Neue Erkenntnisse beim Akkordeonbau - Zur Steigerung der Klangfülle

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Hallo,

vor zwei Wochen haben meine Frau und ich Balg besucht, er wohnt ja nur einen Katzensprung entfernt. Wir haben uns seine Akkordeonprojekte, seine Werkstatt und einige Katzen (seiner Frau) angeschaut bzw. vorführen lassen. (Katzen haben wir definitiv zu wenig gesehen :D).

Ich muss sagen: Wow! :eek:

Was wir dort gesehen, erklärt und vorgeführt bekommen haben wirkt immer noch nach. Da muss man erst mal ein paar Tage drüber nachdenken und die Tragweite davon erfassen.

Zur Erinnerung: Balg hat ja schon dem einen oder anderen Benutzer des Forums mit Rat und Tat zur Seite gestanden, ob es um das Bauen eines Balgs oder das Lösen einer Tastenachse ging.

Im Thread "Balg selber Bauen" hat er Bilder von seinem selbstgebauten Balg und seinem selbst angefertigten Supitaverdeck eingestellt. Diese Teile konnten wir vor Ort bewundern.

Interessant sind die ganzen Werkzeuge und Geräte, die er sich selbst herstellt, um z. B. den Balg selbst zu bauen oder die Klangfülle der Stimmzunge bzw. Stimmplatte zu steigern oder eine Vorrichtung, die Druckluft oder Unterdruck erzeugt, auf welche man die Stimmstöcke einfach drauf legt/drückt und so die Stimmplatten bzw. die Stimmzungen bei ihrer Arbeit sehen kann. Die Höhe des Luftdrucks kann man mittels eines Drehreglers einstellen. Über eine Anzeige, welche den Druck auf einer Skala anzeigt, sieht man (in Verbindung mit dem Klang der Stimmzunge), wie schnell bzw. ab welch einem Druck die Stimmzungen anklingen bzw. zu arbeiten beginnen. Über drei einzeln konfigurierbare Luftöffnungen können so drei Öffnungen im Stimmstock auf Tastendruck oder permanent mit Luft versorgt werden.

In Verbindung mit einem professionellen Messgerät (peterson AutoStrobe), welches die genauen Frequenzen ermittelt (im Cent-Bereich zu verstellen) und speziellen Werkzeugen, kann er daran stimmen und Abweichungstendenzen ermitteln. Mit einer Stroboskop-Lampe kann man die schwingende Stimmzunge stehend anschauen (was wir sicherlich das nächste Mal dann auch machen werden, die Zeit war einfach zu kurz).

Das Beste aber war, vereinfacht ausgedrückt, ein kleines Kästchen, in welches man eine Stimmplatte einlegen und festspannen kann, über welches die Stimmzunge mit Luft versorgt wird. Das Innenvolumen des kleinen Kästchens lässt sich über einen Schieber vergrößern oder verkleinern. Sozusagen eine größenkonfigurierbare Kanzelle. Ich persönlich sehe das wie einen kleinen Resonanzraum für eine einzelne Stimmplatte an. Interessant daran ist, dass jede Stimmplatte bzw. Tonhöhe ein eigenes optimales Raumvolumen aufweist, um die beste Ansprache und die besten Klangergebnisse zu erzielen.

Anhand der Vorführung kann ich sagen, dass momentan, im Allgemeinen, die Stimmstöcke in allen Akkordeons definitiv nicht optimiert sind. Hier müsste jede einzelne kleine Kanzelle im Stimmstock optimiert sein. Es ist extrem zu sehen und zu hören, welche Steigerung in der Klangfülle und Ansprache über einen Stimmstock mit volumenoptimierten Kanzellen möglich ist. Die Diskussionen über "a mano"" und "tipo a mano" sind dabei, im Nachhinein betrachtet, eigentlich zu belächeln, wenn man sieht bzw. hört, was an dieser Stelle schon mit "billigen" oder selbst hergestellten Stimmplatten bzw. -zungen möglich ist. Eine Diskussion darüber kann bzw. muss eigentlich nach oben genannter Optimierung erfolgen.

