Kadenzen und die verschiedenen Tonleitern

von Gain Merde, 05.08.10.

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  1. Gain Merde

    Gain Merde Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.08.10   #1
    Ich hab mir neulich ein Buch über Musiktheorie gekauft. Darin werden im Kapitel über Dreiklänge die Stufenakkorde und Kadenzen am Beispiel C-Dur erklärt. Was aber für dabei für mich nicht klar wird ist, wie sich das ganze bei anderen Tonleitern auswirkt. Dank googeln weiß ich das es Prinbzipiell bei Moll und Dur Unterschiede gibt, aber wie siehts zwischen den einzelnen Dur oder Moll-Tonleitern aus?

    Meine eigentliche Frage lautet: Entspricht der Grundton I, also die Tonika immer der Tonart (Also bei C-Dur ist die Tonika der C-Dur-Dreiklang, bei E-Dur ist der E-Dur-Dreiklang die Tonika, usw. ), oder bleibt die Tonika der jeweilige C-Dreiklang? (je nach dem könnte es ja auch ein verminderter, übermäßiger oder Moll-Dreiklang sein.)

    Außerdem frage ich mich, wodurch die Akkorde ihre eigenschaft also Dominante, Subdominante oder Tonika erhalten...

    Was gibts bei komponieren mit Kadenzen noch zu beachten, oder was wäre zu dem Thema noch erwähnenswert?
     
  2. turko

    turko Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 05.08.10   #2
    Achtung ! Musikpädagogisch nicht offiziell authorisiertes Statement:

    Also, ich sehe das so: Es ist der GRUNDTON, der den Anfang aller Überlegungen (und - vor allem ! - EMPFINDUNGEN) darstellt:

    Der Grundton ist der Ruhe-, Anfangs- und Endpunkt (nicht im WÖRTLICHEN Sinn) jeder (tonalen) Musik. Er ist das, worauf sich alles andere bezieht. Er ist das ZENTRUM. Es ist jener Ton, der ganz einfach als das Zentrum wahrgenommen wird.

    Gut. Auf diesen Grundton kann man jetzt eine Tonleiter bilden, nehmen wir an, es sei die DUR-Tonleiter. Durch Terzschichtung der Tonleitertöne (auf den Grundton) erhält man einen Drei- bzw. Vierklang, der also nun die Tonika bildet. Es ist - analog zum Grundton - jener Klang, jener Sound, der in diesem Musikstück als "Heimat", als "Basis", als Ausgangs- und Endpunkt, als gemeinsames Zentrum angesehen und angehört wird. Nimmt man statt der Durtonleiter eine Molltonleiter als Ausgangsbasis, ist die Tonika halt ein Moll-Dreiklang.

    Wie nun die Kadez-Dreiklänge ihre "Wirkung" bekommen, kann ich nicht (schlüssig) beantworten. Das hat mich auch selbst noch nie interessiert. Ich habe mich stets zufrieden gegeben damit, daß sie ihre Wirkung einfach HABEN, und habe damit gearbeitet.

    Und, was noch zu diesem Thema erwähnenswert und wissenswert wäre ... ? Naja ... entweder 1000 Seiten Harmonielehre lesen und studieren, oder 1000 Tage intensiv und - vor allem - BEWUSST Musik HÖREN und analysieren, was da jeweils gerade vor sich geht ...

    LG, Thomas
     
  3. klaus111

    klaus111 Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 06.08.10   #3
    Die Akkorde bekommen ihre Eigenschaft durch ihren jeweiligenden Bezug zum Grundton bzw. zur Tonika.
    Die Dominante (D) liegt eine Quint über der Tonika (T).

    In C-Dur wäre der C-Dur-Akkord die Tonika, der G-Dur-Akkord die Dominante. (In E-Dur wäre der E-Dur-Akkord die Tonika, der H-Dur-Akkord die Dominante.)
    Die Dominante hat das Bestreben sich zur Tonika "aufzulösen". Die Folge D - T hat eine starke Schlusswirkung (Begründung z.B. hier).

    Die Subdominante (S) liegt eine Quint unter der Tonika. In C-Dur wäre es der F-Dur-Akkord, in E-Dur der A-Dur-Akkord. Die Subdominante hat nur ein relativ schwaches Streben zur Tonika, die Folge S - T hat daher nur eine schwache Schlusswirkung. (Begründung im obigen Link).

