[Review] BOSS MICRO BR BR-80

von unixbook, 16.01.19.

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  1. unixbook

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    Erstellt: 16.01.19   #1
    Musikalisches Schweizer Offiziersmesser

    Mein erstes Review für das Musiker-Board schrieb ich im August 2015. Damals berichtete ich von meiner Suche nach „was zum stillem Üben“ und landete seinerzeit bei dem Alexis Core 1 (vgl. https://www.musiker-board.de/threads/zubehoer-auf-der-suche-nach-etwas-zum-stillen-ueben-erfahrungsbericht.619032/#post-7577490). Inzwischen hat sich bei mir für diesen Zweck mein musikalisches Schweizer Offiziersmesser etabliert, welches ich in diesem Review vorstellen möchte.

    Produktbezeichnung: MICRO BR BR-80

    Der Micro BR-80 ist alles andere als neu. Vielmehr ist er schon seit 2011 erhältlich. Damals löste er seinen 2006 erschienenen Vorgänger ab. Umgangssprachlich wird der MICRO BR BR-80 häufig schlicht als BR-80 bezeichnet- Der Vorgänger hieß schlicht MICRO BR.



    Preis:
    194 €

    Hersteller: Boss

    Die Marke Boss gehört zur Roland Corporation. Die Zentrale des Unternehmens ist in Osaka. Die offizielle deutsche Niederlassung ist das Unternehmen ROLAND Elektr. Musikinstr. Handels GmbH in Norderstedt.

    Homepage des Hersteller: https://www.boss.info/de

    Spezifikationen:
    • drei Modi: 8-Spur Digital-Studio, Stereo Field-Recorder und "eBand" Jam Station
    • nimmt direkt auf SD-Karten auf (bis zu 32 GB)
    • hochwertige Kondensator-Mikrofone für Stereoaufnahmen eingebaut
    • 64 Spuren gesamt und 8 Spuren gleichzeitige Wiedergabe + Stereo-Drumspur mit einer riesigen Auswahl an Grooves
    • eBand-Funktion zum Üben und Jammen: Riesige Library mit eingebauten Begleit- und Rhythmus-Patterns
    • viele Funktionen zum Heraushören und Üben von Soli (Tempo Shift, Pitch Shift, Center Canceller etc.)
    • Sounds für Gitarre und Bass (über 40 Amp-Modelings & Boss Effekte aus GT-10 und GT-10B)
    • Vocal-Effekte aus dem Bestseller VE-20 (Harmonist, Pitch Correction etc.) + Mastering-Effekte
    • kann als USB Audio Interface mit eingebauten Effekten verwendet werden
    • Anschlüsse: Guitar/Mic IN (Klinke), Line IN (Stereo-Miniklinke), Phones/Line OUT (Stereo-Miniklinke), USB (Mini-B), Netz
    • Stromversorgung: DC 9V (minus innen)
    • Alkaline-Batterien (AA, LR6) x 2 Ni-MH-Akkus (AA, HR6) x 2 oder USB
    • Abmessungen (B x T x H): 138 x 86 x 22 mm
    • Gewicht: 140 g
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    Anwendungszweck:

    Der Funktionsumfang des BR-80 ist gewaltig. Es ist ein bisschen so wie mit MS Word. Eigentlich benutzen die meisten nur einen sehr kleinen Teil der Möglichkeiten, die das Produkt zur Verfügung stellt. So geht es mir mit dem BR-80. In diesem Review werde ich mich auch fast ausschließlich auf die Darstellung eben dieser Funktionen beschränken. Konkret sind das:
    • USB Audio Interface
    • Stereo-Aufnahmerekorder (Live Rec Modus) / Mehrspurrekorder (MTR Modus)
    • Musikplayer (eBand) - In dem eBand-Modus verbirgt sich auch ein Drumcomputer, mit dem ich aber nie wirklich warm geworden bin. Ich habe keinerlei Erfahrungen mit Drumcomputern und auch diesem Gerät werde ich wohl auch nicht meine ersten damit machen.
    • Stimmgerät
    • Multieffektgerät für Stromgitarre
    Aufbau und Verarbeitung:

    Das Gehäuse ist aus Aluminium gefertigt. Auf der Oberseite befinden sich die meisten Bedienelemente in Form von Drucktastern. Der An- und Aus-Taster ist etwas versenkt angebracht, um ein versehentliches Betätigen (z.B. beim Transport in der Tasche) zu vermeiden. Ebenso auf der Oberseite findet man zwei Mikrofone, das blaufarbene Display und ein Rädchen zur Navigation in den Menüs.