Im Thread Akkordeon - Stammtisch Karlsruhe bot Balg an, sein umgebautes Weltmeister Cantus V vorzuführen.

[...] Ich habe mir eine Weltmeister Cantus V mit erheblichem Aufwand verändert. Mir wäre daran gelegen, anderen Akkordeonspielern mit umgebautes Akkordeon vorzuführen, um eine Beurteilung zu erfahren.

Besteht hierfür Interesse?

[...]

Im Thread Balg selber Bauen schreibt Balg:

[...] Übrigens: Wer von euch die " Intermusic " hat, in der Ausgabe vom März 2010 ist ein Bericht über mein Forschen erschienen (S. 12 "Neue Erkenntnisse beim Akkordeon - Zur Steigerung der Klangfülle") [...]

Ich habe in der Redaktion der INTERMUSIK Musikfachzeitung um Erlaubnis nachgefragt, den Artikel einzuscannen zu dürfen und hier im Musiker-Board, im Akkordeonforum, an dieser Stelle veröffentlichen zu dürfen. Die Erlaubnis dazu habe ich via E-Mail und via Fax erhalten. Und nicht nur das, man ist so freundlich und stellt mir den Artikel in absehbarer Zeit auch als PDF-Datei zur Verfügung, damit die Qualität erhalten bleibt. Vielen Dank dafür an die Redaktion und an Prof. Ulrich Schmülling.

Also ganz offiziell: Die diesem Beitrag anhängende Bilddatei enthält den Artikel: "Neue Erkenntnisse beim Akkordeonbau - Zur Steigerung der Klangfülle" aus: INTERMUSIK Zeitung, Kamen. Ausgabe März 2010, Seite 12. Der Abdruck bzw. die Veröffentlichung im Musiker-Board erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages.

Ich weiß, dass schon verschiedene Akkordeonhersteller bei Balg waren, um sich die Sache anzuschauen und er diverse Kontakte zu Herstellern in Castelfidardo und der Tschechei hat. Mal schauen, was diesbezüglich da in Zukunft im Akkordeonbau passiert.

Schade nur, dass Balg unter seinen vielen, vielen Akkordeons überhaupt kein Knopfgriff-Instrument vor Ort hat. Ich persönlich hätte gerne mal eine B-Griff-Version in die Hand genommen. Für die Zukunft werde ich von solch einem Instrument wahrscheinlich nur träumen können.

Gruss

WechselBalgOdo
 

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Das ist wirklich beeindruckend und unterstreicht die Vermutung, dass die Akkordeon-Herstellung ziemlich in festen Traditionen gefangen ist, wie schon im Faden https://www.musiker-board.de/akkord...-akkordeonbau-wohin-soll-die-reise-gehen.html festgestellt wurde. Statt zu resignieren braucht es zuweilen einen frischen Blick von aussen, um neue Wege zu entdecken. Die Einleitung des Artikels bringt es deutlich auf den Punkt.

Grosses Kompliment und Gratulation an Herrn Neumann :great: (natürlich würde ich das gerne mal hören oder spielen, um mir selbst einen Eindruck zu verschaffen).

Durch diese Untersuchungen erweitert sich der Blick auf weitere Komponenten der Klangbildung. Die Stimmzunge war lange Zeit im Zentrum der Forschung, Kanzelle und deren Material, Gehäuse hätten gemäss der Untersuchungen u.a. von Herrn Richter, einen eher geringen Anteil an der Klangbildung. Cassotto, Diskantverdeck, Bassgehäuse formen den Klang nach meinen Empfinden allerdings nachhaltig. Wenn die Forschung diese und weitere Elemente weiter untersucht, so ist das Akkordeon noch lange nicht fertig gebaut und wir können uns auf neue Klangerlebnisse freuen!
 
