Warum will ich eigentlich Improvisieren lernen?

Jetzt bin ich ein paar Mal über den Thread-Titel gestolpert...

Ich würde ihn abändern (und dann würde er immer noch für den Thread-Starter passen):

Warum will "man" improvisieren lernen.

Der Thread-Starter mag da ja dann die für sich passenden und nicht passenden Aspekte heranziehen, wobei es aber ja gar nicht so umfangreich und kompliziert ist.

Jeder wird wohl spielen, was ihm gefällt - damit möchte ich auch gar nichts werten!

Wenn mir das, was jemand komponiert/gespielt hat, genau taugt, dann finde ich meine Freude, wenn ich das identisch nachspielen kann - wie gesagt sehe ich das weder als schlecht noch als gut an. Alles fällt unter Musik und Musizieren (auch das, was meinen Geschmack nicht trifft).

Sobald ich aber mangels Fähigkeiten oder mangels Lust am Original nicht identisch nachspiele, bin ich streng genommen schon bei einer Improvisation (kann man zwar auch z.B. Modifikation nennen, was aber an der Realität der Abweichung vom Original, z.B. auch durch partielle Substitution oder durch Einfügungen nichts ändert). Eine Improvisation besteht nicht nur aus abweichenden Tönen/Melodien, sondern kann auch im Tempo, in Schwankungen, in Betonungen u.e.m. liegen.

Halte ich mich nicht akribisch an ein Original, dann improvisiere ich also. Nun kann ich dies mehr oder weniger weit treiben. Z.B. kann ich meine temporäre Stimmung einfließen lassen und alle verfügbaren Ausdrucksmöglichkeiten einsetzen.

Woran man bei "Improvisation" wohl aber hauptsächlich denkt, ist eine bestimmte Harmonieabfolge (ja, man kann auch die Änderung einer Harmonieabfolge als Improvisation ansehen), zu der man eine spontan entstehende Melodie spielt. Aber das ist auch nichts anderes, als Abweichungen vom Original auf der Basis momentaner Stimmung.

Was aber für eine Improvisation immer gilt ist, dass sie einmalig ist. Nimmt man das bekannte Gitarrensolo von Ritchie Blackmore in Smoke on the Water auf der Made in Japan oder das ebenfalls bekannte Synthesizer-Solo von Keith Emerson am Ende von Lucky Man auf der Studioaufnahme von Pictures at an Exhibition, so entstanden diese Melodien samt jeweiligem Ausdruck als Improvisation (es wurde im Studio jeweils aus mehreren Versionen die "eingängigste" gewählt). Spielt man sie nach, dann ist es aber ja keine Improvisation mehr.

Improvisation ist für mich zum einen ein kreativer Prozess, um Neues zu schaffen, und zum anderen, um mich (life just in time) auf andere Musiker und deren Ideen einzulassen. Das war für mich die Triebfeder, warum jedenfalls ich improvisieren lernen wollte.
 
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Früher hatte ich Flötenunterricht und konnte vom Blatt spielen.
Die Noten erreichen über das Auge die Finger.
Da ist eine Richtung von A nach B zu erkennen.
Heute improvisiere ich fast ausschließlich auf verschiedenen Instrumenten.
Wie das genau funktioniert ist mir aber nicht ganz klar.
Eine ungefaire Richtung kann ich vielleicht notenähnlich steuern wie höher tiefer langsamer schneller und auch mal einzelne Töne.
Die Einzelheiten scheinen mir aber ähnlich geometrischer Muster zu sein denen die Finger schneller folgen können als der Kopf planen kann.
Da gibt es dann keine solche Richtung mehr oder nur noch in Teilen aber es funktioniert.
 
Woran man bei "Improvisation" wohl aber hauptsächlich denkt, ist eine bestimmte Harmonieabfolge

In der Klassik (zB Orgelimpro) ist es auch gern mal ein Thema, über das man improvisiert.

Vergleichbar mit Bach Präludien oder Fughetten. Da würde es keine Harmoniefolge geben, sondern man spielt das Thema in der Orig. Tonart, dann in der Dominante, dann denkt man sich etwas kontrastierendes aus, dann verarbeitet man das Thema wieder ein paar mal, geht nach Moll, Umkehrung, Krebs, Augmentation (Thema halb so schnell) und ähnliches. Nach Belieben kann man weitere Themen einführen, zB ein bekanntes Motiv, worüber sich die Leute freuen (Choral oder Filmmusik oder ...) Wenn man denkt, man ist durch, macht man bisschen Zirkus Orgelpunkt und über Subdominante Moll einen Schluss.

Es gibt da wirklich großartige Musiker, die sich vom Publikum Themen geben lassen oder auf Zuruf zwei drei Themen kombinieren.

Genauso gibts natürlich freie Impro mit Percussion oder in der Neuen Musik ohne feste Abfolgen. Ist schon ein weites Feld.

Improvisation ist für mich zum einen ein kreativer Prozess, um Neues zu schaffen, und zum anderen, um mich (life just in time) auf andere Musiker und deren Ideen einzulassen. Das war für mich die Triebfeder, warum jedenfalls ich improvisieren lernen wollte.
Schön forumuliert - das kann ich genau so unterschreiben.
 

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