Klappbare Preamp Box

von chris_kah, 25.10.07.

  1. chris_kah

    chris_kah HCA PA- und E-Technik HCA

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    Erstellt: 25.10.07   #1
    Preamp Box

    Ich habe mir überlegt, ob ich diese Box unter "Zeigt her eure Floorboards" posten soll.
    Diese Kategorie ist wohl aber mehr ein Showroom für Sammlungen von Tretminen bzw. auf Show getrimmte Designs.

    Ich möchte hier eine Lösung vorstellen, die in manchen Details auch für andere Konstruktionen interessant sein kann. Showeffekt ist hier weniger gefragt.

    Warum diese Box:
    ----------------
    Ich spiele akustische und elektrische Gitarren. Dafür habe ich einen Amp-Modeller für E-Gitarren (Johnson J-Station, die leider nicht mehr gebaut wird) und einen für akustische Gitarren (Zoom A2, relativ neu). Desweiteren habe ich ein einfaches Stereo-Volumenpedal so umgebaut, daß ich beide Preamps anschließen kann und zwischen beiden mit einem Drehschalter umschalten kann.
    Gespielt wird das ganze über eine Aktivbox. Die J-Station sollte auf einem Tisch liegen, während das Zoom ein Fußpedal ist.
    Es kostet unheimlich viel Zeit, immer alles abzubauen, mitzunehmen und wieder aufzubauen. Die Steckernetzteile sind nervtötend und der Kabelsalat wird sehr unübersichtlich. Schön ist was anderes.
    Außerdem sind meist auch noch Noten und Notenständer mitzunehmen.

    Also: alles in eine Klappkiste vereinen, die sich leicht transportieren läßt und alles aufnimmt.

    Konstruktion:
    -------------
    Die gesamte Kiste ist aus 8 mm Pappelsperrholz gefertigt, die Bodenplatte hat 10 mm.
    Die Kiste ist so gebaut, daß sie in aufgeklapptem Zustand wie ein Notenpult wirkt. Sie wurde daher in einer eher unauffälligen Farbe lackiert, damit sie auf einer Bühne nicht so heraussticht.

    Die Konstruktion ist gelungen, in wenigen Sekunden ist die Kiste aufgeklappt und angeschlossen, alle Bedienelemente sind gut erreichbar und der Kabelsalat ist dank eingebautem Verlängerungskabel und Stromverteiler minimal.
    So hier erst mal die Bilder.


    Die einzelnen Bretter wurden mit Vierkanthölzern an den Kanten verbunden und verleimt. So ergibt sich ein sehr stabiler Torsionskasten, auf den man sich sogar notfalls setzen kann.
    Die Seitenwand wurde schräg geschnittn, damit vorne die Höhe klein ist. Hinten ist sie hoch und vergrößert damit die Höhe für den E-Gitarren Modeller. Dieser hängt am Deckel und läßt sich nach vorne klappen.

    Der Klappmechanismus besteht aus einem Möbelbeschlag für Klapptüren. Da er leider nicht alleine gut genug bremst wurde ein Riegel eingebaut, der im aufgeklappten Zustand einrastet und alles arretiert. Zum Zuklappen genügt ein kurzer Druck auf die Lasche zur Entriegelung. Wenn ich es neu konstruieren würde, wäre wohl die erste Wahl eine Teleskopfeder. Die war leider in meinen Baumärkten nicht zu bekommen.
    Die Scharniere sind Standard Möbelscharniere. Die Verschlüsse sind Butterfly-Verschlüsse für Musiker-Gehäuse. Den Tragegriff gibt es ebenfalls als Musiker-Zubehör. Die Front hat verschiedene Überlappungen, damit sich die Tragekräfte vom Griff auch auf den Boden übertragen und sich die Kiste nicht vertwistet.

    Die Effekte haben leider keine Gewinde oder Befestigungslöcher. Das übliche Klettband wollte ich nicht verwenden. So wurden die Teile mit entsprechenden Holz- und Metallteilen befestigt. Die Holzteile wurden mit der Oberfräse so geformt, daß sie die Seitenteile des Zoom A2 und des Fußtasters umschließen. Sie sind von unten geschraubt. Das Fußpedal bekam an seinen abschraubbaren Füßen ein Alu-Profil zwischengelegt, das seitlich übersteht. An diesen Überständen wurde das Volumenpedal dann von oben in die Grundplatte verschraubt. Die J-Station wrude mit Alu-Winkeln befestigt, die es ebenfalls nur formschlüssig festhalten. Nur der selbstgebaute 3-fach Fußtaster bekam Löcher im Boden verpaßt. Durch die wurden Holzschrauben zur Befestigung angebracht.
    Alle Geräte lassen sich mit wenigen Handgriffen (2-4 Schrauben lösen) ausbauen.

    Die Mehrfachsteckdose ist am Boden verschraubt, dafür war sie vorgesehen. Die beiden Netzteile sind mit Aluminium-Winkeln gesichert und können nicht herausfallen (leider noch nicht im Bild festgehalten).

