Relation von Gear-Wünschen und Gemütszustand?

Ich meine tatsächlich, dass Musiker*innen, die viel spielen, weniger anfällig auf GAS sind. Dabei sind Anschaffungen eher in einer Relation zum konkreten Mehrwert verortet.
Von mir selbst kann ich klar sagen, dass GAS und Spielen umgekehrt proportional zueinander sind. Letztlich, wenn ich in mein Seelchen schaue, dann kaufe ich nicht, weil ich damit mehr spiele. Im Gegenteil. Ich kaufe dann, wenn ich wenig Gelegenheit und Luft habe.
Eine kindliche Seite von mir, träumt einfach davon ein Rockstar zu sein - und die ist wahnsinnig frustriert darüber, dass ich weder das Talent noch das Durchhaltevermögen dazu hatte. Jetzt winkt die 50 von gar nicht mehr so weit und ich werde sicher kein Rockstar mehr.
Das wusste ich auch vor zwanzig Jahren schon.
Sobald der Drummer einzählt, ist vermutlich das Gear drittrangig.

Profis wissen, dass Üben und Spielen ihren Ton um ein vielfaches verbessert als das konkrete Stück Holz auf dem man rumkloppt und der konkrete Amp.

Als ich viel gespielt habe, eine Berufsfachschule für Musik besuchte und mit Bands aufgetreten bin... hatte ich nen 90er "gefürchteten" Red Knob "Evil" Twin, ne Japan-Strat und ne Framus Renegade. Und mein Ton war um Welten besser als heute. Damals konnte ich so viel spielen wie ich wollte.

Heute mit einem Beruf (den ich ehrlicherweise mindestens so liebe wie meine Musik und für den ich vermutlich auch mehr Talent mitbringe), drei Kindern, der Notwendigkeit für die Gesundheit Sport zu treiben und den Anforderungen, die ein Leben in einer Gemeinschaft mit sich bringt, ist Spielen ein Hobby. Aber weil ich wirtschaftlich anders dastehe, kaufe ich allen möglichen Blödsinn. Wenn ich das habe, dann kann ich endlich still üben, störe niemanden, klinge so wie ich will und verbringe wieder Stunden am Instrument.

Ich beruhige mit meinen Käufen nur den "Kleinen" in mir, der immer noch Rockstar werden will - statt mit ihm mal ein ehrliches Gespräch zu führen und ihm zu sagen "weißt Du, für Dich und mich - reicht das Dicke was wir haben. Und wenn wir die Hälfte verkaufen würden auch noch".
Das werde ich bestimmt bald mit ihm reden. Aber vorher will ich noch ne Ox Box und ne gute Parlor...
 
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Ich habe alles was ich brauche und noch mehr. Mich von Dingen zu lösen fallt mir sehr schwer, habe aber über die Jahre viel Durchgänge gehabt. Mittlerweile habe ich den Stand, dass ich gerne alles habe, was ich besitze. Und ich spiele auch alles, mal mehr mal weniger. Jede Gitarre, jeden Amp und jede Box sowie jedes Effektgerät. Meine 6 Saiter spiele ich mehr, seit dem ich die auf Drop-C gestimmt habe.
Mir geht es mittlerweile mit @MikeMcFly was den Platz angeht. Ich habe eine zweiten Gitarrenständer, den ich gefüllt bekomme, aber noch muss ich umräumen.

Jetzt habe ich mal wieder ein gesundheitliches und damit mentales Tief gehabt und wieder ordentlich zugeschlagen, aber nur bei Effekten und wirklich mal nützlichen musikalisch nützlichen Dingen (Mechaniken um ein G-Force auszutauschen, ein langer Wunsch einen Tonabnehmer zu wechseln). Amps und Gitarren kommen nicht dazu.
Wenn ich so dahin dämmere bin ich sehr anfällig für Schnäppchen. Aber die Impulskontrolle ist besser geworden. Ich kaufe wenn dann eher, was ich gerade für nützlich erachte (meist Reverb und Delay Effekte), gerade z.B. um ein bisschen mehr Ambient zu machen. Es geht schon darum eine Idee zu verfolgen und musikalischer zu werden, mehr Ideen zu entwickeln. Es ist aber oft in diesem Gemütszstand so.

