REVIEW LD Systems MEI 1000 G2 In-Ear Monitoring System

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Einleitung

Drahtloses In-Ear Monitoring (IEM) kann helfen, die Lautstärke auf der Bühne zu reduzieren und die individuellen Monitoring-Anforderungen des einzelnen Musikers besser zu erfüllen. Während bis vor einigen Jahren brauchbare Systeme aufgrund des Anschaffungspreises für Hobbymusiker außer Reichweite waren, gibt es inzwischen auch einige IEM-Anlagen für den schmalen Geldbeutel. Eines davon ist das

LD Systems MEI 1000 G2


(Herstellerlink)

Mein erster Kontakt mit IEM fand vor etwa 10 Jahren statt - damals mit einem LowBudget-System, das aufgrund mehrerer Faktoren (umständliche Bedienung, schlechte Übertragungsqualität, kurze Batterielaufzeit) schon bald wieder auf dem Gebrauchtmarkt veräußert wurde. Insofern war ich gespannt darauf, ob das MEI 1000 G2 gerade diese Punkte erfüllen würde.


Lieferumfang

Das LD Systems MEI 1000 G2 kommt in einem stabilen Kunststoffkoffer mit Formeinlagen daher - ideal zum Transport, wenn man es nicht in einem Rack einbauen möchte.

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Enthalten sind darin der Sender mit zugehörigem Schaltnetzteil. Eine Rackblende inkl. Aussparung und Anschlusskabel für die Antenne liegt bei, so dass der Sender problemlos in einem Standard-19"-Rack sein Zuhause finden kann.
Für den Bodypack-Empfänger liegen 2 Mignon- (AA-) Batterien liegen bei, um das System direkt in Betrieb nehmen zu können.

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Ein kleines Reißverschlusstäschen beherbergt die letzte Komponente des Systeme - die Ohrhörer. Wie bei gängigen (HiFi-) InEars gibt es wechselbare Ohrpassstücke aus Silikon in 3 Größen, mit denen man zumindest am Anfang prima auskommen kann.

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Natürlich spricht nichts dagegen, beliebige andere (speziell angefertigte) Ohrhörer mit 3,5-mm-Klinkenstecker zu verwenden.
Ein ausführliches mehrsprachiges Benutzerhandbuch rundet den Lieferumfang ab.



Features und technische Daten

Das Funksystem besitzt einstellbare Trägerfrequenzen im UHF-Bereich zwischen 823 und 865 MHz. Dort befinden sich die in Deutschland anmelde- und gebührenfrei nutzbaren Teilbänder 823 - 832 MHz (LTE-Duplexlücke) und 863 - 865 MHz (ISM-Band), so dass bis zu 8 voneinander unabhängige Funkanlagen (Funkmikros und drahtlose IEM-Systeme) störungsfrei parallel betrieben werden können. Dies sollte für Hobbymusiker und kleine Bands ausreichend sein.

Sender

Der Sender MEI 1000 T besteht aus stabilem Stahlblech im Format 1 HE/9,5" und besitzt 4 rutschfeste Gummifüße und eine abnehmbare TNC-Antenne auf der Rückseite. Dem Signalweg folgenden beginnen wir die Beschreibung des Senders zunächst von der Rückseite aus.

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Hier finden wir neben der Buchse für das Netzteil (leider ohne Öse für die Zugentlastung bzw. Fixierung des Netzkabels) zwei kombinierte XLR/Klinken-Anschlussbuchsen zur Zuführung des Signals/der Signale (dazu später mehr). Mit Hilfe eines Umschalters lässt sich die Eingangsempfindlichkeit um 12 dB abschwächen und somit an den Output-Pegel eines vorgeschalteten Mischpults o. ä. anpassen. Ganz rechts befindet sich der bereits oben erwähne TNC-Antennenanschluss.
Die Vorderseite wird dominiert vom großen beleuchteten LCD-Display, dass den Betriebszustand anzeigt und mit Hilfe von drei Tastern zur Konfiguration des Systems dient.

