Savatage / Fight For The Rock / 1986 / CD

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Da bin ich wieder, mit meinem zweiten Review zu einem Savatage-Album (Hier der Link zum Review des Debütalbums: https://www.musiker-board.de/reviews/530838-savatage-sirens-dungeons-calling-1983-1984-cd.html). Ich habe mich dazu entschlossen, zu jedem Album nach und nach ein Review zu erstellen und dabei chronologisch vorzugehen. Dummerweise ist das heute behandelte "Fight For The Rock" aber gar nicht das zweite Album der Band, sondern "Power Of The Night". Noch dümmererweise besitze ich dieses aber nicht, sodass ich es überspringe und irgendwann später nachholen werde. :D

Wie dem auch sei; "Fight For The Rock" erschien 1986, also in dem Jahr, in dem auch Johnny Lee Middleton die Rolle des Bassisten von Keith Collins erbte, während die anderen Positionen unverändert mit Jon Oliva (v + k), Criss Oliva (g) und Steve Wacholz (d) besetzt waren. Das Album an sich wurde in London aufgenommen und war der Versuch, auf Druck der Plattenfirma, eine größere Bandbreite an Leuten anzusprechen (mit anderen Worten: die Band wurde kommerzieller ausgerichtet). Das schlägt sich auch in den Songs nieder, zu denen wir jetzt auch gleich mal übergehen werden:

Die Songs:

Fight For The Rock:
Die Eröffnungsnummer beginnt mit einem Gitarrensolo, ganz im Stil der Vorgängeralben, das auf ganzer Länge überzeugen kann. Die Strophen würde ich als solide bezeichnen; nichts besonderes, aber auch nicht schlecht. Beim Refrain sieht das alles aber wieder ganz anders aus: Generell klingt er nicht schlecht, aber irgendwie ist die Botschaft dann doch ein wenig ausgelutscht. Man hat das Gefühl, das alles schon mal gehört zu haben. Dennoch gehört der Opener noch zu den besseren Songs des Albums, so dass ich am Ende 7/10 Punkten vergebe.

Out On The Streets:
Moment mal, das kenne ich doch? Stimmt, denn der Song erschien schon auf der EP "The Dungeons Are Calling". Für dieses Album wurde er jedoch noch einmal aufgenommen und ein wenig umarrangiert, sodass er am Ende ca. 1:30 Minuten kürzer ist, als die ursprünglich Version. Wie in meinem ersten Review nachgelesen werden kann (Link ist oben zu finden), gehört die Nummer zu meinen Favoriten auf der EP und das ändert sich auch hier nicht, auch wenn ich die Originalaufnahme dennoch bervorzuge. Macht auch hier 8/10 Punkten.

Crying for Love:
Mit der dritten Nummer fällt das Niveau dann aber leider ab. Jon Oliva hat hier wahrlich keine lyrische Meisterleistung abgeliefert, so reimte er beispielsweise "name" auf "pain". Das ist schon arg an der Schmerzgrenze. Der Refrain ist zwar genauso wie der Refrain von Fight For The Rock nicht schlecht, aber doch ein wenig altbacken. Insgesamt vergebe ich 6/10 Punkten, da viel Potenzial verschenkt wurde.

Day After Day:
Mit diesem Song sinkt das Niveau leider noch weiter. Die vollkommen mit Reverb überladene Snare-Drum klingt so dermaßen nach 80's-Ballade, im negativen Sinne und wird noch durch den platten Text unterstützt, dass der Track mich irgendwie nur nervt. An diesem Beispiel wird die kommerzielle Marschrichtung mit ihren negativen Auswirkungen besonders deutlich. Macht in der Summe 4/10 Punkten und ist damit der schlechteste mir bekannte Savatage-Song. Einschränkend muss ich jedoch erwähnen, dass es sich hierbei um eine Coverversion von Badfinger handelt. Immerhin sind die Savatage-Jungs also nicht am Songwriting schuld.

The Edge Of Midnight:
Nach dem spacigen Intro folgt endlich wieder ein ganz guter Song. Jon Oliva singt nicht, wie bei der Vorgängernummer nur klar, sondern "presst" die Lyrics wieder heraus, was die Dramatik ungemein steigert. Dem Refrain fehlt es zwar ein wenig an Drive, aber irgendwie ist so eine Midtempo Nummer ja auch mal ganz nett. Insgesamt kann ich guten Gewissens 7/10 Punkten vergeben.

Hyde:
Im Intro erklingt eine bedrohliche Stimme, die mich spontan an Michael Jacksons "Thriller" erinnert hat, aber das nur am Rande. Nach der Friedhofsstimme folgt einer der besseren Tracks dieses Albums. "Hyde" überzeugt vor allem mit einem schönen Vers, der Jon Olivas stimmliche Variabilität herausstellt und generell eine düstere Stimmung hervorruft, für die ich diese Band so liebe. Criss Oliva spielt zudem wieder eines seiner üblichen High-Speed Soli, um dann die Gesangsmelodie des Refrains zu immitieren. Super und zusammen 7/10 Punkten.

