Musik als Beruf!!???

von Sascha Buch, 06.11.08.

  1. Sascha Buch

    Sascha Buch Guest

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    Erstellt: 06.11.08   #1
    Hallo,also ich bin neu hier,habe aber direkt eine wichtige Frage wobei ihr mir hoffendlich helfen könnt.Ich bin 16 Jahre alt und mache gerade die Fachoberschule Wirtschaft 11.Schuljahr.Ich hab vor kurzem bei einem Musical meiner alten Schule mitgemacht und bemerkt das ich mich auf der Bühne einfach wohl fühle und das wie ein zweites zu Hause für mich ist.Jetzt meine Frage,was kann ich denn schulisch und beruflich machen?Ich möchte zwar nach meinem Abschluss ne Ausbildung anfangen,mich jedoch auch um Musik kümmern.Was denkt ihr? Mir wurde schon gesagt das ich ne Gesangsausbildung machen sollte und vielleicht Schauspiel studieren sollte.Also wäre nett wenn ihr mir helfen könnt.

    Lg Sascha Buch
     
  2. IcePrincess

    IcePrincess Vocals Ex-Moderator

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    Erstellt: 06.11.08   #2
    Also erst mal: Das Dasein als Profi-Musiker ist zumeist hart und man hat eigentlich gar nichts von dem ganzen Stargetue das man im Fernsehen sieht.

    Ob Deine Stimme das Zeug für eine professionelle Ausbildung und eine lange, anstrengende Karriere auf den (wenigen) Musicalbühnen Deutschlands hat, können wir online nicht entscheiden. Dafür solltest Du Dir einen guten Gesangslehrer suchen, der das besser einschätzen kann. Gefordert ist hier ein gut beherrschter Stimmumfang von zweieinhalb Oktaven.

    Das solltest Du übrigens ohnehin tun, denn ohne gute Ausbildung hast du im - wenn ich es mal so nennen darf - "Brot-Fach" Musical kaum eine Chance.
    Wenn Du wirklich als Profi auf die Musicalbühnen willst, solltest Du Dich mal in puncto Musical-Schulen (da wird außer Gesang und Schauspiel auch Tanz unterrichtet) umsehen.
    Außerdem solltest Du eine Stimme haben, die zu Deiner optischen Erscheinung passt, denn im Bühnenfach (weder Oper noch Musical) wird eine Stimme eingesetzt, die nicht zu dem passt, was das Publikum sieht (ein spilleriger Basso Profundo? Nö. Ein kleiner, dicker Tenor - nur im komischen Bereich.)
     
  3. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 06.11.08   #3
    Das is schlecht ... wenn Du beruflich in Richtung Musical gehen willst, brauchst Du ne fachliche Ausbildung. Hobbysänger haben da selten ne Chance
    Nur wie? Wenn Du Berufssänger werden willst, musst Du Dich nur darum kümmern. Das haut zweigleisig selten hin. Natürlich kann man neben seinem Germanistik-Studium ne Rockband gründen, in den Sememsterferien viel touren und mit Glück und Zufall berühmt werden... das ist dann aber eben Glück und Zufall und keine geplante Entscheidung. Ich kenne viel zuviele, bei denen das nicht geklappt hat.

    Also, vorausgesetzt Du hast Talent, Ehrgeiz und Geduld, kannst Du...

    • Eine Schaupiel/Gesangsausbildung machen. Dann versuchen, Engagements zu bekommen
    • und / oder alle Casting dieser Welt besuchen und hoffen, dass Du genommen und entdeckt wirst
    • zweilgleisig fahren und auf Glück und Zufall hoffen. Erfolgchance sehr niedrig
    • Unterhaltungs-, Tanzmusik oder Dinermusik machen, jeden Job annehmen und das eigene künstlerische Ego etwas zurücknehmen. Mit den Jahren kann damit durchaus sein AUskommen zusammenkriegen.

