Maske singen, stimmt die Technik so?(Unterkiefer/Resonanzräume)?

von Problemfall, 18.12.16.

  1. Problemfall

    Problemfall Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.12.16   #1
    Hallo,

    ich brauche mal bitte ein paar Ideen. Es folgt nun ein größerer Text aber bin dankbar für jeden der sich die Zeit nimmt und hilft.
    Hatte ja schon das grübeln ob ich nicht stützen kann, ich glaube nun aber doch das ich auch einer deren Personen bin die es nicht hinbekommen den Ton "vorne" anzusetzen.
    Somit kann ich mit der Atemmuskulatur pressen / Spannung erzeugen wie ich will, der Ton kommt dann immer hinten aus dem Rachenraum und das hört sich sehr unnatürlich an, als auch alles sehr kräftig und energisch / forciert.

    Habe da mit meiner Gesangslehrerin uns letzte Stunde nochmals beschäftigt, sie sagt die meisten Schüler singen von Grund auf vorne an, ich und 2 andere Schüler teilen uns das Problem und sie tue sich schwer uns das zu lehren wie man den Stimmsitz korregiert.
    Ich muss auch dazu sagen das wundert mich nicht ich hab ne sehr künstlich vertiefte Stimme "erworben" weil ich nach dem Stimmbruch als Junge noch so eine hohe Stimme hatte und das gefiel mir gar nicht. Daher habe ich automatisch immer meinen Kehlkopf beim sprechen abgesenkt sodass es halt tiefer klingt. Jetzt 12 Jahre später ist das wahrscheinlich so "blockiert" das ich gar nicht mehr weiss wie man "vorne spricht" oder was natürlich für mich wäre.

    Sie bat mich dann mit meinen Händen zu fühlen und mit den Augen zu registrieren was bei mir passiert:
    Sie sagte dann: Raum machen, ich soll herzhaft aus dem Bauch lachen und im Spiegel schauen das ich meine oberen hinteren Backenzähne sehe. Habe das getan und habe gemerkt wie extrem hoch und hell der Ton geworden ist.
    Es fühlt sich auch an als ob links und rechts hinter den letzten Backenzähnen sich der Gaumen irgendwie dehnt oder so leicht anspannt?? Stimmt das so? Also wenn ich meine Hände auf die Kieferknochen lege dann schieben die Sich nach vorne runter und der Raum dahinter wird größer??
    Sie meinte das ist wichtig, damit man am Gaumen entlang singen würde??

    Haben dann versucht in dieser Physik etwas zu singen und es gelang so lala. Es gab so Momente da klang es für meine Gesangslehrerin sehr gut und so Momente da war der Ton wieder irgendwo vom Sitz zwischen Zähne und Rachen.
    Ich hab immer versucht herauszufinden woran es liegt bzw. was ich dann falsch gemacht habe aber so wirklich verstanden habe ich das alles nicht. (Vielleicht am Unterkiefer, Spannung / Druck im Nacken)
    Aber es war erstaunlich wieviel Kontrolle ich über meinen Atem und den Ton hatte, sowas kannte ich vorher noch gar nicht. Auch wie einfach es war von Brust- in die Kopftstimme zu kommen. Ist Maskengesang die Mittelstimme?!
    (Auf der anderen Seite sehr seltsam weil der Tonklang "vorne" klang halt sehr hoch, weich, leicht und leiser als im Vergleich zum Kehlkopfgesang vorher. Sie sagt ich hätte eine hohe leichte-lyrische Männer-Stimme und die käme dann hier besonders zu Geltung.
    Kann man das irgendwie "verkräftigen" so dass es nicht wie ein winzelnder Junge sich anhört? Die hohen Töne vom G`bis F" klangen ähnlich wie Falsetto nur geerdeter / gerundeter.) Oder kommt das mit der Zeit dann?

