Mr. Tambourine Man Bob Dylan oder Byrds?

von epplkahn, 26.08.07.

  1. epplkahn

    epplkahn Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    23.08.07
    Zuletzt hier:
    6.07.09
    Beiträge:
    194
    Ort:
    Weltmetropole Mutlebutzle
    Zustimmungen:
    1
    Kekse:
    79
    Erstellt: 26.08.07   #1
    Hi, ich wollte mal fragen welche Version von Mr. Tambourine Man ihr besser findet, die von Bob Dylan oder die der Byrds.



    Ich persönlich bin ja für Bob Dylan(wegen der Mundharmonika), wiederum find ich das Intro der Byrds nicht schlecht.



    Was meint ihr?
     
  2. alyssa

    alyssa Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    26.10.04
    Zuletzt hier:
    1.03.13
    Beiträge:
    106
    Ort:
    wo der Bus gerade hält
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    359
    Erstellt: 27.08.07   #2
    Hallo,

    ich finde beide so unterschiedlich, daß ich beide Versionen einzeln gesehen in der Interpretation gut finde.

    Edit: Bei den Byrds habe ich immer eine Art der Leichtigkeit, singe nebenher den Songs. Bei Dylan hingegen konzentriere ich mich eher auf den Text. => daher sind sie für mich fast wie zwei eigenständige Songs

    Nun hast Du aber die 3. Möglichkeit Dylan&Byrds zusammen in der Auswahl vergessen :D

    grüße, alyssa
     
  3. Floh

    Floh Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    04.09.04
    Zuletzt hier:
    3.02.15
    Beiträge:
    626
    Zustimmungen:
    8
    Kekse:
    2.939
    Erstellt: 01.09.07   #3
    Komisch, dass du das mit dem auf den text konzentrieren zwar ansprichst, aber vergisst zu erwähnen, dass die Byrds doch einiges weglasssen.

    Deshalb würde ich mich klar für die Dylan Version entscheiden, der Text gehört, für mich, einfach zu dem Besten was die moderne Musik hervorgebracht, nicht umonst wird dylan immer wieder für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen, ohne ihn jedoch je zu gewinnen, denke ich.
    Diesen Text dann so zu beschneiden macht ihn vielleicht Charttauglich ist aber einfach falsch.

    Auch wenn ich die Byrds-Version nicht schlecht finde, hat sie doch ihren Sound geradezu definiert(soweit ich weiß ohne dass ein anderes Byrdsmitglied außer Roger McGuinn auf der Studioaufnahme gespielt hat, sonst alles Studiomusiker, könnte mich aber täuschen) bis sie dann durch Gram Parsons zum Country kamen, für mich iost es ganz klar Dylan.
    Denn, "Nobody sings Dylan like Dylan".
     
  4. M_Charly

    M_Charly Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    27.06.07
    Zuletzt hier:
    12.08.10
    Beiträge:
    40
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    10
    Erstellt: 01.09.07   #4
    Das mit der dritten Version hat was.
    Wenn ich ein Lied einstudieren will, schaue ich erst einmal, wer es schon wie interpretiert hat. Meistens suche ich mir dazu die TABs im Internet und bastel mir eine Version zusammen, die mir persönlich gefällt.
    Problematisch (wegen dem Urheberrecht) könnte das nur bei öffentlichen Auftritten sein. Aber für zu Hause sehe ich da keine Probleme.

    Spiel einfach beide Versionen, und schau, ob dir eine dritte nicht viel besser gefällt.
     
  5. frinderman

    frinderman Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    02.02.07
    Zuletzt hier:
    26.04.16
    Beiträge:
    83
    Ort:
    Frankfurt am Main
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    351
    Erstellt: 03.09.07   #5
    @epplkahn- wenn Du Dich jemals wirklich mit dem Text beschäftigt hättest würdest Du feststellen wie absurd Deine Frage ist.
    Die Abkopplung von lyrics and music, gerade in diesem speziellen Fall, ist einfach nur peinlich (Byrds) und gibt einem mal wieder den schlechten Geschmack von Fastfood sowohl kulturell als auch intellektuell.
    @floh- Du hast es absolut getroffen!!!
     
  6. rockbuerosued

    rockbuerosued HCA Musik-Praxis/Recht HCA

    Im Board seit:
    30.03.05
    Zuletzt hier:
    14.04.16
    Beiträge:
    685
    Ort:
    Musikakademie Schloss Alteglofsheim
    Zustimmungen:
    59
    Kekse:
    4.793
    Erstellt: 29.09.07   #6
    ...da will ich Dir auch gar nicht wiedersprechen.