    Die Vorschläge sind natürlich mischbar. Ein Musicalcasting mit Ausbildung ist erfolgversprechender als ohne. Für ein Fernshcasting vei DSDS ist aber egal...
     
  4. Lape

    Lape Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 06.11.08   #4
    Das klingt alles so hart...
    Du musst erstmal für dich herausfinden, was dir an der Bühne so gefällt. Ist es das "beachtet" werden oder Leute glücklich zu machen, Massen zu bewegen oder eine Message rüberzubringen. Nur weil du einmal bei einem Musicalstück mitgemacht hast, heisst das noch lange nicht, dass es dein Ideal ist. Ich habe auch mal mit dem Gedanken gespielt Musicalgesang zu studieren. Jedoch wurde mir davon abgeraten, weil ich halt noch tanzen muss und schauspielern usw.
    Und ehrlich gesagt... will ich nicht auf der Bühne sein um zu TANZEN und zu SINGEN :)
    Sondern ich will nur singen und die Bewegungen ausführen, die man halt so als Sänger im Rock, Pop, Jazz macht ;)

    Du musst also für dich die Frage klären, was dir daran so gefällt. Danach ist die Entscheidung sehr viel einfacher, ob du später mit dem eher risikoreichem Beruf auch deine Familie ernähren kannst. Ist halt eine schwere Entscheidung und du musst später noch in den Spiegel schauen können und sagen... Das ist es, was ich wollte....
     
  5. Bell

    Bell HCA Gesang HCA

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    Erstellt: 06.11.08   #5
    Hallo !
    Ich finde die Aussagen nicht hart, sondern realistisch.
    Und ich kenne mehr als eine (ausgebildete) Musicalsängerin, die nach ein paar Jahren in den Spiegel geschaut und sich gesagt hat: DAS ist es NICHT, was ich wollte.
    Es ist ein harter Beruf, der absolute körperliche Fitness und eine sehr robuste Stimme erfordert - ausserdem hat er ein Verfallsdatum, denn so ab spätestens 35 ist in der Regel Schluss. Und ohne tänzerische Begabung hat es keinen Sinn, die Gesangsausbildung anzufangen.
    Von daher will es gut überlegt sein.... und dazu gehört als erster Schritt, dass man die pro´s und con´s realistisch abwägt.
    Und sich unbedingt ein zweites berufliches Standbein für die Zeit nach der Bühne aufbaut! Die kann nämlich schneller eintreten, als man glaubt - zum Beispiel, wenn die Stimme verschlissen ist. Und bei Musicalsängern, so ist mittlerweile mein Eindruck, passiert das schneller als bei anderen Sängern.
     
  6. moniaqua

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    Erstellt: 06.11.08   #6
    Abgesehen davon, willst Du Dir u.U. den Spass am Singen daran verderben, dem Druck ausgesetzt zu sein, singen zu muessen? Unabhaengig von Deiner Stimmung, wie es Dir geht?
    Singen/Musik ist (fuer mich) ein wunderbarer Ausgleich zum Broterwerb. Mit FOS haste nix verkehrtes; mach das 13. Jahr und ne zweite Fremdsprache, dann kannst alles studieren. Musik ist ein wunderbares Hobby und auch Hobbies kann man durchaus ernsthaft betreiben. An Deiner Stelle wuerde ich mir das wirklich gut ueberlegen.
     
  7. Sascha Buch

    Sascha Buch Threadersteller Guest

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    Erstellt: 07.11.08   #7
    Also erst einmal danke für die vielen Tipps,jedoch habe ich doch nirgens geschrieben das ich Musicaldarsteller werden will.Klar es wäre eine Möglichkeit was ich machen könnte,jedoch würde ich niemals auf eine Musical Schule gehen,daraus würde dann nämlich sowieso nichts werden.
     
