Kontrapunkt und Chorkomposition

von musikmusik, 06.06.07.

  1. musikmusik

    musikmusik Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    31.07.06
    Zuletzt hier:
    18.07.09
    Beiträge:
    120
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    10
    Erstellt: 06.06.07   #1
    Hallo!
    Kann mir da einer ein bisschen erklären:
    Ich hab jetzt fundamentalen Kontrapunkt mehr oder weniger gelernt.
    Wird der am meisten in -klassischer- Chormusik angewandt?
    Oder gibts auch einiges an homophoner Chormusik?

    Woran sollte ich mich ans nächste wagen, um Chorkomposition zu lernen?
    Bücher?
    Danke!

    edit:
    habt ihr beispiele für homophone Chormusik? Wurde die viel in der Klassik oder Romantik benutzt? Mozart, Brahms? irgendjemand? Wenn ihr ein online beispiel habt, wäre auch schick!
    Mir ist klar, dass in der Barockzeit vorwiegend Polyphonie, und somit Kontrapunkt praktiziert wurde.
     
  2. HaraldS

    HaraldS Mod Emeritus Ex-Moderator

    Im Board seit:
    03.03.05
    Zuletzt hier:
    10.04.14
    Beiträge:
    4.890
    Ort:
    Recklinghausen
    Zustimmungen:
    750
    Kekse:
    29.296
    Erstellt: 06.06.07   #2
    Erlaube mir, die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen. Du lernst Kontrapunkt, also eine Kompositionstechnik, und dir sind nicht die Satzformen der Chorliteratur bekannt? Du solltest dringend in einem Chor singen. Und zwar aus zwei Gründen: um diese Satzformen kennen zu lernen und um einen Einblick in die Praxis des Chorgesangs zu bekommen, denn der hilft enorm viel beim Schreiben von Kontrapunktik.

    Um deine Frage zu beantworten: natürlich gibt es homophone Chormusik, allen voran den Kantionalsatz. Eine interaktive Darstellung seiner Regeln hat die Musikhochschule Hannover hier ins Netz gestellt. Der Kantionalsatz wird in jedem Kompositionsunterricht üblicherweise vor der Kontrapunktik gelehrt.

    An das Telefonbuch ;-) . Hol dir die Nummer vom nächstliegenden Kirchenmusiker und steige sofort in einen Chor oder mehrere Chöre ein.

    Harald
     
  3. musikmusik

    musikmusik Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    31.07.06
    Zuletzt hier:
    18.07.09
    Beiträge:
    120
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    10
    Erstellt: 07.06.07   #3
    super, bombig!
    hat mir viel einblick gebracht!
    singe im Chor, hab nur nie richtig drüber nachgegrübelt!
    Ich würde daher den Rückschließen, dass (moderne) Chormusik ein Gemisch ist:
    Meist ist die Melodie in der Oberstimme, und der Bass setzt das Fundament, ab und zu gibts aber auch Unabhängige Melodien.
    Ist also nicht mehr so streng Kontrapunktisch, wie es zur Barock zeit war...?
    Richtig?
    Das Beispiel war sehr einleuchtend.
     
  4. HaraldS

    HaraldS Mod Emeritus Ex-Moderator

    Im Board seit:
    03.03.05
    Zuletzt hier:
    10.04.14
    Beiträge:
    4.890
    Ort:
    Recklinghausen
    Zustimmungen:
    750
    Kekse:
    29.296
    Erstellt: 07.06.07   #4
    Vieles dürfte dir klar werden, wenn du die Chorsätze zu Hause mal am Klavier spielst und analysierst. Homophonie bedeutet grundsätzlich eine Hierarchie zwischen den beteiligten Stimmen: meist die Oberstimme ist Melodieträgerin, alle anderen sind untergeordnet. Polyphonie bedeutet eine tendenzielle melodische Gleichberechtigung aller Stimmen. Es gibt auch Mischformen, z.B. die Choräle von J.S.Bach. Grundsätzlich sind sie homophon angelegt, es lassen sich aber viele imitatorische Stellen finden.

    Außerdem tendiert Bach dazu, die Unterstimmen zu emanzipieren und die starke Hierarchie des Kantionalsatzes aufzubrechen, so wie hier:

    [​IMG]

    Das hängt davon ab, was du als moderne Chormusik bezeichnest. John Rutter, A-Capella-Pop, Gospel? Nimm mal ein Beispiel und stell's ins Netz, dann kann man besser darüber reden.

    Harald
     
  5. musikmusik

    musikmusik Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    31.07.06
    Zuletzt hier:
    18.07.09
    Beiträge:
    120
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    10
    Erstellt: 07.06.07   #5
    Hm danke!
    Sind Bachs "Choräle" mit den Kantaten gleichzusetzten?
    Kann man die Kantaten, Choräle bei Amazon kaufen ?
     
  6. Tommok

    Tommok Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    22.11.06
    Zuletzt hier:
    31.08.16
    Beiträge:
    66
    Zustimmungen:
    5
    Kekse:
    51
    Erstellt: 08.06.07   #6
    In Bachs Kantaten kommen auch Choräle vor. Die Kantaten kann man sicher bei Amazon kaufen, da sind dann auch Choräle drin.

    Ob man Choralsammlungen bei Amazon kaufen kann, wage ich zu bezweifeln.
     
