Musik als Beruf!!???

  • Ersteller Ersteller Sascha Buch
  • Erstellt am Erstellt am
  • #21
Antipasti, genau das ist es!
Du brennst fĂŒr die Musik....du machst lieber Musik und hast kaum Geld fĂŒrne Scheibe Brot, als irgendeinen Angestellten-Beruf auszuĂŒben. Und das ist das coolste der Welt, solche KĂŒnstler braucht man.
Andererseits hast du meinen Satz völlig aus dem Kontext heraus zitiert: Ich sprach davon, dass man sich ein Standbein aufstellen sollte, falls das Material nicht mehr funktioniert - sprich deine Stimme.
Denn als SĂ€nger ohne Stimme bist du arbeitslos und dann wirds halt hart. Dann ist es nicht schlecht, noch einen Plan B zu haben.
Und von wegen Ängste und so: Ja, ich habe Angst. Ich habe manchmal Angst, nicht zu genĂŒgen und spĂ€ter da zustehen, weil keiner mich will, man keine Engagements bekommt. Aber ich denke diese Angst und dieses Risiko sollte man nicht leugnen, sondern einfach eingehen. Dann wird aus Furcht auch keine Furcht mehr.

...
 

  • #22
Antipasti, genau das ist es!
Du brennst fĂŒr die Musik....du machst lieber Musik und hast kaum Geld fĂŒrne Scheibe Brot, als irgendeinen Angestellten-Beruf auszuĂŒben. Und das ist das coolste der Welt, solche KĂŒnstler braucht man.

Nur, dass Antipasti meines Wissens sein Geld nicht mit Musik verdient...
 

  • #24
Waere es, wenn ich meine Weisheit nicht aus dem Netz haette. Dann haett ich's aber auch nicht hier geschrieben ;)
 
  • #25
Antipasti, genau das ist es!
Du brennst fĂŒr die Musik...

Nein, tu ich nicht ... ich brauche ab und zu Musik bzw brauche die BĂŒhne ... aber nicht beruflich. Dennoch habe ich mch fĂŒr einen selbststĂ€ndigen kĂŒnstlerisch-gestalterischen Beruf auf einem Ă€hnlich ĂŒbersĂ€ttigten Markt entscheiden. Und nach drei harten Jahren kam halt die Belohnung.

Sorry hÀtte ich wohl dazu schreiben sollen, Mir ging es eher darum, zu erlÀutern, dass "wirtschaftliche Absicherung" durch eine Festanstellung halt nicht alles ist. Erst Recht nicht heutzutage. Zumnindest muss ich keine Angst haben, gefeuert zu werden, weil mein Chef seine Firma in den Konkurs gefahren hat.

Ich habe immer Musik gemacht und auch immer Geld damit verdient. Ich brauche es nach wie vor, ab und zu auf der BĂŒhne zu stehen. Es kommt fĂŒr mich als Beruf aber nicht in Frage, da ich nicht gerne auf Reisen bin, am Liebsten zu Hause und sehr gern allein arbeite.

Hinzu kommt, dass die BĂŒhne der letzte Ort bleiben soll, an dem ich "Narrenfreiheit" haben will.

Ich bin mir sicher, dass ich es als Musiker - zumindest auf dienstleisterischer Ebene - auch geschafft hĂ€tte. Angebote gab es immer genug. Aber dann hĂ€tte ich eben diese "Narrenfreiheit" aufgeben mĂŒssen und Musik zur Routine werden lassen mĂŒssen. Der Preis war mir zu hoch. Ich habe als Musiker jesdes noch so erfolgreiche, lukrative Projektes immer aufgegeben, wenn es mich gelangweilt hat und mich lieber neuen Herausforderungen gewidmet - egal wie viel ich damit verdient habe.

Aber wenn es mit meinem jetzigen Beruf mal wieder bergab gaht, dann hÀtte ich immehin ein zweites Standbein: das Singen :)

Andererseits hast du meinen Satz völlig aus dem Kontext heraus zitiert: Ich sprach davon, dass man sich ein Standbein aufstellen sollte, falls das Material nicht mehr funktioniert - sprich deine Stimme. Denn als SÀnger ohne Stimme bist du arbeitslos und dann wirds halt hart. Dann ist es nicht schlecht, noch einen Plan B zu haben.