Lady In Disguise:
Der siebte Song, ist endgültig auf dem Niveau anderer Savatage-Alben. Der Spannungsbogen wird sehr schön aufgebaut und auch ansonsten stimmt eigentlich auch alles. Das letzte Quäntchen, zum Beispiel ein auskomponierter Schluss, statt eines Fade-Outs, fehlt zwar, um aus der Nummer einen richtig guten Song zu machen, aber im Vergleich zu den recht durchwachsenen Leistungen der Band auf diesem Album, ist dieser Song eine echte Wohltat. Gute 8/10 Punkte für "Lady In Disguise".

She's Only Rock 'N' Roll:
Beim ersten Hören hat der Song zwar alles, was er braucht, aber nachdem ich ihn etwa zehn mal gehört habe, macht sich doch irgendwie das Gefühl breit, dass die Lyrics ziemlich belanglos geworden sind. Auch das Gitarrensolo wirkt mehr vor sich-hin-gegniedelt, als eine weitere Meisterleistung von Criss. Ich vergebe 5/10 Punkten, da es mir ein wenig an Kreativität mangelt, aber das kann natürlich jeder anders sehen, da ich hier nur meine bescheidene Meinung kundgebe.

Wishing Well:
Ein massives Drumintro schlägt einem um die Ohren, wenn der Song startet. Mit der Energie ist es danach aber vorbei und irgendwie fühle ich mich die ganze Zeit an Bon Jovi erinnert, von denen ich nun wirklich kein Fan bin. Dieser Song ist gleichzeitig auch das zweite Cover auf diesem Album und zwar eines Free-Songs. Das ändert aber auch nichts daran, dass der Track fröhlich vor sich hin stampft jedoch in einen durchschnittlichen Refrain gipfelt. Damit hat es sich dann aber auch, sodass ich 6/10 Punkten vergebe. Schade eigentlich, da hier wirklich mehr drin gewesen wäre, insbesondere angesichts der Hammer-Nummer, die nun folgt.

Red Light Paradise:
Diese Abschlussnummer hat endlich all das, worauf ich die ganze Zeit schon gewartet habe. Eine mysteriöse Atmosphäre, einen super Refrain und einen Jon Oliva, der sich die Seele aus dem Leib kreischt. Immerhin bekommt man so einen Grund, das Album bis zum Ende zu hören und es nicht vorher entnervt aus dem CD-Player zu nehmen. Über diesen Song muss man keine großen Worte verlieren, da er für sich selbst spricht und die Bestnote von 10/10 Punkten einfährt.

This Is The Time (Acoustic Version):
Der erste Bonus-Song dieser CD stammt ursprünglich von dem "Dead Winter Dead" Konzeptalbum von 1995, den Jon Oliva im Jahr 2010 als Akustik-Version noch einmal aufgenommen hat. Der Song ist einfach klasse, mit einer tollen Dramatik, weshalb ich auch hier die Bestnote vergebe: 10/10 Punkten.

This Is Where You Should Be:
Dieser Song wurde während der "Hall Of The Mountain King"-Sessions aufgenommen und hat ein entsprechend hohes Niveau (dieses Album gilt vielen als das beste Savatage-Album). Dennoch geht auch er in eine eher ruhigere Richtung und lässt sich als Power-Ballade bezeichnen. Ein solider Song zum Abschluss, der sich 8/10 Punkten abholt.

Fazit:
"Fight For The Rock" gilt vielen Fans als das schlechteste Album, das die Band jemals aufgenommen hat und ich kann diese Aussage nur bestätigen. Der erste Eindruck war auch bei mir: "Was ist das denn für eine Grütze?". Einsteigern, die sich ein Bild von dieser ansonsten tollen Band machen wollen, sei dringend davon abgeraten, sich dieses Album zu kaufen. Greift lieber zu dem oben erwähnten "Hall Of The Mountain King" oder "Gutter Ballet", da habt ihr mehr von.
Nach mehrmaligen Hören verbessert sichd das Gesamtbild allmählich und man entdeckt die versteckten Perlen des Albums. Von einem Totalausfall kann man also nicht sprechen, was sich auch in der Gesamtbewertung niederschlägt:

86 / 120 = 71,6 %

Gut ist dennoch etwas anderes, sodass sich wahrscheinlich nur die Hardcore-Fans dieses Album kaufen und sei es, um den Schriftzug auf der Rückseite der Sammlung zu vollenden. Die 2011 neu aufgelegten Alben, ergeben nämlich nebeneinander gestellt, das Savatage-Logo in rot.

Ich bedanke mich bei allen Lesern und wäre froh, wenn ihr Verbesserungsvorschläge hinsichtlich des Layouts etc. unter dieses Review schreiben könntet, damit das nächste noch besser wird.
 
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