[Kurz-Workshop] Saiten aufziehen mal anders

von SickSoul, 18.10.09.

  1. SickSoul

    SickSoul HCA - Gitarren Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 18.10.09   #1
    Servus!

    Es wird häufig die die Frage gestellt, wie man die Saiten richtig auf seine Gitarre aufzieht. Beim "richtig" fängt's dann schon: Es gibt mehrere Methoden, die alle irgendwie funktionieren. Ich möchte hier kurz "meine" Methode vorstellen, die sehr schnell geht und bei der man eine hohe Stimmstabilität erreicht, ähnlich wie bei Locking-Mechaniken. Schwerpunkt dieses Workshops ist, wie man die Saiten an der Kopfplatte fixiert und es wird ein (sehr) kurzer Überblick über die verschiedenen Brücken/Stege gegeben, mit denen diese Variante funktioniert. Ausgenommen sind klassische (Nylonsaiten-) Gitarren, sowie Gitarren mit Double-Locking-Vibratos (wie Floyd Rose etc.).

    1. Als erstes werden natürlich die alten Saiten entfernt und die Gitarre bzw. insbesondere das Griffbrett gereinigt und geölt (sofern das nötig ist). Wie man das macht, soll aber nicht Thema dieses Workshops sein und dazu findet man auch schon reichlich Anleitungen, Tipps und Tricks hier im Board. Ist die Gitarre soweit "entsaitet" werden die Mechanikenlöcher alle in längsrichtung gestellt.

    Westerngitarre Detail

    Nun fädelt man korpusseitig die erste Saite durch ihre Halterung. Wie das gemacht wird, hängt vom jeweiligen Steg ab:

    Tune-o-Matic + Stoptailpiece: Diese Brücke findet man auf den meisten Les Paul artigen Gitarren und vielen anderen. Sie besteht aus einem Saitenhalter (Stoptailpiece) und der ToM (Tune-o-Matic) Brücke mit einzelnen Saitenreitern für jede Saite. Die Saite wird von hinten durch das Stoptailpiece gefädelt und läuft von dort über die ToM richtung Kopfplatte.

    Wrap-around: Diese Brücke findet man auf vielen PRS-Gitarren sowie einigen alten SGs. Sie besteht aus einem Teil. Die Saiten werden von der Kopfplattenseite durch meist untenliegende Löcher gefädelt und dann quasi einmal um die Brücke "gewickelt" (daher Wrap-around) und dann über einzelne Saitenreiter oder - wie man es auch häufig sieht - eine kompensierte Auflagefläche richtung Kopfplatte geführt.

    String-Thrue-Body: Diese Art der Saitenbefestigung sieht man im Zusammenhang mit vielen verschiedenen Brücken. Am bekanntesten ist wohl der Zusammenhang mit ToMs oder Telestyle-Brücken. Wie der Name sagt, werden die Saiten (von hinten) durch den Korpus gefädelt und dort von Einschlaghülsen fixiert. Auf der Oberseite treten die Saiten dann entweder aus Metallhülsen aus oder in dafür vorgesehenen Löchern in der Brücke. Von dort laufen die Saiten dann über ihre Reiter und zur Kopfplatte.

    Stratstyle-Vibrato: Wie der Name sagt, findet man diese Brücke auf vielen Stratocastern bzw. deren Nachbauten. Im Grunde funktioniert die Saitenaufhängung genau wie beim STB (String-Thrue-Body) Prinzip. Der unterschied ist nur, dass man hier keine Einschlaghülsen hat, durch die die Saiten geführt werden sondern einen Metallblock mit Löchern. Ansonsten ist alles gleich.

    Westerngitarren: Auch hier verrät der Name recht einduetig, wo man diesen Steg finden kann. Der Steg einer Westerngitarre hat 6 Löcher. In diese Löcher werden die Saiten zusammen mit den Pins gesteckt und dadurch arretiert. Von dort laufen die Saiten über eine (meist) kompensierte Stegeinlage zur Kopfplatte.

