[Review] Weller Lötstation WS 81

von chris_kah, 29.07.20.

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  1. chris_kah

    chris_kah HCA PA- und E-Technik HCA

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    Erstellt: 29.07.20   #1
    Hier einmal ein ungewöhnliches Review. Ich habe es in die Elektronik Bastelecke gesteckt, weil ich es im PA Review/Workshop UFO für unpassend hielt.

    Es geht um die Lötstation aus der Kombi Weller Lötstation Versorgungseinheit Weller PU81 und dem Lötkolben WSP 80.

    Erhältlich auch als Set WS81 z.B.

    https://www.reichelt.de/loetstation-ws-81-set-95-w-1-kanal-esd-weller-ws-81-p42544.html
    https://www.voelkner.de/products/10307/Weller-WS-81-Loetstation-analog-95W-150-bis-450C.html
    https://www.conrad.de/de/p/weller-ws-81-loetstation-analog-95-w-150-bis-450-c-811810.html

    und natürlich auch noch viele andere Anbieter.

    Diese Lötstation ist durchaus in einer Preisregion, die für gewerbliche Nutzer (alllemal) und halbgewerbliche Viel-Löter sehr interessant ist.

    Loetstation.jpg
    Die Versorgungsstation enthält das Netzgerät, die Regelung und den Einstellknopf für die Temperatur. Dazu noch eine LED, die aufleuchtet, wenn geheizt wird. Meist blinkt die immer nur kurz, wenn keine Wärme entnommen wird. Heute ist zwar häufig eine Digitalanzeige für Sollwert und Istwert angesagt, aber mal ehrlich: wer braucht beim Lötkolben eine Temperaturanzeige auf 1 Grad genau? Außerdem ist ja nicht die Temperatur der Lötkolbenspitze entscheidend, sondern die der Lötstelle, und da spielen Wärmeleitfähigkeit, Übergangsquerschnitt, Ableitung (über Kupferflächen oder große Bauteile) mehr eine Rolle.
    Mir reicht der Drehknopf. Der steht meist so um die 350 Grad und wird hochgedreht, wenn eine Lötstelle gelötet werden soll, die viel Wärme abführt (dicke Kupferkabel, Bauteil auf Massefläche ...). Die Bedienung geht in der Regel deutlich schneller als bei Geräten mit digitaler Einstellung. Ganz selten wird due Temperatur auch herunter gedreht, damit das Zinn gerade so fließt (200 .. 250 Grad) . Das mache ich, wenn ich mit Zinn absichtlich eine längere Lötbrücke erzeugen will. Ist das Zinn so heiß, bildet es einen Tropfen und zieht sich zurück. Is es gerade so warm, dass es schmilzt, kann man es "aufbauen".

    Loetkolben.jpg

    Der eigentliche Clou ist der Lötkolben. Der ist super handlich und leicht. Er hat aber eine Heizleistung von 80 Watt und eine sehr flinke Regelung dahinter. Wird viel Wärme abgeführt, wird ganz schnell mit hoher Leistung nachgeregelt.
    (Der klobigere LR21 Lötkolben auch von Weller hat von der Lötleistung keinen Vorteil)

    Mit der feinen Spitze (unten Nr 1 im Bild) kann ich beispielsweise an einem feinen SMT Bauteil löten und direkt danach einen dicken Draht mit der gleichen Spitze an einem Stecker festlöten.
    Hier ein Beispiel mit Spitze 1 von unten an einem QFN Bauteil mit 0,5mm Pitch (Abstand von Beinchen zu Beinchen). Das geht damit sehr gut, ohne Lötbrücken zu erzeugen.
    LoetenFinePitch.jpg

    Sehr viel liegt am Übergang des Heizelements zur Lötspitze. Das ist eine runde, flache Fläche. Im Bild unten bei geöffnetem Heizelement mit dem roten Pfeil gekennzeichnet.
    Drunter die Hülse, die die Spitze festhält.
    Loetspitzen.jpg
    Mit relativ kurzen kegelförmigen Spitzen (1 ganz fein, 2 fein) erreicht man eine sehr gute Wärmeübertragung. Spitze 3 ist zwar fein, hat aber einen weniger guten Wärmeübergang.
    Spitze 4 ist für grobere Arbeiten wie Dicke Kabel mit 2,5 oder 4mm² (ja, schafft der locker).

    Wie unschwer erkennbar bin ich ziemlich angetan von diesem Tool, von dem ich 2 Stück an meinem Arbeitsplatz habe (konnte ich mir selber raussuchen).
    Ich komme durch meine Tätigkeit auch immer wieder an andere Lötplätze mit einfachen und teuren, feinen und groben Lötkolben vorbei.
    Mir ist aber sonst kein anderer Lötkolben untergekommen, der in einer solchen Bandbreite richtig gut ist.
    Nur für allerfeinste Lötungen kann man eine feine Lötnadel verwenden und für Dachrinnen würde ich einen Spengler-Lötkolben bevorzugen ;)

    Fazit: der Lötkolben ist ein genialer Allrounder zu einem fairen Preis.
     