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    Auf der rechten Seite findet man einen Klinkeneingang für den Anschluss einer Gitarre oder eines Mikrofons (6,3mm TRS) und einen Klinken-Lineeingang (3,5mm TRS stereo). Daneben noch ein Rädchen zum Einstellen des Aufnahmelevels für den 6,3mm Klinkeneingang.

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    Links am Gehäuse sind der 9V DC Netzanschluss, der USB-Anschluss, eine 3,5mm Klinkenbuchse (TRS stereo) für Kopfhörer bzw. Line Out und ein Rädchen für die Ausgangslautstärke zu finden.

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    Unten am Gerät befindet sich noch ein Schalter zur Wahl der Eingangsimpedanz des 6,3mm Klinkeneingangs sowie die Zugänge zum Batteriefach und zur Speicherkarte.

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    Vier kleine Gummifüße auf der Unterseite des Geräts bieten dem BR-80 ausreichend Halt. Dennoch wäre ein Stativgewinde auf der Unterseite eine feine Sache. Natürlich gibt es da DIY-Lösungen. Eine davon ist hier beschrieben: https://www.instructables.com/id/Microphone-Stand-Adapter-for-4-Track-Recorder-eff/

    Die Verarbeitung ist wirklich sehr ordentlich und das Gerät macht einen hochwertigen Eindruck.

    Bedienung:

    Die Stromversorgung kann über drei verschiedene Wege stattfinden. Per USB-Anschluss bezieht das BR-80 seinen Strom sobald es angeschlossen ist. Es kann auch ein 9V DC (minus innen) Netzteil verwendet werden, die sind ja in Musikerhaushalten durchaus weit verbreitet. Laut Bedienungsanleitung darf natürlich nur das originale Boss-Netzteil verwendet werden. Nach meiner Erfahrung tut es aber auch jedes andere Netzteil mit entsprechender Spezifikation. Wenn man ganz ohne Fremdstrom arbeiten will, dann kann man auch zwei AA-Batterien bzw. Akkus einlegen. Per Menü muss man dem Gerät noch sagen, ob es sich um Akkus oder Batterien handelt. Warum habe ich nie verstanden. Mit Batterien kann das Gerät ca. 6 Stunden genutzt werden. Bei Akkus hängt das stark von der Leistungsfähigkeit der Akkus ab.

    Ich habe keine Ahnung, was für ein Betriebssystem im BR-80 seinen Dienst verrichtet, aber nach dem Anschalten beginnt ein Bootvorgang, dessen Dauer auch davon beeinflusst wird, welche Größe die verwendete Speicherkarte hat. Wenn ich die maximale Speichergröße von 32 GB verwende, dann dauert der Bootvorgang fast 50 Sekunden. Gefühlt ist das schon eine halbe Ewigkeit und die Möglichkeiten für wirklich spontane Aufnahmen sind da natürlich etwas eingeschränkt.

    Bei den im Verhältnis zum Funktionsumfang wenigen Bedienelementen ist das Erreichen vieler Funktionen natürlich nur über Menüs zu realisieren. Bei den überschaubaren Maßen des Geräts ist dies auch nicht anders möglich. Ich bin überhaupt kein Freund von Menüs und Untermenüs, aber ich muss eingestehen, dass dies hier der einzig gangbare Weg ist.
    Viele der Menüwege erscheinen mir logisch und in Folge dessen auch gut erlernbar. Funktionen, die ich mir einmal angeeignet habe finde ich auch schnell wieder.

