Marshall 2550 und Diodenclipping

von Ralfou, 03.08.16.

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  1. Ralfou

    Ralfou Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.08.16   #1
    Hallo zusammen,

    habe meinen 2550 Silver Jubilee seit knapp 30 Jahren (Erstbesitzer), mich aber nie besonders für dessen Innenleben interessiert. Für mich war das immer eine Vollröhre, und Punkt. Nun interessiere ich mich, nach langer Gitarrenabstinenz, auch für die Hintergründe der Materie, und bin darüber gestolpert, dass in meiner Vorstufe Diodenclipping eingebaut ist. Scheint ja grundsätzlich nicht schlimm zu sein, gerade beim 2550 scheinen selbst einige Puristen ein Auge zuzudrücken. Trotzdem interessiert mich brennend, was es damit auf sich hat, und ich habe auf Deutsch keine erschöpfenden Informationen gefunden. Hier meine Fragen deshalb in die Runde, vielleicht findet sich ja der eine oder andere, der sie mir beantworten kann:

    1. Wie funktioniert Diodenclipping allgemein in einem Verstärker? Wofür ist es da? Ich habe zwar verstanden, dass es die Verzerrung anhebt, ähnlich wie ein entsprechendes Effektgerät, aber wie funktioniert es genau, und hat es Vor- und/oder Nachteile gegenüber entsprechenden Bodentreter?
    2. Wie ist das DC speziell im 2550 eingebaut, und welchen Effekt erzielt es hier durch seine Bauart?
    3. Wie wird es ein- und ausgeschaltet? Bei niedrigem Gain scheint es ja nicht zu wirken, muss ja irgendwie dynamisch sein. Oder kommt es nur im Lead-Kanal zum Einsatz, und dann permanent?
    4. Kann man trotzdem einen TS (bin gerade über den TS808fx gestolpert, den werde ich mal antesten) oder so vor den Verstärker klemmen, oder beißt sich das?
    5. By the way: Wie funktionert eigentlich der Crunch-Schalter beim 2550? Wird einfach das Gain angehoben, oder ist das auch eine "transistorartige" Simulation?
    Danke für die Antworten und beste Grüße,
    Ralfou
     
  2. crazy-iwan

    crazy-iwan Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 03.08.16   #2
    Moin,

    Diodenclipping ist im Prinzip das gleiche wie einen TS davor zu schalten: Transistorzerre.
    Das gibt erstmal keine Aussage über Klang, Dynamik oder Spielgefühl.
    Marshall hat das früher gerne verwendet, um mehr Verzerrung rauszuholen, mittlerweile werden stärkere Zerrstufen bei teureren Amps eher durch weitere Röhrenzerrstufen umgesetzt.

    Das Ganze kann man auf jeden Fall mit einem TS anblasen. Im allerschlimmsten Falle würde es zum Clipping kommen, das würdest Du aber hören - oder es würde einfach schlecht klingen.
     
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  3. Ralfou

    Ralfou Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.08.16   #3
    Danke für die Antwort! Gehe ich recht in der Annahme, dass das DC nur im Crunch-clean-Modus und im Lead-Modus zum Einsatz kommt? Oder nur im Lead?
     
  4. Iced_tea

    Iced_tea Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.08.16   #4
    Beim Jubilee werden zwei verschiedene Clippings genutzt: Im Lead kommt ein unsymmetrisches Clipping zum Einsatz, im Crunch Modus ein symmetrisches Clipping.
     
  5. DerThorsten

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    Erstellt: 09.08.16   #5
    Das ist ja so flasch wie es eben geht.

    Beim TS sind die Dioden im Feedback eines Operationsverstärkers geschaltet. Man spricht von soft clipping. Ich habe nicht nachgesehen, möchte aber wetten, dass beim Marshall die Dioden gegen Masse geschaltet sind, was man "hard clipping" nennt. Da Signal verlohren geht, und um den Ein-/und oder Ausgang zu Buffern sind oft Transistoren in entsprechenden Bodentretern verbaut, es können aber auch Opamps oder Röhren sein.

    Zu 1) Eine Diode hat eine konstante Schwellspannung (von Diode zu Diode unterschiedlich). Wird diese überschritten leitet die Diode. Damit kann man die Spitzen des Gitarrensignals "abschneiden".
    [​IMG]

    Zu 4) Na klar. Ein TS färbt das Signal, dünnt Bässe aus, kompremiert, boostet und zerrt selbst. Einfach mal vor den Amp hängen und an allen Knöpfen drehen.
     
  6. crazy-iwan

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    Erstellt: 09.08.16   #6
    Ist das jetzt bei einem von beiden nicht Transistorzerre? :nix:
     
  7. DerThorsten

    DerThorsten Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.08.16   #7
    Nein, wenn ein Transistor mit einem Gitarrensignal überfahren wird, stärker als er es verarbeiten könnte, außerhalb des Wirkungsbereiches, dann ist das Transistorzerre.
     
  8. crazy-iwan

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    Erstellt: 09.08.16   #8
    und wie nennst Du das andere?
     
