[Review] Samson GO (USB-Mikro) im Vergleich

von omnimusicus, 23.05.18.

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  1. omnimusicus

    omnimusicus Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 23.05.18   #1
    Ich bin zwar länger schon hier im Board, aber meistens im Recording-Sub, bei PA oder Bass unterwegs.
    Ein Review habe ich nun, das wohl am ehesten hierher paßt. Es geht zwar um ein Mikrophon, also eigentlich Recording-Hardware.
    Dieses Mikro ist aber vornehmlich für Stimmen und nicht für allgemeines Recording geeignet und ich sehe das Zielpublikum eher bei Sängern/Sprechern.

    Warum das ganze ?

    Ich hatte mir ein USB-Mikro gekauft. Für's Büro, um es dort für Skype-Sessions etc. zu verwenden, da das eingebaute Mikrophon meines Laptops nicht gut ist und der Laptop auch oft einfach nicht an einer geeigneten Stelle steht.


    Da ich auch Homerecording betreibe, wollte ich natürlich wissen, wie das neue Mikrophon als solches klingt.
    Weiterer Anlass: Ein Arbeitskollege von mir nimmt Gesangsunterricht und will ab und an Aufnahmen von sich machen, zuhause beim Üben. Da kamen wir ins Gespräch, inwieweit ein billiges USB-Mikro ausreichen kann.

    Und genau solche Anwendungs-Fälle finde ich auch hier im Forum. Wenn sonst nur ein Smartphone oder das eingebaute Laptop-Mikro zur Verfügung stehen, dann kann ein USB-Mikro durchaus eine Alternative sein, ohne gleich zu großem Mikro + Interface greifen zu müssen.

    Entschieden hatte ich mich - ohne große vorherige Recherche - für das Samson GO. Es ist klein und steht selbständig aufrecht.
    Und es kostet gerade mal soviel wie eine halbe typische Autotankfüllung. Hier ein Bild für die Einschätzung der Größe:

    samson_go__full.jpg

    Das Mikro hat eine recht flexible Halterung, die man sowohl auf einen Tisch stellen, oder an einem Mikrophonständer aber auch z.B. am Laptop-Display anklemmen kann.

    samson_go_on_stand.jpg

    Es ist ein Kondensatormikrophon. Mit einem Schalter kann man die Richtcharakteristik von Kugel auf Niere umstellen.
    Damit ist einstellbar, ob z.B. in einer Telephonkonferenz alle Leute im Raum aufzunehmen sind oder ob man als einzelner Sprecher nur aus einer Richtung spricht und Nebengeräusche oder Raumklang damit mehr ausblenden will. (Klangliche Auswirkungen der Richtcharakteristik eines Kondensatormikros will ich hier nicht genauer betrachten)

    Da ich auch andere Geräte für Aufnahmezwecke besitze, habe ich einen kleinen Vergleichstest gemacht: USB-Mikro gegen Großmembran-Kondensator-Mikro über USB-Interface.
    Preisunterschied 33 € zu ca. 350 €. Das mag etwas unfair wirken, aber wann kann man einen solchen Unterschied einmal direkt hören …

    Gleich vorweg: Ich will hier nicht das USB-Mikro hochloben. Für seriöses Recording ist es nicht geeignet, aus verschiedenen Gründen.
    Aber für Proberaum-Aufnahmen oder Songideen, Unterricht und ähnliches ist es schon ganz ordentlich.

    Klar ist das teurere Mikro besser, aber man kann einfach mal reinhören, wie groß der Unterschied wirklich ist.
    Meist wirkt sich nach meiner Erfahrung der Raumklang, die Mikroaufstellung und natürlich die Qualität der Darbietung mehr auf die Aufnahme aus als ein Mikrophon.


    Vergleichstest

    Insgesamt habe ich vier Mikros nebeneinandergehalten - so eng wie möglich - und gleichzeitig aufgenommen.

    Die 4 Wettbewerber waren:
    - Rode NT2A (Großmembram-Kondensator-Mikrophon über Lexicon Lambda-Interface)
    - Beyer Dynamic M201 (dynamisches Mikrophon)
    - Zoom H2 Recorder (als USB-Interface genutzt, direkt in einen Rechner)
    - Samson Go Mic (USB-Mikro)

    Hier im Photo direkt nebeneinander (von oben links nach unten rechts):

    mikro_sammlung.jpg

    Zum Test hatte ich ein kurzes Lied zur akustischen Gitarre ersonnen und im Wohnzimmer eingespielt, direkt vor dieser Mikro-Sammlung. Diese waren so positioniert, daß Gesang und Gitarre gleichermaßen aufgenommen wurden. Andersherum gesagt also elegant am Mikro vorbeigesungen und -gespielt ;-)

    Die Ergebnisse des Rode NT2A, des Samson GO und des Zoom H2 habe ich hier unbearbeitet abgelegt. Nur passend geschnitten und jeweils auf 0 dB normalisiert. Ein jeder mache sich sein eigen Bild.