B
Balg
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<hallo accordion,

wenn Du das Akkordeon gerne testen möchtest, kannst Du bei mir vorbei kommen.

Nächster Vorschlag: Ich bin beim Schwarzwaldtreffen dabei v. 15.10.-17.10.10 . In meinem Gepäck befindet sich dann auch die umgebaute Weltmeister Cantus V.Das dürfte für Dich vom Weg her nur die halbe Strecke bis Pirmasens sein.

Mein Angebot gilt für Alle, die sich hierfür interessieren.

Gruß
Balg
 
Ippenstein
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Guten Morgen,

mal ein paar Erklärungen:

Das Gehäuse selbst trägt nichts zur Klangbildung bei. Das Volumen der Druckkammer hat eine leichte Auswirkung, der größte Klangveränderungsweg ist aber der von der Zunge über den Weg nach draußen. Durch die Dämpfung des Balges kommt damit auch nur der Weg über die Klappe zur Geltung. Das Baßgehäuse trägt nur dann stark zum Klang bei, wenn es geschlossen ist oder ein Cassotto beinhaltet. Ebenso verhält es sich mit dem Weg im Diskant.

Richter sagt auch, daß die Kanzelle in ihrer jetzigen Form keine Resonanzveränderung hervorruft, sondern die Kanzelle um einiges an Länge erweitert werden müsste. Soweit ich von Manfred weiß, hat er ebendieses Problem bei den tiefen Tönen im Diskant, da er da die Kanzellen entsprechend erweitern müsste, der Platz aber nicht zur Verfügung steht. Bei den Baßtönen wird es ebenfalls interessant. Aufgrund dieses Platzproblems stellt sich dann die Frage, ob man sich vorerst nur auf eine Verbesserung der Kanzellen im hohen Diskantbereich versteift. Und dann kommt die nächste Frage, ob sich das nicht negativ auf die Ausgewogenheit des Klanges auswirkt. Den Akkordeonfachleuten ist das schon klar, daß sich die Kanzellengröße an die Stimmplatte anpassen muß. Sieht man sich die Stimmstöcke an, so werden die in die Höhe zu nicht nur kleiner sondern die Kanzellen werden auch immer weniger tief.

Ein Beispiel, wie die Kanzelle wirken kann, sieht man bei der Russian Timbre Accordion Group. Jedes Instrument hat 1 Register.

Zu den verschraubten Stimmzungen. Ich weiß nicht, wie das in materialtechnischer Hinsicht aussieht. Helikonstimmplatten sind auch verschraubt, es sollte also gehen. Warum man aber lieber nietet statt schraubt, ich weiß es nicht. Da können sich die BWLler und Stimmplattenfachleute dazu äußern. Wenn man nämlich allein dadurch schon eine bessere Fläche zwischen Zunge und Platte schafft, ohne Mehraufwand betreiben zu müssen, wäre das was. Aber irgendwie hatte sich bis jetzt auch noch keiner beschwert.

Viele Erfindungen scheiterten entweder an der Machbarkeit, am Aufwand oder einfach an dem, daß es sich bei den Spielern nicht durchsetzen konnte.

Aber alles muß auch wirtschaftlich bleiben. Wenn es der Kunde nachher nicht bereit ist zu zahlen..., wurde viel in den Sand gesetzt.

Schauen wir uns mal die Verkaufszahlen bei Thomann an: Auf Platz 3 ist die Hohner Morino V 120 deluxe. Da der Name zieht und in den Akkordeonorchestern viel gespielt wird, ist es klar, daß sie so gut steht. Aber warum keine Gola oder Goletta, die doch besser sind?
Auf Platz 1-8 sind alles Akkordeons im Einsteigerbereich. Auf Platz 10 ist die Hohner Atlantic.

Bei WM wird die Supra viel mehr verkauft als die Supita, obwohl da noch mal ein qualitativer Unterschied ist.