  8. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 07.11.08   #8
    Dann wär das vielleicht der richtige Moment, uns nicht länger im Dunklen tappen zu lassen. Dann können wir Dir auch passendere Antworten geben, Du Spaßvogel.:) ...Das Schulmusical war der Grund, der dich auf die Idee mit der Musik hat kommen lassen. Klar, dass wir dementsprechend davon ausgehen, dass Du in Richtung Musical tendierst.

    "Ich will Musik irgendwie machen" kann ja alles Mögliche sein, vom Straßenmusikanten über Tanzmusiker auf Hochzeiten bis zum gefeierten Opern oder Rockstar....

    Demenstprechend unterschiedlich sind auch Wege, die zum Ziel führen...

    Die Vorschläge in meinem Posting oben betogen sich übrigens nicht nur auf Muscal:

    ....
     
  9. erdbeer-shisha

    erdbeer-shisha Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.11.08   #9
    Hey,

    nun, die erste Frage, die du dir auf dem Weg zum Berufsmusiker stellen musst, ist folgende: Möchte ich überhaupt mein bisheriges Hobby professionell betreiben? Der Sprung vom Hobbymusiker zum ernsthaften Berufsmusiker ist sehr groß. Und wenn du gutes (oder überhaupt) Geld mit der Musik verdienen möchtest, brauchst du entweder ein riesiges Talent und eine überwältigende Ausstrahlung, du musst den Drang haben, bei Menschen anzukommen, in ihnen etwas zu bewegen...und du bräuchtest eventuell auch einen Hochschulabschluss.

    Für den Hochschulabschluss brauchst du wieder neue Voraussetzungen, denn mit Ausstrahlung und Power kommst du nie im Leben durch die Aufnahmeprüfung. Was du brauchst sind fundierte musikalische Kenntnisse, du musst das Klavierspielen beherrschen, du brauchst ein sehr gutes musikalisches Gehör und auch die musikalisch-theoretischen Prüfungen sind an renomierten Hochschulen kein Zuckerschlecken. Du wirst dich durch eine schriftliche Klausur quälen müssen, du wirst eine harte Aufnahmeprüfung souverän meistern müssen, bestehend aus Gesang und Klavierspiel. Solltest du dieses Prozedere überstehen, oder noch besser, bestehen, gratuliere ich dir zu einer erklommenen Treppenstufe auf dem Weg in die musikalische Berufswelt.

    Es geht weiter. Ohja, es geht weiter. Du wirst dich durch ein nicht zu unterschätzendes Studium kämpfen müssen. Du wirst Sänger kennenlernen, bei denen dir die Kinnlade runterfällt, weil sie bereits jetzt KOnzertsäle mit ihrer Stimme füllen würden und mit Rosen beschmissen würden - denkst du. Trotzdem wirst du dich von diesen Eindrücken nicht beeinflussen lassen dürfen, du wirst weiter eisern an deiner Stimme, an deiner musikalisch-künstlerischen Ausbildung feilen müssen, du wirst dir verdammt noch mal immer und ich meine IMMER den Arsch aufreißen müssen. Wofür? Für das Abschlussdiplom.

    Das Abschlussdiplom kannst du entweder mit besonderer Auszeichnung absolvieren, oder aber ohne. Du wirst dir im klaren sein müssen, das solch eine Auszeichnung wichtige Pforten in der Arbeitswelt öffnen wird - und mache dir eins klar...

    Der musisch-künstlerische Arbeitsmarkt ist KNALLHART. Talente über Talente, Persönlichkeiten über Persönlichkeiten und du bist sooooo klein mit Hut. Und wieder wirst du die Zähne zusammenbeißen müssen, du wirst versuchen müssen, dich mit Talent, gewürzt mit ein paar guten KOntakten, zu etablieren. Ob du es schaffst oder nicht hängt von deinem persönlichen ehrgeiz und auch nicht zuletzt von deinem Marktwert ab.