    Samson GO:


    Rode NT2-A:


    Zoom H2:



    Die Mikroposition ist nicht ideal, weder für Gitarre und Gesang, aber genau das wollte ich als "realistisches Proberaum-Szenario" aufnehmen. Denn für solche Fälle scheint mir das Samson GO gut geeignet: Schnell den Rechner "irgendwo" aufgestellt und auf den Aufnahmeknopf gedrückt, das ist ja beim Üben oft gefragt.
    Ich habe auch nicht nach einer speziellen Aufnahmeposition gesucht, sondern dort gespielt, wo gerade Platz war. Allerdings ist mein Wohnzimmer akustisch gesehen auch nicht problematisch (z.B. Teppichboden).

    Als weiteres Hör-Beispiel habe ich im Proberaum etwas halbwegs Bekanntes eingesungen, a capella, nur ins Samson GO.
    Diesmal etwas direkter ins Mikro gesungen und danach nur schnell mit einem Kirchenhall versehen, so wie es durchaus zum Stück paßt.
    Wer will hier hinterher das Mikrophon erkennen ?





    Nachteile sind natürlich auch schnell gefunden: Das Samson GO kommt schnell ins Schleudern, wenn die Schallquelle etwas lauter ist.
    Für Gesang reicht es normalerweise gut, für akustische Proberaumaufnahmen auch, aber sobald z.B. ein lautes Schlagzeug hinzukommt, dann blinkt die rote Übersteuerungs-LED am Mikro eifrig und die dann entstehenden Verzerrungen sind teils geradezu originell, aber meist unbrauchbar ;-)
    Es gibt zwar einen Schalter, mit dem man den Pegel um 10 dB absenken kann, aber das reicht für laute Signale nicht aus.

    Subtile Aufnahmen, wo es um Transparenz und luftige Höhen geht, habe ich erst gar nicht ernsthaft probiert. Ich kenne gute Mikros von Neumann und Schoeps, das kann und sollte man gar nicht vergleichen.

    Im Bassbereich geht dem Mikro auch recht schnell die Luft aus. Also bleibt ein mittiger Bereich übrig, der im direkten Vergleich etwas topfig wirken kann.
    Das hat es aber mit dem H2 gemein, der Topf klingt da nur anders ;-)


    Fazit

    Ich benutze das Samson GO selbst nur im Büro, da ist es goldrichtig.
    Lautstärkepegel etc. läßt sich bei einem USB-Mikro zwangsläufig nur mittels Software einstellen. Da bin ich bzgl. Bedienbarkeit natürlich von meinen großen Geräten verwöhnt, aber für Skype und ähnliches ist das unerheblich.
    Für Aufnahmen z.B. beim Gesangsunterricht oder zuhause beim Üben, da finde ich es auch völlig in Ordnung.

    Interessant war für mich der Vergleich mit dem Zoom H2, welches ich länger schon besitze und auch schon z.B. für Proberaumaufnahmen mit einer Rock-Coverband verwendet hatte.
    Der Mikrophonteil des H2 ist im Grunde vergleichbar mit dem USB-Mikro hier, wobei mir das Samson sogar etwas besser gefällt. Es ist im Bass schlanker und in den tiefen Mitten klarer. In den Mitten muß ich beim H2 gerne mal mit dem Equalizer ein wenig aufräumen. Dafür ist das H2 deutlich robuster bei höheren Lautstärken.

    USB-Mikros gibt es inzwischen in durchaus großer Zahl, einen Überblick habe ich nicht. Für das Samson GO hatte ich mich entschieden, weil es ziemlich klein ist und schön zusammenklappbar. Es paßt in jede Laptop-Tasche. Für Business-Anwendungen sieht es auch sehr passend aus. Die flexible Halterung mit dem Gewinde für Mikrophonständer finde ich gut und praktisch gelöst.

    Ohne nun speziell ein Mikro empfehlen zu wollen, ist mein Ergebnis, daß solche günstigen USB-Mikros durchaus geeignet sind für kleinere Recording-Aufgaben. Wer also eine große Ausgabe für Mikro und passendes Aufnahmeequipment scheut, und einen Laptop oft zur Hand hat, kann damit also vorerst glücklich werden. Natürlich immer im engen Rahmen von Lautstärke und Qualität.