Die Frage vor jeder Entwicklung ist also: Ist der Kunde auch bereit, die Entwicklung und Investition zu zahlen?

Grüße

Ippenstein
 
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Hallo Ippenstein,

Schauen wir uns mal die Verkaufszahlen bei Thomann an: Auf Platz 3 ist die Hohner Morino V 120 deluxe. Da der Name zieht und in den Akkordeonorchestern viel gespielt wird, ist es klar, daß sie so gut steht. Aber warum keine Gola oder Goletta, die doch besser sind?

weil die Goletta schon lange nicht mehr gebaut wird. Die Gola wird bei Thomann überhaupt nicht verkauft (dieses Akkordeon gibt's nämlich nicht "von der Stange") ;)...
 
Ippenstein
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Daß es es nicht von der Stange gibt, ist klar. Aber wir können wohl davon ausgehen, daß sich die Verkaufszahlen der Gola wohl bei weitem nicht mit denen der Morino oder der anderen Instrumente messen kann. ;)
 
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Hallo nochmal,

das ist wie bei den Autos: Warum verkauft sich ein VW Golf besser als eine Mercedes E-Klasse, obwohl letzteres vermutlich das "bessere" Auto ist? Aber das geht dann doch ein wenig am eigentlichen Thema dieses Threads vorbei...
 
Ippenstein
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Nicht ganz mein Lieber,

unabhängig von der wirtschaftlichen Situation der Leute, die man natürlich auch berücksichtigen muß, darf schon diese Frage gestellt werden, da sie ja extrem wichtig bei der Weiterentwicklung des Akkordeons ist. Ein Akkordeon in den oberen Preisklassen sind ja meist Anschaffungen fürs Leben, während ein Auto ein Nutzmittel ist, das nach 20 Jahren entsorgt wird.

Nun zurück zum Thema. Soweit ich weiß, hat sich Manfred da auch schon mit den verschiedenen Stellen auseinandergesetzt. Die Frage ist weiterhin: Optimieren die Entwicklungen von Manfred das Akkordeon in Bezug auf Klangschönheit und Nutzbarkeit? Ein bereits genanntes Problem ist ja der Platz für die Kanzellen.

Gerade durch das Aufwerfen all dieser Fragen möchte ich Manfred in seinem Tun bestärken.

Viele Grüße

Ippenstein
 
maxito
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wenn man sieht bzw. hört, was an dieser Stelle schon mit "billigen" oder selbst hergestellten Stimmplatten bzw. –zungen möglich ist. Eine

Dass balg seine Stimmplatten selber aus den Rohteilen gebaut hat hatte seinen Grund darin, dass er bestimmte Effekte vermeiden wollte, die passieren, wenn die Stimmplatte aufgenietet wird. Die wäre dann in Hinblick auf das, was er optimieren wollte dann praktisch schon versaut gewesen. Deshalb der Weg über den kompletten Eigenbau. Ansonsten werden auf hochteure A-Mano Platten aus eben den gleichen "billigen" Rohteilen gefertigt, nur halt nach herkömmlicher Weise. Das Material kostet an der Stimmplatte nie viel, die Arbeit daran macht den Preis aus.

Richter sagt auch, daß die Kanzelle in ihrer jetzigen Form keine Resonanzveränderung hervorruft, sondern die Kanzelle um einiges an Länge erweitert werden müsste. Soweit ich von Manfred weiß, hat er ebendieses Problem bei den tiefen Tönen im Diskant, da er da die Kanzellen entsprechend erweitern müsste, der Platz aber nicht zur Verfügung steht