    Trotzdem gibt es Interpretationen, die einer Ursprungskomposition ganz neue (Klang-)Erlebnisse öffnen.

    Die HOLLIES haben 69 (ohne Nash) mit "Words and music by Bob Dylan" oder verkürzt "Hollies sing Dylan" manches Grausen ausgelöst - aber bei manchen Kompositionen ganz interessante Elemente hervorgehoben. Die mehrstimmigen Vocals hatten damals halt noch ihren Charme. Aber "Just like a woman" bekam damals eine gospelige Schwere, die Dylan selbst erst mit dem Bodokan-Album zehn Jahre später erreichte.

    Ganz anders "My back pages", das kam damals im Allan Clarke-Arrangment mit Orchester ganz verquer daher. Aber beim fünften/sechsten Hören rotierten die OHren. Auch die "Mighty Quinn"-Version mit der Polarisation zwischen Banjo als Leadinstrument und den Bläsern mag auf die erste Abhöre etwas Disney-like klingen. Aber wenn man das analysiert, liest man die Substanz.

    Diese verschiedenen Arrangments sind kein "Fastfood" wie frinderman im oberflächlichen Schnellschuss abwertet sondern Bestätigung für die vielfältigen Perspektiven des Autors Dylan.

    Btw. wäre es ratsam mit solchen verbalen Schnellschüssen selbstkritischer umzugehen.

    Ich darf nur kurz daran erinnern, dass Pete Seeger beim Newport Folk Festival mit einer Axt auf Dylans Amp losgehen wollte, als der hörte, dass dieser seine Songs jetzt elektrofiziert anbot.
    Ich schätze Herrn Seeger sehr. Ich schätze auch Herrn Dylan sehr. Und Parsons sowieso! Insofern sollte man mit abqualifizierenden "Fastfood"-Schubladen sehr vorsichtig sein. Weil keiner ohne Angriffsfläche ist.

    lg.
     
  7. Floh

    Floh Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    04.09.04
    Zuletzt hier:
    3.02.15
    Beiträge:
    626
    Zustimmungen:
    8
    Kekse:
    2.939
    Erstellt: 29.09.07   #7
    (zunächst der Widerspruch, Parsons war damals (in der Dylan Cover Zeit) eben noch nicht bei den Byrds...)

    Das Hollies Album wollte ich mir mal kaufen, es dann aber doch nicht getan, vielleicht sollte ich es demnächst mal nachholen.

    Habe ja auch nur einen Promo-Sticker auf der Greatest Hits Platte zitiert, ich gebe dir natürlich recht.
    Man muss sich nur Hendrix 'All Along the Watchtower' anhören um einzusehen, dass man aus den Songs auch etwas anderes rausholen kann (auch wenn ich mich nicht spontan für einen favorisierte Version entscheiden könnte).

    Auch die Byrds haben gute Dylan-Cover gemacht, nur eben von Liedern mit blendenden Texten(Tambourine Man, My Back Pages) und das dann so abzukürzen nehme ich ihnen übel... Da dann lieber ihr All I Really Wanna Do, auch wenn ich Dylans gejodele ganz gern mag ;)

    Peter Paul and Marys Version von Don't Think Twice ist auch so eine Aufnahme, die nochmal hinzufügen kann, wie ich finde.
    Obschon nicht groß anders arrangiert arbeiten sie eben durch Ihren Gesang bestimmte Feinheiten heraus, die Dylan's Version nicht bietet(melodisch! Ob das nun textlich zu so einem sarkastischen Lied passt??? Ich mag die Version trotzdem).


    Die nächste Frage wäre dann:
    Wie gut covert Dylan selbst denn Dylan?
    Das von dir angesprochene Budokan Album ist da zur Rate zu ziehen.
    Die Rolling Thunder Revue(tolles It Ain't Me Babe), Live 1984, und auch Bootlegs aus diesen Jahren...
     
  8. frinderman

    frinderman Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    02.02.07
    Zuletzt hier:
    26.04.16
    Beiträge:
    83
    Ort:
    Frankfurt am Main
    Zustimmungen:
    0
    Kekse:
    351
    Erstellt: 08.10.07   #8
    Na,ja, das kann nicht unwidersprochen bleiben: @ rockbuerosued = zur Erinnerung für alle die sich auf Musiker-Recht etc kaprizieren: eine Komposition ist noch immer das geistige Eigentum des Komponisten und eine Coverversion, die zwar vom entsprechenden Verlag legitimiert wurde und im vorliegenden Falle nicht vom Komponisten (Dylan vs Byrds), ist und bleibt nun mal (im Sinne des Komponisten) ein unerlaubter Eingriff in die Werktreue. Wenn eben dieser Eingriff , mit der imanenten Kürzung des Textes zu einer veränderten Aussage des Poems generiert, dann basiert meine Kritik eben auch auf der ethischen Seite des Geschehens. Im Umkehrschluss wäre es ein Persilschein für alle die irgendwie, irgendwo erschienene Coverversionen erstellt haben, wenn man sich nicht wehren könnte und mit einem Allgemeinplatz das jeder eine Angriffsfläche bietet, abgebügelt wird. Dass Pete Seeger gegen Dylan seine persönlichen Affekte hat, tut dem Recht des Autors mit seinem Werk umzugehen wie er will, keinen Abbruch. Und der Nachsatz ob Dylan selbst Dylan "covert" von Floh, ist hoffentlich ironisch gemeint.:(
     
