Hi,
zu allererst gehört das GT-100 schlicht nicht vor einen Amp, jedenfalls nicht insgesamt. Ausprobieren würde ich mal die 4-Kabel-Methode (wenn denn schon die Ampvorstufe benutzt werden soll):
Gitarre>Input Boss, Send Boss>Input Amp, Send Amp>Return Boss, Output Boss>Return Amp.
Danach kannst Du aus der Red Box in den PC gehen, wobei die Speaker Simulation im Boss ausgeschaltet sein sollte. Im GT-100 sollte dabei allerdings keine Amp-Sim aktiv sein. Man muss aber auch ein wenig probieren, welche Pegel-Einstellungen für Send und Return gut funktionieren.
V
orher würde ich aber versuchen, auch alleine mit dem Boss einen guten Grundsound zu bekommen. Auf der Basis kann man dann leichter aufbauen. Wenn Du als Musikrichtung "Rock" nennst, ist das natürlich nicht sehr definiert, da gibts ja nun alle möglichen Sounds von Pink Floyd und Police über AC/DC und Judas Priest bis Dream Theater oder Meshuggah... so oder so gilt bei den Boss-Modelling-Amps als allererste Regel: Nicht mit Extremen anfangen!
Die Regler des "Amps" sollten anfangs im mittleren Bereich stehen. Boss hat hier teils drastische Reglerbereiche eingebaut, mit denen man "speziellere" Sounds erreichen kann, die die meisten aber erstmal gar nicht brauchen. Das unterscheidet sich mMn sehr vom Line 6-Konzept, das (zumindest im eigenen Anspruch) den Amp samt Reglern abbilden will, wie sie sind. Extreme bzw. Modifikationen werden dann eher mit gesonderten eigenen Models abgedeckt, also mit sowas wie dem bekannten "Line 6 Insane"-Sound.
Gehen wir mal von einem Standard-Sound Richtung
Marshall* aus, denn dieses Vorgehen kann man bei Boss ganz gut auf weitere Sounds übertragen. Versuchs mal so:
1. Alle Effekte ausschalten, außer ein bisschen Hall bzw. Room. Letzteres ist man in Natura so gewohnt, dass man ganz ohne Rauminformationen mMn keinen brauchbaren Maßstab hat.
2. Im "System"-Menu unter "Input" den Eingangspegel so einstellen, dass auch hart angeschlagen mit dem lautesten PU keine Verzerrungen zu hören sind.
3. MS 1959 I+II als Amp-Model einschalten, das ist ein vernünftiger Brot und Butter-Amp. Dazu die 4x12 oder 8x12-Box.
4. Von Gain bis Volume erstmal alles auf 50, Gain Switch Medium. Alle Werte über 50 sind bei Boss idR Bereiche, die der Original-Amp gar nicht abdeckt, entsprechend unnatürlich klingts dann oft.
5. An der Stelle kommt nun was, was in der Anleitung nicht steht: FX1/2 direkt hinter Amp/Box-Simulation schalten, "Tone Modify" wählen und dort den
Resonator.
6. Erst jetzt mit Gain und Klangregelung des gemodelten Amps spielen, um den Sound geschmacklich anzupassen.
Ich weiß, das klaut einen FX-Slot, aber mMn macht erst der Resonator aus der bloßen Frequenzkorrektur des Amp-Bereichs etwas, das annähernd nach einer Gitarrenbox klingt. Resonator 1-3 sollen wohl unterschiedliche Speaker-Charakteristiken abbilden, und zwar 1 einen EV (recht neutral), 2 einen Jensen (gut für clean bis crunchy) und 3 einen Celestion. Mit Lo und Hi kann man Bässe und Höhen nachkorrigieren, mit Resonance die Stärke des eigentlichen Effekts regeln. Der Effekt macht den Sound fetter und punchiger, aber in einer Art und Weise, wie es mit dem EQ nicht erreichen ist. Es klingt irgendwie "körperlicher". Für die DI-Abnahme mMn unentbehrlich, und da vermisst man den FX-Platz auch nicht so, weil man die Effekte dieser Gruppe meistens eh erst nach der Aufnahme hinzufügt.
Ich finde, wenn man diese Tipps beachtet, sind die COSM-Sounds sehr viel besser als ihr Ruf. Will man dann zB mehr Gain als bei 50 möglich, ist man nach meiner Erfahrung oft besser bedient, einen der Verzerrer dazu zu nehmen oder auch den Gain Switch auf Hi zu setzen und das Gain sogar etwas zurück zu fahren.
Gruß, bagotrix