Nach meinen Unterhaltungen mit balg habe ich das so im Gedächtnis, dass es hierbei eigentlich nicht um Resonanzeffekte geht, obwohl die auch eine Rolle spielen können, aber nicht müssen. Ausgangsbasis seiner Untersuchung war der Umstand, dass eine ganz ausgebaute Piccolo- Stimmzunge ohne Stimmstock und außerhalb des Geräts angeblasen sehr laut klingt, ihre Schallstärke aber sofort verliert, wenn sie in den Stimmstock eingebaut wird und dort nur noch verhältnismäßig leise klingt. Für die ausgebaute Stimmplatte kann Resonanz nicht in Frage kommen, da ja kein Resonanzfähiger Raum in der Umgebung vorhanden ist.
Das führte zu den Versuchen, wieviel "Volumen" eine Stimmplatte benötigt, damit sie ihre Schallleistung frei und ungehindert abgeben kann.
Bei den tiefen Tönen kam dann halt das Problem auf, dass das benötigte Volumen nicht mehr ausreichend untergebracht werden konnte, deshalb die Beschneidung. Nicht wegen Resonanz!

Optimieren die Entwicklungen von Manfred das Akkordeon in Bezug auf Klangschönheit und Nutzbarkeit?

Zunächst ging es mal darum die Stimmplatte zu maximalen Betriebsleistungen zu bringen, bezüglich Ansprechverhalten (das ging über den Stimmplatteneigenbau) und maximalen Schalldruck (das war die Geschichte mit den Stimmstöcken)

Erst wenn die Parameter optimiert sind, dann kann man sich an die eigentliche Klangformung machen - da bietet sich tatsächlich ein weites Feld.
Aber (Vergleiche aus der Automobilwelt sind immer so schön bildhaft) bevor man den Motorsound eines Porsche unter die Lupe nimmt, sollte man zuerst schauen, dass die Leistung des Motors stimmt. Und drum bringen Verbesserungen am Klangbild solange nicht sehr viel, solange nicht die Stimmzunge in optimale Betriebsbedingungen gebracht wurde.

Da balg dieses umgebaute Akkordeon zum Schwarzwaldtreffen mitbringen will, bin ich schon sehr gespannt drauf das Gerät in Augenschein nehmen und ausprobieren zu können.

Gruß, maxito
 
Ippenstein
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Mit Resonanz war eine Verstärkung bzw. Verbesserung des Klangabstrahlverhaltens gemeint, um das es ja auch geht.
 
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Maxito hat dies hier richtig nieder geschrieben, wonach ich auf der Suche bin. Die Kosten oder Aufwendungen um ein Akkordeon besser bauen zu können, stehen für mich nicht im Vordergrund, sondern das Interesse gezielte Ergebnisse in der Umsetzung zu erreichen. Ich habe die Freiheit, dieses tun zu können. Wirtschaftliche Vorgaben hindern mich deshalb nicht.

Gruß
Balg
 
Ippenstein
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Hallo mein Lieber,

das weiß ich und das ist ja Dein Vorteil. Aber Deine Ergebnisse werden sich, wenn es um eine Umsetzung gehen soll, wirtschaftlich messen lassen müssen.

Viele Grüße

Andreas
 
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Hallo Andreas Ippenstein,

warum stellst Du die wirtschaftlichen Interessen in den Vordergrund? Für mich ist eine Vermarktung über das was ich tue gar kein Thema. Ich will nur herausfinden , ob man im Akkordeonbau alles Mögliche umgesetzt hat. Eigenes Interesse ist meine Triebfeder.Keine Gola kaufen, sodern eine BESSERE bauen. Selber gemacht dauert länger, ist aber auch billiger.

Ich hoffe nur, daß ich in meinem jugendlichen fortgeschrittenen Alter mir diesen Wunsch noch umsetzen kann.

Gruß

Balg
 
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Hallo Manfred,

ich weiß. Deine Freude am Werkeln und das fernab jeder gewinnorientierten Natur ist sehr lobenswert. Die Frage, die hier aber im Faden auch aufgeworfen wurde, ist, ob davon auch andere mal profitieren werden. Sie können aber nur profitieren,
wenn die Firmen einen positiven Kosten-Nutzen-Faktor sehen. Du weißt selbst, wie viele tolle Patente nie zur Serie gereift sind.