Im Grunde komme ich mit all meinem Kram klar. Drei Gitarren (eine sechssaiter, eine siebensaiter, eine siebensaiter mit Tremolo) ein Amp, eine gute Box und wenige Effekte würden mir reichen. Mir ist fast egal, was ich spiele, denn ich bekomme aus allem was ich habe.

Als ich noch in meiner alten Band war und auch mehr Kontakt zu meinem "Dealer" hatte, gab es immer neues tolles Zeug, dass ich dann auch haben sollte und musste. Zum Glück ist das Geschichte, weil ich gemerkt habe, dass mir gar nichts brachte, zu teuer war, und das Rad schon lange nicht mehr neu erfunden wurde. Das war befreiend aus diesem Kreis raus zu sein.

Wenn mir der seelische Ausgleich durch die Musik an sich, durch das Spielen fehlt, versuche ich, das Loch mit Gear zu stopfen.
Jup. Das ist so in etwa mein Profil. Aber es wird besser, weil ich alleine bald alles durchhabe, was ich probieren wollte.
 
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Wenn mir der seelische Ausgleich durch die Musik an sich, durch das Spielen fehlt, versuche ich, das Loch mit Gear zu stopfen

Das zu 100%. Auch bei mir der Fall, gesund ist das nicht. Aber das "Auspacken", "Staunen", "Ins Setup einbinden" ist manchmal die einzige Verbundenheit, die man zu seinem Hobby im Alltag verspürt (bei mir Fulltime Job, Frau, zwei kleine Kinder, Eigenheim mit größeren Gartenprojekten). Da kommt das Hobby regelmäßig zu kurz.
 
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das ist richtig. Je mehr ich übe, desto weniger interessiert mich gear.

Im Moment habe ich viel Streß in der Arbeit und muss auch mehr geschäftlich reisen. Das führt manchmal zu solchen Lücken, in den ich nicht spielen kann. Diese fülle ich dann mit gear Videos über tolle alte Ibanez Gitarren, die ich dann plötzlich haben will :D.

Sobald ich aber wieder mehr Ruhe habe, mit der Band spiele, Lieder übe oder Songs schreibe, rückt Equipment total in den Hintergrund. Ausser irgendwas würde mich stark beim Musikmachen behindern. Aber sowas kommt inzwischen nicht mehr vor, weil ich eigentlich alles habe, was ich brauche.
 
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Ich hatte mal ungelogen das tiefere Bedürfnis, dass Millionen Menschen meine Musik hören und ich ihr Herz in der Mitte treffe.
Auslöser dieses Bedürfnisses war der Blitz, den ein Musiker in mein eigenes Herz geschickt hatte.
Später wurde mir klar, dass man unvermeidlich sehr viel Geld verdienen wird, wenn man in so viele Herzen trifft. Diese finanziellen Nebenwirkungen sind aber nicht eingetreten.
Aber "Little Wing" ist immer noch pure Gänsehaut für mich. Habe viel später herausgefunden, welcher Song und Musiker das damals war. Ich war sehr jung als das Bedürfnis entstanden ist.
Vielleicht war es auch das Bedürfnis, geliebt zu werden? Weshalb greift man zur Gitarre und lässt sie nie mehr los?
 