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    Das Display ist gut zu lesen, auch bei Sonnenlicht. Es ist übersichtlich gestaltet. Aber es scheint mit seiner Ausfösung von 128x64 Pixeln auch irgendwie etwas in die Jahre gekommen zu sein. Heute würde man hier sicher eine höhere Auflösung wählen. Und auf die Bildchen im Display könnte ich auch ersatzlos verzichten.

    Der Br-80 wird als 64-Spurrekorder angepriesen. Das stimmt aber nur bedingt, denn eigentlich handelt es sich um einen Achtspurrekorder bei der für jede der acht Spuren acht Alternativen gespeichert werden können. Es können also insgesamt 64 Spuren gespeichert werden, aber nur acht Spuren gleichzeitig wiedergegeben werden. Aufnahmeseitig schafft das Gerät nur eine Spur in Mono bzw. Stereo auf einmal. Die einzelnen Modi des BR-80 sind zueinander durchlässig. Man hat also die Möglichkeit, eine im Live-Mode gemachte Aufnahme in den eBand- oder MTR-Mode zu importieren.

    Bevor man das BR-80 an einen Rechner anschließt muss man zwischen zwei verschiedenen Modi wählen. Man wählt zwischen der Funktion als Audio-Interface oder als Speichergerät. Warum man nach dieser Auswahl das Gerät jeweils neu starten muss verstehe ich nicht.

    Der BR-80 kann die Formate WAV und MP3 aufnehmen und wiedergeben. Alles andere muss vor dem Import entsprechend konvertiert werden. Toll wäre es, wenn der eBand Song List Editor diese Aufgabe übernehmen könnte. Kann er aber nicht.

    Will man eigene mp3-Dateien auf das BR-80 übertragen, so kann man diese nicht einfach auf den Speicher des Gerätes kopieren. Man benötigt die auf der Homepage des Herstellers bereitgestellte Software „eBand Song List Editor“, die für Windows und Mac erhältlich ist. Diese Software funktioniert gut, auch wenn sie etwas altbacken wirkt.

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    Download des eBand Song List Editors: https://www.boss.info/de/products/micro_br_br-80/downloads/

    Schön ist die Möglichkeit die Tonhöhe eines auf dem Gerät gespeicherten Stückes anpassen zu können. Dieses Pitchen funktioniert wirklich gut solange die Korrektur moderat bleibt. Betreibt man dieses Spiel stärker, dann verschlechtert sich die Klangqualität merklich. Gleiches gilt auch für die Veränderung der Abspielgeschwindigkeit eines Musikstücks.
    Das BR-80 verfügt über Effekte für Gitarren, Bässe und Vocals. Die Effekte stammen aus den bekannten GT-10, GT-10B und dem VE-20 aus dem Hause Boss, wurden aber für das BR-80 merklich abgespeckt. So lassen sich weniger Parameter einstellen und es liegen auch nicht alle Effekte der oben genannten Modelle vor.

    Die Gitarreneffekte sind für mich persönlich ausreichend gut. Aber ich muss auch sagen, dass ich hauptsächlich clean spiele mit etwas Boost und einen sehr kurzen Delay bin ich persönlich schon voll zufrieden. Wer schönen Crunch oder eine tolle Zerre erwartet, der dürfte eher enttäuscht werden. Die mitgelieferten Presets sind für mein Empfinden alle weit überladen. Hier gilt es also selber die passenden Presets zu basteln.

    Zu den Bass-, Vocal- und Akkustikgitarreneffekten kann ich wenig schreiben, da ich hierfür an dem BR-80 nie Bedarf hatte.

    Manches ist wirklich suboptimal gelöst:

    So kann z.B. im Live-Rec-Modus sofort eine Aufnahme begonnen werden. Warum diese Option im MTR-Modus nicht möglich ist frage ich mich jedes Mal aufs neu. Warum es zwei Betriebsmodi für Live-Rec und Mehrspuraufnahme gibt, erschließt sich mir auch nicht wirklich.

