MiPro ACT 7xx Serie, Breitband

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So, wir haben angefangen unsere alte AKG WMS 300 Strecken gegen neue zu ersetzen. Die Wahl fiel dabei auf MiPro. Zur weiteren Auswahl standen noch Shure, Sennheiser, beyer und AKG.
Hier mal zunächst ein Kurzreview zur ACT 7xx Serie in der Breitbandversion. Falls Interesse an mehr besteht bitte anmerken.

Gründe für den Entscheid:
beyer fiel raus, da MiPro ja der OEM Hersteller von beyer ist. AKG bietet keine Strecken an, die für uns passten.
Shure und Sennheiser fielen finanziell raus. Wir werden sehen ob es die richtige Entscheidung war.

Frequenzband:
482-554 MHz
Wir hoffen, dass dieses Frequenzband bis auf weiteres (10-15 Jahre) safe ist. Wehe wenn die da oben da wieder was drehen.

Anschaffung:
Zunächst 1x Doppelempfänger ACT 72. Dazu 2x Handsender mit MU90 Kapsel, 2x Taschensender mit Headset MU-55HNS sowie 2x Instrumentenadapter auf 6.33mm Klinke.

Empfänger:
Der Empfänger hat ein solides Stahlblechgehäuse und ist sauber verarbeitet. Alle Stecker und Buchsen sind fest mit dem Gehäuse verbunden und machen einen soliden Eindruck. Durch das interne Netzteil, welches durch einen kleinen Lüfter Frischluft zu Kühlung erhält, entfallen die fummeligen Stecknetzteile. Der Lüfter ist leise und im Rack irgendwo auf der Bühne oder am FoH hört man das Dingelchen nicht. Auch entfallen dadurch Sorgen bezüglich Wärmestau, sofern das Rack mal im Sommer in der Sonne bruzelt.

Das Display ist ein Vakuum Fluoreszens Display, welches sehr gut ablesbar ist. Da es selbstleuchtend ist und keine Polfiltertechnik wie bei LCD Displays benötigt, kann man das Display aus fast jedem Winkel mit gleichblebender Qualität ablesen. Die Symbol sind selbsterklärend und auch sonst gibt das Display keine Rätsel auf. Allerdings sind die VFDs empfindlicher gegenüber mechanischen Belastungen, da ja, wie bei einer Röhre auch, ein Vakuum im Inneren vorherrscht.

Die Bedienung erfolgt über eine Set Taste, welche jeweils pro Kanal unterhalb des Displays angeordnet ist und einem zentralen Eingabedrehknopf zur Anwahl der Parameter und deren Werteänderung. Im Allgemeinen gut gelöst und auch selbsterklärend. Allerdings ist der zentrale Eingabedrehknopf recht nahe an der rechten Antennenausführung. Sofern man die Antennen nach vorne führt wird es hier ein wenig fummelig.

Jeder Empfänger lässt sich individuell gegen versehentliches Bedienen sperren.
Permanent angezeigt wird pro Empfangskanal die Signalstärke für RF und AF, den ausgewählten Diversity, die Batterieladung, sowie die Höhe der Squelch und durch ein Ausrufezeichen erkannte RF Störungen. Individuell kann man sich noch die Gruppe/Kanal, Frequenz oder Name im Display anzeigen lassen.
Sobald der Empfänger ein für ihn korrektes Signal empfängt, wird das Display hell. Wird der Sender abgeschaltet, so geht das Display in einen dunkleren Standbymode.

An Parametern steht folgendes zur Verfügung: Gruppe (GRP), Kanal (CH), Frequenz (FRQ), Name (Name), Geräteadresse (ADD), Squelch (SQ).
Über Gruppe, Kanal und Frequenz wählt man die spezifische Empfangsfrequenz des Empfängers. Man hat die Wahl dies eben über Gruppe/Kanal oder direkt über die Frequenz zu machen. Der Vorteil über die Auswahl Gruppe/Kanal ist, dass in jeder Gruppe interferenzfreie Kanäle vorgegeben sind. Über die Frequenz lässt sich der Empfänger manuell in 25 kHz Schritten auf eine beliebige Frequenz innerhalb des gewählten Bandes einstellen, in unserem Fall also von 482 - 554 MHz.
Mittels des Parameter Name kann man jedem Empfänger einen individuellen Namen zuweisen. Allerdings ist die Anzahl der Zeichen begrenzt.
Die Geräteadresse wird bei einer Multikanalanlage interessant. Darüber werden die einzelnen Empfänger ein-eindeutig adressiert, so dass man mittels der kostenpflichtigen Remotesoftware alle Parameter auch von einem Laptop aus überwachen und steuern kann. Pro Netzwerk können 64 Empfänger adressiert werden. Die Empfänger haben hierzu hinten zwei RJ11 Buchsen, welche die einzelnen Geräte in Bustechnik miteinander verbindet. Am ersten Gerät wird ein USB Dongel angeschlossen.