    Natürlich ist die Subdominante dennoch ein wichtiger Akkord und sorgt für Abwechslung im harmonischen Ablauf. Für noch mehr Abwechslung wird gesorgt, wenn man die Parallel-Akkorde einsetzt:

    Tonikaparallele (Tp), in C-Dur wäre das A-Moll
    Dominantparallele (Dp), in C-Dur wäre das E-Moll
    Subdominantparallele (Sp), in C-Dur wäre das D-Moll

    (Wie Tp, Dp und Sp in E-Dur heissen, kannst du jetzt bestimmt schon selbst herausbekommen.)

    Diese sechs Akkorde decken harmonisch schon eine riesige Fülle unterschiedlichster Songs ab.

    Viele Grüße

    Klaus
     
  4. Gain Merde

    Gain Merde Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.08.10   #4
    Vielen dank, eure Antworten haben mir schon weitergeholfen.

    Aber hier kommen noch einige kleine Fragen, die nur zur Sicherheit stellen möchte (auch wenn ich mir die Antworten darauf eigentlich schon denken kann):

    Gehe ich recht in der Annehme, dass ein Akkord in seiner Wirkung (also zum Beispiel als Tonika) durch transposieren oder 3-Klangs-Umkehrungen nicht verändert wird?

    Und werden die Kandenzen (zum Beispiel T-S-D-T) für gewöhnlich über ein ganzes Lied beibehalten, oder ist es auch üblich (beispielsweise nach einer Strophe) auf die Paralelen zuzugreifen, oder gar die Kadenz ganz zu ändern?

    Und werden Akkorde in der Regel nur für die Länge eines Taktes "gehalten" oder kan ein Akkord auchmal 2 Takte lange gehalten/gespielt/wiederholt werden, während an andererstelle vielleicht 4 oder mehr verschiedene Akkorde in einem Takt vorkommen?
     
  5. klaus111

    klaus111 Mod Emeritus Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 06.08.10   #5
    Ein Akkord wird in seiner Wirkung (man sagt in der Harmonielehre "Funktion") durch Umkehrungen nicht verändert. Auch wenn das ganze Stück transponiert wird, ändert sich die Funktion der Akkorde nicht.

    Es ist nicht üblich, z.B. nach einer Strophe dann einfach die Parallelen zu verwenden.
    Vielmehr werden die verschiedenen Akkorde, je nach Song, unterschiedlich kombiniert.
    Gehen wir einmal von den "500 besten Songs aller Zeiten" aus, z.B. "Like A Rolling Stone" (Bob Dylan):


    Das Beispiel kann hier eingesehen werden:

    http://www.ultimate-guitar.com/tabs/b/bob_dylan/like_a_rolling_stone_ver4_crd.htm

    Abgesehen von der Einleitung, besteht der Song aus diesen Akkordfolgen (jeder Akkord ein Takt):

    Strophe

    |C Dm Em F G G G G:|
    |F G:|
    |F Em Dm C:|
    |F F F C G G G G|


    Refrain

    |C F G G:|
    |C F G G:|
    |C F G G:|

    Man sieht an diesem Beispiel folgendes:

    Es besteht aus fünf Akkordfolgen, die meist wiederholt werden. In diesen werden insgesamt fünf Akkorde unterschiedlich kombiniert (C Dm Em F G bzw. T Sp Dp S D (Funktionstheorie) bzw. die Stufen I II III IV V (Stufentheorie)).
    Mal werden die Parallelen darunter gemischt (|C Dm Em F G G G G:| und |F Em Dm C:|,
    mal nicht (|F G:|, |F F F C G G G G| und |C F G G:|).

    Auf die Schlusswirkung der Dominanten G wird, insbesondere im Refrain, großen Wert gelegt.

    Die Akkorde werden häufig länger als einen Takt gehalten. In diesem Beispiel tritt kein Akkordwechsel innerhalb eines Taktes auf. (Das kann in anderen Songs öfter mal vorkommen.)

    Andere Songs können sowohl bezüglich der Akkordfolgen, als auch von der Liedform her anders aufgebaut sein. Meist werden die sechs leitereigenen Akkorde (T S D Tp Sp Dp) verwendet. (Jeder Akkord-Ton ist in der verwendeten Tonleiter enthalten.)

    Es gibt aber auch komplizierter aufgebaute Songs, welche nicht leitereigene Akkorde verwenden oder auch spezielle Akkorde (wie z.B. Csus4 in der obigen Einleitung).

    Viele Grüße

    Klaus