Morino V DeLuxe schwerer spielbar als Beltuna 96 Cassotto - warum?

von Tastenhuber, 24.03.17.

  1. Tastenhuber

    Tastenhuber Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.03.17   #1
    Anm. d. Mod.: Threadtitel präzisiert - bitte lesen: http://www.musiker-board.de/threads/aussagekräftige-threadtitel.551806/
    Gruß, Wil Riker


    Guten Morgen liebe Akkordeonspieler,

    ich habe mal eine ganz besondere Frage.
    Woran liegt es, dass eine Morino V DeLuxe sich einfach schwerer spielt als eine Beltuna 96 Cassotto.

    Die Morino hat die besseren Stimmplatten ---aber die Ansprache sowie die Dynamik die ich mit der Beltuna habe ist weit weg von dem was die Morino kann!
    Soll heißen, mit der Beltuna kann ich meinem Spiel einfache Ausdruck verleihen--wo hingegen die Morino etwas wie ein schwerer Koffer wirkt.

    Kann es an den Gurten liegen...?
    Original Hohner Ergo Gurte..?
    Oder kann ein Instrument so eingestellt werden--das es sofort und leichter Spielball ist...


    Ich hoffe Ihr versteht mich

    LG
     
  2. Bernnt

    Bernnt Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.03.17   #2
    Hallo Tastenhuber,

    was heißt "sich einfach schwerer spielt"? Heißt es, dass du mehr Kraft brauchst, bis ein Ton kommt? Hast du Probleme mit der Gestaltung des Tons? Oder ist es einfach so, dass du feststellst, dass so ein schwereres Akkordeon mehr Muckis braucht, weil es einfach schwerer ist? Oder??

    Grüße, Bernnt
     
  3. Tastenhuber

    Tastenhuber Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.03.17   #3
    Es spielt sich einfach schwerer....ich brauche mehr Kraft um einen Ton zu gestalten...also die Differenz zwischen leise und Laut ist einfach sehr klein...und es ist als ob ich einen Klotz bewegen muss...
    Ich brauche einfach mehr Druck um einen Ton zu gestalten....
    Und es fühlt sich an,als ob die Morino nur Laut kann...

    Die Beltuna hat das nicht ...
     
  4. maxito

    maxito Mod Akkordeon Moderator HFU

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    Erstellt: 24.03.17   #4
    Die Morino V ist ein 5-chöriges Instrument mit 41 Tasten. Die Beltuna (Alpstar?) hat 5 Chöre aber nur 38 Tasten - eventuell auch noch schmälere Tasten? Auf jeden Fall einen kleineren Gehäusequerschnitt. Je größer der Gehäusequerschnitt, desto mehr Kraft braucht man um den gleichen Spieldruck zu erzeugen - ist einfach Physik.

    Es kann an den Stimmplatten liegen - je nachdem wie die Mensur der Zunge gestaltet ist ergeben sich hier Unterschiede.
    Die Ventile können eine Rolle spielen. Je nachdem wie stramm die sind und wie die aufgeklebt sind können die die Schallerzeugung mit beeinflussen.

    Die Gurte selbst spielen keine Rolle, wohl aber kann es eine Rolle spielen, wie und vor allem wo die Gurte befestigt werden. Bei der Morino sind die üblicherweise an der "Gardinenstange" festgemacht. Bei vielen anderen Instrumenten jedoch oben auf dem Gehäuse. Damit wird die Morino nicht so an den Körper her gezogen und hat mitunter die Tendenz relativ beweglich vor dem Körper zu sitzen. Damit wird oft das Instrument mitbewegt wenn der Balg bewegt wird und somit geht Feinfühligkeit in die Gehäusebewegung, die man aber eigentlich nicht will. Aus dem Grund haben viele Morino Spieler ihre Gurtbefestigung geändert und entweder noch eine zweite Aufhängung hinter dem Diskantbrett, oder nach oben auf s Gehäuse verlagert, um die Morino fester an den Körper gebunden zu bekommen, damit sich eben nur der Balg und nicht gleich das gesamte Gerät bewegt.

    es gibt viele Punkte die eine Rolle spielen können . Nicht zuletzt die Ergonomie des gesamten Gerätes, wie das Gerät sich anfasst und anfühlt.



