Latenz im Live-Einsatz

von Drummer Ziesi, 10.08.08.

  1. Drummer Ziesi

    Drummer Ziesi Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.08.08   #1
    Hallo PA-Gemeinde,

    ich komm eigentlich, wie mein Nick schon sagt, aus der Drumecke, interessiere mich aber doch sehr für PA, Beschallung und Co.

    Nun macht ja die digitale Audiotechnik nicht vor live eingesetztem Equipment halt. Digitale Multicores und Mischer revolutionieren geradezu den Markt. Statt eines armdicken Multicores reicht nun ein Lan-Cat6-Kabel, dünner als ein Kaltgeräte Stromkabel. An der Stelle des meterhohen Sideracks steht mit einem Digitalmischpult jetzt vlt noch ein weiteres alkoholfreies Weißbier :-)D).

    Aber damit erzähl ich euch ja nichts Neues. Was mich als Musiker nun aber interessiert: Die ganze Digitalrevolution ist ja nun zwangsweise mit Latent verbunden. Im Yamaha-Katalog zur neusten Digitalmischer-Generation: "Latency: less than 2,5ms". Gut, 2,5ms ist nun keine wirkliche Zeit, aber wenn ich mir nun dazu noch eine Roland RSSnake vorstelle, also ein digitales Multicore, ebenfalls mit einer Latenz von meinetwegen 3ms, ergibt das für Signalhinweg zum FoH schon 5,5ms. Wenn ich das ganze nun als Monitorsignal 8,5ms später bekomme als es wirklich passiert (Rückweg Multicore nochmal +3ms), ich würde ja blöd werden wenn ich alles 8,5ms später zu hören bekomme als es passiert, zB ein Bassdrumschlag, den ich mir auf meinen Monitor geben lasse.

    Was habt ihr für Erfahrungen mit Latenz im Livebetrieb? Ab welcher Latenzzeit wird es spürbar/nervig auf der Bühne für die Musiker? Oder auch für die Zuschauer, wenn sie alles was sie auf der Bühne versetzt zu hören bekommen? Oder ist Latenz unter X ms nicht spürbar, da die Schallgeschwindigkeit ja ohnehin nicht die schnellste ist?

    Würd mich über Erfahrungen und Feedback sehr freuen,

    Gruß, Ziesi.
     
  2. livebox

    livebox Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 11.08.08   #2
    Ich hab keine genauen Werte, würde aber schätzen, dass man selbst im Studio unter 10ms nur schwer was zu hören bekommt. Bei der Anwendung des Haas-Effektes auf Delay Lines hat man einen Spielraum von etwa 10-30 ms. Wenn du also unter den oben zitierten 35 ms bleibst, kannst du zwar die Verzögerung hören - dein Ohr nimmt sie als solche aber nicht wirklich wahr. Es verändert sich "nur" der räumliche Eindruck.

    Aber du siehst - schon die aktuelle Digital-Technik liegt in einem Bereich, der völlig unkritisch ist.

    Erfahrungen im Bereich digitale Latenzen hab ich jetzt nicht sooo viele - ich arbeite nur mit einem Digi-Pult, nicht mit Digi-Cores. Streng genommen hast du ja auch bei E-Pianos eine digitale Latenz vom Anschlag bis zur Klang-Ausgabe... und wie schon angesprochen, gewünschte "Latenzen" hat man bei den Delay Lines.

    MfG, livebox
     
  3. chris_kah

    chris_kah HCA PA- und E-Technik HCA

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    Erstellt: 15.08.08   #3
    Die Verzögerungszeiten beim Abhören über Monitor sind völlig unkritisch, solange sie sich im Rahmen um kleiner 20 - 30 ms bewegen (oder siehe auch Beitrag von Livebox). 50 - 100 ms hört man dagegen sehr wohl.
    Kritisch wird es, wenn jemand einen Monitormix mit direktem Signal (vom eigenen Instrument) und verzögertem Signal (Monitor bzw. Aux vom Pult) erstellen will. Dann entsteht durch die Latenz ein Kammfiltereffekt. Der wird beispielsweise beim bekannten Chorus Effekt verwendet und dabei die Verzögerungszeit langsam moduliert (hin und her).
    Manche Hersteller weisen auch darauf hin z.B. http://www.tc-helicon.com/media/VSM-300_XT_DE.pdf Seite 14.

    Gruß
    Christoph
     
  4. mix4munich

    mix4munich Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 17.08.08   #4
    Hmm, die Schallgeschwindigkeit beträgt bei 20 Grad Celsius in Luft 343m/s (siehe Wikipedia). D.h., der Schall braucht für einen Meter ca. 3 Millisekunden. Wenn ich also 3m von meinem Amp entfernt stehe, habe ich schon eine Verzögerung von fast 10 Millisekunden, bei 6m fast 20 Millisekunden - ich bemerke davon nicht das mindeste beim Spielen. Kleine Anmerkung: Wir hatten bis vor kurzem noch einen sehr großen Proberaum, jetzt wird er renoviert und umgebaut, aus zwei riesengroßen werden sechs mittelgroße Proberäume gemacht.

    Viele Grüße
    Jo
     
  5. Campfire

    Campfire Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.08.08   #5
    also 10 m abstand (also auch die entsprechende Latenz) höre ich deutlich, da könnte ich nicht mehr sauber spielen, so 5-7m sind OK......
     
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