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Aktiviert wird der Sender durch einen Druckschalter ganz rechts.
Links neben dem Display befindet sich das Poti zum Einstellen des Input-Gains, noch weiter links eine 6,35-mm-Stereoklinkenbuchse zum Anschluss eines Kopfhörers sowie der zugehörige Pegelsteller.

Empfänger

Das Kunststoffgehäuse des Bodypack-Empfängers MEI 1000 BPR wirkt leider arg billig, scheint aber einigermaßen roadtauglich zu sein. Zumindest sorgt die leichte Gummierung für eine angenehme griffige Haptik.

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Die Antenne auf der Oberseite ist sehr flexibel, so dass sie nicht brechen kann. Daneben befindet sich die Kopfhörerbuchse (Miniklinke). Der große ebenfalls gummierte Drehknopf dient gleichzeitig als An-/Ausschalter und zur Lautstärkeeinstellung.

Auf der Rückseite befinden sich neben dem abnehmbaren Gürtelclip aus Metalldraht zwei Ladekontakte, die allerdings im Handbuch nicht erwähnt werden, und auch auf der Internetseite des Produkts findet man keine Infos zu einem eventuell zugehörigen Ladegerät :nix:.

Die Vorderseite wird dominiert von einem in dezentem Orange hintergrundbeleuchteten LCD-Display zur Anzeige des Betriebszustands bzw. diverser Einstellungen.
Darunter befinden sich zwei Taster "Pfeil nach oben" und "Pfeil nach unten". Rechts neben dem Display signalisieren zwei kleine LEDs das Anliegen eines Funk-Trägersignals (RF) und einen niedrigen Batterieladezustand (Low Batt).
Der Batteriefachdeckel ist fest mit dem restlichen Gehäuse verbunden und deshalb unverlierbar.

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Neben zwei Schächten für die beiden (Mignon-) AA-Batterien bzw. -Akkus befinden sich dort gut geschützt zwei Taster, die zur Konfiguration dienen und im laufenden Betrieb normalerweise nicht benötigt werden: ESC und SET.


Inbetriebnahme/Konfiguration und Praxistest

Systemeinstellung, Betriebsmodi

Ab Werk sind Sender und Empfänger bereits auf die selbe Funkfrequenz eingestellt, so dass das System direkt einsatzfähig ist. Selbstverständlich kann die Trägerfrequenz aber auch variiert werden, um "Störfeuer" durch andere Funkanlagen aus dem Weg zu gehen. Hierzu stehen 8 Frequenzgruppen mit jeweils 12 Kanälen zur Verfügung, d. h. 96 unterschiedliche Frequenzen, von denen bis zu 5 gleichzeitig störungsfrei betrieben werden können. Möchte man mehrere LD Systems MEI 1000 G2 simultan unabhängig voneinander verwenden, sollten alle verwendeten Systeme auf die gleiche Frequenzgruppe, aber auf unterschiedliche Kanälen eingestellt werden.

Die grundsätzliche Betriebsart, d. h. die Art, wie das zugeführte Signal übertragen und am Taschenempfänger wiedergegeben wird, über "Mode" am Sender festgelegt: Mono (d. h. nur das an "Input Right" anliegende Signal wird übertragen - umgekehrt als gewohnt) oder Stereo ("Input Left" und "Input Right" werden zum Bodypack gefunkt).

Mono bedeutet hierbei, dass das Signal auf beide Seiten des InEar-Hörers verteilt wird. Eine Panorama/Balance-Funktion (d. h. die Möglichkeit, links oder rechts lauter/leiser stellen) ist über die "Pfeil nach oben"- bzw. "Pfeil nach unten"-Taster am Taschensender gegeben, und die jeweilige Einstellung lässt sich auf dem Display des Empfängers ablesen (31 Stufen im Hexadezimalsystem: -F, ... -1, 0, 1, ... F).