    Ein Extra ist die eingebaute Übertrager-Box. Diese ist selbst gebaut und verbirgt sich unter dem 19" 1HE Streifen. Zum Einsatz kommen 2 NTE1 Übertrager von Neutrik. Der Eingang ist unsymmetrisch. Der Ausgang (je Kanal) ist symmetrisch ausgeführt und die Klinkenbuchsen TRS (Tip Ring Sleeve) beschaltet. Außerdem gibt es einen Ground Lift Schalter.
    Schaltung: Der Eingang ist klar: weißes Kabel an die Spitze der Klinkenbuchse, gelb an den Schirm (Masse). Der Ausgang geht (rot) an XLR(2) sowie die Spitze (Tip). Schwarz geht an XLR(3) sowie den Ring. Die Masse ist abschaltbar an XLR(1) sowie die Masse (Sleeve) der Klinkenbuchse geführt. Die Ausgangs-Klinkenbuchse ist vom Rest isoliert. Wenn man die Masse abschaltet kann man an beiden Klinkenbuchsen mit einem normalen Mono-Kabel ein schön Brummschleifenfreies Signal zum Mischpult weiterleiten.
    Das ist übrigens keine DI-Box die Mikrofonpegel liefert. Mit den XLR Ausgängen kann man direkt eine Aktivbox treiben (in meinem Fall RCF ART 310A, die nur einen XLR Eingang hat).

    Die Farbe ist ein Genius Pro Sprühlack Anthrazit mit leichtem Metallic Effekt aus dem Baumarkt. Zuerst wrude die empfohlene Grundierung aufgebracht und geschliffen. Danach die Farbe aufgesprüht. Die Flächenangabe auf der Dose war viel zu optimistisch. Für die etwa 1.5 Quadratmeter brauchte ich 2 komplette Dosen,die jeweils mit 4 Quadratmeter angegeben waren.
    Wenn ich das nochmal anfangen würde, wäre meine Wahl eher ein gut deckender Strukturlack, den man mit der Rolle aufbringen kann. Sprühdosen sind vergleichsweise teuer und der Metalliceffekt kommt nicht ganz so gut zum Tragen wie ich es mir erhofft hatte.


    Am Deckel läßt sich noch ein Notenständer anschrauben (leider noch kein Bild davon gemacht). Die Kiste ist groß genug, um diesen Notenständer und ein Real Book aufzunehmen, sowie alle Kabel. Ohne Noten bleibt alles unter 10 kg und ist damit recht leicht tragbar. Die eingebaute Stromverteilung ist wirklich genial, hier kann ja noch der Verstärker eingesteckt werden. Auf- und Abbauzeiten sind minimal und alles ist schön aufgeräumt. Insgesamt ist das Teil aber recht groß, was auf einer kleinen Bühne Platzprobleme bringen kann.

    Ebenfalls genial sind die Anschlußkabel der Gitarren. ICh verwende für jeden Modeller ein Gitarrenkabel mit einem Neutrik Silent Plug. Den kann man tatsächlich einstecken, ohne daß es brummt und kracht. Einzige Ausnahme: Bei der Ovation mit eingebautem Vorverstärker erzeugt der Vorverstärker nach dem Einstecken einen Einschalt-Plopp. Der läßtsich aber vermeiden, wenn man an der Gitarre den Lautstärkeregler runterdreht. Wenn die Kabel ausgesteckt sind brummt nichts. Die Kabel bleiben übrigens immer angeschlossen in der Kiste.

    Bei einer Neuanschaffung der Effektgeräte würde ich je einen Bodeneffekt(-Modeller) mit eingebautem Volumenpedal für Akustik- und E- Gitarre anschaffen. Die könnten in einer kleineren Kiste verschwinden.


    Dieser Thread:
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    So, ich hoffe, da war für manch anderes Bastelprojekt eine Anregung dabei. Es ist recht unwahrscheinlich, daß jemand so etwas genau so nachbaut. Aber vielleicht gab es Anregungen für ähnliche Konzepte.

    Bitte in diesem Thread keine Wertungen wie "geil" oder "sieht beschissen aus", auch nicht zu anderen Beiträgen. Das ist einfach Geschmacksache.

    Ich möchte anregen, ähnliche fertige Projekte vorzustellen (bitte keine Tagebücher) sowie gut ausgetüftelte Lösungen, z.B. Befestigung von Steckernetzteilen, Einbau spezieller Adapter und ähnliches.

    So, viel Spaß, Ring frei.
    Christoph :)
     

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  2. chris_kah

    chris_kah Threadersteller HCA PA- und E-Technik HCA

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    Erstellt: 04.01.08   #2
    So, hier noch weitere Bilder: Einbau der Netzteile (mit Aluminium-Blechen).
    Außerdem ein Anschraubbarer Notenständer mit 3/8" Gewinde bzw Scharaube
     

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