    So isses und nicht anders...
    Ich hätte dir auch die Weichspül-Version hier hinklatschen können, aber das was ich hier geschrieben habe, ist gerade einmal der Bruchteil eines Sängerlebens. Dieses ist hart, und wenn Dein Traum ist, Sänger zu werden, dann musst du BRENNEN für dieses Fach, du musst lodern, damit die Flamme nicht von irgendwelchen Leuten, die dir in die Quere kommen erstickt wird.

    Und...Loderst du schon? ;)
     
  10. Mod-Paul

    Mod-Paul Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 07.11.08   #10

    Super ge- und beschrieben!:great:

    Ich möchte noch hinzufügen, dass diejenigen, die dann ihr Abschlussdiplom zwar schaffen, aber nirgends unterkommen, meisten die Leute sind, die darauf angewiesen sind ins Lerhrerfach zu wechseln, oder Privatunterricht geben müssen, um über die Runden zu kommen.

    Trotzdem veruchen es alle möglichen Leute immer wieder. Die Muiskhochschulen platzen aus allen Nähten, und die Aufnahmeprüfungen sind nicht von Pappe. Hinzu kommt, dass die (schon ansich gutausgebildete) Konkurenz aus anderen Ländern stetig wächst.

    Nichtsdestotrotz gibt es ein weites Feld um sich musikalisch im weiteren Sinne zu beschäftigen. Instrumentenbauer, Techniker am Theater/Schaupiel, Musikalienhändler, etc... Geleichzeitig kannst du - wie hier schon beschrieben - deine eigene "Karriere" aufbauen.

    Viel Glück,

    Paul
     
  11. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 08.11.08   #11
    Das wäre der Idealfall. Ich will aber die vielen doch recht dramatisch formulierten Aussagen mal ein wenig abschwächen.

    Ich kenne genug Leute, die auf die eine oder andere Weise mit Musik ihr Geld verdienen.

    Die einen mit Hochschul-Diplom, manche auch ohne lediglich mit Talent und Ehrgeiz. Die einen touren mit 5-10 verschiedenen Klein-Projekten durch ganz Deutschland von einem Job zum nächsten, um die Miete zusammen zu kriegen. Andere haben irgendwann mit einem Projekt den "Durchbruch" geschafft. Sie arbeiten immer noch hart, aber etwas sorgloser und sind auch öfter mal zu Hause.

    Nicht alle davon sind Spitzentalente oder Ausnahmekünstler, die fanatisch für "ihr Ding" brennen. Die meisten sind ganz normale Handwerker, die einfach einen soliden Job abliefern.

    Aber eines haben alle gemeinsam: sie haben es sich so ausgesucht, sich für diesen Weg entscheiden und sind demenstprechend auch recht zufrieden damit.

    Und noch etwas haben sie gemeinsam: kein zweites Standbein.

    Als Lektüre empfehle ich das Buch "Fleisch ist mein Gemüse" von Heinz Strunk (bitte nicht den viel zu kitschig geratenen Spielfilm) .

    Hier wird mit allen Vor- und Nachteilen und außerodentlich unterhaltsam gezeigt, dass man kein ausgezeichnetes Wunderkind mir Einser-Diplom sein muss, um als Musiker Geld zu verdienen. Solange man nicht darauf besteht, sich sein Publikum, das musikalische Niveau, den Musikstil und seine Kollegen aussuchen zu wollen.

    ...
     
  12. Mod-Paul

    Mod-Paul Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.11.08   #12
    Also, was erdbee-shisha mit "brennen" meinte, war, dass die Luft "da oben" sehr dünn ist, und man schon "brennen" muss, um dort hinzugelangen. Ich kenne niemanden, der nicht noch ein zweites Standbein hat. Wobei man natürlich definieren müsste was man darunter versteht. Viele haben auch einen Partner, der für das Haupteinkommen verantwortlich ist.