    Und wie läuft das mit dem Unterkiefer? Meine GL sagte man muss mit Biss singen, so wie wenn man sich erstaunt und sehr freut schon beim Einatmen, und dann daran denken frontal in einer Linie nach vorne zu singen.
    Tiefe und Hohe Töne nur noch mit dem Atem und der Intensität am Zwerchfell regulieren. Also mal davon abgesehn das es sehr ungewohnt ist die ganze Zeit so energisch zu lächeln, ist auch die Position vom Unterkiefer sehr befremdlich. Es fühlt sich an als würde er gefühlslos nach unten vorne hängen. (Fischgesicht lach) (Kennt ihr diese Hollywood-Filme wo dann Menschen wenn sie erstaunt sind den Unterkiefer so fallen lassen, so ähnlich sieht das aus :D)
    Einen Ton mit entspannten Unterkiefer zu singen geht aber wie Phrasiert man damit? ich muss doch den Mund bewegen um Vokale zu bilden und die Wörter deutlich zu sprechen? Hab das jetzt mal ohne "Fokus" auf die Betonung gelegt und das klingt irgendwie nuschelnd, so als ätte ich meine Weisheitszähne rausbekommen und alles tut weh deswegen muss ich den Mund sanft öffnen / schließen.

    Hängt das alles irgendwie zusammen oder bilde ich mir das nur ein?


    Leider sehe ich meine GL erst wieder in 4 Wochen, also sagte Sie mir ich soll das einfach auf Tonleitern üben, aber bekomme das zu Hause nicht mehr so hin. Bin noch Anfänger und leider sehr von meiner GL abhängig was Technik betrifft.
    Wenn ich wüsste wie ich das mit dem Unterkiefer nur hinbekomme...

    Kann sonst von euch Vocaleros bitte wer ein Video machen und beschreiben was ihr macht und wie das aussieht? Oder habt ihr gute Links zu vielleicht vorhandenen Videos (Youtube)?
    Hab schon selber was gesucht aber da kommt leider nur Videos wo manche erklären wie sich die Maske definiert oder welchen Wert Sie im klassischem Gesang hat... aber nicht wirklich was zur Veranschaulichung.

    Und ist nun Maskengesang und Mittelstimme das Gleiche??!

    Danke
     
  2. Raverii

    Raverii Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.12.16   #2
    Wie wäre es denn, wenn du dich einfach mal für EINEN Gesangslehrer entscheidest, dem vertraust und mal ein Jahr einfach machst was der/die sagt. Ohne alles zu hinterfragen und zu zergrübeln. Du musst einfach mal Vertrauen haben, dass die Übungen, die dir ein Gesangslehrer gibt, dich weiterbringen werden. Auch wenn du erst mal ein paar Monate keinen Fortschritt erkennst. Einfach brav die Übungen korrekt machen und abwarten. Mehr ist erst mal nicht.
     
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  3. Bell

    Bell HCA Gesang HCA

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    Erstellt: 19.12.16   #3
    Wie darf man sich das vorstellen, dass die oberen hinteren Backenzähne zu sehen sind ?? Dazu muss man doch den Mind extrem weit aufreißen und den Kopf nach hinten legen.... und dass der Gaumen sich hinter den letzten Backenzähnen anspannt, wie soll man sich das vorstellen? Also für mich hört sich das alles furchtbar verschwurbelt und kompliziert an. Ich nehme an, du hast mit der sogenannten Lächelspannung gesungen? Die macht den Ton in der Tat flach und hell.
    Macht ihr für den Vordersitz auch auch Summübungen (auf m und ng) oder Intervalle auf ng und Vokal (z.B. nga-ngo-ngi-nge-ngu) ? Ich persönlich finde die wesentlich hilfreicher als das Gemurkse an Zunge und Kiefer.... wobei letzterer tatsächlich eher entspannt unten sein sollte. Aber das kommt auch auf den Klang an, den ich erzeugen will. Faustregel ist: je wärmer und runder der Klang sein soll, um so ovaler muss die Mundöffnung sein, umso lockerer der Kiefer, umso mehr Raum muss ich aufmachen. Will ich hingegen scharf, metallisch, biestig, aggressiv usw. klingen, dann muss ich den Raum eher verkleinern und brauche viel Vordersitz.
    Wobei das alles nur rein technische Anweisungen sind für all diejenigen, die es nicht bereits instinktiv draufhaben. Ich muss vor allem fühlen, was ich singe, muss etwas ausdrücken wollen. Einen Song interpretieren und nicht nur technisch korrekt abspulen. Sonst bleibt es bei der Erzeugung und Aneinanderreihung von mehr oder weniger gelungenen Lauten. Nette Kunststückchen, aber noch lange keine Musik.
    Ich hoffe, ihr singt auch im Unterricht ! Es gibt ja Lehrer, die monatelang nur Übungen verordnen ;) Dass Anfänger nur Übungen machen sollten und nicht singen dürfen, halte ich persönlich für absoluten Quatsch.
     
