Mixing-Praxis: heute - Gitarren EQing, FX,...

  • Ersteller SoundGear
  • Erstellt am
SoundGear
SoundGear
Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
12.12.22
Registriert
15.08.06
Beiträge
499
Kekse
1.874
Heyho,
aktuell arbeite ich mich in den Live-Bereich herein.. hab noch nicht soo viel Erfahrung, früher einiges im Rahmen von Moderation, Chöre, Solisten im Orchester, Stützen in der BigBand usw gemischt. Das waren nicht unbedingt viele Signale, die man mit EQ verbiegen musste um sie in einen transparenten Mix zu stellen, sondern die natürliche Übertragung stand im Vordergrund.

Aktuell betreue ich eine Band (Standard + 2 Sänger, 2 Gitarren), die Party-Mucke macht. Die Band ist mit dem Mix zufrieden, ich nicht immer. Da hat man stellenweise das Gefühl der Sound macht sich selbstständig und man hat nicht wirklich Kontrolle darüber. Die Erstellung eines guten Fundaments mit Drums + Bass bereitet mir keine Schwierigkeiten, aber kommen die Gitarren dazu wird es meist schwierig. Habt ihr ein paar Tips?


- wie setze ich den EQ ein? Was sollte man eher absenken und was anheben (und ich weiß, es gibt keine Faustregel ala 2,1 khz -4db, aber ich möchte eine Richtung hören!)

- wie muss man denn bei den anderen Instrumenten reagieren z.B. Bass und Vocals?

- ich würde die Gitarren gerne in einen kleinen Raum (oder auch nur eine Imitation durch ein sehr kurzes Delay) stellen um diese im Mix abzugrenzen und hinter die vocals zu stellen. Ist diese Methodik gängig und wenn ja mit welchen Parametern sollte man arbeiten?

- sonstige Tipps?


LG Patrick
 
Eigenschaft
 
- sonstige Tipps?

Ja. Allerdings nicht zum Mix. Bei 2 Gitarren muss man beim Arrangement aufpassen, damit sie sich nicht in die Quere kommen. Oder Gitarre - Bass: Wenn ich mit einem Bassisten zusammenspiele, dann darf ich mich als Gitarrist bei den Basstönen bitteschön ziemlich zurückhalten (bzw. weglassen), damit sich nichts in die Quere kommt.
EQ - ing ist eher die 2. Wahl.
Wenn das Arrangement passt und keiner beim anderen wildert, dann passt es meist ohne große Nachhilfe.
Das Gegenteil habe ich leider schon viel zu oft hören müssen, vor allem bei unerfahrenen Bands, (aber nicht nur).

Gruß
Christoph
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 4 Benutzer
Wichtig ist auch beim Livemix nicht zu sehr auf den optimalen Sound eines Instruments zu achten sondern dass sich alle Instrumente zu einen ausgewogenen Gesamtsound zusammenfügen. Wenn du schreibst, dass Drum und Bass alleine gut sind aber sobald die Gitarren dazukommen es schwierig wird, ist entweder im Mix kein Platz für die Gitarren übrig, oder die Gitarren sind so 'breit' dass sie alles zukleistern oder beides. Da ist es notwendig den Sound auszudünnen

Beachte auch was in der Band wichtig ist. Wenn der Gesang gut zu verstehen sein soll, was ja nicht immer oberstes Ziel sein muss, dann musst du, bzw. die Musiker, dem alles unterordnen. Wie schon von chris_kah bemerkt ist zum überwiegenden Teil das Arrangement für den Sound verantwortlich.

Du musst dann noch die Rollen der Instrumente im Klangbild klar zuordnen. Wer ist z.B für welche Frequenzbereiche zuständig? In den jeweiligen Bereichen kannst du dann die anderen Instrumente zurücknehmen was der Klarkeit dienlich ist.

Tiefenstaffelung durch Effekte ist erst dann wirklich zielführend.
 
Tiefenstaffelung durch Effekte ist erst dann wirklich zielführend.
Welchen Effekt kann man für die Gitarre denn gut einsetzen? Nehmen wir mal einen Hall, wie soll der beschaffen sein?
 