    Bei Kopfplatten, auf denen die Mechaniken in einer Reihe liegen, ist es ratsam mit der Saite anzufangen, deren Mechanik am nähesten zum Sattel ist. Bei einer normalen Fender-Kopfplatte ist das also die tiefe E-Saite, bei "Reversed"-Kopfplatten ist es die hohe E-Saite. Bei Kopfplatten, deren Mechaniken in einer 3:3 (oder selten 4:2) Formation angeordnet sind, empfiehlt es sich jeweils außen anzufangen und alle Saiten auf dieser Saite nach innen gehend nacheinander aufzuziehen.
    Ich beschreibe das Vorgehen am Beispiel der tiefen E-Saite meiner Westerngitarre:

    2. Die Saite wird durch das Loch ihrer Mechanik straf (ohne große Kraft) gezogen. Nun packt man die Saite ca. 1cm hinter der Mechanik und schiebt sie durch ihr Loch zurück, sodass sie nicht mehr straff liegt: (Dieser Schritt ist nur für die umwickelten Saiten nötig. Bei blanken Saiten kann sofort mit dem nächsten Schritt fortgefahren werden.)

    Saiten aufziehen
    Besaitung Gitarre


    3. Nun wird die Saite nach innen geknickt ein halbes mal um die Mechanik geführt und unter sich selbst hindurch geführt.


    Besaitung Kopfplatte
    Akustikgitarre Kopfplatte


    4. Nun wird sie ein wenig straf gezogen (aufpassen, dass der Knick immernoch direkt am Loch der Mechanik ist) und nach oben und wieder zurück um sich selbst geführt:


    Saiten Kopfplatte Detail
    Saiten aufziehen Kopfplatte

    5. Wenn die Saite nun gestimmt wird, blockiert sie sich selbst und kann nicht mehr verrutschen:

    Kopfplatte Akustikgitarre Detail

    Wenn ale Saiten so aufgezogen sind, lassen sich die Enden natürlich noch abknipsen. Normalerweise braucht man nur 1/2 - 1 Drehung bis die Saite gestimmt ist. Während dessen sollte man die Saite am besten ein wenig vom Griffbrett und Korpus weg ziehen, damit sie sofort gedehnt wird und nicht noch lange nachgestimmt werden muss. Ich ziehe mittlerweile an all meinen Gitarren die Saiten auf diese Weise auf und habe kaum Probleme mit Stimmungsschwankungen.

    Ich hoffe, ihr könnt mit der Anleitung etwas anfangen und bei euch funktioniert diese Methode ebensogut, wie bei mir.

    Falls dieser Thread zu den Workshops verschoben/kopiert wird, dann ist hier der Link zum Ursprungsthread, in dem diskutiert und gefragt werden kann, wenn etwas unklar bleiben sollte.

    MfG
     
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  2. schwummel

    schwummel Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.10.15   #2
    Moin,
    auch wenn der folgende Anhang um Jahre zu spät kommt, so mach' ich es auch seit einem Gitarrenkauf 2006. Da lag bei einer Gibson SG dieser kleine Zettel mit in der Packung:

    Saiten aufziehen.jpg

    Alles easy und gespannt. Das Bildchen soll sozusagen die ergänzende Kurzbeschreibung zum Kopieren/Ausdrucken sein...
     
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  3. maikkez

    maikkez Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.11.15   #3
    Guter Hinweis, obwohl ich mit sowas eigentlich noch nie Probleme hatte und es eher "klassisch" mache.
    Probieren werde ich das aber die Tage, meine Klampfe will neue Saiten :)
     
  4. McSmart

    McSmart Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.08.16   #4
    Es gibt zu diesem Vorgehen auch ein Video von Elixir, das es sehr gut erklärt.
     
  5. aspenD28

    aspenD28 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 11.08.16   #5
    Ich mache das nur so und hatte nie Probleme mit der Stimmstabilität.
    Es ist einfach weniger Material was sich ausdehnen kann
     
  6. Rotor

    Rotor Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.03.17   #6
    Guter Tipp, werd ich auch mal probieren, sieht einfach aus und erscheint mir auch sehr logisch. Vor allem bei der dünnen esaite hat man ja öfter mal probleme....Habs bisher immer oldschool gemacht, saite an der nächsten abgeknipst und dann normal gewickelt..Diese Methode hier erscheint mir aber viel sinnvoller.:great:
     
  7. TE335

    TE335 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.03.17   #7
    Gerade diese Überlappen der Saiten auf dem Stimmwirbel hat mir schon so manche Saite zerrissen, weil dadurch eine Sollbruchstelle gebildet wird.
     
