Musikalisches Versagen

  • Ersteller Fred Ericsson
  • Erstellt am
BumTac

BumTac

Helpful & Friendly User
HFU
Zuletzt hier
05.08.20
Mitglied seit
14.09.05
Beiträge
5.005
Kekse
21.712
Ort
Whoopa Valley
Aber natürlich!

Vorweg noch ein kurzer comment zu Deiner Geschichte: Du verwendest mehrfach die Beschreibung "Ich habe versagt". Willst Du in Deinem Leben/Beruf jemals etwas werden, gewöhne Dir diese Umschreibung schnell ab. Dass Du kein Versager bist, hast Du gerade auch in musikalischer Hinsicht hinlänglich bewiesen. Aber nur mit einem Musiktalent alleine besteht man keine Prüfung. Du hast Dich unter enormen Erfolgsdruck gesetzt und gehst ganz automatisch davon aus, dass Dein Umfeld dies auch getan hat und Dich jetzt als Versager einstuft.
Dem ist ganz sicher nicht so, aber es gibt nunmal immer Menschen, die im direkten Vergleich entweder etwas besser können oder sich besser verkaufen. Und es gibt immer Situationen, in denen man schlagartig seine Sicherheit verliert, über die man sonst traumwandlerisch verfügt. Lass Dich davon nicht unterkriegen und versuche es wieder, aufgeben wäre der falsche Weg, der vermeintlich einfachere Weg über andere Fächer oder andere Schulformen vermtl. auch.

Genug davon, Du wolltest Niederlagen anderer hören?! Dann wird mein Text länger, ohne Dir wirklich hilfreich zu sein. Aber ich gebe Dir gerne ein Beispiel, welches gewisse Ähnlichkeiten mit Deinem Fall hat. Ich wollte nach dem ABI und einer elektrotechnischen Ausbildung Ton- und Bildtechnik am Robert-Schumann-Institut in D´dorf studieren, zumindestens seinerzeit der einzig akademische Weg in ganz Deutschland. Pro Jahr werden dort ca. 30 Studenten aufgenommen - für ganz Deutschland! Auch dort gab es eine Aufnahmeprüfung, bestehend aus theoretischen und praktischen Teilen. Und als ich deren Inhalte kennenlernte, wurde mir klar, daß sich mein Berufstraum nicht erfüllen würde, denn diesen Anforderungen war ich bei weitem nicht gewachsen.
Das hat wehgetan, sicherlich nicht so extrem, wie in Deinem Fall, aber dennoch. Ich habe dann ein Nachrichtentechnik Studium absolviert und alles an Kursen belegt, was auch nur andeutungsweise mit Musik/Akustik zu tun hat. Meine Diplomarbeit - völlig artfremd - handelte von akustischen Gitarren, Klangempfindungen und Messtechnik. Vielleicht konnte ich ja rückwärts oder seitlich in die Branche einsteigen!

(...) mein erster Job war dann "Projektierung für Datennetzwerke" !

Du siehst, auch mit dieser "Niederlage" musste ich umgehen. Heute - mit 44 Jahren - leite ich eine Geschäftsstelle und erlebe Musik "nur" im Hobbybereich, dies aber sehr erfüllt und durchaus erfolgreich. Ich bin zufrieden!

Ich wünsche Dir richtige Entscheidungen, eine ordentliche Portion Mut und Glück, sowie Kampfeswillen, Dein Glück vielleicht auch mit Nachdruck zu erzwingen.
Ich wünsche Dir aber auch den Mut und die Kraft, damit umzugehen, wenn es nicht klappen sollte!
 