    Doch ich versteh dich glaub ich ganz gut...nur weiß ich nicht genau, an was es liegt.

    Ich hatte mal eine (relativ neue) Brandoni ausprobiert, bei der ich das Gefühl hatte, dass die Töne buchstäblich rauspurzeln , sobald man den Balg bewegt. Und das totale Gegenteil habe ich mal bei einer (nagelneuen) Excelsior Synphoni Gold erlebt, bei der ich das Gefühl hatte ich muss jeden Ton einzeln aus dem Gerät rausziehen.

    Die Brandoni war kleiner und deshalb schon mal von Haus aus mit weniger Kraft zu spielen, aber das erklärte trotzdem nicht diesen sehr deutlichen Unterschied. Inwieweit hier noch Einspieleffekte der Ventile das Spielverhalten der Excelsor verbessert hätten weiß ich nicht, aber ich vermute mal stark, dass die nie so leichtgängig gehen wird wie diese Brandoni.

    Aber auch hier würde ich nicht von diesen beiden Instrumenten auf alle anderen diesen Typs oder gar Herstellers schließen wollen, da ich eben nur wenige oder eben nur dieses eine Instrument dieses Herstellers kenne. ... Kann also sein, dass es beim nächsten Instrument gleichen Typs besser ist ... oder eben auch nicht.

    Da kommt dann auch ein Faktor mit ins Spiel: Akkordeons sind praktisch handgearbeitete Instrumente und somit jedes einzelne individuell zu betrachten.
     
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  5. Ippenstein

    Ippenstein Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.03.17   #5
    Mal von einem Fachmann prüfen lassen, ob der Lösabstand vernünftig eingestellt ist.
    Viel macht die Stimmplatte an sich aus: Härte des Federstahls, Schliffkurve etc. Bei den alten Instrumenten der 50er und teilweise der 60er Jahre war der Federstahl "weicher", wodurch die Zungen recht leicht angesprochen haben. Aber auch der ganze Rest wie Kanzelle etc. wirkt sich mit aus.

    Die Morino an sich ist aber eine Wuchtbrumme und ihr Konzept ist für lautes Spiel gedacht. Gerade die späteren Morinos haben große Stimmplattenmensuren drin, um viel Luft zu bewegen und auch dem Hörer in der letzten Reihe zu vermitteln, daß da vorne auf der Bühne die Musik spielt.

    Viele Grüße

    Ippenstein
     
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  6. truk

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    Erstellt: 24.03.17   #6
    Ich hab eine Morino VS d.L. - die zwar knapp 15 Kilo wiegt, dennoch schnurrt wie ein Kätzchen. Von ganz, ganz leise bis irre laut.
    Gruss, Kurt
     
  7. cantulia

    cantulia Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 24.03.17   #7
    Salut,

    neben den bereits angesprochenen Faktoren, wie Art und Größe der Stimmzungen sowie wie deren "Einstellungen" (den Löseabstand einstellen ist oft ein Kompromiss auf Ansprechverhalten oder Lautstärke), kann auch die Faltentiefe des Balges eine Rolle spielen, wie auch dessen Material.
    Bei zwei identischen Cantulia Sonatina4 lässt sich die Eine merkbar "leichter" spielen. Beide sind komplett instandgesetzt und im gleichen technischen Zustand, gleiche Ventile. Beide haben einen Ersatzbalg, einen habe ich neu in Italien anfertigen lassen, der hat eine Faltentiefe von 3cm (von Außen gemessen). Der Andere Balg stammt aus einer Schlacht Sonatina und wurde schätzungsweise in den 80/90igern montiert und ist auch neuwertig erhalten. Seine Faltentiefe beträgt 25mm. Beide Bälge haben einen Leinenbezug auf der Außenseite.
    Die Spielweise bei der 2. Sonatina, mit der geringeren Faltentiefe ist viel leichtgängiger. Ob dies nun an der anderen Faltentiefe und/oder vielleicht einer anderen Pappe etc. sei dahingestellt. Einen gewissen Einflus auf das Händeln beim Spielen hat der Balg auf jeden Fall.
    Mir ist dieses auffällig schwere Spielen ja auch negativ bei einer Scandalli Polifonico X aufgefallen, konnte ich aber auch nicht wirklich nachvollziehen warum dies so war.

