Sinnvolle Melodieführung

von Christian_Hofmann, 12.10.20.

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  1. Christian_Hofmann

    Christian_Hofmann Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 12.10.20   #1
    Hallo zusammen,

    ich weiß nicht ob der Titel wirklich passt aber ein anderer ist mir nicht eingefallen. Aber zu dem Problem, ich spiele ja Orgel und neben dem Notenspiel und Gesangsbücher harmonisieren habe ich das freie Spielen für mich entdeckt. Das funktioniert recht gut und dabei kommen nette Stücke mit interessanten Melodien spontan raus. Jedoch bin ich damit nicht ganz zufrieden, oft hört es sich gut an, jedoch auch an einigen Stellen als ob die Melodie nicht wirklich richtig ist, etwas fehlt oder etwas anderes erwartbar wäre.

    Es scheint ja gewisse "Regeln" zu geben denen eine Melodie folgt (Wiederholungen, Umkehrungen, usw.), ich weiß man muss diesen Regeln nicht folgen und wirkliche kreativität fängt außerhalb der festen Regelwerke an, aber das nützt ja wenig wenn dass Ergebnis dann trotzdem nicht gut ist. Gibt es irgendwelche Quellen in denen es Ratschläge/Tipps/Erfahrungen zu dem Thema gibt wo ich mich mal einlesen kann?

    Viele Seiten die ich gefunden habe beschäftigen sich eher mit dem Thema sehr Theoretisch wie Melodie entwerfen, Harmonisieren, Rhythmus und so weiter. Aber keine von mir gefundene Quelle beschäftigt sich nur im geringsten mit den Regeln der Melodieführung. Oder diese Quellen sind so theoretisch dass ich sie ohne Studium nicht mal verstehe.
     
  2. Claus

    Claus Brass/Keys Trompete Moderator HCA

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    Erstellt: 12.10.20   #2
    Wie wäre es mit einem Beispiel (Audio und/oder Noten), das uns hören bzw. sehen lässt, was Du ganz konkret meinst?

    Gruß Claus
     
  3. turko

    turko Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 12.10.20   #3
    Ich habe noch nie etwas von „Regeln“ zur Melodieführung gehört.

    Aber ich habe früher, sehr viel früher, eine Zeit lang aus Interesse alle Melodien untersucht und analysiert, die mir so untergekommen sind, und die ich als irgendwie besonders empfand. Das waren Melodien von
    Mozart bis Pat Metheny, von Puccini bis A. C. Jobim. Alles querbeet.

    Allgemeine „Regeln“ zur Kontruktion von Melodien komnte ich daraus nicht ableiten.
    Nur die Erkenntnis, dass man eine Melodie nicht ohne ihre dahinterliegenden Harmonien betrachten kann, und dass die (in meinen Ohren) schönsten Melodien in ganz besonderer Weise mit ihnen verschränkt sind.

    Thomas
     
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  4. HaraldS

    HaraldS Mod Emeritus Ex-Moderator

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    Erstellt: 12.10.20   #4
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    Diether de la Motte - „Melodie“
    David Liebman - „A chromatic approach to Jazz harmony and melody“

    Analyse:
    https://www.musik-verstehen-lernen.de/index.php/melodie
    https://core.ac.uk/download/pdf/56351173.pdf , insbesondere den Ansatz „Forensische Popmusik-Analyse“ mit Elementen der Gestaltpsychologie finde ich interessant

    Insgesamt ist Melodieanalyse sehr stilabhängig: was eine gute Melodie ist, da liegen schnell Welten zwischen den Meinungen. Aspekte des organischen Kraftaufwands beim Singen, der Phrasenlänge die an der Atemlänge des Menschen orientiert ist und gestaltpsychologisch sinnvoll angeordnete Intervalle dürften in fast allen Stilen vorherrschen, aber darüberhinaus wird‘s schnell stilabhängig.
     