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Der nächste Stimmungsumschwung kommt bestimmt ...
Ha... guter Einwand. Vielleicht doch nicht überstürzen. Danke!
Wenn einen Musik innerlich bewegt, ist das gut und tut das gut.
Dann genieße den Moment und freue dich daran
Danke, du hast recht, vielleicht einfach den Moment sein lassen... ohne daraus gleich Schlüsse zu ziehen.
nd konnte mich noch nie von etwas trennen.
Das Problem hatte ich zum Glück noch nie.
Ein anderer Zungenschlag kommt hier herein, wenn eine Stimmung dazu führt, Gear anzuschaffen, weil man frustriert, unglücklich, einem langweilig,…. ist.
Klar aber ist eindeutig nicht meine Richtung, darum geht es hier auch nicht.
Alles, was ich für die Musik angeschafft habe, hatte einen enormen Grenznutzen!
Ich musste die genau Bedeutung von Grenznutzen nachschlagen. Also der Zusatznutzen der ein neues Stück Gear mit sich bringt, zusätzlich zum restlichem Equipment. Interessanter Begriff bzw. Konzept, das kann ich gut anwenden.
Ich kannte auch mal eine recht hübsche Dame, die hatte Stimmungsschwankungen, von Tag zu Tag.
Ich bin echt ein hübscher Kerl.. :D ..aber doch nicht so volatil. Es geht schon um Zustände die nun fast ein Jahr andauern.
Besitz soll dich inspirieren – nicht verwalten.
Guter Punkt den ich auch sonst gerne beherzige. Je älter ich werden ist mir "machen" wichtiger als "haben".
Der Gemütszustand?
Das war sicherlich schon immer mal auch ein Faktor. Ich "belohne mich" mit einem netten Spielzeug, ich kaufe mich glücklich, dass war auch immer mal dabei.
Da bin ich schon sehr bewußt dabei und weiß auch, dass Materielles einfach nicht lange glücklich macht.
Es macht mir heute auch wirklich Spaß einfach mal mit einem einzigen Sound und nur der Gitarre selbst zu erforschen, was da alles so geht und mich wirklich mehr damit zu beschäftigen, was ich damit musikalisch so anstellen kann.
Das ist so meine Standardsituation zuhause.
Gut, dass ich weiß, dass "Optionen" nur ein anderes Wort für "Selbstsabotage" sind.
Guter Punkt. Komme am Ende darauf zurück.
seelische Angeschlagenheit" finde ich einen schönen Begriff)
Hatte ich vorher so nie gehört aber es entsprang spontan meinem Inneren und beschreibt es treffend, zumindest nach meinem Empfinden.
Wenn mir der seelische Ausgleich durch die Musik an sich, durch das Spielen fehlt, versuche ich, das Loch mit Gear zu stopfen
Vielleicht ganz gut, dass mir die Finanzen keinen großen Spielraum lassen... obwohl ich da nicht so gefährdet bin.
Ich meine tatsächlich, dass Musiker*innen, die viel spielen, weniger anfällig auf GAS sind
Sehr guter Punkt, habe ja oft genug erlebt, dass echte Könner die geilste Mucke aus dem letzten Scheiss holten.
Sobald der Drummer einzählt, ist vermutlich das Gear drittrangig
Wenn ich mal wieder einen Proberaum habe, hänge ich mir das an die Wand. Vielleicht hänge ich mir das sogar in die Bude.
Aber das "Auspacken", "Staunen", "Ins Setup einbinden" ist manchmal die einzige Verbundenheit, die man zu seinem Hobby im Alltag verspürt
Nee, das ist bei mir anders. Ich probiere gerne Sachen aus um bestimmte Ideen zu überprüfen aber habe an sich nicht so viel GAS. Die Verbundenheit entsteht bei mir wenn plötzlich ein paar Klänge aus dem Amp kommen die mein Inneres nach außen drehen.
Ich finde es gut wenn man wie Du reflektiert und es sich mal bewußt macht, dass hier nicht um rationale Gründe geht, sondern um tiefere Bedürfnisse.
Na ja, rational gesehen ist der Head/Box besser als der kleine Combo der mich jedoch tiefer bewegt. Wenn ich aber alles so nehme was ihr so geschrieben habt, stelle ich mir ehrlicherweise gerade folgende Fragen:
  • Muss ich mich wirklich ausschließlich auf das eine Teil konzentrieren welches mich am tiefsten bewegt um mich lebendig und zentriert zu fühlen? Oder kann ich die Optionen auch stehen lassen und mich einfach an dem Moment erfreuen?
  • Verarsche ich mich vielleicht gerade selber indem ich mir den guten Head madig rede um ihn zu verkaufen und mir die Handwired Version des kleinen Combo zu holen? Psyche ist manchmal eine Bitch! :D
OK, ich sehe schon, die Amps bleiben. Eher geht der Modeler und die PA-Box. Zu viele Optionen für mich.

