Squier Deluxe Strat HH - erster Eindruck ...

von ratking, 26.08.05.

  1. ratking

    ratking Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 26.08.05   #1
    Sooo, seit gestern bin ich glücklicher Besitzer einer Squier Deluxe Satin Trans HH Stratocaster in edlem Ebony Satin ...
    Vorgabe für die Gitarrenwahl war: Anlässlich des nahenden Urlaubs ne billige Zweitgitarre (Limit ca. 250€) für Unterwegs, wo's nicht so schlimm ist, wenn das gute Stück mal etwas leidet oder schlimmstenfalls verloren geht.
    Meine Haupt-Gitarre - [ Angebmodus ein ] ne traumhaft geile Framus Diablo [ Angebmodus aus :D ] - ist mir da doch zu schade, und ne Zweitgitarre ist ja generell nicht verkehrt.

    Bei der Suche (hatte auch die Squier Standard Double Fat Strat angetestet, von der ich recht angetan war) bin ich dann auf die wohl recht neue Squier Deluxe Serie gestossen. Mit erstaunlichen Features, insb. der Mahagonie-Body und die Duncan Designed HUs haben mich dazu bewogen, bei nem Schnäppchen-Preis von 222€ blind zu bestellen - Zurückschicken geht notfalls ja immer ... Sonst mach ich sowas ja nicht, grade bei Squier - da hab' ich schon erstaunliche Streuungen erlebt. Hatte Standard Strats in der Hand, die mit jeder Mexico mithalten konnten, aber auch Teile, die eindeutig in die Kategorie "besaitetes Brennholz" gehören.
    Aber was wär das Leben ohne Risiko :D

    Nun konnte ich das gute Stück bereits ausgiebig testen, und geb mal meine ersten Eindrücke zum Besten, falls sonst jemand grade auf der Suche nach nem günstigen Zweit- oder Einsteiger-Modell ist.
    Gleich vorneweg: Ich bin begeistert. Die Verarbeitung ist extrem sauber, so viel Mühe gibt sich Squier sonst eher selten. Perfektes Finish mit leicht durchscheinender Holzmaserung, der Hals sitzt perfekt in der Fräsung, passt kein Blatt Papier dazwischen, klemmt aber auch nicht zu fest drinne. Die werkseitige EInstellung ist nicht perfekt, aber doch erstaunlich nahe dran. Recht niedrige Saitenlage, bis auf ein minimales (unproblematisches) Schnarren der A-Saite bei kräftigerem Anschlag dabei nix Negatives zu vermelden. Alles im grünen Bereich.
    Besonders hat's mir die Optik angetan: Ohne Pickguard, mit Big (70ies) Headstock farblich passend lackiert, Chrom Hardware und Dome Speed Knobs (siehe Squier Website). Geil!
    Der Mahagonie-Body scheint übrigens, so mans durch die durchscheinende Lackierung erahnen kann, aus nur zwei Teilen zusammengeleimt zu sein. Ist aber extrem gut gemacht - man muss die Gitarre schon gegens Licht halten und genau suchen, um sowas wie ne Leimkante erahnen zu können- kann also auch n Dreiteiler sein.

    Nun aber zum Wichtigsten: dem Sound ... Schon trocken war ich gleichsam erstaunt wie angetan: Trotz Mahagonie klingt das Teil einfach nach Strat pur. Der typische, drahtige und trotzdem volle Holzsound ... Lässt einiges erwarten!
    Also ab an den Amp damit. Ich hatte erwartet, das die HUs nach Duncan-Vorgabe den unverkennbaren Strat-Touch im Grundklang ziemlich niederbügeln. Erfreulicherweise ist aber das Gegenteil der Fall. Von glockigem Clean bis zur High-Gain-Metalcore-Fraktion - es ist immer ein ganz eindeutiger Strat-Charakter erkennbar. Eben diese Drahtige, Glockige, das die Strat so besonders macht. Eins ist natürlich klar: Single-Coil-Sounds sind nicht drin, dafür ist die Gitarre weder gemacht noch gedacht. Aber die Humbucker-Klänge lassen doch immer erkennen, dass es sich im Grunde um ne Stratocaster handelt. Wer wg. dem Body-Holz auf Paula-Klänge hofft, wird also enttäuscht sein. Wer auf Strat-Sound pur steht (wie meinereiner), dabei eher im Bereich härter & noch heftiger unterwegs ist, der sollte das gute Stück mal antesten.

    Dabei sind aber auch - oder vielmehr gerade - die cleanen und bluesigen Sounds die absolute Überraschung an dieser Gitarre. Der Klang entwickelt sich voll mit schneller Ansprache laaangem Ausklang, ist dabei sehr differenziert und feinfühlig. Akkorde lösen gut auf und verwaschen nicht, cleane Arpeggios kommen zuckersüß, aber auch schneidende Funk-Sounds überzeugen auf ganzer Linie (wenn man's denn kann, da liegen die Defizite dann eher auf meiner Seite ;) ).
    Es ist erstaunlich, wie viel Charakter die PUs in dieser Preisklasse rüberbringen. Ich war versucht zu denken, der einzige Unterschied zu den Standard-PUs ist der edle "Duncan Designed" Aufdruck, aber die PUs sind tatsächlich um mindestens zwei Klassen besser als gewohnte Squier-Ware.
    Nun aber genug "Gitarren-Weicheierei" - die Gitarre tiefer gehängt & tiefer gestimmt und Gain auf Anschlag :twisted:
    Die PUs zeigen sich dabei sehr belastbar und mikrophoniearm - kein Pfeifen, keine Rückkopplungen trüben die Headbanger-Orgie. Saubere Arbeit auf ganzer Linie. Und auch hier meine ich immer noch den Grundcharakter "Stratocaster" deutlich durchzuhören. Hier matscht nix, auch Powerchords über 4 Saiten klingen noch absolut sauber und nachvollziehbar. Sehr fein!
    Die HUs sind dabei keine Output-Monster, eher der vielseitige Rock-Typ. Für Brachialsounds sollte der Amp also genug Gainreserven mitbringen. Dann ist's mit der Squier Deluxe aber auch kein Problem, druckvolle Aggro-Sound rauszukitzeln. Man muss es schon drauf anlegen, um Feedbacks zu provozieren ... Auch der Nebengeräuschpegel ist zwar hörbar, aber absolut vertretbar. Habe bei teureren Gitarren Schlimmeres erlebt.