Wie sieht denn der Signalweg von der Gitarre bis zum Mischpult aus? Vielleicht liegt dort ja der Hund begraben. Meistens ist das Signal schon durch Effekte, Simulationen und EQ-Geschraube so weit überladen und übersättigt, dass man kaum noch damit arbeiten kann. Nur weil der Gitarrist findet, dass diese Einstellung daheim im Wohnzimmer eine gute Figur abgibt, heißt das noch lange nicht, dass man so etwas auch Live gebrauchen kann.

Hall und Delay sind in meinen Augen Schönfärberei, die erst eingesetzt werden sollten, wenn ein knackiger und präziser Sound steht. Aus viel Mulm wird mit Hall nur noch mehr Mulm.

Als erstes solltest du dir also den Rohsound des Gitarristen beim Soundcheck anhören und entscheiden, ob du mit diesem Signal überhaupt arbeiten kannst. Den Gitarristen freundlich auf die Problematik hinzuweisen kann manchmal Wunder helfen. Es gilt nämlich die Regel: Ein Mischpult ist kein Klärwerk.

Kurz: Woran erkennt man einen für einen Livemix geeigneten Gitarrensound?:
- Hall und Delay befinden sich höchstens in homöopathischen Dosen dauerhaft im Signal (situationsbedingte Hall- und Delayeffekte sind natürlich gestattet, aber sollten trotzdem dem Signal nicht jegliche Präzision und Brillianz nehmen).
- Andere Effekte befinden sich gar nicht dauerhaft im Signal.
- Kein Frequenzbereich ist über- bzw. unterbetont (vor allem Bass sollte nur gerade soweit vorhanden sein, dass es nicht dünn klingt, ein "fetter" Sound ist eigentlich immer zu viel des guten).
- Auch bei Einsatz von Verzerrung sollte der Anschlagzeitpunkt der Saiten wahrnehmbar bleiben (das mag jetzt je nach Stil anders sein, aber bei Rock/Pop ist ein tonaler Rauschteppich ohne definierten Anfang und Ende einfach fehl am Platz).
- Beim Umschalten zwischen verschiedenen Effekten/Amps/Sounds sollte es keine allzu großen Pegelsprünge geben; am besten gar keine bzw. höchsten so weit, dass beispielsweise die höhere Dynamik des Chorus' ausgeglichen werden kann.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist auch noch die Bühnenlautstärke und Aufstellung. Ein berühmt berüchtigtes Beispiel wäre da die 4x12er, die auf dem Boden steht, die Hosenbeine der Musiker zum flattern bringt, aber auf Ohrhöhe schön ins Publikum einstrahlt. Ich weiß, darum geht es in diesem Thread nicht, aber das sind alles Dinge, die man beachten und evtl. beheben sollte, bevor man sich um solche "Kleinigkeiten" wie EQing und FX kümmert. Vielleicht wäre es unter diesen Gesichtspunkten auch eine gute Idee, etwas mehr über den besagten Gig zu erfahren, um evlt. dort schon aufgetretene Probleme zu diskutieren.

Zurück zum eigentlichen Thema: Man nehme an, der Sound, den man bekommt, ist ganz passabel.
EQ: Ich fange meistens mit einem Low-Shelv bzw. Loc-Cut an, um im Bassbereich Platz für die Bassdrum und den Bass zu lassen. Bei einem neutralen Anfangssound sind hier aber normalerweise nur kleinere Eingriffe nötig. Ab 150 Hz darf dann die Gitarre etwas mehr bieten. Bei einer Sängerin darf die Gitarre dort gerne einen etwas breiten Platz einnehmen, als bei einem Sänger. Bei mehreren Gitarren empfiehlt es sich auch, die Rhythmusgitarre eher im Tiefmittenbereich anzusiedeln, während die "Lead-Gitarre" eher die Hochmitten bedient. Bei den Höhen muss man je nach Eingangssignal etwas nachhelfen (Speakersimulation/Lautsprecherabnahme) oder auch etwas rausdrehen (kreischende Zerren).
FX: Die meisten Effekte sollte der Gitarrist selbst mitbringen und sich auch darum kümmern, dass sie an den richtigen Stellen an und ausgeschaltet werden. Ansonsten kann man, sofern noch nicht exzessiv vom Gitarristen bereits geschehen, Hall und Delay in Maßen hinzufügen. Beim Hall finde ich es persönlich wichtig, dass man den gleichen Hallraum nimmt.
Bei sehr dynamischen Gitarrenpegeln, bietet sich evtl. noch ein Kompressor an.