Danke an alle für den bisherigen Austausch. :)
 
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Seit Jahren eifrig am Kaufen und Optimieren von "Gitarrensound-Bestandteilen".
Das Ganze noch mit tollstem Modeling ergänzt.
Seit geraumer Zeit an einem Punkt der Gear-Zufriedenheit angekommen mit dem Gefühl nichts mehr zu brauchen, weil alles auf einem Top-Niveau ist, zumindest relativ gesehen.
Und so hätte es im Prinzip bis zu meinem Lebensende bleiben können... aber...
...nach einer langen Phase seelischer Angeschlagenheit und innerer Stille dann doch mal wieder den alten Combo entstaubt und gespielt. Oha... siehe da. Nicht perfekt wie die anderen Sachen aber doch so innerlich bewegend wie kein anderes Stück Gear. Ja, das bin ich!

Folgendes dazu: In meinem Umfeld gibt es Leute, die genau das kaufen, was sie wirklich für ihre Musik benötigen. Das können auch mehrere Strats sein, weil sie diese einfach gerne spielen. Auf der anderen Seite kenne ich aber auch Leute, die unendlich viel Gear (zig Amps, Effekte usw) kaufen.

Was seltsam ist – zumindest bezogen auf die Menschen bzw. Musiker, die ich kenne: Diejenigen mit überschaubarem Equipment spielen oft mehr. Diejenigen hingegen, die sehr viel besitzen, verbringen viel Zeit mit Herumprobieren (vor allem bei Amps und Effekten).
Ich habe dazu einmal einen psychologischen Bericht gelesen. Darin ging es – und das betrifft nicht nur Musiker – um Menschen, die sich ständig neues Equipment kaufen und viel daran herumschrauben, um nicht musizieren zu müssen. Das klingt zunächst seltsam, war aber ein sehr guter Artikel. Stichwort: Erfolgsverhinderung -> Ausrede das man nicht weiterkommt, weil man ja noch dies und das machen muss

Mal eine Frage: Hast du eine Band? Spielt ihr auch live? Das ist eigentlich die beste Lösung, um sich auf eine Sache zu konzentrieren. Da Gruppenzwang ;)

Akzeptieren dass nicht immer die besten Dinge am besten zu einem passen und alles andere Verkaufen?

Also quasi Konzentration auf das wirklich - für einen persönlich - wesentliche oder sich doch lieber alle guten Optionen offenhalten?
Ich bin eher für Ersteres, wenn auch noch etwas unsicher.

Mach es doch vom Nutzen abhängig!
Was du regelmäßig und gerne nutzt: Behalten.
Was ausgedient hat: Weg damit!
Loslassen macht glücklich. Alles hat seine Zeit – auch Musikequipment 😉 Wenn es ausgedient hat, darf es mit Freude gehen.

Aber wie ist das bei euch? Kennt ihr dieses Gefühl, dass euer Gemütszustand oder Lebensumstände euch zu einem anhaltend anderen Blickwinkel geführt haben, bezogen auf euer Equipment und wie seid ihr damit umgegangen?
:hat:

Alles, was ich nicht brauche, kommt weg. Ob Gitarren, Amp oder Kleinteile – wenn ich etwas ein paar Monate oder ein halbes Jahr nicht benutzt habe, gibt es keinen Grund, es zu behalten. Und egal ob Mesa Boogie oder Marshall aus den 80ern – ich weine nichts nach.
 
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OK, ich sehe schon, die Amps bleiben. Eher geht der Modeler und die PA-Box. Zu viele Optionen für mich
...und bei mit würde alles bleiben, bzw. eher die Amps gehen.
Interpretiere nicht zu viel in dem Moment... zerdenke ihn nicht, genieße ihn und genieße morgen, oder wann auch immer den Modeler
 
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um Menschen, die sich ständig neues Equipment kaufen und viel daran herumschrauben, um nicht musizieren zu müssen
Hi Oliver,
bei mir ist das hier sehr überschaubar mit dem Equipment und meine allgemeine Tendenz ist es auch weiterhin, es sehr kompakt zu halten. Das ist nicht das Problem.