Stereo beinhaltet sowohl die "übliche" Stereo-Wiedergabe als auch den sog. "Focus Mode" ("Dual Mono"). Dieser ermöglicht die Beeinflussung der Wiedergabe-Verhältnisse direkt am Bodypack und wird daher auch am Empfänger über "SET" aktiviert. Die Idee hinter dem Focus Mode ist, sowohl die Pultsumme (oder einen speziellen Gruppenmix) als auch sein eigenes Instrumenten-/Gesangssignal zu funken und die Abstimmung zwischen diesen beiden Signalen selbst vorzunehmen, um seinen persönlichen "Wohlfühl-Mix" zur Verfügung zu haben. Dies erleichtert insbesondere bei mehreren IEM-Nutzern in der Band die Handhabung und spart Aux-Wege/Mixe am Mischpult.
Wie funktioniert das in der Praxis? Jedes Bandmitglied erhält den selben Summenmix als gemeinsames Signal über einen der beiden Sender-Eingänge und sein eigenes Signal (Direct Out oder Aux-Weg) über den anderen Sender-Eingang. Im Empfänger wird aus beiden Signalen eine Monosumme erzeugt, jedoch lässt sich individuell das Lautstärkeverhältnis zwischen beiden Signalen bestimmen.
Um das Mono-Signal des rechten Eingangs in den Hintergrund zu bringen, drückt man die Taste "Pfeil nach oben" (Display-Anzeige FOC 1, ..., F) - um das Mono-Signal des linken Eingangs in den Hintergrund zu bringen, die Taste "Pfeil nach unten" (Display FOC -1, ..., -F). Bei "FOC -0-" werden die beiden Signale des Senders im selben Lautstärkeverhältnis wiedergegeben.

Des weiteren lassen sich am Empfänger ein Equalizer sowie ein Limiter zuschalten. Ersterer hebt die Höhenwiedergabe bei ca. 10 kHz um 6 dB an, letzterer begrenzt Pegelspitzen, um das Gehör zu schützen.

Sowohl Sender als auch Empfänger lassen sich gegen unbeabsichtigte Bedienung sperren ("LOCK SELECT" bzw. Schloss-Symbol).


Live-Einsatz, Fazit

Wer bisher ausschließlich mit konventionellem Monitoring gearbeitet hat, sollte eine Phase der Eingewöhnung nach dem Umstieg auf IEM einkalkulieren. Das Hörgefühl ist definitiv ein anderes - die meisten könnten es als "steril" bezeichnen, was an der teilweisen Dämpfung anderer Bühnen- und Publikumsgeräusche hängen mag. Die Abhilfe heißt "Atmo-Mikro" (ein Mikro oder mehrere Mikros, die diese "Umgebungsgeräusche" auffangen, um sie dem IEM-Mix zumischen zu können). Insgesamt kann durch konsequenten IEM-Einsatz die Bühnenlautstärke deutlich reduziert werden, was das Musiker-Gehör schont, sofern man es mit dem individuellen IEM.Pegel nicht übertreibt.

Rein technisch funktioniert das MEI 1000 G2 jedoch problemlos, da es nach der Konfiguration (s. o.) weitestgehend "Plug and Play" verwendet werden kann, sofern dem Sender ein brauchbares Signal (d. h. nicht zu leise, aber auch nicht übersteuert) zugeführt wird.
Die Funkübertragung erfolgt störungsfrei und zuverlässig. Etwas unschön ist der laute Ausschalt-Knacks des Senders, der mit übertragen wird :bad:. Etwa ab halbem Maximalpegel fängt das wiedergegebene Signal leicht an zu rauschen - allerdings nur, wenn absolut kein Nutzpegel anliegt.
Die mitgelieferten Ohrhörer würde ich persönlich als nicht besonders hochwertig bezeichnen. Der Klang ist sehr flach und wird bei höheren Pegeln schnell plärrig. Wer langfristig und endgültig mit IEM arbeiten möchte, wird nicht umhinkommen, auf bessere und/oder individuell angepasste Hörer umzusteigen.
Das Bodypack schlägt sich hinsichtlich Robustheit und Bedienung im Live-Einsatz tatsächlich besser als erwartet. Auch wenn Potis als Pegelsteller gegenüber Tastern immer im Nachteil sind, ist der Volume-Regler schwergängig genug, um nicht versehentlich verstellt zu werden, sofern nicht allzu wilde akrobatische Einlagen auf der Bühne vollführt werden ;).
Der Hersteller gibt eine Batterielaufzeit von > 12 Stunden bei frischen Batterien an. In der Praxis wird dieser Wert nicht immer erreicht. Aber auch Akku-Fans (wie ich) brauchen keine Angst zu haben: Mit wiederaufladbaren Zellen entsprechender Qualität hält das Bodypack einen mehrstündigen Gig problemlos durch.