  9. DerThorsten

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    Erstellt: 09.08.16   #9
    Diodenclipping?! Unterschieden in Soft-, Hard-, symmetrisch, unsymetrisch und crossover Clipping. Und DAS Andere ist ja auch wieder so eine Sache, es gibt ja noch weitere Arten, allen voran natürlich der gute alte Röhrenamp.
     
  10. crazy-iwan

    crazy-iwan Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 09.08.16   #10
    Dioden sind doch Transistoren, Clipping ist Verzerrung... also ist beides nach wie vor Transistorzerre?
     
  11. DerThorsten

    DerThorsten Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.08.16   #11
    :bang:

    Da fällt mir nichts mehr ein.
     
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  12. crazy-iwan

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    Erstellt: 09.08.16   #12
    Vielleicht könntest Dus jemandem, der nicht in der Materie ist, auch einfach erklären statt sich aufzuspielen...
     
  13. bluesfreak

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    Erstellt: 09.08.16   #13
    So unterschiedlich sind die Signalverläufe zwischen clippenden Dioden und clippenden Transistoren nicht, beides kappt die Spitze. Allerdings transformiert ein wirklich stark clippenden Transistor den Signal am Schluss fast rechteckig und immer symmetrisch (sofern die Ansteuerung korrekt ausgelegt wurde).....
     
  14. DerThorsten

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    Erstellt: 09.08.16   #14
    Ich habe keine Lust die niedrigsten elektronischen Grundlagen zu vermitteln. Es gibt genug quellen, von Google über Wikipedia bis zum Elektronik Kompendium.
     
  15. bluesfreak

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    Erstellt: 09.08.16   #15
    Ohne jetzt zu tief einzusteigen mal prinzipiell gesagt:
    Dioden arbeiten wie Rückschlagventile, Strom geht in eine Richtung durch, in die andere nicht. Ein bisschen Verlust tritt dabei auch auf und es muss ein gewisser Wert an Spannung überschritten werden um den Durchfluss zu ermöglichen, bei Si sind das da .7V. Drum benötigt man für eine symmetrische Signallimitierung immer zwei gegensätzlich geschaltete Dioden.
    Ein Transistor arbeitet hingegen wie ein Wasserhahn, es reicht eine kleine Spannung (oder beim Beispiel Wasserhahn Bewegung) um einen größeren Fluss zu erzeugen => Prinzip der Verstärkung. Allerdings treten da auch Limitierungen auf, zB wenn der Transistor schon voll ausgesteuert ist kommt einfach nicht mehr auch wenn man noch zusätzlich Signal reinschiebt. Dadurch tritt eben auch dieser "Abschneideeffekt" an den Signalspitzen auf... verstanden?
    --- Beiträge zusammengefasst, 09.08.16 ---
    Und es wäre eine nette Geste gewesen diese Quellen hier zB zu verlinken. So bleibt diese Posting nur eine patzige Antwort die ggf. wiederum andere patzige Gegenantworten triggert => das liegt nicht im Sinne dieses Forums...
     
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  16. DerThorsten

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    Erstellt: 09.08.16   #16
    zur Kenntnis genommen.
     
  17. crazy-iwan

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    Erstellt: 09.08.16   #17
    Sehr schön erklärt, dankeschön! :great:
     
  18. bluesfreak

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    Erstellt: 09.08.16   #18
    Danke für die Blumen aber Nee..das ginge noch besser aber erstens ist es mühsam am Handy dass alles einzutippen und zweitens fehlte mir ein bisschen die Zeit ... Sorry...
     
  19. Telefunky

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    Erstellt: 09.08.16   #19
    bei den 'billigen' Halbleitern findet sich oft ein abwertender Unterton zwischen den Zeilen der Kommentare...
    Tatsächlich lässt sich auf Basis von schlichten Dioden ausgesprochen hochwertige Kompression/Limiting realisieren. Das U373 Modul (iirc) ist so ein Vertreter und geht gern mal für knapp 400€ über den online Treesen, so es denn auftaucht...
    Ein Ampeg SVT hätte ohne die beiden Dioden (und das induktive Mittenfilter) im Signalweg sicher nicht den Charakter, der nur zu gern als 'Vollröhre' klassifiziert wird ;)

    cheers, Tom
     
  20. Clipfishcarsten

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    Erstellt: 09.08.16   #20
    Da muss man gar nicht so weit in der Nostalgiekiste kramen ;). Vor nicht einmal 10 Jahren wurden der Marshall JVM und der H&K Switchblade ja als "the next big thing" angespriesen was flexible 4-Kanaler-Vollröhrenamps mit MIDI angeht. Was manche nicht wissen ist z.b. dass der Switchblade keine einzige Röhre zur Verzerrung nutzt (eine für FX-Loop, eine für den PI) und trotzdem massenweise verkauft sowie top bewertet wurde. Ist auch immernoch ein klasse Amp. Merkt aber kaum einer dass der eigentlich in der Vorstufe nix hat was nach Röhre klingen könnte :o.
     
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