    Mich würde mal interessieren, ob es hier wirklich jemanden gibt, der nur "von einem Projekt" leben kann. Und zwar nicht nur für eine Tour, sondern darüber hinaus.

    Ansosnsten lässt sich manches wirklich gut verbinden. Wenn man z.B. an einer Hochschule studiert ergeben sich automatisch Kontakte. Das Brodsky-Quartet ist z.B. auf diese Weise entstanden. Oft braucht man auch einfach nur das Glück zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

    Viel Glück,

    Paul
     
  13. erdbeer-shisha

    erdbeer-shisha Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.11.08   #13
    Ja gut, es kommt natürlich immer darauf an, was für persönliche Ziele man sich setzt. Wenn man erfolgreich sein möchte, ist das natürlich auch mit viel Arbeit verbunden. Wenn man sich irgendwie durchs Leben wurschteln möchte, mal hier ein Job, mal da ein Job, nix halbes und nix ganzes, dann ist es natürlich, wie Antipasti es schon beschrieben hat, nicht mit ganz soviel Arbeit verbunden, hauptsache man kommt halt durch. Aber kann man dann noch in den Spiegel schauen und sagen: Ja, das ist es genau, was ich machen wollte? Ist halt ne Geschmacksfrage.

    Was ich nicht abstreiten möchte, ist, dass Musiker eine etwas andere Arbeitssituation haben, als festangestellte Erwerbstätige. Natürlich, man kann für eine bestimmte Zeit fest an einem Musical, Theater oder Oper angestellt sein, aber das ist selten bis zur Rente so sicher. Man muss entscheiden, ob man ein etwas unsicheres Gehalt bereit ist, in Kauf zu nehmen, sich mit dem Beruf zu entwickeln, an unterschiedlichen Orten, mit unterschiedlichen Stücken, Rollen usw. Solange man sich selbst und seinen Zielen treu bleibt, ist das meiner Meinung nach aber ne ganz schön spannende Sache.

    Und ich bleibe der Meinung: Musikbusiness ist halt hart, kommt zwar jetzt so ein bisschen Bohlen-mäßig daher, aber es ist sinnlos, diese Tatsache abzustreiten. Viele Menschen möchten so etwas machen, der Markt ist umkämpft, es ist immer wieder eine Leistungsprobe. Und wenn die Stimme einmal verschlissen ist, kann man sehen, wo man bleibt. Insofern finde ich es auch sehr naiv, sich alleine der Musik zu verschreiben, ohne wenigstens den Ansatz eines zweiten Standbeines zu haben - für alle Fälle.

    ...
     
  14. Mod-Paul

    Mod-Paul Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.11.08   #14
    So ist es!
     
  15. moniaqua

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    Erstellt: 08.11.08   #15
    Sag mal, kann es sein, dass da ein paar Musikberufe schlichtweg abgehen und das ganze auf Konzert/Auftritt rauslaeuft? Es gibt so viele Moeglichkeiten neben Auftritten, ein paar sind schon gefallen.

    Aber Beruf sind sie alle, immer wird man immer mal wieder Kompromisse eingehen muessen, Druck ausgesetzt sein, was machen muessen, was man gerade nicht mag. Und da finde ich, sollte man sich einfach gut ueberlegen, ob man das auch will. Oder ob man die Musik als wunderbares Hobby behalten will und den Broterwerb anders gestaltet (und das kann durchaus auch Spass machen ;) )
     
