Mehr Luft durch Brustatmung?

von Perdition, 19.10.16.

  1. Perdition

    Perdition Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.10.16   #1
    Hi :)

    Man hört ja immer wieder das Bauchatmung beim Singen das A und O des Lufthaushaltes ist. Desshalb übte ich diese Technik mehr um sie beim Singen oder in meinem Fall Schreien auch unterbeusst anwenden kann. Nur ist mir aufgefallen dass ich durch die Brustatmung viel mehr Luft in mich hineinbekomme. Ich kann zb bei gleichem Druck mit "voller Brust" länger ein A halten als mit "vollem Bauch".
    Desweiteren viel mir auf, dass beim tiefen ienatmen in den Bauch ein kurzer Schmerz unterhalb der Brust spürbar ist. Woran kann das liegen?
     
  2. Bell

    Bell HCA Gesang HCA

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    Erstellt: 23.10.16   #2
    Was genau meinst du mit "Brustatmung" ?
    Ehrlich gesagt, ich habe den Begriff noch nie gehört ... das Wort "Bauchatmung" geistert hin und wieder durchs Forum, ich finde es allerdings missverständlich und ungenau. Gemeint ist eigentlich meistens die Zwerchfell/Flankenatmung, sprich das passive Einatmen und aktive Ausatmen. Vorausgesetzt, man macht das korrekt, gibt es eigentlich keine bessere Atmung für Sänger.
    Aber um konkret auf deine Fragen antworten zu können, müsste man wissen, was du da genau machst. Mir ist das jedenfalls aus deinem posting nicht klar geworden.
     
  3. broeschies

    broeschies Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.10.16   #3
    Ich glaube du unterliegst der irrigen Annahme, dass es bei der Einatmung um die Luftmenge geht. Bei der Stütze geht es vor allem um Kontrolle. Es ist auch relativ irrelevant wie lange du maximal einen Ton halten kannst. Die durchschnittliche Phrase in einem Song dauert 4 Sekunden. Stellen von 10 Sekunden und mehr ohne Atempause musst du schon mit der Lupe suchen. Beim Einatmen gilt daher eher: Möglichst wenig, aber oft. Bildlich wird gerne von einem "Fingerhut voll Luft" gesprochen, den man einatmet und der für die gesamte Phrase reichen muss.

    Entscheidend ist demnach den Luftstrom derart zu kontrollieren, dass diese kleine Menge an Luft für die gesamte Phrase reicht. Und genau um diese Kontrolle geht es. Wenn du eine lange Ausatmung durch eine große Luftmenge erreichst, ist das quasi geschummelt. Du solltest sie durch einen möglichst langsamen Ausatemstrom erreichen.

    Ich persönlich finde diese Bildsprache von Wegen "Brustatmung" und "Bauchatmung" problematisch. Eigentlich allgemein die Vorstellung, dass man irgend "wohin" atmen soll. Das impliziert meistens, dass sich irgendwo irgendwas ausdehnt. Und wenn sich irgendwo irgendwas ausdehnt (ob nun der Bauch rausgeht oder die Brust hoch), dann ist es oft schon zu viel geatmet (mehr als der Fingerhut voll).

    Wie Bell schon schrieb ist nicht der Ort entscheidend (du atmest eh immer in die Lunge), sondern die Muskulatur, mit der du das machst. Ein guter Start ist die schon erwähnte passive Einatmung. Als Übung kannst du einfach mal so viel ausatmen wie du kannst (mach deine Lungen "leer"). Dann hältst du kurz diesen Zustand und spannst dann einfach nur ab. Die Luft "fällt" dann wieder zurück in die Lunge. Versuch dieses Gefühl zu verinnerlichen. Sowohl die Entspannung als auch die Art wie sich deine Lunge füllt.

    Genau diese "Entspannungsaktion" solltest du am Ende (!) jeder Phrase machen. Das bringt deine Lunge sozusagen in die Neutralstellung.

    Von dieser Neutrallstellung aus kannst du dann wieder die Einatmung üben und zwar, indem du dir vorstellst, dass du dich erschreckst und schnell aber kurz einatmest. Eine andere Methode ist dir vorzustellen, dass du eine kleine Menge Luft möglichst schnell durch einen imaginären Strohhalm in die Lunge saugst. Dabei gilt möglichst kurz und möglichst schnell.

    Diese Art der Einatmung atmet den besagten Fingerhut voll Luft ein. Die Heftigkeit der Einatmung erzeugt zudem eine günstige Vorspannung im Zwerchfell, was das nun folgende Stützen vereinfacht. Beim folgenden Ausatmen ist dann die Vorstellung, dass du die Luft so langsam wie möglich abgibst. Mir persönlich hilft es dabei schwierige Phrasen zunächst mal "in Zeitlupe" zu üben, also wesentlich langsamer zu singen als im echten Song. Das erhöht die Präzision bei den Vokalen und vereinfacht das "langsam machen" des Atemstroms.