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  4. Tonja

    Tonja Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 19.12.16   #4
    Komme aus der Klassik-Ecke und nehme an du singst Contemporary(?), trotzdem ein paar Inputs von mir, wie viel dir davon nützt, musst du halt schauen ;)


    Ist mir meist etwas suspekt, wenn man mit Händen von aussen tasten soll, um zu merken, was sich gerade wo tut (mit Ausnahme unterer Rücken, dort können Hände hilfreich sein). Habe Gefühl, das führt eher zu Verkrampfungen. Wichtig wäre, dass, wenn deine GL dir sagt "jetzt ist es gut", du dir versuchst zu merken, wie es sich anfühlt (von Innen sozusagen, nicht durch tasten!), und später dann dies versuchst zu reproduzieren.

    Also bei uns Klassikern bezieht sich der "Biss" auf den Oberkiefer: Vorstellung: Gaumen anheben, aktive Wangenmuskulatur, "freudige Augen", aber ganz sicher nicht auf den Unterkiefer: der hängt locker runter, und zwar nach unten und leicht nach hinten und nicht, wie du irgendwo schreibst, nach unten-vorn. Jegliche Spannung/"Biss" im Unterkieferbereich ist in der Klassik ein Kardinalsfehler!

    Diverse Konsonanten kannst du nur mit der Zunge bilden, die brauchen keine Bewegung des Unterkiefers. Zuerst üben mit relativ geschlossenem Mund, dann Mund weiter aufmachen, Zunge muss jetzt noch aktiver arbeiten. Und solche wie ein "m" wo es nicht geht ohne Lippenschluss, schnell bilden und dann Unterkiefer grad wieder loslassen. Kann man gut vor dem Spiegel üben zum kontrollieren ob Unterkiefer wirklich faul runterhängt.
    Und bei langen Tönen (also dann auf nur einen Vokal) bleibt während des Tons nicht nur der Unterkiefer faul, sondern hier jetzt auch die Zunge (also keine Spannung in Zunge haben).

    Würde es, wenn man nicht gleichzeitig viel "hintere Öffnung/Weite" (Rachen/Hals), locker-tiefe Kehle hat. Also neben dem "chiaro" halt auch das "scuro" haben. Das ausgeglichene Vorhandensein von beidem macht ja dann den Ton erst so richtig schön. Beides gleichzeitig zu können, braucht langes langes Training (zumindest bei mir war das so;)) einer der grossen Knackpunkte beim Singenlernen.
    Und das Lächeln sollte natürlich auch nie nur mechanisch eingestellt werden, das führt nur zu Murks. Am besten aus einer Emotion heraus, anderen hilft der Begriff "inneres Lächeln" oder es reicht schon "lächelnde Augen".
     
