Seltsame Flöte - in der Mitte zu blasen

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ocotil

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Ich habe eine Art von Querflöte geerbt, deren Anblasloch IN DER MITTE liegt.

Hat hier jemand schon Erfahrung damit?
Kann man damit "ganz normal" spielen? (Es gibt eine Grifftabelle dazu, aber ich kenne mich nicht aus.)
Wenn ich das Ding verkaufen will, werde ich gefragt, ob es "chromatisch" ist? Wie stelle ich das fest?
Die Bauweise ist nämlich von einem archaischen Instrument China/Burma - die klingen doch vermutlich anders? Gebaut wurde sie aber in Kärnten.

Danke für Hinweise.

91 chi in C Birne_11.webp
 
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Hallo und willkommen im Musker-Board! :hat:
Deine Flohmarktanzeige haben wir bis zur Klärung des Instruments zurückgestellt, zugleich eine Diskussion und eine dazu passende Anzeige gehen bei uns nicht.

Was sagt denn der Flötenbauer aus Kärnten dazu, was er da gebaut hat?
Bekanntere ostasiatische Flöten wurden im Board schon einige Male angesprochen, aber Dizi und Co. entspricht dieses Instrument offenbar nicht.
Wenn Du die Bauweise als archaisches Instrument identifizieren und etwas zum Klang sagen kannst, kannst Du sie also anspielen?
Was steht denn in der erwähnten Grifftabelle, hast Du einen Link zum PDF oder kannst Du sie hier hochladen?

Was ich auf dem Foto sehen kann, die produzierbaren Töne werden keine chromatische Reihe ergeben und absehbar auch nicht diatonisch sein, also keiner unserer Dur-Tonleitern entsprechen.

Gruß Claus
 
Deine bisherige Beschreibung gibt mir Rätsel auf.

Wie kommst du darauf, dass das Anblasloch in der Mitte liegt? Bzw. was meinst du mit Mitte - doch nicht die Mitte der Länge nach? Das Lochmuster, das ich sehe, gibt mir zwar Rätsel auf - aber das mittlere Loch, das wir seitlich sehen können, halte ich zunächst einmal nicht für ein Anblasloch: a) wegen der Form; b) wegen der Ergonomie - wie, bitte, sollte man sie dann greifen und spielen?

Apropos China/Burma: Woher stammt diese Information? Das ist für mich noch nicht schlüssig. Mir hat eine KI eine indische Bansuri nahegelegt - finde ich aber überhaupt nicht ähnlich.
 
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Hallo Claus und FZiegler, Danke für das Interesse.
Also ich hab schon eine Menge Infos zusammengetragen:
Der Flötenbauer war Hausa Schmidl, der jahrzehntelang Schwegeln hergestellt und weiterentwickelt hat (davon hab ich auch noch etliche). Er lebt nicht mehr und seinen Sohn konnte ich auch nicht mehr auffinden.
Die Idee stammte von meinem verstorbenen Vater, der Beschreibung und eine Miniskizze bei Anthony Baines Woodwind Instruments and their History gefunden hatte (ich hab den Text, daher die Infos über die historischen Wurzeln lt Baines); selbst mit Plastikröhrln rumprobiert hat und dann Schmidl um die Herstellung bat. Der hats offenbar nochmal perfektioniert und eine kleine Serie in professionieller Qualität gemacht. (Ich hab einen Prototyp und eine aus der Serie.)
Die Theorie hätte ich also.
Und ja: Das Anblasloch liegt fast auf halber Strecke, links und rechts je 3 Grifflöcher. Die Haltung scheint mr als Laie eher genial: quer vor's Gesicht, die Hände fassen von vorne, also Handflächen zu mir. Liegt bequem und stabil. Ich krieg halt nur zufällig mal einen Ton raus, aber ein Musiker hats ausprobiert, daher kenne ich Klang und Funktionsweise (abgesehen davon, dass Schmidl da sehr akribisch gearbeitet hat).
Die Grifftabelle lade ich hoch. Ihr könnt damit hoffentlich was anfangen.

Grüße aus Wien
Eva
 

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Ich hätte es nicht geglaubt - aber tatsächlich, nach der Grifftabelle ist das Loch in der Mitte das Anblasloch. Heißt das, dass bei der Flöte eine Seite geschlossen und eine offen ist? Also wiederum nur ein Ton kommt? Interessant.

Es kommt mir allerdings so vor, dass wir hier trotz aller Experimentierfreude eher von einer Kuriosität sprechen. Oder soll die Anregung der Luftschwingung an dem besonderen Ort einen besseren Ton ergeben?

Ach so - und woher kam nun deine Evidenz, dass das etwas mit China zu tun haben könnte?
 