Das Risiko der BerufsunfÀhigkeit gibt es aber in jedem Beruf. Singen kann man auch noch, wenn man fast blind ist und keine Arme und keine Beine mehr hat. Da sind andere Berufe viel riskanter... besonders im medizinischen und im handwerklichen Bereich.


Aber ich denke diese Angst und dieses Risiko sollte man nicht leugnen, sondern einfach eingehen. Dann wird aus Furcht auch keine Furcht mehr.

...

Ich verstehe Deine Ansicht auch ... nur halte ich es fĂŒr nicht ganz angemessen, dass komplette MusikgeschĂ€ft hier in seiner "abschreckendsten" Form darzustellen und zu beurteilen, obwohl es dann doch nur ganz persönliche BefĂŒrchtungen und EinschĂ€tzungen sind. Denn letztendlich hast Du es selbst doch noch nie probiert (davon gehe ich zumindest aus). Das ist Dein gutes Recht. Denoch solltest Du Leute, die einfach etwas mehr Mut haben aber eher beglĂŒckwĂŒnschen, als sie als "naiv" hinzustellen.

Auf gewisse Gefahren hinzuweisen, ist dabei völlig OK... aber:

Letztendlich kann man in der heutigen unsicheren Wirtschaftslage fast jede noch so feste Anstellung verlieren. Als freier KĂŒnstler oder Musiker kann man genauso auf die Schnauze fallen wie als selbststĂ€ndiger EinzelhĂ€ndler, Kneipenwirt oder Gas-Wasser-Installateur. Und Konkurrenz gibt es ebenfalls in jedem noch so kleinen Mikromos.

Letztendlich ist es ĂŒberall das Gleiche: wenn Du Deinen Job gut machst und dich auch noch gut verkaufst, hast Du ĂŒberall einen reelle Chance...
 
  • #26
Und noch etwas haben sie gemeinsam: kein zweites Standbein.

Das find ich extrem dumm. Ich werde nĂ€chstes Jahr auch anfangen, Musik zu studieren, habe aber vorher Informatik studiert, um einfach die Sicherheit zu haben, falls es mit der Musikerkarriere nicht funktioniert. Neben der Ausbildung lĂ€sst es sich ĂŒbrigens sehr gut Theorie pauken und BĂŒhnenerfahrung sammeln :great:.
Ganz ohne zweites Standbein wĂŒrde ich mir ein Musikstudium aufgrund des knallharten Marktes zehn mal ĂŒberlegen...
 
  • #27
Antipasti, ob jetzt Musik, oder halt irgendein anderer Beruf, das ist doch vollkommen egal. Die Hauptaussage in meinem Satz war, dass ich cool finde, dass du fĂŒr deinen beruflichen Traum bereit bist, große Entbehrungen (wie zb. Nahrung) einzugehen. Das zeugt doch von einem großen Willen.

Zu meiner eher pessimistischen Ansicht was den Arbeitsmarkt im kĂŒnstlerisch-musischen Bereich angeht, gedachte ich lediglich zu betonen, dass eben nicht alles so schön romantisch ist, wie sich das vlt viele vorstellen. Es gehört halt eine Menge Entbehrung, Disziplin und Wille dazu, um so etwas durchzuziehen.
Und das ich meine Ängste jetzt so auf die anderen ĂŒbertragen habe...naja, ich weiss nicht. Es ist einfach meine Meinung, die doch nicht jeder so ĂŒbernehmen muss. Aber verschiedene Sichtweisen zum Thema sind doch immer eine gute Sache, oder nicht?
 
  • #28
Denoch solltest Du Leute, die einfach etwas mehr Mut haben aber eher beglĂŒckwĂŒnschen, als sie als "naiv" hinzustellen.

Nein, das sollte man meiner Meinung nach nicht... Man kann es schon als mutig ansehen, alles auf eine Karte zu setzen und auf sich voll in die Musik zu stĂŒrzen, aber es ist eine dumme Art von Mut. Ich finde das Ă€hnlich wie Freeclimbing. NatĂŒrlich sind Freeclimber "mutiger" als einer, der nur mit Seil klettert, und solange alles gut geht, finden ihn auch alle wahnsinnig mutig, aber wenn er dann abstĂŒrzt und seine zwei Kinder ohne Vater aufwachsen, war es einfach nur dumm von ihm, kein Seil zu benutzen. Genauso verhĂ€lt es sich mit der Musik. Warum will man denn der Musikkarriere nicht eine Ausbildung vorschieben? Es gibt wirklich keinen Grund, alles auf eine Karte zu setzen. Hier geht es nicht um BerufsunfĂ€higkeit oder so, sondern nur darum, dass es sehr viel schwerer ist, mit Musik seine Familie zu ernĂ€hren, als z.B. als Informatiker oder Mechaniker.