  16. erdbeer-shisha

    erdbeer-shisha Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.11.08   #16
    Nun Moniaqua, es gibt Leute, die möchten in ihrem Leben nichts anderes machen, als Musik. Sie wollen dafür keinen Kompromiss mit ihrem Beruf eingehen müssen, sie möchten das, was sie als oberste Priorität ansehen, hauptberuflich ausüben. Ich glaube, Geld spielt dabei zu Anfang garnicht so eine übergeordnete Rolle.
    Klar, Geld muss ja irgendwo herkommen, aber wie schön ist es doch, wenn das, was Spaß macht, zugleich auch eine finanzielle Quelle darstellt? :)
    Höhen und Tiefen gibt es immer, in jedem Leben, in jeder beruflichen Laufbahn, ob man jetzt Opernsängerin oder Mikrobiologin, Juristin oder Pilotin ist: Es gibt Tage, da macht es halt nicht so viel Spaß, es gibt vielleicht sogar Krisen, die man überwinden muss.
    Ich habe jedoch besonders im Zuge meines Schülerpraktikums in der 11 gelernt, dass es wirklich das WICHTIGSTE ist (und das ist wirklich keine romantische Phantasie) das man seinen Beruf gerne ausübt, das man im Großen und Ganzen zufrieden ist mit seiner beruflichen Laufbahn, dass man weder über- noch unterfordert ist, das man Spaß hat. Und wenn man diese Zukunft in der Musik sieht, wenn man diesen Ehrgeiz hat, wenn man vielleicht sogar ein kleines bisschen weiß, dass man es schaffen kann, dann soll man es versuchen.
    Wenn jemand so für die Musik brennt und lebt, dass er sich eine berufliche Karriere vorstellen kann, bringt es nix, ihm zu sagen "Du, lass das mal lieber als Hobby und mach was anständiges.". Ich höre das oft von Leuten, die zwar nicht an meinem Talent, wohl aber an dem Beruf Sänger zweifeln. Ich könnte natürlich Meidzin studieren oder Psychologie, was mich auch interessiert,ja....aber würde ich glücklich werden? Ich hätte die Musik als Hobby, aber will ich das? Also man sieht schon, da herrschen mitunter ziemliche Diskrepanzen, was dieses sensible Thema betrifft.

    Ach, mir fällt noch ein schönes Zitat von Dale Carnegie ein:

    "Reicht uns das Schicksal eine Zitrone, dann sollten wir versuchen, eine Limonade daraus zu machen"
    " Wo dein Interesse ist, da ist deine Energie."

    :)
     
  17. Funkeybrother

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    Erstellt: 08.11.08   #17
    Hallo!

    Habe den Eindruck, hier werden gerade von einigen desillusionierten Leuten eigene enttäuschte Erwartungen auf den Themen-Autor projeziert.:rolleyes:
    (Vielleicht haben diese Leute ja auch Angst vor NOCH mehr Konkurrenz :D)

    Habe nirgends gelesen, daß Sascha berühmt werden will. Er hat lediglich nach (Ausbildungs-)Möglichkeiten gefragt.:screwy:

    Aber was willst Du dann? Wie lange singst Du schon? Spielst Du Instrumente?
    Ist dieses Musical Deine einzige Erfahrung?
    Falls es wirklich Deine einzige Erfahrung sein sollte, wäre es natürlich gut, erstmal neben einer anderen Ausbildung weitere Erfahrungen zu sammeln.
    (Theaterprojekte, Kleinkunst, in irgendwelchen Bands singen etc.)


    Wer hat das gesagt und warum? Denkt dieser Jemand, Du hättest ein besonderes Talent?
    Wollen und Talent ist ne gute Vorraussetzung. Der Rest ist Arbeit.

    Sich vermarkten ist wieder ein ganz anderes Thema.;)

    Meine Erfahrung: Persönlichkeit wird durch Lebenserfahrung geprägt, und die kann man auch in anderen Berufen sammeln. Deine Persönlichkeit ist für Deinen Marktwert mindestens so wichtig wie technisches Können. Dein Marktwert bestimmt, ob Du mit Gesang oder Schauspiel Dein Geld verdienen und davon leben kannst.

    Ich kenne technisch perfekte Musiker, die nichts zu sagen haben und weniger perfekte, die gerade deshalb interessant sind.
     