China lässt sich da ausschließen, die Grifftabelle ist erstaunlicherweise chromatisch. Sie zeigt als Grundton das zweigestrichene c und einen Tonumfang von etwas mehr als anderthalb Oktaven.
"Unsere" tonale Musik des Dur-/Mollsystems hat seine frühesten Wurzeln in Griechenland vor rund zweieinhalbtausend Jahre und lief bis in die Neuzeit ganz wesentlich in Italien und Frankreich ab.
Chromatische Möglichkeiten der Instrumente ging mit Erfordernissen der Harmonik an den Instrumentenbau einher. Musikwissenschaftler werden es genauer wissen, ich würde den Ursprung dieser Phase wesentlich im Barock (ab 1600) verorten.
Die Flöte ist damit neuzeitlich und europäisch, da aber in der Konstruktion ausgesprochen exotisch. Archaisch finde ich für eine Querflöte lediglich die Gestaltung des Mundlochs.

Vielleicht kommen noch Beiträge der ausgesprochenen Flötisten, die mehr dazu sagen können.

Gruß Claus
 
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  • #7
Danke für die Aufklärung, dass sie tatsächlich chromatisch ist!

Die Flöte ist an beiden Enden offen.
Meinen Vater hat offenbar genau das Gleiche interessiert/fasziniert, wie das mit 2 offenen Enden und mittig geblasen überhaupt funktionieren soll :-)
Und ja, sie beruht nur auf einer alten Bauweise, ist aber europäisiert, nicht nur von der Optik.
Ich habe euch die Seiten aus dem Baines-Buch (= die historischen Grundlagen) zusammenkopiert und gleich auch die Geschichte des Instruments dazu geschrieben.
 

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Wenn man schon Flöte spielen kann, denke ich, dass es sich als schwieriger erweisen wird als dem Rechtshänder Gitarrist eine Linkshand Gitarre zu geben.
( Nur Linkshänder können das)
Sehr interessant das Instrument
 
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Auch auf dieser Flöte sind beide Hände gleichermaßen gefordert, wie die Grifftabelle zeigt - Händigkeit spielt dann keine Rolle.

Gruß Claus
 
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  • #10
Wenn man schon Flöte spielen kann, denke ich, dass es sich als schwieriger erweisen wird als dem Rechtshänder Gitarrist eine Linkshand Gitarre zu geben.
Eine (klappenlose) Marschflöte kann ich z.B. relativ problemlos "andersherum" spielen, und bei einem linksgriffigen Horn macht mir wenigstens das Greifen mit der anderen Hand keine Mühe.

Man sollte gerade Flötisten in der Hinsicht nicht unterschätzen. Ich habe mich mal mit einem Berufsmusiker darüber unterhalten, der bestätigte mir z.B. das Phänomen, dass Flötisten ja auch zwischen verschiedenen Griff- und Flötenarten automatisch "umschalten". Offenbar sind für unterschiedliche Bauarten unterschiedliche Griffmuster abgespeichert. Das fängt ja schon bei C- und F-Blockflöten an - manche wechseln da ohne Probleme hin und her, was ich allerdings nicht kann.

Ich könnte mir vorstellen, dass man mit ein wenig Übung relativ schnell auf diese Mittelloch-Flöte umstellen könnte. Wobei ich die Anleitung so verstanden habe, dass noch die Anforderung hinzu kommt, eine der beiden offenen Seiten abzudecken.

Auf jeden Fall ein interessanter Thread: dass es solche Flöten gibt, war mir bisher nicht bekannt.
 
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  • #11
Hallo und willkommen im Musker-Board! :hat:
Deine Flohmarktanzeige haben wir bis zur Klärung des Instruments zurückgestellt, zugleich eine Diskussion und eine dazu passende Anzeige gehen bei uns nicht.

Was sagt denn der Flötenbauer aus Kärnten dazu, was er da gebaut hat?
Bekanntere ostasiatische Flöten wurden im Board schon einige Male angesprochen, aber Dizi und Co. entspricht dieses Instrument offenbar nicht.
Wenn Du die Bauweise als archaisches Instrument identifizieren und etwas zum Klang sagen kannst, kannst Du sie also anspielen?
Was steht denn in der erwähnten Grifftabelle, hast Du einen Link zum PDF oder kannst Du sie hier hochladen?

Was ich auf dem Foto sehen kann, die produzierbaren Töne werden keine chromatische Reihe ergeben und absehbar auch nicht diatonisch sein, also keiner unserer Dur-Tonleitern entsprechen.

Gruß Claus
Hallo Claus, danke für deinen Input und dein Interesse! Mir ist geholfen. Wäre eine Veröffentlichung meiner Flohmarktanzeige denn denkbar, wenn diese Diskussion nun quasi ausgelaufen ist? Grüße Eva
 
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