Ich kenne ĂŒbrigens viele Musiker, die mit abgeschloßener Ausbildung bzw. einem Studium in der Tasche ihre Karriere begonnen haben und jetzt extrem erfolgreich sind, gerade weil sie lĂ€ssiger an die Sache rangehen konnten. Alles auf eine Karte zu setzen bedeutet in keinster Weise, auf dem Markt eine grĂ¶ĂŸere Chance zu haben.
 
  • #29
Ein gewisses Risiko ist immer da, sowohl wenn man selbststÀndig als auch angestellt ist. Man sollte sich der Risiken bewusst sein und sich selbst einschÀtzen können, ob man sich dem stellen kann oder nicht.

Ich kenne zwei FĂ€lle, bei dem einen ist es eine Katastrophe geworden, bei dem anderen zufriedenstellend, auch wenn er kein Star geworden ist. Beide sind zwar keine SĂ€nger, aber Berufsmusiker im Popularmusikbereich. DĂŒrfte sich nicht großartig von BerufssĂ€ngern im Popularmusikbereich unterscheiden. Bei SĂ€ngern kommt nur dazu, dass es eine zusĂ€tzliche körperliche Anstrengung ist und die Stimme versagen kann.

Fall1 negativ:
Ein Jazzgitarrist. Schon als Jugendlicher ist er mit seinem Talent aufgefallen. Musik war alles fĂŒr ihn, er hat gebrannt fĂŒr die Musik. In unserem StĂ€dtchen und Umgebung (nein, ich meine nicht MĂŒnchen!) war er sehr beliebt und hatte einen eigenen Fankreis. In Wettbewerben, unter anderem auch Jugend musiziert, hat er Preise abgestaubt. Ok, zum Bundeswettbewerb hat er keine Empfehlung bekommen, aber zumindest beim Landeswettbewerb hat er einen 1. Preis bekommen.
Als es dann zur Berufswahl kam, war es klar, er wird Berufsmusiker. Zur Sicherheit hat er eine Bankangestelltenlehre abgeschlossen, den Beruf aber nicht ergriffen. Erst lief es gut, er bekam Auftritte, spielt professionell in mehreren Bands. Weil das Geld trotzdem nicht zum Leben reichte, gab er an einer Musikschule Gitarrenunterricht. Doch irgendwann ĂŒberstieg ihn alles, das Geld reichte hinten und vorne nicht, sowohl fĂŒr den Beruf als auch fĂŒrs Leben. Er musste noch mehr auftreten, auch wenn er keine Lust hatte oder krank war. Freizeit hatte er nicht mehr. Vormittags gabs Privatunterricht, mittags bis abends Musikschule, abends bis nachts und am Wochenende Gigs. Der Erfolg wollte sich nicht ĂŒber die Region hinaus einstellen. Der Traum ging nicht in ErfĂŒllung. Dann kam es zum Burn-out und schweren Depressionen. Er wurde in die Psychiatrie eingewiesen, arbeitet nicht mehr und wird immer noch betreut. Eine sehr traurige Geschichte. Er ist noch keine 30. :(

