Da
@soulbrother drüben im
FoH Fotos - Fotos von euren Arbeitsplätzen Thread nach einem Erfahrungsbericht mit der LD Maui 28 G3 gefragt hat will ich das hier mal nachholen.
Ich hol gleich mal etwas weiter aus, denn auch das A&H C18QT hab ich mir gerade angeschafft und stellt somit meinen Umstieg ins digitale Mischen dar.
Ich hab bisher immer analog gearbeitet (ein Bild von dem Equipment hatte ich mal
hier gepostet). Aber ich hab auch schon ewig keine Bands mehr abgemischt, v.a. weil es mir immer zuviel zum Schleppen & Aufbauen war und wenn es was größeres als ein Kneipengig war auch immer gleich Material dazu gemietet werden musste (noch mehr zum Schleppen und Aufbauen...)
Ausschlaggebend für meine Neuanschaffung war die Eröffnung des Ateliers meiner Frau, das wir gestern mit einem kleinen Akustik-Duo musikalisch begleiten durften. Und eine Woche davor hat meine Mutter ihren 70. Geburtstag gefeiert und mich gefragt ob ich da DJ spielen könnte und eine Anlage bereit stellen könnte mit 2 Mikrofonen, falls jemand der Gäste was darbieten will.
Die Geburtstags-Location hatte 100 Gäste und einen L-förmigen Raum. Dass ich mir das A&H Mischpult anschaffen möchte war mir vorher schon klar, weil das alte Geraffel wollte ich dafür nicht alles mitschleppen. Ich hab mir dann noch von einem Bekannten eine Bose L1 Compact Pro ausgeliehen. Als ich die aber zu Hause ausprobiert habe war für mich schnell fraglich ob die lautstärkemäßig überhaupt diese Location stemmen kann. Es war ja nicht (nur) leise Hintergrundmusik gefragt, sondern so richtig Party (war ja schließlich Faschings-Sonntag

). Aufgrund meiner Zweifel dann noch schnell zum Session gefahren und mir die Maui geholt. Die werde ich auch zukünftig verwenden für eben solche Kneipengigs (eine 2. Maui will ich mir später noch anschaffen). Aber die kann auch kleine Sachen wie die Atelier-Eröffnung und die Schlepperei ist mMn auch dafür noch im akzeptablen Rahmen.
So jetzt aber endlich zum Erfahrungsbericht:
Allen & Heath C18QT
Ich hab bisher nur einmal eine Band digital gemischt und das war mit ihrem eigenen Behringer XR18. Ich wollte unbedingt etwas wo ich nicht ausschließlich auf die Tablet-Bedienung angewiesen bin, außerdem sollte es relativ kompakt sein und trotzdem Band-tauglich (also mindestens 16 Eingänge). Ich glaube mit den Kriterien gibt es gar nicht viel Alternativen zum CQ18-T.
Toll finde ich dass die WLAN-Verbindung mit 2.4 und auch mit 5 GHz funktioniert, somit kann man sich bei WLAN-Problemem mit 5GHz quasi über's Publikum hinwegsetzen. Das war auch damals mit dem XR18 ein Negativpunkt. Die Band hatte kein langes LAN Kabel für das Pult das bis zum FOH Platz gereicht hätte und in der 2. Hälfte des Gigs hat doch tatsächich die Verbindung Zicken gemacht. Ich hab dann den Rest des Gigs von der ersten Reihe aus gemischt, da von dort aus noch eine Verbindung zum XR18 möglich war. Wird mir mit dem CQ18T nicht mehr passieren. Im schlimmsten Fall kann man es ja sogar direkt am Pult bedienen.
Beim XR18 haben mir die Effekte besser gefallen. Vor allem die Emulationen von 1176 (und ich glaube LA-2A) Kompressor. Da ich für Hall nur 2 der 4 Effektslots gebraucht habe, hatte ich die anderen beiden FX Slots mit 1176 Kompressoren belegt und die für die beiden Main-Vocals benutzt, das hat ganz schön dampf gemacht. Geht halt leider nicht beim CQ18T. Und auch die Effekte selbst haben nicht so ganz die Qualität bzw. Einstellmöglichkeiten die es beim XR 18 gab. Ich kann zwar immerhin beim Hall Low- und Hi-Cut setzen (setze die immer so zwischen 500Hz und 5kHz damit der Hall den Mix nicht so zumatscht), aber Pre-Delay als Parameter gibt es nicht. Und auch das nutz ich sehr gern um den Hall so ein bißchen vom Original-Signal abzusetzen.
Bedienung finde ich ok. Natürlich gibt es ein paar Einstellungen wo ich genau weiß dass es die gibt aber estmal rumsuche wo ich sie finde, aber das wird sich mit der Zeit wohl legen.