Mit dem EQ kann man die einzelnen Instrumente meistens noch etwas herausarbeiten, allzu große Wundertaten, kann man damit aber nicht vollbringen.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 8 Benutzer
okay, kann deine Punkte voll und ganz nachvollziehen. Ich merke es an meinem Mix-Verhalten auch immer wieder, dass ich versuche den Sound so zu biegen wie ich ihn haben will auch wenn da teils größere Welten dazwischen liegen. Leider hat man auf der Bühne / beim Soundcheck oft nicht die Zeit sich mit den Quellen selbst auseinander zu setzen.

Ich hatte letztens wieder einen Gig und bin nach Absprache mit den Musikern während Soundcheck und Konzert auf die Bühne gegangen und habe an den Amps rumgedreht. Sowohl Lautstärke (die komischerweise von selbst immer lauter wird) als auch EQ. Bei dem einen Amp ist mir aufgefallen, dass der Gitarrist bei beiden Kanälen die Höhen auf Anschlag hatte - hat ihm anscheinend so gefallen. :D

Der Signalweg fängt für mich am Amp und somit meinem Mikrofon an. Was die Gitarristen davor haben, kann ich dir nicht näher sagen.. eben ihre üblichen Effektboards womit sie ihren Sound kreieren, den sie mir so übergeben.


Wir haben auf der Bühne stehen:
- Marshall Amp half-stack, abgenommen mit Sennheiser MD421
- Eganter Tweaker 40 mit kleiner Box, abgenommen mit Sennheiser e606

Im Mixer habe ich Low-Cut (den ich meist um 150-180 Hz ansetze) + 4-band EQ vollparametrisch.

Das MD421 gefällt mir recht gut, auch wenn es sich im Mix vielleicht etwas zu voluminös und weit vorne einordnet. Vielleicht sollte ich auch bei dem anderen Amp auf gleiches Mikrofon setzen?
Mit dem e606 ist es schwieriger die Höhen zu bändigen, es hat eine sehr schmale Anhebung irgendwo um 3-4khz. Außerdem habe ich bereits einige Feedbacks damit eingefangen. Trotz Superniere, nagut, leider steht meist irgend ein Monitor im 180° Winkel zum Mikrofon.

Jetzt ist eigentlich mein Problem den EQ so zu bedienen, dass
1. die Gitarre präsent und crunchy/crispy klingt
2. dennoch die Vocals sich nicht damit beißen
3. die Gitarre "fett" klingt, also eine gewisse Tiefe und Breite hat (untere Mitten/Bassfundament)
4. sich dennoch nicht mit dem E-Bass beißt
5. und bei der Betonung von 200-300Hz auch nicht das dröhnige Übersprechen des Bass-Amps mir den Gesamtsound versaut

Ich bekomme zwar gut mein gewünschtes Gitarren-Fundament, aber dann hab ich echte Probleme mit der Verständlichkeit der Vocals. Kritisch sind hier 2-5khz..
Kann man da mit Hall was machen für die Tiefe? Auf die Vocals macht man halt dezent aber hörbar Hall und die Gitarren sind trocken und prägnant. Jetzt ist es die Kunst das automatische in-den-Vordergrund-stellen der Gitarren zu vermeiden.
 

Ähnliche Themen


Unser weiteres Online-Angebot:
Bassic.de · Deejayforum.de · Sequencer.de · Clavio.de · Guitarworld.de · Recording.de

Musiker-Board Logo
Zurück
Oben