Suche Tipps zur Optimierung meiner Mixing-Technik...

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Hallo Leute,

ich habe in den letzten Jahren viel probiert, gelesen, wieder probiert und trotzdem scheine ich gerade an eine Art Schallmauer zu stoßen. Ich hoffe auf das konkrete Problem bei mir kann jemand der erfahrenen Mischer vielleicht ein paar Tipps beisteuern. Bevor ich anfange: ich hoffe, das ist das korrekte Unterforum dafür - falls nicht, dann bitte verschieben liebe Moderation.

Also, worum geht es mir:
Ich bin Schlagzeuger einer Liveband (Cover Rock, ein bisschen Top40 und Stimmungsmusik - eben alles, was bei Kirmessen, Fasching, Dorffesten usw. ankommt). Wir sind insgesamt das klassische Quintett bestehend aus Main Vocals, Gitarre, Bass, Keyboard und Drums, inklusive einiger BGV. Das Ganze fing vor vielen Jahren mal als ein Hobby an und mittlerweile sind wir ganz gut unterwegs mit eigener PA und Lichttechnik und ca. 10 Gigs im Jahr.
Verschiedene Umstände haben dazu geführt, dass wir als Musiker um 2007 rum plötzlich ohne Techniker da standen. Da ich mich schon lange für Tontechnik interessierte, habe ich freiwillig die Rolle des Tontechnikers übernommen und bin es auch heute noch. Sprich, wir sind ohne FOH unterwegs und ich mache den Mix von der Bühne aus. Sicherlich, das ist nicht optimal, aber so kam es eben damals. Abgesehen davon habe ich unsere Technik und meinen Workflow auf diese Gegebenheit hin optimiert, sodass ich damit ganz gut zurechtkomme.
Dennoch habe ich mit dem Mixing ein paar Probleme, für die ich hoffe ein paar Tipps bekommen zu können.
Mein Workflow sieht wie folgt aus: Nach dem Aufbau der Technik und Inbetriebnahme beginne ich die PA (Ohm TRS mit 2xTRS-218 und 2xTRS-212) an den Raum/VA-Ort einzustimmen (mir bekannte Songs und parametrischer EQ im X32 Rack). Wenn das soweit passt, mache ich den Linecheck und Soundcheck der einzelnen Instrumente. Erst Drums, dann Bass, Gitarren, dann Keys, dann Vocals. Ich mache meistens nur EQing der Instrumente und wo nötig Kompression, die Stimmen bekommen ein wenig kombinierten Hall/Delay, das wars. Wenn das alles passt spielen wir 1-2 Songs, die ich über die X-Live Karte im Mischpult aufnehme und anschließend ins Rack zurückspiele, um die Feinabstimmung vom FOH aus zu machen. Und hier stoße ich auf das Problem: irgendwie habe ich immer Schwierigkeiten meinen Mix „wie aus einem Guss“ klingen zu lassen. Drums bekomme ich denke ich schon ganz gut hin, auch den Bass, aber Punkt 1: bei den Gitarren und Vocals habe ich immer Schwierigkeiten den Punch rauszubringen. Ich nutze den EQ/Lowcut um den Matsch wegzudrücken und achte dabei darauf, dass sich beide nicht gegenseitig Frequenzen und Raum wegnehmen, trotzdem fehlt mir der Druck, ohne dass es zu laut ist. Für sich genommen klingen die Kanäle gut, zusammen aber fehlt die Trennung. Punkt 2: wenn es darum geht alles zusammenzumischen, dann fehlt mir irgendwas. Ich nutze Panning und platziere die Kanäle je nach Instrument links und rechts im Panorama, dennoch klingt es nicht wie „eine Band“, sondern eher wie eine Zusammenstellung der einzelnen Instrumente. Der Mix klingt insgesamt irgendwie angespannt - man kann zwar alle Instrumente und Stimmen irgendwie identifizieren, aber es fehlt die Ausgewogenheit. Manchmal habe ich Probleme die Stimmen aus den Gitarren und Keyboard rauszubringen, dann drehe ich nochmal am EQ/Kanalfader der beiden nach und schaffe Raum im Spektrum - dann aber geht mir der Druck der beiden Instrumente verloren. Irgendwie bekomme ich den Mix nicht rund.