Fall2 positiv:
Ein Rockgitarrist. Auch er fiel frĂŒh mit seinem Talent auf. Dazu war er sehr fleißig und ehrgeizig. Er begann an einer amerikanischen Rockakademie im Ausland ein Studium, neben Gitarre auch Flöte und Saxophon. Schnell bekam er Jobs an verschiedenen Musikschulen. Er ist auch Dozent an einer kleineren Rockakademie in Deutschland. Er gibt Privatunterricht und hat einen Job als Englisch- und Musiklehrer an einer Realschule bekommen. ZusĂ€tzliches Geld verdient er mit einer gut gebuchten Coverband. Jedes Jahr gibt er Gitarrenworkshops im Rahmen eines Jugendförderprogramms der Stadt. Das ist die Routine, die Geldmaschine. Zum Leben und fĂŒr seinen Beruf hat er genug. Er hat seine Familie, sein eigenes Haus und viele Leute die ihn unterstĂŒtzen. Um seine BedĂŒrfnisse als KĂŒnstler zu stillen, hat er neben der Routine seine eigene Metalband. Er schreibt die Lieder und Texte, er lebt seinen Traum mit dieser Band aus. Über die Region hinaus ist er mit seiner Band nicht bekannt geworden, aber er ist auch ĂŒber die kleinen Dinge im Leben glĂŒcklich. Mehr Erfolg, BerĂŒhmtwerden, mehr Geld und etwas mehr Freizeit wĂ€r natĂŒrlich super, aber man sollte die Latte nicht zu hoch hĂ€ngen. Er ist mit dem glĂŒcklich, was er erreicht hat. Es macht ihm Spaß, er kann seine Musik machen und davon leben.
 
  • #30
...sondern nur darum, dass es sehr viel schwerer ist, mit Musik seine Familie zu ernÀhren, als z.B. als Informatiker oder Mechaniker.

So? Wer sagt das? Ich perönlich kenne keinen (ernstzunehmenden) Berufsmusiker, der nicht sein Auskommen hat. Aber kenne sehr, sehr viele Angstellte in "normalen" Ausbildungsberufen, gerade aus dem IT-Bereich - die mit 40-50 ihren ach so sicheren Job verloren haben und ziemlich nun dumm dastehen. Und je Àlter sie werden, umso unmöglicher wird ein Neueinstieg.

Welcher Beruf außer vielleicht Beamter ist denn bitteschön heute noch sicher? In was fĂŒr einer Welt lebt ihr denn, dass ihr die "lern erstmal was AnstĂ€ndiges"-Floskeln unserer Großeltern predigt, die ihre Berechtigung in einer Zeit hatten, als jeder, der eine Ausbildung gemacht hat, davon ausgehen konnte, in diesem auch sein Leben lang zu arbeiten?

Die meisten Hochschulabsolventen die ich kenne, teilweise promoviert, mussten nach ihrer Doktorarbeit mit Ende 20 erstmal noch drei weitere Berufe lernen und arbeiten mittlerweile etwas komplett anderes --- so sieht es aus. Wer heutzutage nicht flexibel ist bis ins hohe Alter, kann eh einpacken. Und da kann man es genauso gut mit Musik versuchen. Denn versagen oder arbeitslos werden kann man letztendlich in jedem Beruf.

Vali hat ja ein Fallbeispiel genannt. Ich kenne eine Àhnliche Biografie: Aber der Mann war Ingenieur.

Im Übrigen will ich niemanden davon abhalten, vor seiner Musikkarierre eine Ausbildung zu machen. Wenn er die Zeit und Lust hat ... Ob es was bringt ist ne andere Frage...

Das zeugt doch von einem großen Willen.

Eher von "MĂŒssen". .. denn als "unselbstĂ€ndiger Angestellter" wĂ€re ich frĂŒher oder spĂ€ter zum "depressiven Alkoliker" geworden :) .. man kann nĂ€mlich auch in ienem Sicheren Job vor die Hunde gehen ...

Zu meiner eher pessimistischen Ansicht was den Arbeitsmarkt im kĂŒnstlerisch-musischen Bereich angeht, gedachte ich lediglich zu betonen, dass eben nicht alles so schön romantisch ist, wie sich das vlt viele vorstellen. Es gehört halt eine Menge Entbehrung, Disziplin und Wille dazu, um so etwas durchzuziehen..

Das ist komplett OK ... ich denke, DAS hat bislang keiner angezweifelt. Die Unsicherheit auf dem musischen Arbeitsmarkt wĂŒrde ich aber - wie oben ja schon erwĂ€hnt - heute global auf die gesamte Wirtschaft beziehen. Mathematiker, Diplom-Physiker usw können auch arbeitslos werden - glaub mir: ich weiß es. :)

Aber das hast Du ja weiter oben auch schon angedeutet.

Es ist einfach meine Meinung, die doch nicht jeder so ĂŒbernehmen muss. Aber verschiedene Sichtweisen zum Thema sind doch immer eine gute Sache, oder nicht?.