Ich bin aber seit Jahren doppelt- und dreifach belastet mit Arbeiten, Häuser, Hund und Familienthemen. Da bleibt kaum Zeit übrig und vor allem, ist auch die Qualität der Zeit nicht besonders, nach meinem Tag bleibt am Abend nicht viel übrig von mir, da bin ich einfach nur froh mich an ein paar guten Klängen zu erfreuen. Ich weiß schon warum ich hier von seelischer Angeschlagenheit schreibe. Wenn alles klappt könnte es in einem halben Jahr besser aussehen, bis dahin müsste ich einige Sachen geregelt haben.

Auch deswegen konzentriere ich mich auf wenige Sachen die mich aber immer wieder packen.
Mal eine Frage: Hast du eine Band? Spielt ihr auch live?
Es gab letztes Jahr ein Versuch aber ich war vor allem wegen meiner Situation nicht gerade Bandtauglich. Bin jetzt nur noch zuhause und das ist für mich erstmal OK so, da müsste sich vorher noch einiges ändern, damit ich mit dem Thema wieder rausgehe. Wenn ich mit anderen Leuten etwas vereinbare, möchte ich meinen Teil auch einhalten können und das geht momentan nicht.
ich weine nichts nach.
Da bin ich voll bei dir. Ich habe vor ein paar Jahren sogar meine alte Lakewood aus den 80er verkauft weil sie für mich nicht gut spielbar war, das war immerhin der erste Gitarrenkontakt meines Lebens (und dann Jahrzehnte lang nix).

Ich wäre sogar in der Lage jetzt hier durch die Tür rauszuspazieren, nie wieder zurückzublicken und mich neu zu erfinden. Das würde mir sogar einfacher fallen als hier zu bleiben und das ganze durchzustehen. Aber wann habe ich schon den einfacheren Weg im Leben genommen? :D
 
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Ich bin eher der, der es gern überschaubar hat.
Es gibt schon Sachen, die ich mir gönne und gerne aussuche und kaufe und das ist auch mit viel Genugtuung verbunden und ich mag dann den Krempel sehr - das Mögen kommt aber eigentlich über das Benutzen der Dinge und nicht über die Anschaffung der Dinge. Beim Aussuchen und Anschaffen passiert auch was, aber das hält selten lange vor. Und dem Kick, der durch´s Kaufen kommt, zu verfallen, wird teuer und ist letztlich - meine Meinung - wie jede Sucht: man braucht immer mehr und das immer schneller, um den gleichen Kick zu bekommen - ist also eigentlich nicht auf´s Musikmachen alleine bezogen, aber auch da wirksam.

Was mich aber am meisten davon abhält, mich mit viel Zeug zu umgeben, ist, dass Zeugs erfordert, dass man sich mit dem Krempel richtig beschäftigt: auf direkte Art, damit man es wirklich gut benutzen kann und auf indirekte Art, weil es Platz braucht. Je mehr, je aufwändiger und je komplizierter es wird, desto mehr bin ich nicht mehr mit dem Musikmachen und dem Ergebnis beschäftigt, sondern damit, das Musikmachen und das Ergebnis vorzubereiten. Zudem stört es mich, wenn Dinge nicht benutzt werden. Benutzt zu werden ist das vornehmlichste Anliegen der Dinge - sie schwören drauf und schätzen es nicht, in einer Ecke zu landen und dort rumzustehen. Wenn ich mit zu viel Zeug umgeben bin - egal, ob jetzt bei Musik oder mit irgendwas anderem - engt mich das irgendwie ein und tendenziell lähmt es mich oder hält mich zumindest davon ab, das zu tun, um das es eigentlich geht.