  18. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 08.11.08   #18
    Warum ist es naiv, wenn man sich für einen Beruf entscheidet, von dem man meint, man könnte ihn gut erfüllen? Du machst den Fehler, dass Du Deine eigenen Angste und Lebensansprüche auf andere projezierst. Ohne solche "Naivlinge" hätte es so einige Meisterwerke nicht gegeben ... zugegeben, dass uns sicher auch sicher auch einiges erst geblieben wäre.

    Wer natürlich einen 9-5-Job sucht, das WE gern frei hat, an sich ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis hat und wenig risikofreudig ist, für den ist das natürlich nix.

    Vielleicht kannst Du es dir nur schwer vorstellen: es gibt Leute, die sind mit 500 EUR im Monat, die sie mit Musik (oder enen anderen selbst gewählten Form) verdient haben glücklicher als mit 5000, die sie in einem "sicheren" Angestellten-Job verdient haben.

    Ich selbst gehöre auch dazu...

    Ich hatte manchmal nicht mal Geld, mir was zu essen zu kaufen ... aber in mein altes Angestellten-Dasein hätten mich keine zehn Pferde gekriegt...

    ...
     
  19. moniaqua

    moniaqua Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 08.11.08   #19
    Fuer mich kann ich das absolut ausschliessen, Dein Eindruck truegt da. Ich kann gar nicht desillusioniert sein, weil ich nicht als darstellender Kuenstler gearbeitet habe.
    Stimmt, Sascha schrieb nirgends, er wolle Musicaldarsteller werden; die Frage klang aber schon so danach, als waere es implizit mit drin.
    Davon gibt es viele :)
    Gute Fragen.
    Dagegen ist gar nichts einzuwenden, nur, wo steht bitte geschrieben, dass Musik beruflich *nur* Musicaldarsteller, Saenger, Instrumentalist ist? Es gibt so viele Berufe, die mit Musik zu tun haben. Da muss man/frau sich nicht drauf festlegen, irgendwo auf ner Buehne zu stehen. Letzteres kann man aber auch hobbymaessig sehr gut.
    Nichts anderes machen wollen ist legitim, aber es schraenkt ein.
    Richtig. Und darauf wollte ich hinweisen. Es wird denke ich naemlich gerne uebersehen, dass es diese Krisen oder auch nur Tage mit wenig Spass auch fuer Kuenstler gibt.
    Du, wenn jemand wirklich brennt, wird er/sie sich durch meinen Post und die anderen hier mit Sicherheit nicht abhalten lassen.
    Du weisst es nicht, solange Du es nicht ausprobiert hast, oder? ;)
    Meinst Du? Dass wir da eine Diskrepanz haben? Ich hab eher den Eindruck, ich hab mal wieder irgend nen vielleicht sogar wunden Punkt getroffen.

    Vielleicht nochmal zur Klarstellung: Ich habe nichts dagegen, wenn jemand sich bewusst, auch im Wissen der Nachteile, fuer den Beruf "Musiker" (wie auch immer der fuer ihn/sie ausschaut) entscheidet. Alles, was ich sage, ist, man sollte sich das (wie uebrigens jeden anderen Beruf auch) vorher ueberlegen.

    Ich plaudere mal ein bisschen aus meinem Leben, vielleicht wird dann mein Standpunkt klarer:
    Als Kind war mal im Gespraech, mich auf's musikalische Gymi zu schicken. Ich traute mich damals nicht, ich haette zuhause ausziehen muessen oder eine Stunde einfach pendeln (mit 11). Also lies ich es (es stoerte mich auch nicht weiter, mir fehlte nichts), lernte aber weiterhin Instrumente. Eine Zeitlang gruebelte ich (viel spaeter), ob meine damalige Entscheidung gut gewesen war. Inzwischen bin ich froh drum, eine "normale" Schullaufbahn durchlaufen zu haben.