  8. Sebi91

    Sebi91 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.03.17   #8
    Habe ich auch lange so gemacht, bis ich die Technik vom Tech von Joe Bonamassa gesehen habe.
    Das Problem bei der hier beschriebenen ist, finde ich, dass man ewig rumknoten muss, wenn man die Saiten wieder abmachen will.

    Hier das Video vom Tech von Bonamassa, falls es sich jemand anschauen möchte ;) Finde ich noch praktischer...



    Ab 2.13
     
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  9. StrangeDinner

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    Erstellt: 14.03.17   #9
    Es hängt davon ab was machen will und muss.
    Als Gitarrentechniker hast du selten die Wahl, ich hatte schon oft genug Künstler mit Vorgaben.
    Habe jetzt auch für einen Künstler die Tourinstrumente vorbereitet, mal schauen was er sagt. Ich habe die einfachen Windungen genommen, wie ich es sonst nie mache, das war mein Kompromiss, sein Kompromiss wird der sein, dass er von mir kein Instrument erhält, bei dem die Saitenenden, 10 cm hinter der Mechanik sind und in der Luft hängen. Solche Mordwaffen schicke ich nicht raus, aber ich weiß dass er es gerne so hat.

    Wenn Künstler XY die Saiten so aufgezogen haben will wie er es kennt, dann machst du das so.
    Dann ist die Frage was du machen musst, wenn ich am Tag 30 Instrumente neu besaiten muss, wähle ich eine effektive Methode, wenn ich 3 Instrumente am Tag neu besaiten muss, wähle ich eine sichere Methode, die ich gut kenne und dann eben auch nur, wenn es mir erlaubt wird.
    Von den Leuten die hier sind, wird kaum jemand eine effektive Methode brauchen ;)
     
  10. Sebi91

    Sebi91 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.03.17   #10
    Falls das eine Antwort auf das von mir gepostete Video war: Warum sollte die nicht so sicher sein? Bis jetzt hat sich bei mir nichts bewegt...Aber jeder wie er will. Kann ja jeder mal ausprobieren. Wie gesagt ich hab davor auch die oben beschriebene gemacht und fand sie immer super. Nur das die von Bonamassa etwas praktischer beim Saiten herunternehmen ist, ob ich jetzt 30 Gitarren am Tag neu besaite oder nicht.
     
  11. StrangeDinner

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    Erstellt: 14.03.17   #11
    Geh mal auf Tour als Gitarrentechniker und berichte dann noch einmal ;)
     
  12. Rotor

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    Erstellt: 15.03.17   #12
    sieht einfach aus :-)
     
  13. Mike3000

    Mike3000 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.03.17   #13
    ICh zeihe meine Saiten auf Elektro, Western und Bass seit zwei Jahrzehnten ohne Schlinge auf. Okay, die dünnen Saiten rutschen auf den ersten Dregungfen nach, aber dann bleibt alles super stimmstabil, und ide Saiten halten über ein JAhr :D .
     
  14. dschuller

    dschuller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.03.17 um 13:52 Uhr   #14
    Steward McDonald hat mehrere gute Bücher zum Thema Gitarreneinstellung und -pflege geschrieben.
    Da geht's auch ausführlich um den Saitenwechsel.
     
  15. Toxxi

    Toxxi Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.03.17 um 09:07 Uhr   #15
    Danke für die Anleitung. Dazu eine Frage:

    In vielen anderen Anleitungen steht, dass man niemals alle Saiten gleichzeitig entfernen soll, sondern immer eine Saite entfernen und gleich eine neue aufziehen, erst danach mit der nächsten weitermachen. Ansonsten verändert sich wohl die Halsspannung zu stark.

    Was ist an dieser Aussage dran? :confused:
     
  16. Mike3000

    Mike3000 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.03.17 um 08:25 Uhr   #16
    Auch das mache ich nicht so - ich nehme durchaus alle Saiten ab, weil sich dann schließlich das Grifffbrett besser reinigen und ölen lässt. So lasse ich die Gitarre allerdings nicht länger stehen/liegen. Nach spätestens einer STunde sind die neuen Saiten drauf.
     
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