ARIA Diamond 1202T Bj. 1967
Ich hasse Möbelhäuser!!! Davon war ich bisher jedenfalls felsenfest überzeugt. Aber als ich Anfang November 2005 widerwillig meiner Frau in ein solches folgte, musste ich im Nachhinein meine Meinung ändern. Unglaublich, was so alles passieren kann. Steht in der Ausstellung der Jugendzimmer als Deko-Stück eine Gitarre. Hin und angeschaut, dann hin und weg. Aria Diamond steht drauf, paar Teile fehlen, weil die Kids wohl damit rumgespielt haben. Keine Bridge, kein Tremolo-Arm und statt Saiten ist der Saitenhalter mit Angelschnüren festgebunden. Ansonsten durchweg sehr gut erhalten.
Also ab nach Hause, Internet rauf und runter gesucht und einiges Interessantes gefunden. Möbelhaus angerufen, rumgejammert, wie man so ein schönes altes Stück als Deko-Objekt verkommen lassen kann, Herz des Abteilungsleiters erweicht und für kleines Geld rausgeleiert.
Nähere Betrachtung unter Beiziehung eines Fachmannes ergab: ARIA Diamond 1202T, Baujahr 1967! Kurz einige features: ES-335-Kopie mit aufgeschraubten Ahorn-Hals und Palisander-Griffbrett, 21 Bünde. 2 Single-coils mit 3-Weg-Schalter. Jeder pickup mit separatem Volume und Tone-Poti. Pickguard, switch-cover und Kopfplatte sind mit rötlich-marmoriertem falschen Schildpatt belegt. Verchromtes tailpiece mit Bigsby-Feder.Die Gitarre wurde laut
Vintage Guitars at VintAxe.com von Aria auch für eine Reihe von amerikanischen Herstellern gebaut z.B. Conrad oder Bruno Conquerer. Überraschung: so gut wie nie drauf gespielt worden. Muss eigentlich die gesamte Zeit des irdischen Daseins im Koffer verbracht haben. Keine Schrammen, keine Kratzer, Lack und Bindings 1A, ein makelloser Hals, der auch noch hervorragend bespielbar ist. Pickups ebenso wie die gesamte Elektrik absolut in Ordnung. Die üblichen single-coil-Störgeräusche, die wohl aufgrund der lockeren pick-up-Wicklung und der hollowbody-Konstruktion stärker als erwartet sind. Mit Abschirmungen hat man es damals bei diesem Hersteller wohl noch nicht so genau genommen.
Statt der Original-Bridge, die natürlich nicht mehr aufzutreiben ist oder einer ähnlichen, unten Palisander, oben Tune-o-matic in Chrom, habe ich mich erst einmal für eine Ganzholzversion entschieden, des Sounds wegen. Ist unten rum satter und weicher, da diese hollowbody ansonsten doch sehr höhenlastig rüberkommt.
Der Tremolo-Arm wurde erstmal weggelassen. Ein originaler ist nicht zu finden. Vergleichbare gibts wohl auch nicht. Ist übrigens einer der längsten, der je auf eine Gitarre geschraubt wurde. Benutzung wäre aber auch kaum zu empfehlen, da Stimmstabilität nicht zu den Stärken der Gitarre zählt. Wenn hier jemand Hilfe anbieten kann, würde ich mich mehr als freuen, denn komplett sollte sie schon sein.
Klar, das ist nun kein Beispiel für die unbestrittene Gitarrenbaukunst amerikanischer Prägung aus jener Zeit, aber immerhin ein hervorragend erhaltenes Beispiel aus der Ecke der preiswerteren "Made-in-Japan"-Modelle Mitte bis Ende der 60er Jahre. Und wie ich finde, ein echter Hingucker.