[Sammelthread] Elektronische Instrumente im Film

Martman
Martman
Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
04.02.23
Registriert
14.09.05
Beiträge
5.153
Kekse
22.899
Ort
Hamburg
Nein, kein Thread über Synthesizers In The Movies, sondern ein bißchen Gearspotting nebenher: Was ist euch in Filmen so über den Weg gelaufen an Synthesizern, Samplern, Drummachines und anderen elektronischen Musikmaschinchen?

Ich fang mal an mit ein paar gespotteten Geräten, darunter Klassiker.

Unglaubliche Begegnung der dritten Art: Für den Film hat man bei Pearlman, Friend & Consorten noch einen letzten ARP 2500 geordert inklusive Wing-Kabinetten. Danach wurde keiner mehr bestellt, obwohl der ARP 2500 bis zu ARPs Ende 1981 auf der Preisliste stand, also noch weitere vier Jahre. Als Modularsynth mit Kundenwunschausstattung wurde der 2500 ja eh nur auf Bestellung gebaut. Und mit diesem Exemplar waren es genau 100. Zufälle gibt's. Ich weiß nicht, wie lange dieses Dickschiff letztlich ARPs Pleite zu verzögern vermochte, oder ob David Friend das Geld, das dieses Modularungetüm in ARPs gebeutelte Kassen gespült hat, nicht direkt in die Entwicklung des Avatar gepumpt hat – oder in die der überdimensionierten Totgeburt Centaur VI, die möglicherweise noch in den letzten Zügen lag und ARP finanziell ziemlich ausgesaugt hatte.

Dieser letzte 2500 wurde für den Film sogar noch mitsamt seinen eigentlichen Kabinetten in ein Customgehäuse gesteckt. Weil man offenbar sonst niemanden auftreiben konnte, der sich traute, das Ungetüm zu spielen, geschweige denn es patchen konnte, hat man für den Film den sowieso anwesenden Vizepräsi der Entwicklung bei ARP Phil Dodds an den Synth gesetzt, der mitgeholfen hatte, ihn zu installieren.

Ferris macht blau: Noch ein Klassiker. Ferris Bueller hat in seinem Zimmer tatsächlich einen E-mu Emulator II stehen. Ein weiteres Zeichen dafür, daß sein Paps zuviel Geld hat: Das Vieh kostete acht Mille. Damit war es zwar der "Volkssampler" seiner Zeit (bis der Ensoniq Mirage kam, der die Hälfte kostete und mehr konnte), aber trotzdem teuer. Ferris nutzt den Sampler auch als solchen: Er hat einige sehr unappetitliche selbstgemachte Hustgeräusche da reingesamplet und nutzt die Samples, um Krankheit vorzutäuschen. Klingt in 8 Bit mit geringer Samplerate (wenn man bedenkt, wieviele Sekunden Ferris gesamplet hat) wahrscheinlich noch gefährlicher als in echt. Der Blaugraue hilft ihm also beim Blaumachen.

Und täglich grüßt das Murmeltier: Ein bißchen weniger bekannt, aber auf der Abendveranstaltung steht eine Korg M1. Die sieht man nicht nur, man hört sie auch: Die M1 war voll verkabelt, und Bill Murray hat die Parts, die man im Film hört, selber am Set vor laufender Kamera eingespielt. Also hört man auch das berühmt-berüchtigte M1-Piano – und daß die Klaviatur des M1 für Pianosachen eigentlich total unbrauchbar ist, was letztlich zur riesigen T1 und dann zur nicht minder ausladenden 01/WproX führte.

Alvin & the Chipmunks: Der Songwriter-Protagonist scheint nur einen Synth zu brauchen, einen Roland D-50. Zugegeben, er macht einiges am Rechner, und es gibt tatsächlich Leute, die sich einen D-50 als Masterkeyboard halten wegen seiner endgeilen Tastatur. Zwischenzeitlich schmeißt er den Synth aus Frust nach draußen in den Regen. Ich hätte ihm den damals gern abgenommen – das war, bevor ich den D-550 hatte. Er holt das gute Stück später wieder rein, und es funktioniert noch.

In einem Regal liegt noch eine Roland TR-707 rum. Die fliegt gleich hinterher. Das war wahrscheinlich, bevor die komplett samplebasierte 707 irgendwas wert war.