Sehr pfiffig die automatische "Scanfunktion" des Empfängers. Sobald man einen Kanal innerhalb einer Gruppe auswählt hört der Empfänger da rein. Werden Störungen festgestellt, so wechselt der Empfänger zum nächsten, störungsfreien Kanal. Allerdings werden auch die eigenen Sender als "Störung" erkannt, so dass man einen zweiten Empfänger nur dann zur selben Frequenz eines Senders bewegen kann, wenn dieser ausgeschaltet ist. Ansonsten ist das System sehr DAU sicher. Einfach eine Frequenz auswählen, Sender per ACT programmieren und den nächsten Sender einstellen. Dieser wählt dann eben selbstständig die nächste, freie und störungsfreie Frequenz.

Ist der Empfänger eingestellt, so wird der Sender mittels ACT programmiert. ACT ist dabei nichts anderes, als die Übermittlung der Frequenz und anderer Paramter wie Name per Infrarot an den Sender. Hierzu gibt es pro Empfänger einen dediziert Knopf, welcher mit ACT beschriftet ist. Also nichts bahnbrechnendes, aber durchaus komfortabel, da man am Sender nichts per Hand einstellen muss. Insbesondere bei Mehrkanalanlagen, wo dann mehrere Sender im Akkord zu programmieren sind, spart dies durchaus Zeit und minimiert Fehler.

Wird der Empfänger in ein Rack eingebaut (betrifft vor allem die Mehrkanalempfänger), so ist es ratsame sich noch den Kabelsatz zur Verlegung der Antennen nach vorne mit zu erwerben. Der Einbau ist vollkomme unkompliziert, selbst für einen Laien, da alles passgenau ist.

Was wir bisher noch nicht getestet haben ist die Einstellung der Squelch/Empfangsempfindlichkeit und damit die absolute, störungsfreie Reichweite.

Taschensender:
Der Taschensender ist wirklich klein und gibt ebenso keine Rätsel bezüglich der Bedienung auf. Das Gehäuse ist aus Metall und solide verarbeitet. Die Verbindung zur Audioaussenwelt wird per TA4F Mini 4-Pol Stecker, welcher mit einer Verschraubung gesichert wird, hergestellt. Diese Lösung ist ein wenig fummilig. Besser wäre hier ein normal verrigelnder Stecker. Die Programmierung erfolgt ausschliesslich über die ACT Funktion. Im Display wird neben der Batterieladung wahlweise die Gruppe/Kanal, Frequenz oder Name angezeigt.

Am Taschensender lassen sich manuell folgende Einstellungen vornehmen:
Mute, Sendeleistung, AF Gain. Der Sender lässt sich gegen versehentliche Bedienung sperren. Der Gürtelclip lässt sich so anbringen, so dass die Antenne nach unten oder nach oben zeigt.

Negativ ist das Einsetzen der Batterien aufgefallen. Dies ist ziemlich stramm, so dass grobmotoriger evtl. den Sender mechanisch beschädigen könnten.

Handsender:
Auch der Handsender ist aus Metall gefertigt, liegt sehr gut in der Hand und gibt ob der Bedienung ebenfalls keine Rätsel auf. Wie beim Taschensender wird auch der Handsender ausschliesslich über die ACT Funktion programmiert. Das Einlegen der Batterien ist problemlos und ohne mechanische Hindernisse möglich. Ebenso ist der Wechsel der Kapsel vollkommen narrensicher und einfach. Diese ist durch den aufgeschraubten Korb ausreichend mechanisch als auch audiotechnisch geschützt. Griffgeräusche sind so gut wie nicht hörbar. Die Displayanzeige ist identisch zum Taschensender, ebenso die manuell einzustellenden Parameter wie Mute, Sendeleistung und AF Gain.