Golo

Golo

Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
04.03.21
Mitglied seit
14.06.10
Beiträge
715
Kekse
1.758
Ort
Ahlen
Hi,

ok, dann erzähl ich Dir auch mal meine "Geschichte des Versagens". Sie kommt zwar nicht aus dem Musikbereich, aber ich denke sie passt trotzdem ganz gut:
Ich hab nach dem Abi erst meinen Zivildienst gemacht und dann angefangen zu studieren. Erst Mathe mit Zweitfach Informatik, später Informatik als Hauptfach. Insgesamt hab ich mir recht viel Zeit gelassen (man musste ja jobben und musizieren...) und hab mit der ganzen Studiererei geschlagene 14 Semester (7 Jahre verbracht). Zu diesem Zeitpunkt hatte ich alles an Scheinen, Praktika und anderem zusammen bis auf eine popelige Grundstudiumsklausur "Elektrotechnik", vor der ich mich immer gedrückt habe, da das echt nicht mein Ding war (egal wie viel ich gelernt habe). Irgendwann war es dann soweit und ich wa 3 Mal durch die Klausur gerasselt und stand vor der mündlichen Ersatzprüfung ... lange Rede kurzer Sinn, auch da bin ich durchgefallen. Super, also mal eben 7 Jahre in den Sand gesetzt. Für mich brach wirklich eine Welt zusammen, aber zum Glück hatte ich Freunde die mich immer darin bestärkt haben, nicht aufzugeben.
Also hab ich mit fast 30 angefangen, mich für eine Ausbildungsstelle als Fachinformatiker zu bewerben, wohl wissend, dass ich aufgrund des Alters schon schlechte Voraussetzungen hatte und dass Fachinformatiker auf dem Arbeitsmarkt nicht mit Studierten mithalten können. Wider Erwarten hab ich eine Ausbildungsstelle bekommen, zwar bei einem Ausbeuter-Betrieb, aber ich wollte halt eine abgeschlossene Berufsausbildung. Also Augen zu und durch und mit 31 die Ausbildung abgeschlossen.
Danach kam die Jobsuche, da ich auf keinem Fall bei meinem Ausbildungsbetrieb bleiben wollte, und um das ganze ein wenig abzukürzen. Ich fand einen Job und habe mitlerweile nach etwas über einem Jahr eine sehr gute Stelle als Informatiker mit verantwortungsvollen und zum Teil sogar leitenden Aufgabenstellungen.

Mein persönliches Fazit lautet also: Lass Dich nicht unterkriegen und gib nicht auf. Es gibt immer einen Weg zum Ziel, der kann aber auch sehr steinig sein (...ersetze bitte Pathos durch Ernsthaftigkeit...).

Soviel von mir, ich hoffe es hilft.

Gruß
Golo
 
ginod

ginod

Helpful & Friendly User
HFU
Zuletzt hier
06.08.19
Mitglied seit
10.03.04
Beiträge
1.655
Kekse
6.842
Ort
Osnabrück
Das hat überhaupt nichts mit Versagen zu tun. Die Konkurrenz ist einfach groß und man sollte sich als Musiker bewusst sein, dass man in erster Linie Musiker ist und nicht Musikstudent und das man nicht mehr oder weniger Wert ist durch so ein Studium. Ich habe mich auch auf ein Musikstudium vorbereitet und habe dann auch eine Hochschule gefunden die mich wollte ^^. Aber ich habe mir immer in Gedanken gehalten, dass ich in erster Linie Musiker bin und rein gar nichts daran etwas ändern wird. Ob man durch ein Musikstudium viel erfolgreicher ist als ohne kann wohl niemand unterschreiben. Die Sachen die du aufgezählt hast zeigen, dass du ein richtiger Musiker bist und daran ändert doch ein Studium nichts. Zieh einfach weiter dein Musikding durch und versuch es einfach im nächsten Jahr nochmal.

Mein Gitarrenlehrer sagte mir immer "Versuch es einfach immer wieder!". Das hört sich irgendwie blöd an, aber genau das hätte ich wohl auch getan. Ich hätte einfach mein Ding durchgezogen und nebenbei probiert so einen gegeehrten Platz zu bekommen. Aber was gute Kunst ist entscheiden eben nicht eine Hand voll von Dozenten sondern die Menschen für die du spielst
 

Ähnliche Themen

Neue Themen

Unser weiteres Online-Angebot:
Bassic.de · Deejayforum.de · Sequencer.de · Clavio.de · Recording.de

Musiker-Board Logo
Oben