Oh ja, das ist gut, sehr gut sogar, wenn ich meinen Mp3 Player anwerfe, um mir diese Ansammlung von hervorragenden und außergewöhnlichen Takes anzuhören, dann überkommt mich dieses Gefühl, welches ihr sicherlich auch kennt, wenn es euch eiskalt den Rücken hinunterkrabbelt, und euer Herz in Ekstase versetzt.
Erst ertönte der Ablaus, nanu dachte ich mir, schon bevor es anfängt ist das Publikum offensichtlich sehr begeistert, da hat es also etwas gebracht, dass die Mitglieder der heute Abend spielenden Gruppe noch ein paar Flyer an die Wände und Bushaltestellen geklebt haben und in den U-Bahnen die Passanten auf diesen Event aufmerksam gemacht haben.
Ich trete ein, ich bin schon spät dran, eigentlich wollte ich mitspielen, nur die Zeitnot hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Trotzdem ist es Ehrensache, dass ich bei der Premiere dabei bin, ich will in der ersten Reihe stehen, wie bei ARD und ZDF, nur bloß nicht sitzen, so alt bin ich noch nicht, spiele noch kein Golf, fahre nur einen. Aber ich komme vom Thema ab.
Ich kämpfe mich durch die Menge als die Band die ersten Takte spielt, die Menge bewegt sich zu einem wunderbaren Rythmus, zeigt ganz außergewöhnliche Eigenschaften für deutsches Publikum, klatscht nicht auf 1 und 3, wunderbar, they got the blues! was kann da noch schief gehen. Ich bin jetzt vielleicht 3 Meter von der Bühne entfernt, da betritt Mr 3121funk die Bühne, der Ablaus wird noch etwas heftiger, nun ist kein Durchkommen mehr, hier muss ich wohl stehen bleiben, nix mit erster Reihe, nix mit Mitten drin statt nur dabei. Aber ich bin ja mittendrin, wunderbar dieses Feeling das sich heute Abend breit macht. Ich zünde die erste Zigarette dieses Abends an, zu einem solchen Anlass gibt es nicht besseres als den Geschmack einer frischen Camel, der zarte Geschmack der Freiheit auf meiner Zunge, aber ich gleite ab.
Mr 3121Funk winkt kurz in die Menge, eine Dame wirft in Ekstase ihren roten ... na böser Jugendschutz, auf die Bühne, er bedankt sich artig und beginnt zu spielen.
Ab dem ersten Ton bin ich wie gefesselt, langsam aber immer schneller gleite ich die Straße entlang, vorbei an allen möglichen Musikern die sich die Seele aus dem Leib spielen. Nicht alle kenne ich, aber alle sind wunderbar, alles sind sie außergwöhnlich, alle schicken sie mich auf diesen wunderbaren Trip der Emotionen. Emotionen die dir nur die Musik geben kann. Ich sehe schon die ominöse Kreuzung, steht da jemand unter dem Baum?
Dann ist auf einmal stille, irgendjemand schenkt mir ein kühles Bier ein, ich sehe diesen Typen auf der Veranda seiner alten Range sitzen, der Schaukelstuhl quietsch, ein Hund liegt zu seinen Füßen und schaut aus, als ob er da schon immer gelegen hätte. Auch das Haus sieht so aus, als es da schon immer gestanden hätte, ein wenig heruntergekommen, aber mit Scharm. Und da sitzt dieser Typ auf der Veranda seiner Range, ne alte Gitarre auf den Beinen und spielt den Blues, redet mit seinem Hund, winkt mir zu ich solle doch rüberkommen. Ich rieche den Duft des kühlen Bieres, eine sanfte Abendbriese weht durch mein vollen dunkles Haar und nippe an meinem Bier.
Wie wunderbar doch so ein Trip durch die Musik sein kann, wunderbar, ich lehne mich zurück und draußen wird es wieder hell. Das Band ist durchgelaufen und der Projektor rattert. 13 wunderbare Minuten sind vorbei. Ich schaue auf die Uhr, drücke die Play Taste, ich höre Ablaus, aus der ferne sehe ich eine Staubwolke näher kommen, aja das ist Mr Foxytom, ich halte den Daumen raus, er hält an, ich steige ein:
13 Minuten!