Die Kappe am unteren Ende des Handsenders, welche die Bedienelemente verbirgt, hat neben dieser Funktion auch die Funktion den Sender vor unbeabsichtigem Ein/Ausschalten zu sichern. Je nachdem wie man die Kappe aufsteckt ist der Ein/Ausschalter zugänglich oder abgedeckt. Sehr pfiffig finde ich. Des Weiteren lassen sich hier noch Farbclips anbringen, damit man auch aus der Ferne den Sender betreffend seiner Verwendung identifizieren kann.

Audiotest:
Zum Test wurden die Funkanlagen an einen Powermate 1000 angeschlossen. Am Powermate hing eine d&b 1502 als Abhöre.
Getestet wurde die alte AKG WMS 300 gegen die neue MiPro ACT7xx Breitbandanlage.

Als erstes wurde die MiPro mit Taschensender getestet. Gain auf Linepegel und neutral über einen Kanal. Am Taschensender hing der Ausgang eines Laptop. Musikmaterial waren gute MP3s. Klanglich war das ganze mehr als unauffällig und funktionierte tadellos. Kein Rauschen, auch in leisen Passagen und gutmütig, wenn man mal auch in den "roten Bereich" ging. Allerdings hört man es dann doch deutlich, wenn man die Strecke überfährt. Der Compander in der MiPro tut als seine Arbeit und das recht unauffällig. Manche Strecken neigen in leisen Passagen dazu wegen der notwendigen Compandertechnik mehr oder minder aufzurauschen. Das ist hier nicht der Fall.

Als nächstes wurde der Handsendermit einer MU80 Kapsel (diese wird noch gegen eine MU90 getauscht) getestet. Die MU80 ist eine Kondensatorsuperniere. Der Pultkanal wurde so eingestellt, dass sich ein neutrales, stimmiges und druckvolles Klangbild ergab. Leider habe ich die exakten Gain und EQ Parameter nicht mehr im Kopf, doch man musste da nicht wirklich viel drehen. LowCut und Bässe ein wenig raus und im Mittenband ein bisschen nachregeln, das wars. Also sehr unauffällig. Was allerdings an Output da raus kam war mehr als zufriedenstellend, auch was Feedback angeht. Selbst wenn man mutwillig auf den HT der Box aus 2m Entfernung zielte gab nicht mal den Ansatz eines Feedbacks.

Nun wurde im Nachbarkanal eine AKG WMS 300 mit Handsender und einer D3800 Kapsel eingepegelt und ebenso vom EQ her eingestellt, so dass sich ein neutrales, stimmiges und druckvolles Klangbild ergab. Die Strecke, obwohl nun über 10 Jahre alt, funktioniert noch immer tadellos. Leider ist das Frequenzband nun obsolet. Die D3800 Kapsel ist eine dynamische Hypernierenkapsel und meiner Meinung nach eine sehr sehr gute obendrein. Die Einstellungen waren sehr sehr sehr ähnlich, ebenso klanglich kann die AKG mithalten. Obwohl die Technik über 10 Jahre auf dem Buckel hat und etliche Einsätze, auch unter widrigen Bedingungen erlebte, war ich erstaunt, dass die Strecke und auch die Kapsel noch mehr als gut im Futter steht. Einzig ein minimalistisch höheres Rauschen in leisen Passagen bringt die AKG mit sich. Die erzielbare Lautstärke war der MiPro Anlage ebenbürtig. Ebenso das Verhalten bezüglich Feedback. Da konnte man fast schon in die Box reinkrabbeln und rauskucken.

Fazit:
Die MiPro ACT 7xx Breitbandfunkanlage ist ein vollwertiger Ersatz zu der altehrwürdigen AKG Anlage und wird nunmehr diese ersetzen. Auch muss sich dieser Hersteller beileibe nicht vor anderen Herstellern verstecken. Ob die Qualität auch langzeittauglich ist, wird sich erst über die Einsatzjahre zeigen. Bisher macht das Material einen sehr wertigen, durchdachten Eindruck und macht das was es soll. Bedenkt man, dass man hier nun eine Schaltbandbreite von 72 MHz zur Verfügung hat und man damit bis zu 48 Strecken simultan betreiben kann (das sollte für die bisher vorhandenen 12 Strecken reichen), die HF sowie die Audiotechnik ausgereift ist (Compander, Mikrofonkapseln), so wirkt der Preis mehr als preiswert.
 