Ich habe schon ein paar Leute kennen gelernt, die tatsächlich ihr vieles Zeug genutzt und sich da richtig reingefuxt haben - wahre Fanatiker im positiven Sinne, da von Leidenschaft getrieben und bestimmt - aber irgendwie gehöre ich nicht dieser Sorte Mensch an. Letztlich sollen es alle so halten, wie sie es wollen - die einzige Trenn- oder Orientierungslinie für mich ist, ob es dazu führt, wozu es (angeblich) da ist: Musik auf eine sehr befriedigende und befruchtende Art und Weise zu machen.

x-Riff
 
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Was seltsam ist – zumindest bezogen auf die Menschen bzw. Musiker, die ich kenne: Diejenigen mit überschaubarem Equipment spielen oft mehr.
Da hänge ich mich dran. Ich habe gemerkt, dass mir mein aktueller Bestand total ausreicht. Es ist eine ES-335, eine Tele sowie zwei Acoustics und ein Bass. Alleine das Saitenwechseln etc raubt Zeit, die mir beim Spielen fehlt. Daher werden es erst einmal nicht mehr Instrumente bei mir.

Eine zentrale Zeit in meinen Leben war der Beginn meiner Ausbildung zum Psychoanalytiker und die Geburt meiner Kinder. Beides finanziell und gelegentlich seelisch herausfordernd :)

Ich hatte damals Kammler, Realtone, Gibsons und Fender hier stehen. Schnell wurde mir klar, dass ich das Geld für die Familienkasse brauchen werde. Ich habe ohne Tränen alles verkaufen können. Heute spiele ich auf absolutem Budget-Gear, aber es macht mir immer noch genau so Spaß. Ich denke daher nicht, dass ich noch viel teureres Zeug kaufen werde, wenn es finanziell wieder aufwärts geht. Vielleicht werde ich mal die Tele durch ne Fender ersetzen…
 
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Saitenwechsel ist keine gute Ausrede seit es beschichtete Saiten gibt ;)
 
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Saitenwechsel ist keine gute Ausrede seit es beschichtete Saiten gibt
auch ohne beschichtete Saiten keine, ich mach das gerne:). Für mich ein meditativer Akt, bei dem ich mir denke, die Gitarren freuen sich und ich freue mich über den schönen Klang danach. (für manche ist das Thema Saitenwechsel hier im MB scheinbar ein grosses Problem:nix:)
Mein "gear" ist im Vergleich zu anderen auch recht überschaubar und auch leicht zu handhaben, kommt auch nicht mehr viel dazu.
@HD600 , ich wünsche dir das du deine Probleme in den Griff bekommst und mach dir einfach keine Gedanken zu dem was du an "gear" hast. Nutz es oder lass es irgendwo stehen, das ist alles im Grunde gar nicht so wichtig.
 
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Weshalb greift man zur Gitarre und lässt sie nie mehr los?
In der Jugend, weil man sich auf vielen Gebieten ausprobieren will. Der junge Gitarrist spielt vielleicht auch Fussball und träumt von Erfolgen in der Bundesliga. Als Musiker fühlt er sich aber schnell besser, er erkennt die Grenzen seines Fussballtalents und tingelt mit der lokalen Band im Umkreis seiner Kleinstadt. Bald hat er begriffen, dass er auch mit 50 noch auf der Bühne losrocken kann, während Fussballer in diesem Alter schon Golf spielen. Wenn sie überhaupt noch was spielen ausser mit der Fernbedienung vom TV.

Viel viel später, weil zwei, drei angeschlagene Akkorde die eigene Jugend wieder aufleben lassen und es immer noch Spass macht. Musizieren hat doch ausserdem was Kommunikatives. Ich hab Probleme, die zu verstehen, die nur noch für sich zuhause spielen und für die Gear fast die Hauptsache ist. Für den Gegenwert von 5 Paar guten Schuhen und dreimal Pizza essen kriegst du doch heute alles, was du für kleine Gigs brauchst.

Ich kenne aber auch ein paar Fussballer, die entgegen jeder medizinischen Vernunft mit über 70 einfach weiterholzen, einer mit 80 nach überstandenem Hirntumor...
 