Hmmmmmmmhnaja .. mit dem Totschlag-Argument "ist ja nur meine Meinung" hab ich so meine ganz speziellen Probleme. SelbstverstĂ€ndlich sind verschiedene Meinungen OK ... wenn die Meinungen klar begrĂŒndet sind und deutlich wird, woher die Meinungen bezogen werden. Wenn Du also mit rethorischer Wucht formulierst

"Der musisch-kĂŒnstlerische Arbeitsmarkt ist KNALLHART. Talente ĂŒber Talente, Persönlichkeiten ĂŒber Persönlichkeiten und du bist sooooo klein mit Hut. .... usw .. usw"

Dann denke ich: Aha! Okay ... klingt ĂŒberzeugend. Aber woher weiß die das? Aus dem Fernseher? Von Ihren Eltern? Oder hat sie selbst 30 Jahre im MusikgeschĂ€ft auf dem Buckel und weiß genau, wovon sie redet? Spricht sie von der Musikindustrie allgemein? Von Tanzmusik?

Ohne diese Wissen tu ich mich schwer, eine "Meinung" einfach als gegeben hinzunehmen. Und das wĂ€re auch langweilig, weil damit jedes Argument im Keim erstickt wĂŒrde und keinerlei Austausch mehr stattfĂ€nde. Außer: Ja, finde ich auch.. und: Nee, finde ich nicht.
 
  • #31
Ich habe leider leider keine Statistik momentan parat, wĂŒrde aber meine Hand dafĂŒr ins Feuer legen, dass eine berufliche Karriere als Musiker riskanter ist, als ein BĂŒrojob. Im Endeffekt ist ALLES mit einem gewissen Risiko verbunden, die Firma kann Pleite gehen, die Oper kann abbrennen, was weiß ich.
Aber rein vom Prozentsatz ist es in der Musikindustrie viel wahrscheinlicher nicht Fuß zu fassen, beziehungsweise, und davor haben ja auch viele Angst (nein, ich möchte jetzt nicht meine eigenen Ängste auf die Allgemeinheit projezieren), viel schwieriger, ĂŒberhaupt Fuß zu fassen. Und meiner Meinung nach sind viele junge Menschen, die einfach mal ins Blaue guckend sagen:"Achjo, machen wir mal was mit Musik!" sich dieser Tatsache nicht so bewusst.

Heutzutage muss man natĂŒrlich sehr flexibel sein, aber je flexibler man als Angestellter sein muss, desto flexibler muss man ĂŒberhaupt als freischaffender KĂŒnstler sein.
Ich wĂŒrde diese These von mir so gerne belegen können, ich muss noch einmal grĂŒndlich recherchieren.
 
  • #32
Welcher Beruf außer vielleicht Beamter ist denn bitteschön heute noch sicher?
Tscha, und die haben vielleicht die Sicherheit - aber dafuer andere Probleme, u.U.
Wer heutzutage nicht flexibel ist bis ins hohe Alter, kann eh einpacken.
Und das ziemlich unabhaengig davon, was man gelernt hat. Auch unflexible Beamte koennen heutzutage einpacken, unflexible Informatiker sowieso.
Da haben Musiker u.U. sogar noch einen leichten Vorteil...
Im Übrigen will ich niemandem adavon abhalten, vor seiner Musikkarierre eine Ausbildung zu machen. Wenn er die Zeit und Lust hat ... Ob es was bringt ist ne andere Frage...
Grad bei den genannten Informatikern - bis man die Musikerkarriere verkracht hat, ist das Wissen in dem Bereich davongelaufen. Sollte man vielleicht auch bedenken und in so einem Fall einen anderen, nicht ganz so innovativen Beruf lernen ;)
 
  • #33
Ich habe leider leider keine Statistik momentan parat,.

http://www.pub.arbeitsamt.de/hst/services/statistik/detail/a.html

Das findest u. Anderem auch die Arbeistlosenzahlen nach Berufen fĂŒr oktober 2008 ...

Dort sind momentan 25052 gemeldete arbeitslose KÜnstler

Was leider fehlt ist die Angabe, wieviel BerufskĂŒnstler es insgesamt gibt... aber das mĂŒsste ja auch noch zu ermitteln sein.

Zum Beispiel anhand der KSK

Die KĂŒnstersozialkasse hatte im Jahre 2007 ca. 160.000 Mitglieder ... davon 25052 Arbeitslose sind 15.658% ...