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  2. chris_kah

    chris_kah Threadersteller HCA PA- und E-Technik HCA

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    Erstellt: 03.08.20   #2
    Was ich auch noch vergessen hatte: extrem kurze Anheizzeit (weniger als 20 Sekunden). Lötkolben einschalten, zu lötende Teile zurecht legen, loslegen.

    Hier noch ein paar Vergleichsbilder
    VergleichZuWellerLR21.jpg
    Im Vergleich zum älteren LR21, der auch nicht mehr Leistung hat, aber unhandlicher ist (war früher ein sehr guter Lötkolben)
    Vergleich der Lötspitzen:
    VergleichLoetspitzenwechsel.jpg
    Beim älteren System braucht man mindestens eine Zange, um eine Spitze zu wechseln, und warm ist das schwierig.
    Beim WSP80 geht das mit etwas Übung ohne Werkzeug und ohne sich die Finger zu verbrennen.

    Hier noch im Verglecih einen ganz feienn Lötkolben, den Weller WMP
    VergleichZuWellerWmp.jpg
    Der ist bei allerfeinsten Lötungen noch besser, aber schwächelt schnell, wenn viel Wärme abgeführt wird, z.B. durch Masseflächen.

    Hier noch ein anderer Feinlötkolben von Ersa im Vergleich:
    VergleichZuErsaFeinloet.jpg
    Bei dem ist die austauschbare Spitze größer (siehe Ersatzspitze unten). Spitzenwechsel geht auch sehr schnell und werkzeuglos, aber der Wäremübergang des Weller ist deutlich besser.
     
  3. bassman9474

    bassman9474 Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 03.08.20   #3
  4. Bass Fan

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    Erstellt: 03.08.20   #4
    Das ist natürlich schon eine high-end Lötstation für mich, der übers Jahr nur etwas an Gitarren/Bässen bastelt und sonstige Kleinreparaturen vornimmt, aber ich habe volles Verständnis, dass das Arbeiten mit perfekten Werkzeugen einfach Spass macht, daher Danke für das Review!
     
  5. chris_kah

    chris_kah Threadersteller HCA PA- und E-Technik HCA

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    Erstellt: 03.08.20   #5
    Möglich, aber außer der Farbe hat sich nichts wesentlich geändert, gleiche Spitzen.

    Zuhause habe ich übrigens auch nur eine sehr alte Ersa Lötstation (aus Resteverkauf mit leichten Fehlern) und einen kleinen Ersa Feinlötkolben. Wenn ich ganz feine Sachen löten muss, nehme ich die mir mit zur Arbeit, da geht das einfacher und sicherer.

    Eingangs im Review habe ich ja auch geschrieben, dass ich das Tool auch eher für gewerbliche Löter und Viellöter sehe. Aber wer beispielsweise einen Verleih hat und regelmäßig zur Wartung löten muß, ist mit so einem Tool natürlich gut bedient. Und wer es gewerblich nutzt, kann es auch absetzen.
     
  6. HIFI-KILLER

    HIFI-KILLER Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 04.08.20   #6
    geiles Gerät!:great:

    hab vor ein paar Tagen auch aufgestockt
    WECP-20 mit LR-21 FE
    funktioniert genauso, nur langsamer
    für mich ein Fortschritt! ich hab bisher noch den blauen TCP genutzt,
    der geht nur für Bleilot
    für den LR-21 FE fehlt mir noch: die Unterdruckpumpe für die Lötrauchabsauganlage
    m.:rolleyes: die müst ich mir doch basteln konnen !?!
     
  7. chris_kah

    chris_kah Threadersteller HCA PA- und E-Technik HCA

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    Erstellt: 04.08.20   #7
    Nachtrag: der blaue Lötkolben ist definitv ein LR21, habe es heut nachgeschaut. ist auf der Messingplatte mit dem GEwinde zum Festschrauben der Überwurfshüle eingraviert.
    Aber eigentlich egal - um den geht es nicht.

    Bei der Lötrauchabsaugung brauchst dur für das dünne Rohr einen guten Unterdruck bei gleichzeitig hohem Luftstrom.
    Das Original-Absauggerät braucht einen Druckluftanschluss.
    Inzwischen gibt es auch ein Absauggerät mit eingebauter Unterdruckpumpe.

    Für Privat würde ich aber eher großflächig absaugen mit einem Rohr 50-70mm Durchmesser und entsprechendem Luftstrom. Und der Ausgang sollte möglichst ins Freie geleitet werden (Alternativ Aktivkohlefilter)

    Aus dem Lüftungsbedarf Komponenten für DN100 (10 cm Durchmesser) besorgen. Günstiger sind Abwasserrohre, die kann man auch stecken. Undam Ende auf 75 oder 50mm verjüngen. Mit 90 Grad Winkelstücken und kurzen Rohren kann man sich einen beweglichen Absaugarm basteln. Die Dichtgummis halten alles an Ort.
     
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