  5. LoboMix

    LoboMix Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 13.10.20   #5
    Ich würde sogar sagen, dass es noch komplizierter ist. Denn auch innerhalb einer Stilrichtung sind die Möglichkeiten der Melodiebildung schier unerschöpflich.
    So kann man gewiss feststellen, dass die Oevres von J.S. Bach, W.A. Mozart oder Franz Schubert in sich stilistisch einheitlich sind, sie alle aber jeweils sehr, sehr breit gefächerte melodische Ideen hatten (man denke nur an das extrem umfangreiche Liedschaffen von Schubert!).

    Ich halte es daher auch am sinnvollsten, wenn du @Christian_Hofmann, hier ein Beispiel einsetzen könntest, wo dir deine Melodieführung selber nicht gefällt (Ton- oder Notenbeispiel). Dann könnte man das analysieren und ggf. konkrete Tipps und Hinweise geben und eventuell auch Verbesserungsvorschläge machen.
     
  6. CUDO II

    CUDO II Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.10.20   #6
    William "Bill" Russo schreibt in seinem Buch "Composition & Orchestration" in der Einleitung zum Kapitel "Melody" :
    "a melody grows and subsides, its tension increases and diminishes, it has a beginning, a goal, a climax and a conclusion."
    Das könnte man als eine ganz allgemeine Umschreibung einer Melodie bezeichnen.
    Beim kreieren von Melodien sollte man sich dieser einzelnen Punkte bewusst sein.
     
  7. Selbender Sing

    Selbender Sing Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.10.20   #7
    als ich mit dem Komponieren angefangen habe, war ich auch oft unzufrieden, weil vieles unschlüssig klang. Ich habe dann angefangen vieles zu analysieren, was mir gefiel, einerseits um herauszufinden, was der Komponist dort gemacht hat, andererseits aber auch um eine Inspiration zu bekommen. Manchmal erkennt man ein Prinzip, und schafft es, dieses mit einer völlig anderen Melodie umzusetzen, und dann kommt ein kreativer Prozess in Gang.
    Spontan fällt mir z.b. der one note Samba ein, eine total simple Idee, bei der im A-Teil nur eine einzige Note verwendet wird, die rhythmisch variiert ist. Im B-Teil ist es dann genau das Gegenteil, eine sehr dichte fließende Melodie.
    Dieses einfache Konzept kann man auf vielfache Weise variieren:
    es muss ja auch nicht ein ganzer a Teil sein, der nur auf einer Note spielt, es muss auch gar nicht eine einzige Note sein, man könnte ja genauso gut sagen: ich beschränke mich erstmal auf drei Töne im A-Teil und gehe dann im B-Teil auf etwas freieres, was nicht mehr so definiert ist.
     
  8. soundmunich

    soundmunich Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.10.20   #8
    Mal abgesehen von absolutem Quatsch, um den es hier ja wohl nicht geht, haben unterschiedliche Zuhörer womöglich unterschiedliche Erwartungen. Und die Erwartungen des Komponisten können nochmal anders sein. Und das kann sich mit der Zeit auch noch ändern (heute so, morgen so). Die persönliche Stimmung/Emotion (betrübt/heiter), bei Sonnenschein oder Regengrau betrachtet kann alles auf die Erwartung Einfluss haben.

    Meiner Meinung nach gibt es nichts zum Nachlesen im Sinne von "wenn so …, dann so … weiter". Melodien oder Licks lasse ich gerne mal ein paar Tage liegen. Danach sehe ich 1., ob mir's immer noch gefällt und ob ich 2. etwas ändern sollte/möchte. Und dann probiere ich einfach herum: verschiedene Tempi, verschiedene Harmonien darunter, verschiedene Taktarten, legato, staccato, anderer Rhythmus, hi und da verschiedene eingefügte oder weggelassene Töne, … und das alles und wie es mir gefällt hängt dann wieder von meiner eventuell neuen Stimmung ab.

    Und, so mancher sucht ja beim Komponieren gerade das Nichterwartbare ;)

    Ich würde mal bei der Beurteilung den Kopf etwas ausschalten und auf den Bauch hören.
     
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