Viele Grüße

Andreas
 
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Sie können aber nur profitieren,
wenn die Firmen einen positiven Kosten-Nutzen-Faktor sehen.

oh, da bin ich mir sicher, dass die Firmen davon profitieren können - sie müssen nur wollen.

Denn um gute Stimmplatten zu machen muss man schon etwas Aufwand treiben, von ganz alleine geht das auch nicht. Und wenn man schon Aufwand treibt, dann kann man das ja auch für Stimmplatten tun, die unter Beachtung von ein paar Randparametern deutlich bessere Ergebnisse erzielen.
Es ist ja auch nicht ganz so wichtig, ob man die Dinger schraubt, oder nietet - wichtig ist, dass man bei der Herstellung ein paar Randbedingungen beachtet und einhält, die den entscheidenden Unterschied ausmachen. In diesem Fall war die geschraubte Lösung mit Abstand eben die praktischste Lösung, so quasi für den Prototyp. Im industriellen Massstab kann man über die Details immer noch nachhirnen, wie man das anders auch hinbekommt.

Und Stimmstöcke mit anderen Maßen dürfte für die allermeisten Firmen überhaupt kein Problem darstellen, da die meisten Firmen die Dinger ja eh aus Holz machen. Nach meinen Beobachtungen ist es eher so, dass die größere Hürde darin liegt, dass man eingefahrene Pfade verlässt (das hat man schließlich schon immer so gemacht und hat ja schließlich bislang auch allen gefallen!) und eine neue Richtung einschlägt, die man nicht schon seit Generationen so macht.

Wichtig finde ich, ist hier überhaupt erstmal, dass gezeigt wurde, dass man gar nichts neues erfinden muss, sondern dass alle Bauteile eigentlich schon da sind - man muß sie nur richtig einsetzen und kann damit noch ordentliches Verbesserungspotential freimachen und zwar relativ schnell und einfach, ohne dass zuerst großartige Grundlagenforschung notwendig wird.

Gruß, maxito
 
Ippenstein
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Wieder mich falsch verstanden. Deine Ausführung, Zustimmung.

Ich habe schon viel mit Manfred telefoniert bzw. er mit mir und was er mir erzählt hat, klingt großartig. Ich mache mir nur Sorgen, ob die Akkordeonfirmen bereit sind, davon auch einiges umzusetzen - eben genau aus dem Grund, den Du bringst "im eigenen Saft schmoren" als eben auch die Änderungen in der Produktion als auch Zahlen. BWL läßt grüßen und ich habe schon öfter in anderen Bereichen leider miterleben müssen, wie gute Innovationen allein wegen des Geldes nicht umgesetzt worden sind bzw. gute Sachen abgeschafft wurden, um Geld zu sparen und so den Gewinn zu maximieren.

Ich bin genauso gespannt wie Du, mal seine Cantus zu hören und anzuspielen.

Grüße

Ippenstein
 
JoLala
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Hi WechselBalgOdo,

auch ich finde Deinen Bericht über Balgs Arbeiten äußerst interessant.
Dennoch glaube ich, dass man beim Vergleich mit aktuellen Akkordeon-Modellen, insbesondere im high-end-Bereich denn auch mal genauer hinsehen müsste. Wird hier das Rad (der Erkenntnisse) eventuell noch mal neu erfunden? Na, vielleicht ja ein besseres Rad. Aber mal ehrlich, wer weiß denn schon, welche Kenntnistiefe z.B. eine Firma Borsini, Bugari, Pigini etc. oder auch alle anderen Top-Firmen in Castelfidardo oder von mir aus auch in Klingenthal oder sonst wo wirklich haben. Du glaubst doch nicht im Ernst, dass die Stimmzungenhersteller so einfach drauflos fertigen, ohne in dem von Balg experimentierten Bereichen umfangreichste Versuche gefahren zu haben. Ich will hier keinesfalls die Begeisterung dämpfen. Aber aus den vielen Jahren, die ich bei Hohner in Trossingen gearbeitet habe, weiß ich noch, dass die Stimmzungen-Entwicklung und Stimmen-Optimierung immer ein starkes Thema war. Frühe Experten auf diesem Gebiet waren bekanntermaßen Morino und Gola.