Ich weiß, es ist schwer akustische Eindrücke im geschriebenen Wort wiederzugeben, aber vielleicht weiß der ein oder andere, was ich meine. Ich gerate hier irgendwie an meine Grenzen. Ich beschäftige mich in meiner Freizeit neben dem Hauptberuf recht viel mit der Thematik, lese oder schaue Videos, analysiere alte Auftritte von uns und probiere beim nächsten Gig was anderes und je nach Gelegenheit schaue ich dem Mischer bei anderen Bands über die Schulter. Dennoch komme ich mit meinen Versuchen nicht so wirklich zu Rande.
Vielleicht ist es auch vermessen von mir so eine Anfrage zu stellen und ich blamiere mich gerade. Es gibt sicherlich tausende Stellhebel um einen ordentlichen Sound hinzubekommen und es ist garantiert sehr schwierig für euch ohne weiteren Kontext in irgendeine Richtung zu zeigen. Das ist mir klar und dafür entschuldige ich mich auch. Aber ich weiß einfach nicht, wie ich noch weiter optimieren kann. Ich habe leider keinerlei Kontakte zu anderen Tontechnikern oder Verleihern, bei denen ich mal etwas tiefer Einblick bekommen könnte - daher versuche ich es mal hier. Ich achte auch drumherum darauf, dass ein sauberer Mix entsteht: Ich achte bei unseren Proben darauf, dass wir die Songs sauber arrangieren und sich nicht schon vom gespielten Material her Instrumente und/oder Stimmen gegenseitig im Weg stehen. Auch bei der Mikrofonierung und Aufstellung auf der Bühne achte ich auf Sauberkeit im Sinne der Akustik, vom Monitoring her sind wir alle auf Stereo in-ears unterwegs - also keine Floor Wedges mehr. Trotz alledem macht mir der Mix immer noch Probleme. Was also kann es noch sein?


So, jetzt habe ich viel gejammert um ein schwer zu beschreibendes Problem. Ich erwarte keine Komplettlösungen im Sinne von „ja, kenn ich, da musst du das und das tun und dann klappt das“. Ich würde mich einfach freuen, wenn jemand versteht was ich meine und mich auf offensichtliche Fehler hinweisen könnte, mögliche Optimierungfselder aufzeigt, aus seiner Erfahrung spricht oder einfach einen groben Tipp geben kann in Richtung „hast du schon mal an Multibandkompression gedacht?“ oder „für sowas braucht’s auf jeden Fall ....“. Ich bin gerne bereit weitere Infos zu geben oder Bilder zu senden, ggf. auch Hörbeispiele. Mir ist es einfach wichtig hier zu lernen und weiterzukommen und daher bitte ich als Amateur mit dem Bildungshintergrund „learning by doing“ die Profis hier im Forum bescheiden um Hilfe.


Vielen Dank und viele Grüße,
Martin
 
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Hmm, erst einmal frage ich mich ob ihr echt mit einer sog. „silent stage“ arbeitet. Denn nur so kann man ernsthaft mit dem aufgenommenen Material halbwegs einen Soundcheck machen. Mit akustischem Drumset und Amps wirds so schwierig, da deren akustischer Anteil beim Abspielen der Aufnahme fehlen, dass man es nur bei wirklich großen Locations machen könnte. Aber eure PA legt den Schluß nahe dass dem nicht so ist.

Und dann gibts noch einen wichtigen Punkt. Als Livetechniker stelle ich ja den Sound nicht einmalig beim Soundcheck ein und lasse das dann so. Während der Veranstaltung greife ich immer wieder situationsbedingt in den Mix ein. Und das sindnicht nur die Pegel sondern auch EQs, Kompressoren, Effekte usw. Dieses dynamische Eingreifen macht dann erst einen Mix kompakt und stimmig. Mischt man von der Bühne dann ist das zwangsläufig ein Kompromiss. Du stellst den Sound einmal einund kannst diese ganzen kleinen, aber wichtigen Modifikationen gar nicht machen da du ja alle Hände (und Füße) voll zu tun hast um dein Instrument zu spielen. Man kann das etwas mit Kompressoren, Multibandkompressoren oder dynamschen EQs abfedern. Nur die wollen auch korrekt eingestellt sein um eine bessere Näherung als ohne deren Einsatz zu erreichen.
Sprich, die wohl sinnvollste Maßnahme ist wieder einen Techniker zu engagieren.
Mitviel Disziplin kann das auch durch die Band annähernd gemacht werden. Z.B kann der Gitarrist/Keyboarder Sounds, die den Gesang begleiten ausdünnen und leiser spielen um Platz für die Stimme(n) zu schaffen, aber bei Soloparts dann wieder druckvollere Sounds verwenden. Aber auch das ist ohne direkte Kontrolle, wie es ein Techniker an einer guten Position im Publikum haben würde, nur sehr schwer umgesetzt werden.

Im übrigen würde ich dir auch noch empfehlen die Aufnahmen von den Konzerten dazu zu verwenden um die eigenen Fähigkeiten am Pult daheim weiter zu verbessern und eventuell bisher noch nicht eingesetzte Effekte oder andere Möglichkeiten des Pultes auszuloten.
Beispiele:
Verwenden von Subgruppen und Kompression der Gruppen. Damit kann man z.B Backingvocals ganz gut verdichten. Da kann dann auch eventuell Sidechains helfen Räume frei zu schaufeln. Gitarre und Keys in einer Gruppe und deren Kompressor von der Leadstimme triggern. Da dreht die Stimme automatisch die konkurrierenden Instrumente Leiser wenn sie einsetzt.
Mit dem Mixregler des Kompressors kann man einfach bei bestimmten Instrumenten (Kick, Snare, Bass usw) oder der Leadstimme druckvollere Signale erhalten ohne dass sie zu laut sind.
Gerade im Rock-Umfeld kann der Wave Designer, der beim X32 ganz gut gelungen ist, auch viel bringen um Instrumente wie Kick und Bass druckvoller zu machen ohne sie lauter drehen su müssen.
Predelays bei Vocal Hall schafft bessere Textverständlichkeit und die Stimme bleibt vorne ohne an Räumlichkeit zu verlieren. Delays dezent eingesetzt auf der Stimme als Akternative zum Hall hilft auch dabei.
 