Fame: Im 1980er Original kommt ein Charakter namens Bruno Martelli vor, Sohn eines Taxifahrers, der ihm ein schweineteures Hobby finanziert: Synthesizer. Und was er da auffährt, war damals nicht nur schweineteuer und wäre es heute wieder, sondern fällt schon unter Gearspotting Galore: Minimoog, ARP 2600 – die geile Ausführung in grau mit 4012er Moog-Klonfilter und duophoner 3620-Luxustastatur, die meilenweit vom Synth selbst entfernt auf einem Fender Rhodes Suitcase Seventy Three steht (hey, Edgar Winter hat die Tastatur vom 2600 als Keytar verwendet, also why not) – und ARP Odyssey in Black & Gold, also entweder ein späterer Mk I oder ein ganz früher Mk II. Zumindest die beiden ARPs waren also gebraucht geschossene Props (wobei ich mal behaupten würde, daß man '79/80 für einen ARP 2600P immer noch ziemlich tief in die Tasche greifen mußte, klang er doch geiler als die 2601, die im Hause Pearlman damals zusammengelötet wurden) oder standen eh seit der ersten Hälfte der 70er irgendwo rum und waren mittlerweile von einem Prophet-5 oder OB-X verdrängt worden.

Im Film soll Bruno auf diesem Rig den Titelsong eingespielt haben. Und schon sein erstes Vorspielen hat klanglich nichts damit zu tun, was die Instrumente tatsächlich von sich geben würden – bis auf das Rhodes sind sie beispielsweise alle monophon. Verkabelt ist das ganze Gelumpe aber trotzdem bis hin zu dem einen oder anderen Verstärker. Auch geil: Er sagt, wenn Mozart damals, also um 1980, gelebt hätte, wäre er Programmierer gewesen. Selbst umgibt er sich mit einem E-Piano und drei nicht nur vollanalogen und speicherlosen, sondern diskreten Synthesizern und hat nicht mal auch nur einen einzigen Sequencer am Start. Was soll da programmierbar sein?

Was uns der Film auch noch zeigt: Ein ARP 2600 kann unter den Arm geklemmt werden. Ernsthaft, sie verwenden in allen Stellen mit Synthesizern dieselben Props. Da tauchen nicht immer wieder andere Geräte auf nach dem Motto: "Das merkt sowieso keiner." (Der Film will uns elektromusikalischerseits sowieso für dumm verkaufen.) Aber aus welchem Grunde auch immer hat der Zwosechs seinen Tolexdeckel nicht mehr und wird offen getragen. (Das, oder die Kiste trägt sich ohne Deckel unterm Arm leichter als mit Deckel, der ja auch wiegt, am Griff.)


Martman
 
Eigenschaft
 
Sneakers – Die Lautlosen: In dieser Szene sieht man einen Roland JX-3P sowie einen (in Brailleschrift angeschriebenen) Sequential Circuits Prophet 2002. Mit diesen Gerätschaften versucht der blinde Whistler die Route der Entführer von Bishop zu ermitteln.



Grüsse,
synthos
 
Zuletzt bearbeitet:
Mal wieder hervorholen. Vielleicht fällt noch jemandem was ein.

Die Rache der Eierköpfe: Jetzt wird's strange. Da gibt's doch gegen Ende die Rapnummern. Anthony Edwards trägt dabei bauchladenmäßig eine Roland CR-5000 vor sich (deren Interaktivität an dieser Stelle mal angezweifelt werden muß, also wieso trägt man sowas mit sich rum – aber Thomas Dolby trug ja auch mal eine 505 wie eine Keytar). Robert Carradine trägt gar kein Musikinstrument, sondern einen abgeklebten Tandy-Computer, der die Lichteffekte hinter den beiden steuert. ArKaos, bevor es ArKaos gab (oder Echtzeit-Videoprojektionen).

Tango & Cash: Ein EMS VCS3 als Laborgerät. Nein, wirklich. Das heißt, gar so weit hergeholt ist das ja eigentlich nicht. Aber Zinovieff sah seinen Putney doch weniger als Laborequipment als als Musikinstrument.

Running Man: Um mal aufzuklären, was das für ein Ungetüm ist: Yamaha Electone HX-1. Eine modulare Konzertorgel mit "FM inside". Modular deshalb, weil man sie sich aus diversen Optionen damals zusammenstellen konnte, z. B. verschiedene Arten von Baßpedalen. Das Design hielt Yamaha wohl für cool. Zumindest aber hatte die HX-1 eine Eigenschaft von der Einsteigerreihe HE und der ungewöhnlicherweise auch niedrig aufgebauten HS-Reihe gemeinsam: Sie ließ sich zum Transport wunderbar klein machen. Das Design dürfte aber noch mehr Orgler in die Arme von Technics oder Wersi getrieben haben – oder, wenn sie unbedingt FM haben wollten, Elka mit der X1000.


Martman
 
Halb offtopic. Ich kann mich an die Bournes Idenity erinnern. Da waren einige Behringer 19" Tools fürs abhören zuständig :)
 
Keine Ahnung, ob das elektronisch genung ist: Das Wurlitzer Piano Lab in Arlo Guthries Film "Alices Restaurant" (geht los bei 5:33):



Ich liebe diesen Film. :D

Viele Grüße,
McCoy
 

Ähnliche Themen


Unser weiteres Online-Angebot:
Bassic.de · Deejayforum.de · Sequencer.de · Clavio.de · Guitarworld.de · Recording.de

Musiker-Board Logo
Zurück
Oben