    Will man eine Aufnahme per Line-In machen, so muss man zwei Dinge beachten:

    Zum einen sind immer gleichzeitig der 6,3mm Klinkeneingang bzw. wenn dort nichts angeschlossen ist, die internen Mikrofone aktiv. Hier behelfe ich mir dadurch, dass ich einen TS-Klinkenstecker einstecke, bei dem T und S verbunden sind. Zum anderen gibt es am BR-80 keine Möglichkeit den Line-In auszusteuern. Vielmehr muss das am Ausgang des dort angeschlossenen Gerätes erfolgen.

    Beleuchtete Tasten würden die Bedienbarkeit bei Dunkelheit deutlich erleichtern.

    Das Value-Rad könnte besser gemacht sein. Hier fehlt mir manchmal der nötige Grip. Hier gibt es aber eine wie ich finde gute Lösung. Ich habe von hier (https://www.reichelt.de/stossfaenge...wQAT4AAF1lAkQ851d328a77b3278eb24cb165c4cc60aa) entsprechend kleine Gerätefüße gekauft. Klebt man einen solchen auf das Rädchen des BR-80 lässt es sich auch ordentlich bedienen. Leider sind in einer dieser Packungen gleich 48 Stück. Folglich habe ich nun einige übrig. Sollten User aus dem Musiker-Bord solche einzeln haben wollen, bin ich, solange der Vorrat reicht, gerne bereit diese gegen Erstattung der Portokosten zuzusenden. Schickt mir einfach eine PN wenn Ihr Interesse habt…

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    Bedienungsanleitung: https://www.boss.info/de/support/by...manuals/8a6c8dc5-6ee0-4010-961e-d2e52bfa5ef3/

    Klang:

    Den Klang des BR-80 empfinde ich als gut, auch wenn insgesamt eine Tendenz zur Schönfärberei festzustellen ist. Immer wieder überraschend für mich ist die Qualität der verbauten Kondensatormikrofone. Ein Vergleich mit externen Kondensatorstäbchen guter Qualität wäre hier unfair. Aber für viele spontane Anwendungen reichen die eingebauten Mikrofone nicht nur aus, sondern liefern erstaunlich gute Ergebnisse. Auch hohe Lautstärken können sie gut ab.

    Fazit:

    Wenn jemand ein USB-Audio-Interface sucht, dann bekommt er für die Hälfte des Geldes besseres. Wenn jemand einen Mehrspurrekorder bis 200 Euro kaufen möchte, dann schaue er sich mal bei Tascam oder Zoom um, denn da bekommt er mehr für sein Geld. Braucht jemand ein Multi-FX für Stromgitarre, Akustikgitarre, Bass oder Gesang, dann würde ich den BR-80 nicht unbedingt empfehlen und gute Stimmgeräte gibt es für einen Bruchteil des Geldes. Der Musikplayer jedes aktuellen Smartphones ist sicher deutlich umfangreicher in der Funktionalität als das was der Micro BR zu leisten vermag. Wer aber all das in einem Gerät sucht, das nicht viel größer ist als ein Smartphone, der kommt meines Wissens nach um den Micro BR BR-80 nicht herum.

    Produktinformation des Herstellers: https://www.boss.info/de/products/micro_br_br-80/

    User-Thread auf Musiker-Board.de: https://www.musiker-board.de/threads/boss-micro-br-80-userthread.478097/

    Weitere Reviews und/oder Videos zu dem Produkt:
    Amazona.de: https://www.amazona.de/test-boss-micro-br-br-80-digital-recorder/
    Gitarre & Bass 10.11: https://www.thomann.de/de/prod_pdfreview_26776-mm48337_gb201110190.pdf
    Bonedo.de: https://www.bonedo.de/artikel/export/boss-br-80-multitrack-recorder.html?noredirect=1
     
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  2. peter55

    peter55 A-Gitarren, Off- & On-Topic Moderator HFU

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    Erstellt: 16.01.19   #2
    Da muss ich widersprechen ;)

    Der Vorgänger hiess/heisst schlicht "Micro BR":

    Img_0876.jpg
     
  3. unixbook

    unixbook Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Oha! Da war ich im Irrtum...
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    Ich hab's geändert. Danke für den Hinweis!
     
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