Es ist mir hier auch nicht ganz klar geworden, was eine optimierte Stimme eigentlich sein soll. Ich möchte das mal vergleichen mit einem Chor (Gesang). Solch ein Chor klingt doch nur dann gut, wenn sich jede einzelne Stimme harmonisch in den gesamten Klangkörper einfügt. Eine einzelne, stimmtechnisch besonders optimierte Stimme (meint das vielleicht besonders laut, klangfroh oder was sonst ist gemeint?) nutzt da gar nichts. Kann vielleicht sogar eher stören. Und genauso verhält es sich beim Entwickeln eines neuen Akkordeons. Am Anfang steht immer (oder sollte stehen) eine musik-künstlerische Vision davon, wie das neue Akkordeon insgesamt klingen soll. Und entsprechend werden Stimmzungen und Kanzellen-Maße festgelegt, verworfen, neu festgelegt etc. . . .eben für das insgesamt erwünschte Klangziel optimiert. Als optimiertes Klangbild über die gesamte Stimmlage eines jeden Registers und der einzelnen Register und Bass untereinander. Das betrifft die Ansprache der Stimmen ebenso wie die Lautstärke. Die Ausgewogenheit von Ansprache und Lautstärke der Stimmen untereinander ist hier entscheidend, und dabei kann es durchaus gewollt sein, dass zum Zwecke der Ausgewogenheit einzelne Stimmenbereiche bewusst auch „desoptimiert“ werden. Ein Herr Gola ist doch nur deshalb so besonders aufgefallen, weil er zu der damaligen Zeit bereits über äußerst profunde Kenntnisse in der Materie Stimmen-Optimierung verfügte.

Dennoch, ich möchte die aufkommende Begeisterung in keiner Weise schmälern. Vielleicht kommt am Ende dann ja doch was prima Neues dabei heraus. Ich wünsche Balg jedenfalls weiterhin guten Mut, viel Glück und Erfolg dabei.

Gruß, JoLala
 
WechselBalgOdo
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Hallo JoLala,

Wird hier das Rad (der Erkenntnisse) eventuell noch mal neu erfunden? Na, vielleicht ja ein besseres Rad.
Es ist ja nichts wirklich neu zu erfinden. Alle Teile gibt es schon. Nur ist die Summe der Teile nicht gleich das Gesamtbild.


Du glaubst doch nicht im Ernst, dass die Stimmzungenhersteller so einfach drauflos fertigen, ohne in dem von Balg experimentierten Bereichen umfangreichste Versuche gefahren zu haben.

Im Großen und Ganzen ist es genau das, was ich annehme. Und das gilt nicht nur für die Stimmzungenhersteller, sondern für die gesamte HZIM-Industrie. Die machen ganz einfach das, was man schon gestern, vorgestern und vor 30 Jahren gemacht hat. Hie und da wird man neue Materialien testen und einsetzen und auch mal kleinere Testreihen durchführen und versuchen Kosten zu sparen.

Zu unser aller Glück funktionieren Dinge auch ohne dass man exakt weiß warum. Jeder stützt sich auf bestehendes Wissen und Vorgänge, wobei man sicher sein kann, dass es funktioniert. Das machen wir alle täglich, ohne alles grundlegend zu hinterfragen. Man hat sich in der Vergangenheit, über die Generationen, einen Wissenspool aufgebaut. Da weiß man schon, was man machen kann und was man nicht machen darf. Man erfindet und testet im engen Rahmen. Nur bringt das auf Dauer keine neuen Ideen oder besser gesagt "keine neuen Fragen!". Und diese Fragen stellt sich Balg.