    Ich weiß, dass es auf diese Art schwierig ist zu "schreien", aber das solltest du ohnehin erst tun, wenn du die Stelle "clean" problemlos singen kannst. Hier gilt aber doppelt, dass der Lufstrom so gering wie möglich sein sollte, auch wenn der Druck hoch ist. Das Zwerchfell muss dann entsprechend stark dagegenhalten (versuch das Gefühl der heftigen Einatmung bei der Ausatmung abzurufen, falls das verständlich ist).
     
  4. Iloveblues

    Iloveblues Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.10.16   #4
    Es gibt eine Bauchatmung, die allerdings mit Entspannungstechniken zu tun hat. Säuglinge wenden diese automatisch an, um sich zu beruhigen. Diese Atmung bezieht sich allerdings auf den unteren Bauchraum. Bei der Stütze wird in die Flanken geatmet und mit dem Zwerchfell gearbeitet. Ich könnte mir vorstellen, dass es bei falsch ausgeführter Technik zu Verspannungen der Muskulatur im Brust- auch Zwerchfellbereich kommen kann, ähnlich, oder genau wie Seitenstiche.
     
  5. broeschies

    broeschies Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.10.16   #5
    Der Zweifel an der "Existenz" rührt vor allem daher, dass man bei der Bauchatmung natürlich nicht in den Bauch atmet und auch nicht mit dem Bauch. Die Luft wird immer in den Brustkorb eingeatmet. Das Zwerchfell ist sozusagen die untere Abgrenzung der Lunge und kann sich senken, um Luft anzusaugen. In der Ruheposition geht die Lunge in etwa bis zum unteren Ende des Brustbeins und in der maximal gedehnten Position geht sie etwa bis zu den untersten vorderen Rippen.

    Die Lunge kann sich aber auch anderweitig ausdehnen, denn der Brustkorb kann z.B. durch die Zwischenrippenmuskulatur geweitet werden, dann eben in Richtung der Flanken oder nach vorne.

    Die verschiedenen Atmungsarten entstehen im Grunde durch die Verwendung unterschiedlicher Muskulatur. Die manchmal sogenannte "Bauchatmung" ist quasi eine reine Zwerchfellatmung, an der die Zwischenrippenmuskeln kaum beteiligt sind. Diese Atmung dient tatsächlich der Entspannung. Sie wird aber teilweise auch beim Singen benutzt, insbesondere im klassischen Bereich. Das Problem bei der Bauchatmung ist aber, dass das Zwerchfell mit Abstand der stärkste Einatemmuskel ist und bei der Bauchatmung einen starken Widerstand bildet. Dadurch ergibt sich eine hohe Intensität in der Stütze, weil dieser Widerstand durch entsprechend starkes Ausatmen wieder überwunden werden muss. Deshalb bin ich persönlich kein besonderer Freund davon. Es ist mir schlicht und einfach zu uneffizient.

    Im Gegensatz dazu ist mit "Hochatmung" in der Regel der Fall gemeint, bei dem man fast nur mit den Zwischenrippenmuskeln atmet. Dadurch weitet sich der Brustkorb stark in alle Richtungen. Als charakteristisch dafür wird meist das Heben der Schultern beim Atmen genannt. Mit dieser Atmung kann man auch singen, allerdings nur auf geringer Intensität, weil dann nicht genügend Widerstand gegen einen hohen Ausatemdruck da ist.

    Die von mir vorgeschlagenen Übungen sind für eine relativ gleichmäßige Atmung, mit weder dem Zwerchfell noch den Zwischenrippenmuskeln als dominanter Gruppe. Das ist meine persönliche Lieblingsatmung, weil sie recht agil ist, was Veränderungen des Atemdrucks angeht. Die Tiefenatmung erlaubt aber meiner Erfahrung nach eine höhere Intensität.
     
  6. Koksi01

    Koksi01 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 29.11.16   #6
    Damit ist fast alles gesagt :-)

    Ich habe ein großes Lungenvollumen, und wenn beispielsweise beim Einsingen irgend ein Ton "solange es geht" gesungen werden soll, bin ich immer noch am Singen bzw. muss abbrechen, wenn die nächste Übung beginnt.
    Trotzdem ging mir bei längeren Phrasen regelmäßig die Luft aus. Mit korrekter Technik (Stütze) brauche ich für die selbe Phrase kaum Luft zu holen und könnte trotzdem die nächste gleich noch dran hängen.

    lg Thomas
     
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