    Ich studierte was technisches (ich wusste nicht recht damals, was mir nun am besten gefaellt, wusste aber sehr sicher, was mir nicht gefaellt) - ich bin ziemlich vielseitig interessiert und veranlagt. Ich werde wohl nie in einem Gebiet eine super Expertin sein, aber gutes Mittelfeld in vielen Gebieten - ich bin ueberzeugt, das braucht es auch.

    Dann arbeitete ich kurz, es kamen Kinder, ich blieb daheim (was mir weniger guttat, aber nu...). In all der Zeit begleitete mich Musik auf irgend eine Art und Weise und rueckblickend gesehen, half sie mir, die schlechteren Zeiten zu ueberstehen. Ich arbeitete wieder, der letzte Job machte mir nur maessig Spass aus verschiedenen Gruenden. Ich ueberlegte mir auch Musik, kam aber schon gar nicht bis zur Ueberlegung, ob ich da eigentlich ueberhaupt Talent genug dazu habe - ich blieb stecken bei der Ueberlegung, will ich mir und der Musik das antun? Will ich mir die Musik, den Spass daran, wirklich damit verderben, es immer machen zu muessen, egal, wie ich drauf bin, egal, ob ich in Stimmung bin? Und ich kam zu dem Schluss, nein, das will ich nicht. Ich mache was anderes.

    Derzeit komme ich kaum dazu, aktiv zu spielen oder zu singen, bestenfalls mal kurz am WE. Aber es ist absehbar, dass ich wieder mehr Zeit haben werde, und ich weiss, wofuer ich grad ochse. Und ich weiss, dass ich das machen will. Auch ein Beruf, wo einige die Haende ueber'n Kopf zusammengeschlagen haben, aber er ist es numal fuer mich. Und die Musik, sie wird mir weiter helfen, Kraft zu tanken, weil ich mich an ihr freuen darf. Und nicht spielen/singen muss, wenn mir so gar nicht danach ist. Deswegen sage ich, ueberlegt, was Ihr tut. Wenn es die Musik ist, die Euer Beruf werden soll, und Ihr Euch vorher bewusst seid, dass es auch mal nicht so gut laufen kann, toll. Dann freue ich mich, wenn Ihr Eures gefunden habt. Was ich nur vermeiden will, ist dass jemand blauaeugig neidappt, es waere schad.
    Richtig, beides :)
     
  20. Bell

    Bell HCA Gesang HCA

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    Erstellt: 08.11.08   #20
    Hallo !
    Ich meine mich zu erinnern, dass der Eingangsposter geschrieben hatte, es zöge ihn auf die Bühne. Damit kommen so einige musikalische Berufe nicht mehr in Betracht; er könnte also, wenn er sich denn wirklich für Musik als Beruf entschiede, nur Sänger (oder Instrumentalist) werden.

    Brennen tut man am Anfang, wenn man jung ist, und das muss man sicher auch. Im Laufe der Jahre wird die Flamme schon kleiner, Musikmachen wird immer mehr zum Handwerk und kann auch zur puren Routine werden. Das ist an sich nichts Schlimmes und passiert doch über kurz oder lang in jedem Beruf. (Wenn man z.B. die x-te Gala absolviert, denkt man manchmal einfach nur: gäääähn - man darf es sich aber niemals anmerken lassen).

    Ich gebe mich übrigens mit 500 Euro im Monat nicht zufrieden - aber dafür muss ich auch viel ackern. Dazu gehört unterrichten. Und um gigs an Land zu ziehen muss ich uns verkaufen - sprich viel telefonieren und mailen, Verträge aufsetzen, Diverses organisieren, etc.pp. - diese Kleinarbeit gehört jedenfalls dazu, wenn man sich selbst managt.

    Das klingt alles nicht sehr glamourös, aber man sollte es eventuell auch bedenken. Nicht jeder freischaffende Künstler hat einen Manager.
    schöne Grüße
    Bell
     
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