  7. iLLumination

    iLLumination Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    11.06.05
    Zuletzt hier:
    1.05.10
    Beiträge:
    124
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    335
    Erstellt: 09.06.07   #7
    kann man auch in einen chor, wenn man nicht singen kann? :confused:
     
  8. musikmusik

    musikmusik Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    31.07.06
    Zuletzt hier:
    18.07.09
    Beiträge:
    120
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    10
    Erstellt: 09.06.07   #8
    Hallo nochmal!
    Danke für die Antworten bisher, ich bin jetzt beim Doppelkontrapunkt und mehrfacher Kontrapunkt angekommen.
    Ich weiß wozu ein Doppelkontrapunkt da ist: Bringt mehr "Farbe" ins Stück durch transposition um zb. eine 10 oder 12(die häufigsten).
    Nun, korrigiert mich, wenn ich falsch liege: bei dreifachen Kontrapunkt wird gar nicht die eine Kontrapunkt stimme gedoppelt, es handelt sich hier um ein anderes Genre, und zwar darum, dass man die DREI Stimmen frei als oberste, mittlere und untere vertauschen kann... Richtig?
    Um sie frei vertauschen zu können, schaut man ob sie fähig zu einem Doppelkontrapunkt (verschiebung in Oktave, obere wird untere und umgekehrt) sind.
    Wozu ist der dreifache Kontrapunkt gut? Warum ist es gut zu wissen, dass alle drei Stimmen vertauscht werden können?
    Danke!
     
  9. kleinershredder

    kleinershredder Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    23.02.04
    Zuletzt hier:
    20.06.11
    Beiträge:
    2.569
    Ort:
    Kierspe
    Zustimmungen:
    8
    Kekse:
    698
    Erstellt: 11.06.07   #9
    nein, der dreifache kontrapunkt ist die selbe melodie, die du aber in 3 verschiedenen abständen zum cantus firmus platzieren kannst. also z.b. als kontrapunkt in der terz, in der quinte, und in der oktave
     
  10. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

    Im Board seit:
    21.05.05
    Zuletzt hier:
    4.12.16
    Beiträge:
    4.788
    Ort:
    March-Hugstetten, nächster vorort: Freiburg/Breisg
    Zustimmungen:
    3.390
    Kekse:
    43.669
    Erstellt: 11.06.07   #10
    Nochmal "nein"! 3 stimmen sind beliebig vertauschbar, ohne dass es unliebsame intervalle gibt.
     
  11. kleinershredder

    kleinershredder Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    23.02.04
    Zuletzt hier:
    20.06.11
    Beiträge:
    2.569
    Ort:
    Kierspe
    Zustimmungen:
    8
    Kekse:
    698
    Erstellt: 11.06.07   #11
    Du hast Recht. Ich habe es nochmal nachgelesen und habe festgestell, das mein Gedächnis mir da wirklich einen üblen Streich gespielt hat.
    Wenn du zwei stimmen hast und z.b. die Unterstimme sich um eine Oktave nach oben versetzen lässt, ohne, dass es unliebsame intervalle gibt handelt es sich um einen doppelten Kontrapunkt.
    Wenn diese Stimme sich jetzt z.B. aber auch noch um eine Dezime nach oben versetzen lässt, ohne, dass unliebsame Intervalle entstehen, handelt es sich immer noch um einen doppelten Kontrapunkt,der in der Prim, in der Oktav und der Dezime funktioniert.
    WEnn du z.b. 3 Stimmen hast, die sich jeweils über 5 intevalle versetzen lassen könnten (nur rein theoretisch), dann wäre das immer noch ein dreifacher Kontrapunkt.

    Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich verwirrung gestiftet haben sollte.
     
  12. musikmusik

    musikmusik Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    31.07.06
    Zuletzt hier:
    18.07.09
    Beiträge:
    120
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    10
    Erstellt: 12.06.07   #12
    Stimmt dies?
    Sobald etwas, um eine Dezime verschoben werden kann, ist es auch Oktavverschiebbar?
    Das Knackpunkt bei Oktavverschiebung ist die Umkehrung des Interval Quarte in Quinte( und anders herum), was daher Dissonanz aufwerfen kann.
    Bei Dezimenverschiebung kann man eben nur nicht parallele Terzen haben, da diese in parallele Quinten resultieren...
     
  13. kleinershredder

    kleinershredder Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    23.02.04
    Zuletzt hier:
    20.06.11
    Beiträge:
    2.569
    Ort:
    Kierspe
    Zustimmungen:
    8
    Kekse:
    698
    Erstellt: 13.06.07   #13
    Nein, so war das nicht gemeint. Wenn du etwas um eine Dezime verschieben kannst, dann heißt es nicht, dass du es automatisch um eine Oktave verschieben kannst. Ich sagte nur, wenn beides der Fall sein sollte, dann handelt es sich immer noch um einen doppelten kontrapunkt, falls es sich nur um 2 Stimmen handelt, die vertauschbar sind.
     
  14. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

    Im Board seit:
    21.05.05
    Zuletzt hier:
    4.12.16
    Beiträge:
    4.788
    Ort:
    March-Hugstetten, nächster vorort: Freiburg/Breisg
    Zustimmungen:
    3.390
    Kekse:
    43.669
    Erstellt: 15.06.07   #14
    Die dezime ist praktisch eine um eine oktave verschobene terz, ihre spiegelung eine sexte, lässt sich also beliebig vertauschen.
     
Die Seite wird geladen...