  5. broeschies

    broeschies Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.12.16   #5
    Am Anfang würde ich auf jeden Fall empfehlen den Mund und den Unterkiefer so entspannt wie möglich zu halten. Beides findet zwar teilweise Einsatz bei der Klangformung, ist aber rein technisch nicht notwendig und sorgt gerne für unnötige Spannungen, die den Gesang behindern. Gut dafür ist das sog. "Dorftrottelgesicht", bei dem du im Gesicht einfach alles locker hängen lässt, incl. des Unterkiefers.

    Die technisch wichtige Spannung passiert in der Tat im Bereich der oberen Backenzähne. Dafür ist es aber nicht notwendig, die Backenzähne auch zu zeigen.

    Eine wirksame Übung, um diese Spannung zu erzeugen ist, schlicht und einfach das Gesicht in "Dorftrottelstellung" zu behalten und die Vokale durchzusingen (A, E, I, O, U, Ä, Ö, Ü). Dabei darauf achten, dass das Gesicht entspannt ist und (ganz wichtig!), die Vokale so deutlich wie möglich artikuliert werden. Mit der Zeit wirst du feststellen, dass sich alle Vokale in einem "Raum" einfinden, der im Bereich der oberen Backenzähne liegt. Das ist auch der Raum, den man mit der NG-Übung ansprechen kann. Das deutliche Artikulieren der Vokale hilft dabei, dass dein Klang nicht zu "kuppelig/rund" wird und das Gaumensegel flacher bleibt.

    Wenn du das kannst, kannst du anfangen an der Mundstellung und am "Biss" zu arbeiten, um den Stimmsitz weiter nach vorne zu bringen und heller/schärfer/beltiger zu machen. Oft ist das aber gar nicht mal nötig. Der "Biss" an sich hat zwei Teile: Einen hinteren, bei dem sich die hintere Rachenwand anspannt und ein wenig das Gaumensegel und einen vorderen, bei dem sich der harte Gaumen anspannt und die Zähne gezeigt werden. Notwendig ist nur der hintere Teil. Der vordere Teil ist ein stilistisches Element zum Belten oder besonders hell/plärrig singen.
     
  6. broeschies

    broeschies Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.12.16   #6
    Eine bildliche Vorstellung, die mir persönlich sehr hilft ist, dass es beim Aufbau einer Gesangseinstellung 3 wesentliche "Spieler" gibt.

    1. Vordersitz: Der betrifft v.a. den harten Gaumen und den vorderen Mundraum. Aktionen, die dazugehören sind z.B. Anspannen des harten Gaumens, Rümpfen der Nase oder weites Öffnen des Mundes. Vordersitz macht den Gesang tendenziell "massiger" und "kräftiger", aber auch heller.

    2. Twang/Pharyngeal voice: Der betrifft v.a. den hinteren Mundraum (Pharynx) und den Bereich direkt über der Kehle (Epiglottis). Aktionen, die dazugehören sind z.B. das Heben der Wangen, wodurch die oberen Backenzähne (von der Seite aus gesehen) sichtbar werden und das Heben des Zungenrückens. Außerdem das Anspannen der hinteren Rachenwand. Twang macht den Klang ebenfalls heller (wie der Vordersitz) und schärfer/penetranter, aber nicht kräftiger/massiger.

    3. Kuppelklang/Gähnstellung: Das betrifft v.a. das Heben des Gaumensegels und das Senken des Kehlkopfes (was beim Gähnen passiert). Dieser Spieler ist eigentlich nur dafür da die Klangfarbe auszugleichen. Denn beide anderen Spieler machen den Klang tendenziell heller, v.a. in Richtung hohe Lage, während die Gähnstellung ihn dunkler macht. Die Gähnstellung ist aber zu beiden anderen Spielern ein Antagonist, von daher kommt es hier sehr auf die Balance an.

    Zwischen allen dreien braucht es in der Regel eine gewisse Balance. Benutzt man nur einen von den dreien klingt das in aller Regel schlecht. Ein zu starker Vordersitz klingt nölig, ein zu starker Twang klingt übermäßig scharf oder näselnd, ein zu starkes Gähnen klingt mumpfig und müde.
     
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