Insgesamt gibt das LD Systems MEI 1000 G2 angesichts des geringen Anschaffungspreises eine sehr gute Figur ab und eignet sich gut für den IEM-Einsteiger, und kann, nach Anschaffung besserer Ohrhörer, durchaus ein langjähriger Begleiter auf der Bühne werden.

Vielen Dank an @Martin Hofmann und LD Systems (mein MEI 1000 G2 war die Belohnung für ein anderes Review :)) :hail:.
 
Grund: Bilder aus Album verlinkt
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Danke Wil und meinen Glückwunsch :)
Kannst du noch was zum Rauschverhalten sagen?

Ich hatte mal das kleinere 100er System in Benutzung - und da war das schon deutlich hörbar....
 
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Hallo Harry,

siehe Abschnitt "Live-Einsatz" - oder was möchtest Du darüber hinaus noch wissen?
 
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Du meinst damit dass es nicht störend ist?
 
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Hallo Harry,

wie gesagt, sobald Nutzpegel anliegt, nimmt man das leichte Rauschen nicht mehr wahr. Und in längeren Spielpausen schaltet man das Bodypack i. d. R. ohnehin aus bzw. nimmt die Hörer heraus. Mich stört's deshalb nicht.
Das ist aber sicher einer der Hauptunterschiede zu den besseren/teureren IEM-Systemen.
 
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Super, danke für das kurze Review... Ich bin auch dabei mir dieses In Ears zu holen und wollte ein kurzes Review haben, was ich hier bekommen habe! :) Werden das System wohl mit 2-3 zusätzlichen Sendern kaufen!
 
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Kannst du auch etwas zum Rauschen bzw. Klangqualität bei der Verwendung im Stereo-Modus sagen (für mich als Keyboarder wichtig...). Ich hatte mal ein früheres Gerät und das war leider überhaupt nicht brauchbar in diesem Modus.
 
Wil_Riker

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Hallo mibo1982,

zum Rauschen habe ich doch schon ausführlich etwas geschrieben - auch auf Nachfrage von Harry. Oder was möchtest Du darüber hinaus noch wissen? Zum Stereo Modus gibt's nichts weiter zu sagen, als dass er das tut, was er soll ;).
 
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Danke Wil und meinen Glückwunsch :)
Kannst du noch was zum Rauschverhalten sagen?

Ich hatte mal das kleinere 100er System in Benutzung - und da war das schon deutlich hörbar....
Das MEI 1000 rauscht durchaus auch mit Nutzsignal. Und zwar so, dass man es auch als störend empfinden kann. Es wird immer dann kriminell, wenn das Nutzsignal nicht im Frequenzbereich des Rauschens liegt. Das ist einfach festzustellen: Gute InEar-Hörer (nicht die mitgelieferten!) und dann einfach mal nur Bass spielen. Der Ton wird durch ein lästiges schschschsch überlagert, der mir als Bassisten ein wenig den Spass verdirbt.

Aber gut: In der Regel deckt der Band-Sound das Rauschen zu und für das kleine Geld ist das LD schon ok. Wer jedoch kompromisslosen Spass mit IE haben möchte, der muss schon deutlich mehr Geld in die Hand nehmen.
 
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