Das ist natĂŒrlich nicht so ganz genau, da einige KĂŒnstler dann doch privat versichert sind und die Zahlen um ein Jahr differieren...

Um die plus/minus x 85,5% erwerbstĂ€tige KĂŒnstler finde ich eine reelle Chance...

Außerdem: wer frĂŒh anfĂ€ngt, kann auch immer noch umsatteln...

Aber noch: wir reden hier nicht mehrv on gefeierten Operndivas und ChartstĂŒrmern, sondern ganz einfach von KÜnstlern: Musiker, Autoren, Schauspielern, Designern usw

..
 
  • #34
Wenn ich mich nochmal als BerufssĂ€ngerin (gaaanz weit von der gefeierten Diva, aber durchaus als erfahrene KĂŒnstlerin) zu Wort melden darf: knallhart finde ich meinen Beruf nun wirklich nicht. Ganz im Gegenteil. Ich liebe es, auf der BĂŒhne zu stehen, tue das seit nun schon 30 Jahren und bisher ist es die einzige TĂ€tigkeit (ich habe schon so einige Berufe ausgeĂŒbt), die mich glĂŒcklich macht. Wenn ich singe, bin ich eins mit mir und der Welt. Ich möchte nichts anderes mehr machen. Gut, brennen tue ich schon etwas lĂ€nger nicht mehr, dafĂŒr mache ich es schon zu lange, die Sturm-und-Drang-Phase ist halt irgendwann vorbei und die große Dramatik auch. Sicherlich muss man in jungen Jahren fĂŒr die Musik brennen, wenn man es zu etwas bringen will, aber irgendwann braucht man das nicht mehr. Ich singe nach wie vor gerne - das genĂŒgt. Nein, das ist kein knallharter Job; da gibt es ganz andere.

Vielleicht liegt es daran, dass ich freischaffend bin - ich habe keine Intendanten, denen ich vorsingen muss, ich muss nicht bangen, bei irgendeinem Casting den Affen zu machen und letztendlich sowieso nicht genommen zu werden, und ich muss auch keine ungeliebten Rollen ĂŒbernehmen, die vielleicht sogar meiner Stimme schaden wĂŒrden. Ich bin meine eigene Chefin - wobei ich natĂŒrlich auch jobs annehmen muss, die nicht gerade spaßig sind, weil ich einfach die Kohle brauche. Allerdings mache ich lĂ€ngst nicht mehr jeden Scheiss - wenn man ein paar Referenzen und einen ordentlichen Ruf hat, braucht man auch das nicht mehr !
Ich mache alle paar Jahre etwas Neues, um nicht in Routine zu erstarren - wie antipasti schon beschrieben hat. 10 oder 20 Jahre lang das gleiche Repertoire herunterleiern, das hÀtte ich auch nicht gekonnt. Und das muss auch nicht sein.
Es geht schon, von Musik zu leben. Und man könnte einen Roman darĂŒber schreiben (werde ich wohl in Angriff nehmen, wenn die BĂŒhne vorbei ist), soviel Witziges, Bizarres, Unglaubliches an Erlebnissen kommt da zusammen.
Es gibt Wochen, da reicht es nur fĂŒr Spaghetti mit Tomatensosse und man kriegt mit Ach und Krach die Miete zusammengekratzt. Wem das nichts ausmacht - der kann diesen Beruf ergreifen. Aber man muss gut und professionell, zuverlĂ€ssig und halbwegs in sich gefestigt (bei Kritik darf man nicht gleich aus dem Fenster springen wollen), körperlich fit und mit einer halbwegs belastbaren Stimme gesegnet sein.
Alles weitere gehört zu den UnwÀgbarkeiten und SchicksalsschlÀgen des Lebens - diie jeden von uns treffen können, in jedem Beruf, in jedem Lebensabschnitt.
schöne GrĂŒĂŸe
Bell
 
  • #35
Guten Morgen,

nun, knallehart finde ich es auch nicht von der Musik leben zu mĂŒssen. Ich versorge eine 5köpfige-Familie mit meinem Einkommen. Aber es war kein einfacher Weg, und ich sehe, dass in allen Bereichen die Konkurrenz nicht schlĂ€ft, und zudem auch noch immer besser (und relativ gesehen jĂŒnger;) ) wird. Aber ich bereue nichts, und wĂŒrde denselben Weg noch einmal gehen. Non, je ne regrette rien:)