Die Preamps finde ich klasse, die machen richtig Dampf. 18 Spur Multitrack Recording entweder auf SD Karte oder direkt in eine DAW ist eine tolle Sache. Schade dass das Pult keine Digital Ein- und Ausgänge sowie physische MIDI Anschlüsse hat, sonst würde es mein Focusrite 6i6 komplett als Audiointerface ersetzen.
Das Multitrack Recording auf SD Karte habe ich auch gestern bei der Atelier-Eröffnung zum Soundcheck benutzt. Erstmal alles grob eingestellt, mit der Sängerin einen Song gespielt und aufgenommen und danach in aller Ruhe mit dem Playback den Sound noch verfeinert - finde ich klasse.
LD Maui 28 G3
Ich hatte jetzt für ein paar Tage auch eine Bose L1 Compact Pro zu Hause und konnte beide direkt miteinander vergleichen. Die Bose hat zwar den feineren Klang, aber die hätte diese 100-Leute Veranstaltungsgröße der Gebursttagsfeier definitiv nicht gepackt. Die Bose wäre vielleicht für die Atelier-Eröffnung die bessere Wahl gewesen, aber da hatte ich sie schon zurückgegeben. Es sind auch eher Nuancen die man im direkten Vergleich hört. Auch die Maui klingt sehr toll. Die liefert mehr Präsenzen als die Bose, das liefert für so ein Band/Kneipengig-Szenario mehr Druck und ist da durchaus willkommen. Bei der Atelier-Eröffnung musste ich aber bei meiner Klassik-Gitarre in dem Bereich am EQ was rausnehmen, damit der schöne weiche Klang auch akkurat wiedergegeben wird.
Die Säule der Bose dient größtenteils als Abstandshalter, da sind nur ganz oben Lautsprecher drin. Bei der Maui ist die ganze Säule mit Lautsprechern vollgepackt - 12 Mittenlautsprecher und oben 2 Hörner, wovon eines eher nach unten strahlt für die Nahbeschallung und das andere über die Köpfe hinweg nach hinten wirft. Das klingt tatsächlich an verschiedenen Stellen im Raum ausgewogen. Lediglich wenn man ganz nah vor der Box sitzt ist der Bass überbetont und die Höhen noch etwas unterpräsentiert. Aber so mit 2-3 Meter Abstand passt das. Und wenn man davor steht erübrigt sich das Problem auch.
Natürlich ist die Maui damit wesentlich schwerer als die Bose, aber ich sehe das eher als Vorteil - das Ding steht bombenfest auf dem Boden und wird von tanzwütigem Publikum nicht mal so einfach umgeschmissen. Die 2-teilige Säule lässt sich gut in einer (separat erhältlichen) Tasche transporieren und ist auch nicht zu schwer. Lediglich der Sub hat ein ordentliches Gewicht, aber gemessen an Größe und Leistung für mich absolut im akzeptablen Rahmen.
Toll finde ich an der Maui dass sie zwei Eingänge L/R hat. Da wird zwar mit einer Box kein Stereo draus, aber beim Abspielen der Konservenmusik bei der Geburtstagsfeier wurde da auch alles wiedergegeben. Hätte ein Song so eine fancy Stereo-Abmischung würden mit einem Eingang ggf. Teile vom Song fehlen,
Der 12" Bass liefert mehr als ich für die beiden Veranstaltungen benötigt hätte. Ich hatte das Topteil auf ca. 2/3 aufgedreht, den Sub hingegen nur bis zur Hälfte. Hat also noch Reserven falls notwendig...
Was mir an der Maui nicht gefällt ist der Stromanschluss via PowerCon. Im professionellen Bereich durchaus vorteilhaft, aber im Amateurbereich seh ich das eher kritisch - wenn das Teil kaputt geht hab ich keinen Ersatz, wohin gegen ein Kaltgerätestecker eigentlich immer aufzufinden ist. Ich hab mir gleich mal ein 10Meter PowerCon auf SchuKo Kabel geordert. Damit brauch ich auch keine Steckdose in Boxennähe und hab meine Stromversorgung zentral am Mischpult. Das kurze Stromkabel das zum Lieferumfang gehört verwende ich dann lediglich als Ersatz.
Ich hab auch gestern bei der Atelier-Eröffnung viel positives Feedback gekriegt. Natürlich haben wir da recht leise gespielt, aber ohne Verstärkung hätte es auch nicht funktioniert. Mehrere Leute meinten dass es sehr natürlich geklungen hätte und man gar nicht groß gemerkt hat dass das alles verstärkt ist - was will man mehr von einer P.A. Anlage erwarten?