweit heute (zu Recht) als rhythmische Kunst definieren, nÀmlich mit anderen Musikern coole Grooves produzieren, improvisieren, auch bis zur Ekstase, hat leider in unserem Kulturkreis immer noch den Geruch des Primitiven, des "Hottentottenhaften" , dessen man sich entweder schÀmt oder das man belÀchelt. Ist ja nicht immer Ignoranz, sondern hÀufig Unwissenheit - die, wie gesagt, eine lange Geschichte hat...
Von daher wundere ich mich nicht, dass z.B. Erwachsene auf Trommelworkshops nicht die einfachsten Sachen hinbekommen, geschweige denn ein paar einfache Tanzschritte machen können.
Oder dass Eltern meiner MusikschĂŒler von "Buschtrommeln" sprechen, die ja nun etwas zu simpel seien fĂŒr IHre Sprösslinge etc.
Der "Ruf der Trommel" ist aber nach wie vor wahrscheinlich die ursprĂŒnglichste aller sprachĂ€hnlichen menschlichen ĂuĂerungen,
und von daher wĂŒrde ich - trotz Abwesenheit von bestimmten Tonhöhen bei vielen Trommeln - von musikalischen Tönen sprechen und nicht nur von Schallwellen...
Und in der Tat sollte man mehr von RHYTHMUS sprechen und nicht so sehr ausschlieĂlich die Trommeln in den Vordergrund rĂŒcken. Was z.B. auf dem so genannten Daumenklavier (aka Sanza, Mbira) an rhythmisch komplexen Mustern gespielt werden kann von Leuten, die es können, haut mich immer wieder von den Socken: Schaut mal:
http://www.youtube.com/watch?v=2M7-_hFAEDY#
Und: Ja, in Afrika war die Wiege der Menschheit!
SO, das war meine Pfingstbotschaft

Ein schönes langes Wochenende wĂŒnsche ich weiterhin!