Neumann M 50 V Reissue

Neumann weiß schon, wie man so einen kleinen exklusiven Markt bedient, und wird ganz bestimmt gut dabei auf seine Kosten kommen, sprich einen guten Profit dabei machen. Sei´s drum, ich gönne es ihnen, sowohl der Firma Neumann als auch den ´potenten´ Käufern solcher erlesener Reissues. Gute Aufnahmen wird der Kundige gewiss damit machen können.
Wobei, nebenbei gesagt, alleine der Besitz und der Einsatz hochpreisiger Mikrofone noch kein Garant für gute Aufnahmen ist. Ohne das entsprechende Know-How mutieren selbst die teuersten Mikros zu einer Art maximal überteuerter Deko.

Das historische M50 verdankt seinen besonderen Ruf vorwiegend der Decca-Tree Technik und den seinerzeit damit erstellten hervorragenden Aufnahmen [näheres dazu u.a. hier: Link_1, Link_2, Link_3].
Für die Anwendung als Hauptmikrofone bei Decca-Tree bedurfte es allerdings keines Reissues des M50. Decca-Tree kam ja keineswegs außer Gebrauch als die Produktion des M50 seinerzeit eingestellt wurde.
Gute, ja, sehr gute und Top-KM-Druckempfänger gab es seitdem zur Genüge und gibt es nach wie vor. Schallbeugungskugeln (SBK) als Zubehör für KM-Kugel-Studiomikrofone bieten u.a. Neumann und Schoeps an. Die besondere Richtcharakteristik des alten M50 lässt sich also einfach nachstellen, und zwar sogar relativ preiswert, selbst bei dem Preis von rund 200,- € für eine Neumann-SBK (im Netz finden sich deutlich günstigere Angebote alternativer Anbieter, aus dem - heute wegen eines üblen Server-Crashs nicht mehr existierenden - "Tonthemen"Forum erinnere ich mich einiger Ton-Profis, die sich passende SBK´s selber gebaut hatten).
Nicht ergessen sollte man in dem ZUsammenhang, dass die Techniker und Ingenieure seinerzeit keineswegs im Sinn hatten, klanglich auf irgend eine Weise färbende Mikrofone oder Vorverstärker zu bauen. Klangliche Klarheit und eine möglichst naturgetreue Wiedergabe der Instrumente und Ensembles war deren Intention. Die Limits waren gleichwohl seinerzeit andere.

Und nicht zu vergessen: Für die Decca-Tree Anordnung werden 3 solcher SBK-Druckempfänger gebraucht (mindestens 3, ggf. sogar noch 2 mehr, also insgesamt 5, wenn für die bei Orchesteraufnahmen üblichen "Outrigger" Mikros, je eins links und rechts etwas weiter außen vor den Streichern, auch SBK-Kugeln zum Einsatz kommen sollen).
Dann läge die Investition schon bei 36.000,- €! Mindestens!

Ich habe selber schon einige Male mit der Decca-Tree Aufstellung gearbeitet. Mit drei Haun Studio Druckempfängern/Kugeln, ohne SBK, da ich keine habe (vielleicht mache ich mir mal welche selber mit 3-D Druck). Wenn "Kugeln" zum Einsatz kommen, muss die Akustik sehr gut stimmen, was bei meinen disebezüglichen Aufnahmen der Fall war. Und die Ergebnisse waren wirklich sehr gut.
Insofern braucht es keine M50 V um gute und professionelle Decca-Tree Aufnahmen zu machen. Selbstverständlich wird as M50 V einen gewissen klanglichen "Fingerprint" haben, auch wegen der Röhre. Aber die - professionelle - Aufnahmewelt hat definitv nicht auf dieses Reissue gewartet, jedenfalls nicht für Decca Tree - meiner Meinung nach.

Der Neugierde halber habe ich mal versucht zu überschlagen, was man für eine Mikrofonausstattung für eine Orchesteraufnahme ausgeben müsste, mit Decca-Tree und SBK. Der Einfachheit bin ich bei Neumann Mikros geblieben für diesen Vergleich. Mit Schoeps müsste man da noch etwas drau legen, Haun wäre etwas billiger, Mikrotech-Gefell und Sennheiser wären dann auch etwas teurer (um nur einige heimische Hersteller hochwertiger Mikrofone zu nennen).
Da ich die modularen KM120/130 usw. nicht finden konnte, die werden wohl nicht mehr produziert, bin ich bei den nicht-modularen KM183 (Kugel) und KM184 (Niere) gelieben.
Des weitere bin ich von 5 Kugeln ausgegangen, jeweils mit SBK, 3 für das Decca-Tree in der Mitte und 2 für die beiden Outrigger-Mikros.
Dazu habe ich 7 Nieren gerechnet für weitere Stützen, beim klassischen Orchester (Haydn/Mozart): Fl/Ob/Kl/Fg/Hrn/PK/Nahstütze für Kb.
Das sind zusammen 12 Mikrofone, und mit den Preisen, die im Netz für diese Mikrofone aufgerufen werden, sollten alle zusammen mit den SBK für 10-11.000,- € zu haben sein.
Da man bei so einer beispielhaften Besetzung meistens mit weniger Stützen auskommt (z.B. nur 2 für alle Holzbläser), ist das schon die (beispielhafte) Maximalsumme.

Ich will hier keine Diskussion über Neumann-Mikros auslösen und ob z.B. Schoeps nicht besser sind.
Aber wenn ein Tonler mit einem Koffer mit diesen Mikrofonen zum Aufnahmeset käme, hätte ich nicht den geringsten Argwohn, dass er damit (mit dem nötigen Können selbstverständlich) eine "amtliche" und professionelle Aufnahme eines guten Orchesters zustande bringt.

Professionalität mach ich jedenfalls nicht daran fest, ob jemand mit einem bzw. mehreren M50 V ankommt.
 
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Selbstverständlich lässt sich ein Decca-Tree auch mit anderen Druckempfängern darstellen. Allerdings ist Neumann mit den vergangenen Reissues wie U 47 fet, U 67 und M 49 im professionellen Bereich durchaus auf eine ansprechende Resonanz gestoßen. Es gibt also einen entsprechenden Bedarf.
 
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