    Im Sound-Test überzeugt die Squier also tatsächlich auf ganzer Linie. Und das bei meinen von Herrn Seymour Duncan verwöhnten Ohren ;) Aber auch bei Spielgefühl und Handling macht die Deluxe-Strat eine sehr gute Figur. Der matt lackierte Hals hat dieses wunderbar eingespielte Feeling, das Halsprofil ist sehr ausgewogen. Etwas dicker, man hat also schon was in der Hand, aber nicht so dick, dass es stören würde. Bei einigen Gibson-Serien hab ich manchmal das Gefühl, der Baum war da, also musste er auch verbaut werden - jedem das seine, aber die Squier ist hier, denke ich, gesundes Mittelmaß im positiven Sinne. Fühlt sich einfach gut an.
    Auch die Intonation zeigt keine erkennbaren Schwächen, und der Fret-Job ist einwandfrei erledigt - keine scharfen Kanten, keine Dead-Spots, perfekt verrundete Bünde. Auch bei billigen Gitarren ist also ne gute Verarbeitung machbar!

    Aber wo Licht ist, ist auch Schatten - auch bei der Squier Deluxe ist an dem guten alten Spruch Wahres dran. Wobei die Schatten in einem für diese Preisklasse mehr als erstaunlich geringem Rahmen bleiben.
    Zum einen hat die Elektronik das typische Fernost-Feeling ... etwas unrund laufende Potis und ein schwammiger Dreiweg-Schalter (nicht das schöne "Klack"beim Umschalten - mehr ein "Klonk" ;) ).
    Wobei wohlgemerkt alles einwandfrei seinen Dienst tut. Ich habe nur die Befürchtung, dass man hier im Laufe der Jahre schon mal mit Kontaktspray nachhelfen und ggf. auch nachlöten muss. Das kenn' ich aber auch von Gitarren für den doppelten Preis, soll der Squier hier also nicht zur Last gelegt werden. Bei guten 220€ kann man sich halt einfach keine handverlötete USA-Elektronik erwarten.
    Das zweite - und grössere - Manko ist die Stimmstabilität. Im normalen Betrieb steckt die Gitarre dabei einiges weg, aber bei wirklich heftigen Bending-Parts ist schon mal kurzes Nachstimmen angesagt. Und beim Tremolo sollte man nun wirklich Vorsicht walten lassen. Das Two-Point-System auf ner 2HU-Gitarre lädt geradezu zu Divebombs ein, zumal es wunderbar leichtgängig läuft. Aber danach ist Schicht im Schacht - ab ans Stimmgerät. Ist und bleibt halt eher ein Vintage-Trem in moderner Optik.
    Wer das Tremolo gern mal aufs Heftigste mißbraucht, dem würde ich zumindest gründliches Antesten empfehlen. Wobei Hoffnung besteht: Bei der generell sehr guten Verarbeitung dürften Locking Mechaniken und ein Graphit-Sattel wahrscheinlich alle (Ver-)Stimmunsprobleme beheben. Sind halt nochmal gute 50€, die man dann einplanen muss.
    Bei meiner Framus mit Wilkinson-Two-Point und Locking-Tuners gibts ja auch so gut wie keine Probleme, da darf mans auch getrost mal übertreiben ...

    Tja, das Fazit: Ein Blindkauf, den ich in keinster Weise bereue. Natürlich kann die Squier, das sei hier noch mal gesagt, nicht mit Oberklasse-Instrumenten mithalten. Aber in der Mittelklasse macht sie eine mehr als gute Figur, und das bei einem Preis, der grade mal so an der untersten Grenze kratzt.
    Wer also ne Rock- oder Heavy-Strat mit eher klassischem Look sucht, dem kann ich mit bestem Gewissen empfehlen, die Squier Deluxe mal zu testen. Wobei gerade die Clean-Sounds für mich die Haupt-Überraschung an dieser Gitarre sind. Hier unter 300€ ne Gitarre mit PUs zu finden, die wirklich Charakter haben, ist eher schwer. Also, auch die langmähnige Balledenrockerfration (so es die noch gibt ;) ) möge sich das gute Stück mal ansehen. Die Klasse von Original-Duncans wird natürlich nicht erreicht, ist aber durchaus zu erahnen. Dass Duncan auf den Pickups steht, ist also scheinbar nicht nur ein Marketing-Gag!
    Alles in allem also die so ziemlich überzeugendste Squier, die ich bisher in Händen hatte. Esn Instrument, das trotz des niedrigen Preises auch einem höheren Spielniveau (das ich mangels Üben immer noch nicht besitze :D) gerecht werden dürfte. Einziges Manko ist die eingeschränkte Stimmstabilität gereade bei Tremolo-Einsatz, die aber auch bauartbedingt ist.
    Zu guter Letzt: Es ist und bleibt eine Stratocaster mit Charakter (und davon nicht wenig). Wer also dank Mahagonie und zwei Humbuckern andere Klänge erwartet, sei gewarnt - trotz dieser Features ist die Form Programm ... Und gerade deshalb bin ich absolut glücklich mit meiner neuen Zweitklampfe :)
     
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