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.....ca. 10 Gigs im Jahr.
Verschiedene Umstände haben dazu geführt, dass wir als Musiker um 2007 rum plötzlich ohne Techniker da standen. Da ich mich schon lange für Tontechnik interessierte, habe ich freiwillig die Rolle des Tontechnikers übernommen und bin es auch heute noch. Sprich, wir sind ohne FOH unterwegs und ich mache den Mix von der Bühne aus. Sicherlich, das ist nicht optimal, aber so kam es eben damals. Abgesehen davon habe ich unsere Technik und meinen Workflow auf diese Gegebenheit hin optimiert, sodass ich damit ganz gut zurechtkomme.
Dennoch habe ich mit dem Mixing ein paar Probleme, für die ich hoffe ein paar Tipps bekommen zu können.
Mein Workflow sieht wie folgt aus: Nach dem Aufbau der Technik und Inbetriebnahme beginne ich die PA (Ohm TRS mit 2xTRS-218 und 2xTRS-212) ...

Ich denke auch, Du stößt gleich an mehrere Grenzen Deiner Gesamtsituation. Ich würde so vorgehen:
1. Trenne Dich grundsätzlich von dem Irrtum, dass man mit 10 Gigs im Jahr eine Band wirtschaftlich profitabel betreiben und gleichzeitig einen guten Sound haben kann.
2. Bau eure Bühnensituation um den X32-Rack so um, dass sie beste Bedingungen für einen perfekten inear-mix liefert. Keine Amps mit Lautsprechern mehr, leises Drumset (da gibt's in diesem Forum ne Menge Tipps, es muß kein E-Drum sein) ...
3. Konzentriere Dich darauf, gute inear-mixe für Dich und Deine Mitmusiker zu erzeugen. Das ist ein sehr anspruchsvoller Nebenher-Job für einen selbst spielenden Drummer.
4. Such Dir unter den neuen Bedingungen einen guten FOH-Mann und bezahle ihn ordentlich. Alte Entscheidungen kann man 12 Jahre später auch revidieren ...
5. Plane mit dem FOH Mann gemeinsam eine klare Grenze dafür, welche Gigs mit dem Ohm Rig gespielt werden und für welche eine der jeweiligen location angepasste PA zugemietet werden muß.
Dann wird das auf Dauer eine für alle Beteiligten befriedigende Situation.
 
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MP_Cap
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Hallo ihr beiden,

vielen Dank für eure Antworten, das hilft mir weiter - auch wenn ich schon befürchtet habe, dass das Feedback so aussehen wird. Einige von euren Tipps nutze ich so schon (hab 3 Stereo Subgruppen, auf denen ich die Kompression mache, quasi Automix-mäßig, außerdem der Wave Designer für die Drums). Bei allen anderen Raffinessen muss ich passen, side chain oder Multibandkompressor müssen gewissenhaft bedient werden, damit da kein Murks rauskommt. Und vorm Gig fehlt mir da die Zeit das auszuprobieren. Ferner gerate ich mit dem Pult sowieso an die technischen Grenzen, eben da keine Mixbusse mehr frei sind (3 Stereo Gruppen und 4 Stereo IEM Mixe, zwei Post Fader Busse brauche ich noch für die Effekte - wie ich da das IEM unseres neuen fünften Mitglieds unterbringen soll, weiß ich auch noch nicht).
Klar, der Virtual Soundcheck ist nicht optimal unter diesen Umständen. Anfangs wollte ich sowas auch nicht, aber es ist im Moment das einzige Vehikel, um uns als Band vom Publikum aus mal als Ganzes zu hören. Und ja, nachdem ich den Mix fertig habe, bleibt er meistens so wie er ist statisch eingestellt. Daher suchte ich nach Lösungen, wie ich diesen soweit wie möglich optimieren kann.

Versteht mich nicht falsch, es ist nicht so, dass es schrecklich klingt. Ohne mir auf die Schulter klopfen zu wollen: es läuft jetzt schon lange Zeit ganz gut und das Feedback des Veranstalters ist in 99% der Fälle sehr gut - es ist nur so, dass ich nicht damit zufrieden bin. Und ich sehe ein, dass ich nur noch ein bisschen optimieren kann, aber 100% können es nicht werden - da habt ihr vollkommen recht.

Ich werde das mal mit dem Rest diskutieren und mal schauen, wie wir da weitermachen.


Nochmal danke, ich schätze das sehr.
 
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Für IEM nutzen unser Gitarrist, der Keyboarder und ich selbst das P16-M, das spart Auxe.
 
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Ja, die Dinger kenne ich - Danke für den Tipp. Mal sehen was der Rest davon hält.
 

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