  9. rockbuerosued

    rockbuerosued HCA Musik-Praxis/Recht HCA

    Im Board seit:
    30.03.05
    Zuletzt hier:
    14.04.16
    Beiträge:
    685
    Ort:
    Musikakademie Schloss Alteglofsheim
    Zustimmungen:
    59
    Kekse:
    4.793
    Erstellt: 09.10.07   #9
    Sorry, lieber frinderman, da triffst Du mich bei einem meiner Spezialgebiete (lies vielleicht mal ein bischen im Musikbusiness-Unterforum...).

    Ich maße mir nicht an, zu vermuten, welche Vertragskonstellation 1964 zwischen Herrn Dylan und dessen Musikverlag hinsichtlich der Absegnung von Werkbearbeitungen existiert hatte. Wäre mal interessant zu wissen, woher Du Deine Infos hast.
    Auch lässt sich das deutsche Urheberrechtsgesetz nicht eins-zu-eins auf die US-Rechtssituation 1964 übertragen. Wir fischen m.E. beide im Trüben, wenn wir uns hier hypothetischer Gedenkenirrungen hingeben.

    Fakt ist IN DEUTSCHLAND: will ein Interpret oder Komponist/Textdichter an einem bestehenden Werk eine Veränderung/Bearbeitung vornehmen, muss er den Rechteinhaber um Erlaubnis bitten. Ansprechpartner ist hier primär der Musikverlag, weil nur dieser in der Außenwirkung als Rechteverwalter zu erkennen ist.

    Welche Regularien Musikverlag und Autor/en im Innenverhältnis geschlossen haben, ist für den Rechteeinholer nicht einsehbar. Es könnte also im Falle des Herrn D Fakt sein, dass im Innenverhältnis der Vertrag lautet, dass bei Textveränderungen bis 5 Worte der Musikverlag autark entscheiden kann und ab dem sechsten Wort der Herr D. als Textdichter gefragt werden muss.

    Könnte! Muss aber nicht! Es könnte auch vertraglich fixiert sein, dass Textdichter D. selbst bei einer Kommata-Veränderung bereits gefragt werden müsse. Dann hätte der Musikverlag im Falle der Rechteerteilung für den Herrn McG. einen Vertragsbruch begangen und wäre für diese Rechteerteilung gar nicht legitimiert gewesen. Was aber für Herrn McG. in der Außenwirkung nicht erkennbar sein konnte.

    Wir könnten das Spielchen jetzt weiter spielen....
    Bringt aber nichts, weil wir 1964 nicht dabei waren. Und auf HÖren-Sagen gebe ich grundsätzlich nichts. Herr D. hat trotzdem an den Tantiemen für den Chartserfolg kräftig mit verdient - und tut dies noch heute. Denn nur die verschiedenen Cover-Versionen von "Mr.T." kamen in den Charts bis nach ganz oben.

    nix für ungut...
     
  10. Floh

    Floh Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    04.09.04
    Zuletzt hier:
    3.02.15
    Beiträge:
    626
    Zustimmungen:
    8
    Kekse:
    2.939
    Erstellt: 09.10.07   #10
    Dylan spielte übrigens in Budokan und auf dem Rest der 78er Tour 2 Strophige Versionen des Liedes, so ganz hassen kann er es nicht...


