Es gab damals 2 verschiedene Versionen von "Cheapo LP Kopien" und zwar die einen, die mehr oder minder eine freischwebende Decken hatten und im Grunde mehr Semiakustik als richtige Solidgitarre zu sein. Zumindest kann man bei diesen Gitarren vom E-Fach bis zum Toggle hoch durch den Body schauen. Diese werden auch oft als "miese Gitarren bezeichnet", allerdings ist das in meinen Augen nur die halbe Wahrheit, denn: erwartet man den Klang einer richtigen LP, so hat man da natürlich Recht. Die Teile klingen und reagieren überhaupt nicht wie eine LP, was zum Teil auch an den Werkstonabnehmern liegt, die in der damaligen Zeit verbaut wurden. Dies waren Einspuler im Gehäuse eines Humbuckers, klanglich also auch hier eine ganz andere Welt. Die Hardware war damals stellenweise auch nicht so der Hammer. Das bedeutet aber nicht, das das allgemein schlechte Instrumente sind. Ich hatte zuletzt eine Luxor von einem Bekannten hier und die war, wenn man sich auf sie eingelassen hat, schon ziemlich geil. Die Hardware war da durchaus brauchbar, gut die PUs eher nicht, aber da hab ich für Ersatz gesorgt, die Elektrik noch ausgetauscht und schwupps, ich hatte meinen Spass und hätte sie am liebsten nicht zurückgegeben. Es gibt einen Hype um Gitarren aus Japan, den ich voll und ganz nachvollziehen kann, aber er betrifft meist nicht die günstigen Kopien, sondern eher das "bessere" Zeug.
Achja, ich sagte ja es gibt 2 Cheapo-LP-Versionen, alkso jetzt zur 2ten:
Die Schichtholz-LP. Diese ist wie der Name schon sagt aus Schichtholz, was man gut im E-Fach erkennen kann. Sieht man da mehrere Streifen übereinander kann man davon ausgehen, das es sich um Schichtholz handelt. Dieses ist aber kein Sperrholz! Im Gegensatz zu der 1sten Version ist hier der Body wirklich durchgängig gebaut, also im Grunde so, wie man das bei einer normalen LP erwartet. Rein klanglich sind wir hier auch wieder in einer anderen Welt als bei der Version 1 und je nachdem was für ein Material beim Hals verwendet wurde, kann man da schon klanglich recht nah an eine LP kommen (imho). Ich mag, im Gegensatz zu vielen anderen Leuten, Schichtholzgitarren ziemlich gern und habe da aktuell 3 verschiedene Instrumente hier, die aus diesem Material gefertigt wurden. Ist halt für viele absoluter Schrott, aber solang man selbst seinen Spass damit hat, ist alles wunderbar. Man muss sich halt darauf einlassen und vllt den Kopf vom Gedanken befreien das nur Holz xyz gut klingen kann. Bei den Tonabnehmern weiß ich nicht, was da verbaut wurde. Können normale Humbucker sein, können aber auch Single Coils im HB Gehäuse sein. Um das zu erkennen kann dir der Klopftest helfen. Nehm etwas metallenes und klopfe vorsichtig auf den Tonabnehmer. Einmal auf die Seite, wo die Schrauben sind und einmal auf die andere Seite. Hörst du das Klopfen über den Verstärker nur an den Schrauben, ist es ein Singlecoil, hörst du es an beiden Seiten, dann ist es ein Humbucker.
Und was die Kopierei der Japaner betrifft: Klar gab/gibt es viele Kopien, wenn man sich aber die Gitarren aus der Anfangszeit anschaut, so erkennt man, das die Japaner durchaus eigene Designs am Start hatten, die aber nach und nach immer mehr von den Kopien vom Markt verdrängt worden sind. Egal ob Matsumoku, Kawai, Fujigen, Guyatone und wie sie alle hießen/heißen. Allerdings hat man sich da schon weiterentwickelt und viele eigene Designs herausgebracht, voin Instrumenten die durchaus an bekannten Gitarren orientiert waren, aber doch ihren Charme hatten, bis hin zu Instrumenten, die völlig anders gewesen sind. Beispiel für relativ bekanntes Design ist z.b. die 2te RS Serie (Bobat, Straycat, Inazuma...) von Aria Pro II (Matsumoku), die durchaus an normalen Strats orientiert war, aber schon in Richtung Superstrat geht. Einen Schritt weiter ging man bei Westone mit der Concord Serie (Matsumoku), die zwar stellenweise noch erkennen lässt, wo man sich orientiert hat, aber durchaus einen Schritt weiter geht, als die RS Serie von Aria Pro II. Als Beispiel für komplett eigenes Design fällt mir u.a. die Moonsault Serie von Kawai ein. Sehr polarisierend, sehr eigen und vermutlich eher weniger von einem anderen Hersteller abgeschaut.
Und was die alten Designs betrifft: Es reicht im Grunde mal Google nach Guyatone Guitars via Bildersuche zu befragen. Da sieht man zwar einiges, was bekannt ist, aber auch einiges, was nicht so oder garnicht bekannt ist. Man darf bei den ersten japanischen Gitarren halt nicht unbedingt gleich an die Hertiecaster denken. Diese waren vom Design ja durchaus bekannter und sehen aus wie Strats oder SGs, aber es gab damals mehr als genug Modelle, die durchaus eigenständig gewesen sind