    Ich will also animieren: Lieber mit wenig (billigem) Aufwand Aufnahmen machen als lange auf andere Geräte zu warten oder es ganz bleiben zu lassen.
    Wie oben schon erwähnt: Es kommt z.B. eher drauf an, wo ein Mikro im Raum steht, und in welchem Raum.

    Wer nicht immer einen Laptop dabei hat, ist mit einem tragbaren Gerät wie z.B. dem Zoom H2 natürlich besser bedient. Es kommt wie immer auf die äußeren Umstände an.
    Inzwischen können ja auch moderne Smartphones recht ordentliche Aufnahmen machen. Das USB-Mikro stelle ich so in die Mitte zwischen Smartphones und "echten" Mikrophonen.

    Der Omnimusicus
     

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  2. Bass Fan

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    Erstellt: 14.09.18   #2
    Guter Test, kommt bei mir gerade richtig, da ich mir ein USB Mic für Videokonferenzen am PC zulegen will.
     
  3. Kluson

    Kluson Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 14.09.18   #3
    Text ist sehr lustig :-)
    Übers ipad hört man fast keinen Unterschied zwischen den dreien. Eine seriöse Abhörsituation habe ich gerade nicht zur Hand.
    Interessant wäre mal ein Vergleich zum typischen dynamischen Mic, das in jedem Proberaum rumfliegt, das SM58. Das dürfte sich aus der Ferne bespielt oder besungen fast dumpfer anhören ?
     
  4. Bass Fan

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    Erstellt: 16.09.18   #4
    Habe gerade gelesen, dass dieses Mic bereits seit 2010 auf dem Markt ist, dann ist es wohl nicht mehr technisch/elektronisch auf dem Höhepunkt, nehme ich an?
     
  5. Space Pope

    Space Pope Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.09.18   #5
    Sehr schöner Testbericht!
    Hätte nicht gedacht, dass das Go Mic für den geringen Preis so gut abschneidet.

    Was soll sich in der Zeit denn bahnbrechendes verändert haben, wenn ich mal so fragen darf? :D
     
  6. omnimusicus

    omnimusicus Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 16.09.18   #6
    Das habe ich mich gerade auch gefragt ...

    Mikrophone ? Das teure Neumann U87, immerhin Studiostandard, ist seit gut 50 Jahren fast unverändert.
    Was ist sonst hier drin ? Ein AD-Wandler. Da gibt's Standard-Wandler, die millionenhaft verwendet werden, auf Kleinst-Chips.
    Und ein USB-Modul, auch ziemlich Standard.
    Alles recht ausgeforscht. Vor allem im Billigsektor ist da nichts Spannendes zu erwarten.

    Was wäre spannend ? Ein USB-Modul auf Röhrenbasis ?
    "Pure Class-A digital logic", mit Interfacekarte für eine IBM 360 ... :-D (*)

    Spannend finde ich eher, daß aktuell der Preis für dieses Samson-Mic deutlich gestiegen ist ...

    ----
    (*) für möglicherweise nicht Eingeweihte: IBM 360 - Großrechner aus dem Jahr 1965.
    Ungefähr so alt wie ich.
     
  7. Adson

    Adson Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 26.09.18   #7
    Vielen Dank für den Test und für den schönen kleinen Song, den du extra dafür gemacht hast. Gefällt mir :great:

    Beim ersten Hören dachte ich spontan, dass das Rode eindeutig am besten klingt.
    Dann habe ich die drei Beispiele mal blind gehört und musste feststellen, dass es schon schwierig ist, bei dieser wenig anspruchsvollen (soundtechnisch) Aufnahme überhaupt einen Unterschied zu hören.
    Auch beim Thema Mikros spielt die "Psychoakustik" eine große Rolle.
    Klar klingt ein Neumann für 3000 Euro gut. Ich behaupte aber einfach mal, dass nur die allerwenigsten (wenn überhaupt) blind den Unterschied zu einem 300-Euro Mikro heraushören könnten.
    Dazu kommt ja noch, dass es ab einer gewissen Qualität aufwärts auch einfach Geschmacksache ist, ob man es lieber etwas wärmer oder linearer mag.

    Für Podcaster und Co. kann so ein preiswertes Mikro völlig ausreichend sein. Insbesondere im Hinblick auf die "Lautsprecher", über die das Ergebnis bei den meisten Hörern ausgegeben wird.
     
  8. Bass Fan

    Bass Fan Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 26.09.18   #8
    Das darfst Du mich nicht fragen, bin kein Experte auf dem Mic Gebiet;) Habe mir dennoch eins gekauft, für VOIP und einfache Aufnahmen, kostet hier in Japan bei mir ca. 32Euro (Soundhouse Narita)
     
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