    Zu dem Covern:
    Nehmen wir uns als Beispiel mal Don't Think Twice und hören uns die Versionen auf:
    The Freewheelin'
    Live 1964 Hollywood Bowl
    Live 1974 Before The Flood
    Live 1978 At Budokan
    ein Bootleg von 1994 aus Woodstock
    mit Clapton 1999
    und eine Aufnahme von 2000 an

    (die nicht verlinkten habe ich bei youtube nicht gefunden, statt 2000 hätte ich gerne Oslo oder Berlin aus dem Jahr 2002 gehabt, aber die Bootlegs habe ich zu Hause und da bin ich nicht)

    1963, Album Version noch sehr schön gepickt alles sauber.
    1964 wird es dann geschlagen(vielleicht weil Dylan eben doch nicht selbst gezupft hatte? anderes Thema) und ein wenig verjodelt/geschrien...
    1974 einigermaßen ähnlich wie 1964
    1978 dann ein ganz krasser Wechsel zum Reggae
    1994 eine schöne Akkustische Version in Woodstock, das Bootleg sollte man haben, werds, falls Interesse besteht mal hochladen.
    1999 dann, klar mit Clapton, eine elektrische Version, schönes Solo, finde ich
    dann die Konzerte mit Tony Garnier(immernoch in der Band) und vorallem an den Gitarren Charlie Sexton und Larry Campbell, tolle Akkustische Konzerte und so eben auch diese Version.

    Aber alles klingt doch recht verschieden.
    Klar ist das nicht covern sondern interpretieren.
    Sagen wollte ich damit nur, auch Dylans Lieder werden von ihm neuerfunden oder manchmal zerstört, jedenfalls stehen sie nicht starr, ich glaube er hat gegen solche Cover-Versionen nichts(gegen G'nR hoffentlich schon) und fühlte sich ja geradezu geehrt von Elvis gecovert zu werden(Tomorrow is a long time)
     
  11. DerZauberer

    DerZauberer Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    03.04.07
    Beiträge:
    2.880
    Ort:
    New York City
    Zustimmungen:
    2.627
    Kekse:
    49.802
    Erstellt: 09.10.07   #11
    Man muss ja auch bedenken, dass Dylan seinen "Mainstream"-Fans und -Coverbands durchaus auch zu verdanken hat, dass seine Musik bekannt wurde. Mein Dad beispielsweise (in den 60ern in seinen 20ern, genau im Alter für solche Sachen) ist auf Dylan überhaupt erst durch diese "Cover" gekommen.

    Und wer Dylan mal live erlebt hat, der weiß auch, dass selbst der Meister selbst an seinen Stücken immer wieder feilt und sie immer wieder neu interpretiert. Gerne spielt er beispielsweise auch "All along the watchtower" in der Hendrix-Version, covert also sein eigenes cover.

    In der Folk/Country-Ecke ist es eh so, dass die Interpretation eines Stücks durch einen vom Schreiber halbwegs anerkannten anderen Künstler als absolute Ehre gilt und offenbar ohne Stress und viel getue abläuft, auch wenn - oder gerade weil - dabei Änderungen passieren. Man nimmt ein Stück Kunst und sieht, was man selbst draus machen kann. Ist ja kein Gemälde wo man mit ein paar Pinselstrichen alles kaputt machen kann - das "Original" exisitert ja trotzdem weiterhin. Ebenso im klassischen Blues: Man nimmt einen Text und/oder einen Song und bastelt das dazu, was man selber dazu beitragen will. Ganz normal.

    Schwierig wird's halt, wenn Plattenfirmen, Tantiemen und Rechte ins Spiel kommen... aber das ist ja eigentlich nicht das Kernthema hier. Wir reden ja auch von einer Zeit, wo in der Musikszene die Recht der Künstler grundsätzlich mit Füßen getreten wurden, wenn die Labels Geld verdienen konnten.

    Kurzum: Die Byrds-Version hat für mich eine absolute Berechtigung, und sie ist sicherlich (weil nicht so abhängig von Dylans individuellem Stil) diejenige, die man leichter "nachspielen" kann.
     
  12. Floh

    Floh Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    04.09.04
    Zuletzt hier:
    3.02.15
    Beiträge:
    626
    Zustimmungen:
    8
    Kekse:
    2.939
    Erstellt: 09.10.07   #12
    richtig, deshalb ja eben der oben erwähnte Sticker auf der Greatest Hits Platte 'Nobody Sings Dylan Like Dylan'. Die Cover Versionen waren damals bekannter fast als die Originale!

    Auch hier, richtig!
    Dylan hat zu Beginn viel Guthrie gesungen und sich viel vom 'Guthrie-Imitator' Ramblin' Jack Elliott abgeschaut!
    Und Guthrie selbst hat sinngemäß gesagt: Eine neue Melodie zu schreiben ist gar nicht so schwer, man nimmt sich einfach eine alte, spielt sie an langsamen Stellen etwas schneller und an schnellen etwas langsamer und schon hat man ein neues Lied.
    Das war für Folker damals ja auch normal, Dylan gibt auch hier einige Beispiele.
    Oder das oben angesprochene Don't Think Twice. Die Melodie(die selbst halb abgekupfert wurde) hat Johnny Cash später zu 'Understand Your Man' gemacht.
     
Die Seite wird geladen...