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Ich habe zwei Hobbies mit GAS Potenzial: Gitarre und Fotografie. Theoretisch könnte ich mit meiner ersten Gitarren (Yamaha Pacifica) + Amp (Peavey Classic 30) oder Kamera (Nikon F80 + kit zoom, Film!) bis heute glücklich sein. In beiden Fällen kam es aber in meinen späten Teenager Jahren und 20ern zu zusätzlichen Anschaffungen, hauptsächlich getrieben von Vernunft. Also sowas wie 2-3 weitere Gitarren um andere Genres abdecken zu können, oder der Wechsel zur digitalen Fotografie. Das alte Equipment ist aber immer noch da und macht nicht weniger Spaß als früher.

Dann gab es eine 10+ Jährige GAS Pause, bis in meinen späten 30ern ein paar Leute im meinem Umfeld viel zu früh verstorben sind, und ich parallel im Berufsleben richtig angekommen bin. Seitdem warte ich bei Hobbykäufen nicht mehr auf einen Anlass, sondern realisiere meine Wünsche & Träume solange sie sich innerhalb von einem definierten Gesamtbudget bewegen. Dinge bleiben solange sie benutzt werden, oder eine emotionale Bindung aufgebaut wird. Falls das nicht der Fall ist, dürfen Gitarren/Amps/Kameras/Objektive/etc. auch wieder gehen. GAS konkurriert auch nicht wirklich mit Spielzeit, sondern findet z.B. während dem Pendeln, der Mittagspause, etc. statt ... es ist manchmal schon fast absurd wie schnell und in welchen Situationen manche Kaufentscheidung getroffen wird, v.a. weil 95% davon online stattfindet.

Außerdem recherchiere ich einfach gerne und fuchse mich in verschiedene Themen rein. Bei Musik & Fotografie ist GAS einfach die logische Konsequenz von praktische Erfahrung sammeln 😂
 
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Einige Male habe ich auch darüber nachgedacht, den Bestand auszudünnen und mir ein richtig teures Instrument zu kaufen. Ich stand auch schon mal in einem Musikgeschäft und hatte mich in eine viele tausend Euro teure Lakewood verliebt. Aber obwohl ich das Geld dafür in der Tasche hatte, blieb sie im Geschäft, denn ich weiß, dass ich das Potenzial vermutlich nie ausschöpfen könnte
Äh, da sind imho ein paar falsche Korrelationen drin... Bestand ausdünnen ist das eine, das "richtig teure" Instrument das andere. Neulich konnte ich eine so "richtig teure" klassische (sollte gebraucht 3k€ kosten) gegen meine alte gebrauchte (knapp 700€) spielen. Die "meinige" war für MICH das passendere Instrument. Auch wenn ich die teure hätte zahlen können. Die teurere Gitarre bietet nicht unbedingt ein höheres musikalisches Potenzial. Meist nur ein anderes.
Alles, was ich für die Musik angeschafft habe, hatte einen enormen Grenznutzen! Das ist der wichtigste Begriff für meine Wünsche.
Klasse, der Begriff hat mir gefehlt. Passt sehr in mein Beschaffungsverhalten. Wobei ich den Grenznutzen schon mal in Beziehung zum Preis setze: Brauche ich noch eine zweite Böhm-Zither? Äh, hmm, aber für 50€ lege ich sie mir hin, notfalls als Ersatzteilspender (da kostet die Mechanik schon deutlich mehr).
Ich unterscheide inzwischen radikal zwischen zwei Kategorien:

1. Persönliche Dinge, die nicht ersetzbar sind.
2. Werkzeuge, die man jederzeit wiederbeschaffen kann.
Dann gibt es noch Werkzeuge, die nicht gut ersetzbar sind, weil sie so nicht mehr gebaut werden. Ohne meine Lieblings-Steelstrings könnte ich zwar Musik machen, aber Klang und Haptik sind schon besonders und die Teile werden seit 45 Jahren nicht mehr gebaut. Da würde mir was fehlen, ohne dass es die Lebenskatastrophe ist.
Musiker*innen, die viel spielen, weniger anfällig auf GAS sind
Oft ja, dafür manchmal auch weniger experimentell. Klar, wenn die für Musik verfügbare Zeit durch einen festen Rahmen gefüllt ist, dann sind es auch die Beschaffungen. Da ist dann die zweite identische Gitarre als Spare Part wichtiger als der neueste coole shit.
Ich bin aber seit Jahren doppelt- und dreifach belastet mit Arbeiten, Häuser, Hund und Familienthemen. Da bleibt kaum Zeit übrig und vor allem, ist auch die Qualität der Zeit nicht besonders, nach meinem Tag bleibt am Abend nicht viel übrig von mir, da bin ich einfach nur froh mich an ein paar guten Klängen zu erfreuen.
Same, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. So lange kaufe ich auch billigen Kram zum Experimentieren, in der Hoffnung, die Sachen dann einsetzen zu können.
Was mich aber am meisten davon abhält, mich mit viel Zeug zu umgeben, ist, dass Zeugs erfordert, dass man sich mit dem Krempel richtig beschäftigt: auf direkte Art, damit man es wirklich gut benutzen kann
Nö. Nicht zwingend. Ich habe z.B. verschiedene Steelstrings derselben Bauart in verschiedenen Hölzern. Ich weiß, wie unterschiedlich die klingen, und dann muss ich mich damit nicht mehr beschäftigen, sondern nur die jeweils passende aus dem Schrank nehmen. Auch mit dem Uke-Bass beschäftige ich mich nicht "richtig", der klingt nicht besonders gut, ist aber manchmal wg. Rücken der einzig sinnvolle. Usw.
Ich habe auch eine Handvoll Bohrmaschinen. Da gibt es sehr klare "Raster", wann ich lieber die eine oder die andere nehme.
 
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Wir alle haben 24 Stunden am Tag.

Der Unterschied entsteht durch Prioritäten. Wenn ich täglich Zeit für den Hund finde, aber nicht für Musik, dann ist das keine Frage von „keine Zeit“, sondern eine Frage von Gewichtung. Dann ist mir der Hund wichtiger als die Musik. Das ist eine legitime Entscheidung – aber eben eine Entscheidung.

Was mich irritiert: Oft klingt es so, als seien Menschen zu ihren Lebensumständen gezwungen worden und hätten keinerlei Einfluss darauf. Als wären sie bloß Opfer der äußeren Umstände.

Natürlich gibt es echte Verpflichtungen und Einschränkungen. Aber vieles in unserem Alltag ist Ergebnis unserer eigenen Gewichtung. Und wer entscheidet, darf sich nicht gleichzeitig so tun, als hätte er keine Wahl.
 
Und wer entscheidet, darf sich nicht gleichzeitig so tun, als hätte er keine Wahl.
Habe ich das???

Klar habe ich mich entschieden und lebe auch mit den Folgen. Ein Hund (der eigentlich garnicht meiner ist) will versorgt sein, ebenso ältere Familienangehörige. Klar entscheide ich mich dazu, zu tun was getan werden muss. Zusätzlich kommen noch einige Faktoren zusammen die zwar auf mich treffen aber keine direkte Folge einer meiner Entscheidungen sind. Sogar für diese Umstände (nicht für den Teil warum anderen Menschen dergleichen widerfährt) bzw. dafür dass das eine Auswirkung auf meinem Leben hat, übernehme ich die Verantwortung. Karma eben. Ich trage es ab und begegnen dem Ganzen mit Gleichmut.

Es ging in diesem Thread um diese Frage hier:
Aber wie ist das bei euch? Kennt ihr dieses Gefühl, dass euer Gemütszustand oder Lebensumstände euch zu einem anhaltend anderen Blickwinkel geführt haben, bezogen auf euer Equipment und wie seid ihr damit umgegangen?
Ich habe nur etwas bei mir beobachtet, es hier mitgeteilt und gefragt ob das jemand auch kennt. OK, es kamen ein paar Nachfragen auf die ich geantwortet habe und dabei auch ein wenig meine Situation erklärt. Weder habe ich mich dabei als Opfer hingestellt noch habe ich die Verantwortung hierfür von mir abgewiesen.

Daher: Für deine Irritation bin ich nicht verantwortlich, da musst du schon bei dir selber suchen.
 
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