Trotzdem glaube ich, dass das Musikerdasein von vielen unterschÀtzt wird. Und ich kenne wirklich viele Musiker, die kaum in der Lage sind ihre Miete zu zahlen, und bei allen möglichen Leuten auf der Matte stehen. Das ist nun mal die RealitÀt!
Oft sind es auch diejenigen, die nicht in der Lage sind, sich selbst zu organisieren. Das ist das A&O. Es nutzt einem das grĂ¶ĂŸte Talent nichts, wenn man kein FĂŒhrerschein hat, nicht in der Lage ist Gigs/Castings etc... zu beschaffen, wenn man keine Diziplin hat, u.a nicht notenfest ist (zumindest wenn man im Oper/Orchester/Musical- Bereich Fuß fassen will), nicht ĂŒbt (zumindest sein derzeitiges Niveau hĂ€lt), etc..
Dessen muss man sich bewusst sein. Und das ist der ganz große Unterschied zum 9-17h-Job. Da geht man in der Regel nach Hause, und hat sein Tagwerk vollbracht. Ja, ich weiß. Es gibt auch noch andere Berufe.... Ich wollte nur damit sagen, dass wenn man Musiker ist, man eigentlich immer prĂ€sent sein muss. Und man sollte sich vorher darĂŒber im klaren sein und sich fragen, ob man das will und/oder ob man ĂŒberhaupt in der Lage ist, das leisten zu können oder zu wollen.

Wenn jemand diese Fragen fĂŒr sich mit "Ja" beantworten kann, dann soll er den Sprung wagen. Weil - und das ist die andere Seite - die Musik, zumindest mir persönlich, so viel positives bringt. Sie hilft mir den Druck auszuhalten, man bekommt Anerkennung, man lernt viele nette Leute kennen, man kommt viel rum, etc...

Ich empfinde mein Leben als "reich", und bin froh, dass ich diesen Weg gegangen bin.

Leben ist Leidenschaft

Bis denne,

Paul
 
  • #36
Trotzdem glaube ich, dass das Musikerdasein von vielen unterschÀtzt wird. Und ich kenne wirklich viele Musiker, die kaum in der Lage sind ihre Miete zu zahlen, und bei allen möglichen Leuten auf der Matte stehen. Das ist nun mal die RealitÀt
Oft sind es auch diejenigen, die nicht in der Lage sind, sich selbst zu organisieren. Das ist das A&O. Es nutzt einem das grĂ¶ĂŸte Talent nichts, wenn man kein FĂŒhrerschein hat, nicht in der Lage ist Gigs/Castings etc... zu beschaffen,!

Da ist alles richtig. Hier sind wir aber wieder bei den zwei großen Fragen, durch die diese Diskussion immer wieder quer lĂ€uft:

  • Was heisst "Musiker sein": Opernstar? Top-Ten-Popstar? Tanzmusiker? Komponist? Musiklehrer? MusicalsĂ€nger, Werbejingle-Produzent? Je nachdem, wie man den Beruf definiert, sind die Schwierigkeiten doch ganz unterschiedlich gelagert.
  • Inwieweit liegen die Probleme nur an einem selbst und nicht am Business? Jemand, der unorganisiert, bequem, unflexibel, egozentrisch ist, wird auch in vielen anderen Berufen keinen Fuß in die TĂŒr bekommen. Das hat nun nicht unbedingt mit der Musik zu tun, sondern mit der falschen Berufswahl. Nur, weil jemand die Natur mag, muss er noch lange nicht das Zeug zum Förster haben. Aber vielleicht zum Landvermesser.

Das ist es, was ich die ganze Zeit versuche zu sagen: Wir können nicht einen Stempel auf einen kompletten, sehr mannigfaltigen Berufszweig setzen, nur weil viele Leute ein völlig falsches, verklÀrtes Bild von diesem Beruf haben. . Der Beruf als freischaffender Musiker ist genauso schwer oder leicht wie beinahe jeder andere dienstleistungsorientierte Beruf: Du musst akquirieren, Du brauchst Kunden, Du brauchst Jobs und musst gut abliefern. Mal lÀuft das GeschÀft prima, mal nicht so gut.

Wer sich natĂŒrlich auf ein einziges, bestimmtes und hoch gestecktes Ziel fixiert, zB MusicalsĂ€nger oder "Rockstar": Klar - fĂŒr den kann es tatsĂ€chlich "knallhart" werden... aber soche Menschen braucht die Welt auch ...
 