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MIPRO bewirbt ne Dante-Option für das Teil... aber ist nirgends zu finden!?
 
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Richtig, jetzt wo du es sagst. Muss ich mal direkt am Empfänger nachsehen ob es da einen Einschub gibt. Ist mir aber nicht aufgefallen. Diese Option besteht anscheinend seit 2016, jedoch nur für die beiden Mehrkanalempfänger. In 2017 sollte auch das Netzteil von intern auf extern umgestellt worden sein, warum auch immer. Damit habe ich wohl eine Kiste, welche schon ein wenig länger im Lager rumstand. Naja, auf DANTE kann ich verzichten, dennoch werde ich da mal nachhaken.

Ich meine mich zu erinneren, als dass ich auf der Messe in Frankfurt eine Ethernetbuchse, also für DANTE, gesehen habe. Sollte also kein Gespenst sein.
 
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Das mit Beyerdynamic stimmt nicht mehr so ganz. Nur noch die Opus 910 Serie ist von Mipro. (Die Opus 600 Serie läuft gerade aus.) Die TG1000, die neue TG500 und TG100 sind Eigenentwicklungen mit einem HF-Ingenieurbüro . Die TG1000 ist auch in Deutschland gefertigt. Ab TG500 Serie dann in China zusammengeschraubt. (Laut Produkmanager auf der Musikmesse in Frankfurt.)

Die Belegung der Mini 4pol XLR der TG Taschensender Serie ist dann auch Shure kompatibel und nicht mehr Mipro.

Die Mipro Digital-Serie ACT-8xx gibt es mit AES/EBU-Schnittstelle. Ich denke bei der Analog-Serie wäre Dante ein ziemlicher Aufwand.

Ich besitze selber einiges an Mipro und Beyerdynamic (Mipro) und bin bisher zu frieden. Auch wenn ich die Opus 900 mit 8a Frequenzbereich nicht mehr nutzen kann, wegen LTE.
 
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Das mit Beyerdynamic stimmt nicht mehr so ganz.
Richtig, aber noch nicht so lange, wie ich bemerken darf. Ich finde es auch eine gute Entscheidung von beyer, das ganze wieder selbst in die Hand zu nehmen. Die 1000er ist schon sehr nett.

Ich denke bei der Analog-Serie wäre Dante ein ziemlicher Aufwand.
Wieso das denn? Es ist eine Option und der A/D Wandler sitzt dann halt auf dem Modul mit drauf, was nun nicht gerade der Aufwand ist.
 
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@dabbler
Ich habe heute nochmal bei MiPro wegen der Danteoption nachgehakt. Auskunft ist wie folgt:
Das wird wohl erst dieses Jahr noch kommen und das was auf der Messe in Frankfurt zu sehen war, war ein Dummy. Hmmmm.... evtl. wird das so ähnlich wie bei JB mit der LiCon 2x. Dauernd angekündigt und nie wirklich realisiert bzw. fertig geworden und am Ende eine Totgeburt.

Ich brauche das jetzt nicht wirklich.
 
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Danke für die Info. Vor allem wird interessant sein, wie hoch der Aufpreis ist. Die Dante-Boards die die OEMs bei Audinate einkaufen sind nicht billig... Wenn man sich den Preis des X32 Dante-Interfaces anschaut im Vergleich zu den ADAT/MADI/Whatever Interfaces... dafür das es eigentlich "nur Ethernet" ist... :)
 
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Nun, Audinate lässt sich die Lizenz eben entsprechend honorieren. Deswegen kostet es das was es kostet. Andererseits kannst du eben handelsübliche Netzwerkkomponenten verwenden (eben weil es halt nur Ethernet ist), was das ganze dann wieder in einem besseren Licht erscheinen lässt.

Es hat halt alles so seine Vor- und Nachteile.
 

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