Tja ... die Auseinandersetzung mit der eigenen Stimme ist fĂŒr die allermeisten zu Beginn verstörend ...

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Stimmt - das hat mir in der Gesangsstunde vor allem ganz am Anfang hĂ€ufig ein Bein gestellt. Weil ich im normalen Alltag eher zum Funktionieren neige und mit all den vielen ErklĂ€rungen, wie sich Singen anfĂŒhlen sollte, erst einmal gar nichts anfangen konnte, habe ich vor allem "hingehört" statt zu spĂŒren, wie die Stimme gut und unangestrengt kommt. Und das ist gerade ganz am Anfang verstörend, weil die ersten Töne, die man da produziert, natĂŒrlich nicht gleichmĂ€Ăig kommen und schön frei schwingen, sondern in meinem Fall eher wobbelten und holperten. Das fand ich vom Klang her grĂ€sslich und habe meinen Output deshalb lautstĂ€rkemĂ€Ăig ziemlich gedrosselt und die Stimme "festgehalten". Ich habe echt lange gebraucht, bis ich auch die scheuĂlichen Töne aushalten konnte - mein innerer Kritiker hat da im Hinterkopf fleiĂig herumgezetert. Langsam aber sicher wird's aber besser, und ziemlich zeitgleich zur abnehmenden Verkrampftheit hat sich auch dieses verhaltene Vibrato eingestellt.
Aufnahmen von meiner Stimme bin ich aber nicht gewöhnt, weil ich mich im Unterricht nicht aufnehme. Die Stimme so "von auĂen" zu hören, ist also noch mal merkwĂŒrdiger, sie klingt so fĂŒr mich logischerweise auch dunkler und "distanzierter", als wenn ich sie von innen höre. Und dann stellt sich so ein "Bin das wirklich ich, die da singt? Klingt ja total komisch"-GefĂŒhl ein.
Ăbrigens verwendet meine Gesangslehrerin im Unterricht so gut wie keine Fachbegriffe, es fĂ€llt höchstens mal bei der Frage des Transponierens ein Wort wie Terz oder so. Töne gibt sie nur beim Einsingen an, um mir zu signalisieren, von wo bis wo ich gesungen habe. Im Detail den Aufbau der StĂŒcke besprechen tun wir nicht. Weil ich aber vom Typ her eher Kopfmensch bin, lese ich mir zu den StĂŒcken, die ich probe, oft nebenher ein bisschen was an, wenn ich etwas dazu finde. In erster Linie aber ĂŒbe ich einfach, sie zu singen, indem ich sie mir anhöre und sie dann erst mal mitsumme oder auf lĂŒlĂŒlĂŒ oder lululu mitsinge. Realistisch betrachtet bewege ich mich also schon noch auf AnfĂ€ngerniveau, und auch die Konzerte bei den Workshops dienen in erster Linie dazu, die Hemmschwelle zu ĂŒberwinden, sich vor ein (wohlwollendes) Minipublikum zu stellen und sich zu zeigen. Das ist also eine Situation, in der einem nicht viel "passieren" kann, wenn man scheitert. So langsam aber sicher merke ich aber, dass ich es zwar mag, diese Möglichkeit des Solo-Singens zu bekommen, es mir aber fehlt, bei richtigen Konzerten aufzutreten, ruhig auch erst mal in der Gruppe.
Was das Hören von Melodiefolgen Harmonien oder Rhythmen angeht, hatte ich immer das GefĂŒhl, das "von Natur aus" ganz gut zu können. Aber mit zunehmendem Lernfortschritt merke ich da natĂŒrlich schon auch, dass auch das Gehör mittrainiert wird und man da im Laufe der Zeit sicherer wird. Allerdings komme ich jetzt andererseits in ein Alter, wo das Gehör scheinbar doch an Feinheit nachlĂ€sst, zumindest bin ich leichter abgelenkt und gestört von NebengerĂ€uschen und höre wohl auch ganz hohe Frequenzen nicht mehr so deutlich. Letzteres ist aber fĂŒrs Musikmachen meist weniger relevant.
LG
Nicole