  • #37
WĂŒrde jetzt theoretisch auch noch was dazu schreiben - finde das in diesem Thread aber schon ein wenig OT... Ist natĂŒrlich trotzdem ein interessantes Thema - gehört aber doch mehr in die Plauderecke, als zu der Frage vom Sascha...
 
  • #38
WĂŒrde jetzt theoretisch auch noch was dazu schreiben - finde das in diesem Thread aber schon ein wenig OT...

Ich finde schon, dass das immer noch zum Thema und besonders zum Titel passt. Da weiß der Threadersteller gleich, was ihn erwartet. Plauderecke könnte sein ... mal sehen

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  • #39
Da ist alles richtig. Hier sind wir aber wieder bei den zwei großen Fragen, durch die diese Diskussion immer wieder quer lĂ€uft:

  • Was heisst "Musiker sein": Opernstar? Top-Ten-Popstar? Tanzmusiker? Komponist? Musiklehrer? MusicalsĂ€nger, Werbejingle-Produzent? Je nachdem, wie man den Beruf definiert, sind die Schwierigkeiten doch ganz unterschiedlich gelagert.
  • Inwieweit liegen die Probleme nur an einem selbst und nicht am Business? Jemand, der unorganisiert, bequem, unflexibel, egozentrisch ist, wird auch in vielen anderen Berufen keinen Fuß in die TĂŒr bekommen. Das hat nun nicht unbedingt mit der Musik zu tun, sondern mit der falschen Berufswahl. Nur, weil jemand die Natur mag, muss er noch lange nicht das Zeug zum Förster haben. Aber vielleicht zum Landvermesser.

Es geht hier gar nicht um die Frage wie man das "Musikerdasein" definiert. Obwohl...wÀre auch mal interressant. Aber all deine genannten Beispiele zÀhle ich zum Musiker, unabhÀngig von QualitÀt, Bereich, Erfolg, etc. Und sicher unterscheiden sich die Bereiche auch. Genauso wie es einen Unterschied macht, ob man Sportlehrer oder Mathelehrer ist:) Aber es ist der gleiche Beruf.
Und natĂŒrlich liegen die Probleme auch an einem selbst. Aber hier zeigt meine Erfahrung im Umgang und mit dem Zusammenarbeiten mit sehr vielen Musikern aus unterschiedlichen Bereichen, dass diese Leute eher Schwierigkeiten haben mit ihrer SelbststĂ€ndigkeit klarzukommen als Leute aus anderen Bereichen. Ich könnte zig Beispiele dafĂŒr geben. Am krassesten zeigt sich das, wenn man sich mit Leuten unterhĂ€lt, die iihr Geld mit Musik verdienen - um es mal so auszudrĂŒcken - und sie fragt, wie sie die Gagen oder Einnahmen versteuern. Zum Haare ausraufen!:screwy: Im keinem anderen Bereich bekomme ich solche Katastrophen mit. Hier sind Bands kaputt gegangen, die wegen Steuerhinterziehung verklagt wurden, nicht weil sie bewusst die Steuer hinterzogen haben, sondern weil sie es einfach nicht wussten!!!! Gut, inzwischen hat sich manches rumgesprochen. Und, um auf das Eingangsthema zurĂŒckzukommen, ich glaube einfach, dass viele Leute, die ihr Geld mit Musik verdienen wollen, dies nicht sehen, oder jedenfalls diese Bereiche etwas unterschĂ€tzen. Ich möchte wirklich keinem die Illusionen rauben, aber das gehört zum Musikerdasein u.a. auch dazu:rolleyes:

Gruß,

Paul
 
  • #40
Es geht hier gar nicht um die Frage wie man das "Musikerdasein" definiert.

Soso... Wenn jemand nach Tipps zu "Musiker als Beruf" fragt, dann geht es ja wohl in erster Linie erstmal darum, was damit ĂŒberhaupt gemeint ist. Ohne das lĂ€sst sich die Frage nĂ€mlich ĂŒberhaupt nicht beantworten. Und da der Threadstarter selbst sich eh nicht mehr fĂŒr seinen Thread zu interessieren scheint, darf es uns doch bitteschön gestattet sein, das wenigestens untereinander aufzulösen.

Soviel dazu!




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