    Roland
     
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  8. Fingertricks

    Fingertricks Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.03.17   #8
    Das passt zu meiner aktuellen Frage: Akko leise einstellen

    Das ist wohl extrem viel Arbeit diese Platten ultrafein einzupassen,

    so dass die mit ganz wenig Luft schon fein anspringen.

    Aussage meines Lieblings-Akko-Bauers: "da sitzt du wochenlang, kommt es auf weniger als 1/10-mm an; und man muss das auch Ausmessen in cmH20".

    Deshalb auch meine Frage (siehe neues Thema - tut jemand heute noch sowas.....
     
  9. maxito

    maxito Mod Akkordeon Moderator HFU

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    Erstellt: 26.03.17   #9
    Ohne dem Fragesteller vorgreifen zu wollen - ich glaube dass das "schwerer spielbar" nicht auf das Ansprechverhalten , ab welchem Lufthauch die Zungen mit welcher Lautstärke ansprechen gemeint ist. Ein Instrument kann sehr fein ansprechen, aber trotzdem schwer spielbar sein, wenn entsprechend viele mechanische Widerstände zusammenkommen. Akkordoens haben mitunter aufgrund ihrer Bauform und ihres spezifischen Aufbaus unterschiedlcihe "Spielwiderstände" die man grundsätzlich aufbringen muss, die aber nicht direkt was mit dem Ansprechverhalten der Zungen zu tun hat.



    Die Antowrt ist zweiteilig:

    einerseits : ja - wird noch gemacht. Hat mir mein derzeitgier Stimmer erzählt, dass bei der Gola auch heute ncoh zuallererst die Stimmzungen eingestellt und abgeglichen werden, was typischerweise 20 bis 40 Stunden braucht

    Und daraus ergibt sich der zweite Teil der Antwort:

    Wenn das Instrument weniger als 5000;-- Euro mehr kostet als ein vergleichbares gleichen Typs, dann wird das nicht gemacht, denn die einzigen die ich kenne, die das machen machen das eigentlich aus Spaß und Freude daran, dass sie in der Lage sind, dies machen zu können - denn bezahlen würde das niemand wollen. Und somit wird dies von normalen Fachwerkstätten nicht gemacht, weil vermutlich niemand das Geld einfach so ausgeben will und auf der anderen Seite der Spezialist auch von irgendwas leben will. Drum kommts nicht zustande: die einen wollen das haben, aber nicht gebührend bezahlen. Und die anderen, die das machen könnten wollen dies nicht einfach umsonst tun, weil sie mit ihrer Arbeit davon leben und ihre Familien ernähren könne sollen.

    Aber privat aus Eigeninteresse - ja das gibts schon: User Balg macht das gelegentlich und ich mach das bei meinen eigenen Kisten teilweise auch. Und aus den Erfahrungen aus dieser Tätigkeit her kann ich zumindest sagen, dass man da einiges machen kann, aber je nach Qualität der Stimmplatte auch natürliche Grenzen sind, die man nicht mehr unterschreiten kann.
    Und es stimmt: man sitzt unendlich lange dran, bis die ganze Kiste auf ihre Optimum getrimmt ist!
     
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