Analog dazu, da wir ja schon beim Auto waren: Glaubst Du die deutsche oder die US Automobilindustrie hat den Bedarf an umweltfreundlichen und sparsamen KFZ mit alternativen Antriebsmethoden auch nicht verschlafen? Genauso wenig, wie in diesem Bereich, in den vergangenen 30 Jahren, umfangreichste Versuche gefahren wurden und man sich auf bestehende Patente, (Diesel-)Technologie und Herstellungsprozesse verlassen hat, wurde das auch in diesem, noch sehr viel mehr traditionelleren Handwerk getan. Tradition und Investitionsschutz! Letzteres, indem man "bewährte" Verfahren anwendet.


Es ist mir hier auch nicht ganz klar geworden, was eine optimierte Stimme eigentlich sein soll.

Die Antwort gibst Du selbst am Ende des Absatzes. Ansprache, Lautstärke, Ausgewogenheit. Ich würde noch hinzufügen der Klang selbst (Klangfarbe), Stabilität des Tons (der Frequenz) bei unterschiedlichem Luft- bzw. Balgdruck. Oder einfach alles, was man sich wünscht, wenn man auf "a mano"" und "tipo a mano" Stimmplatten Wert legt, auf deren genaue Spezifikation sich kein Hersteller festnageln lässt. Diffuse Dinge eben. :rolleyes:

Gruss

WechselBalgOdo
 
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Verwechsle nicht "optimiert" mit "maximiert". Manfred versucht momentan, das Maximum herauszuholen. Ob das nachher aber auch klanglich gewünscht ist, ist eine andere Frage. Wir hatten gestern ein langes Gespräch und nachher denkt man noch mal viel nach.
Dabei ging es auch um italienische Akkordeons, die durch ihren leisen Ton Gefallen finden. In der Konstruktion sind sie aber, um eben so zu sein, weit vom theoretischen Optimum weg. Ebenso das Lackieren der Kanzellen. Es verändert den Ton dahingehend, daß weniger Schall absorbiert wird. Jedoch wird der Schall ja nicht gleichmäßig absorbiert, weshalb der Ton nicht einfach nur lauter wird, sondern sich auch in seinem Klang verändert. Da muß man auch schauen, was am Schluß schön ist. Gut ist es aber, diese ganzen Einflüsse zu kennen.

Zu den Stimmplatten. Jeder Hersteller hat da viel getestet um zu sehen, wie die Parameter sein müssen, um aus der jeweiligen Stimmplatte das beste an Ansprache, Frequenzstabilität und Dynamik herauszuholen. Das ist die eine Geschichte.
Wenn es Manfred nun geschafft hat, daß aufgrund einer Optimierung der Kanzellen die kleinen Stimmplatten schon bei wenig Druck ansprechen und somit deren Dynamikbereich nach unten erweitert wird, ist das eine feine Sache. Ich habe heute morgen meine Cantus gespielt. Der Piccolochor ist zu den anderen Chören laut genug und harmoniert sehr schön. Jedoch ist die Dynamik nach unten, je höher man von der Tonlage geht, immer weniger. D.h., daß die kleinsten Stimmplatten erst bei hohem Druck ansprechen.

Grüße

Ippenstein
 
tastenfux
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Hallo ,ich finde es toll, was Balg da macht. In den über hundert Jahren Akkordeonbau ist ja eigentlich nicht viel erfunden worden : Cassotto, bei Beltuna Amplisound, nach dem Krieg die Registerschalter- das wars eigentlich schon. Die Akkordeonfirmen sind ja alle ziemlich klein ( 50 in Castelfidardo) und nur die ganz großen haben evtl eine "Entwicklungsabteilung". Das Meiste ist Tradition und die Zufriedenheit über handwerklich tolle Instrumente.Die Zahlr der Hersteller von Stimmplatten ist auch mächtig geschrumpft. Eigentlich sind Innovationen längst fällig.

LG tastenfux
 

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