Stimme nicht so robust

  • Ersteller broeschies
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Ich mag solche Bilder/Ansaetze persoenlich nicht so gerne, weil sie bei jedem Schueler irgendwie zu einem anderen Ergebnis fuehren, auf sehr unglueckliche Weise Phaenomenologie und Physiologie vermischen und der Leser dann schon mal gerne denkt, es ist ausschliesslich letzteres.
Sehe ich genauso. Ich persönlich finde gerade dieses Vermischen von tatsächlichen Vorgängen und mehr oder weniger hilfreichen Gedankenstützen eher verwirrend als hilfreich. Ich könnte so nicht lernen oder gar lehren. Nichts spricht gegen das Verwenden von Bildern und Wahrnehmungskonzepten, aber dann doch bitte gezielt und als pädagogische und nicht reale Konzepte gekennzeichnet.

Ich persoenlich halte ja immer noch akustische Trigger fuer am hilfreichsten - aus eigener und ueberwiegender Schuelererfahrung.
Volle Zustimmung! Man sollte nie unterschätzen, wie gut "hören und nachmachen" für viele funktioniert. Natürlich gibt es da Grenzen, aber erstaunlicherweise verstehen sich auch solche Gesangsschüler, die nicht gerade Asse der Selbstwahrnehmung sind, darauf bestimmte Sounds (gerade "Urlaute") immitieren zu können, wenn sie sie hören.

Ich denke, dass Sunny einfach generell gerne in einem (in weiten Lagen randstimmdominanten) Mix singt. Ich selber uebrigens auch, wenn ich die Wahl habe - jeder hat halt "seine Stimme", in der er sich am wohlsten und authentischten fuehlt. Das heisst nicht, dass man den Rest nicht lernen kann, aber ich glaube, das hat eben auch was mit Individualitaet, und wie man sich selbst sieht, zu tun. Belten tu' ich z.B. nur, wenn ich muss - das war in Shows sehr haeufig der Fall, in meinen eigenen Konzerten fast nie ;).
Ich denke, jede Stimme hat ein bestimmtes Zentrum, ein "Heim", wo sie sich am wohlsten fühlt. Man kann das andere lernen, keine Frage, aber es wird immer so einen "Attractor State" geben.
 
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Zum Thema Individualität habt ihr meine volle Zustimmung. Wobei man da natürlich auch erstmal "seinen Stil" finden muss. Und wenn man ewig in einer Ecke drin ist, weil man vielleicht mal mit klassischem Gesangsunterricht angefangen hat, hilft es unter Umständen mal zu explorieren und etwas im Ansatz völlig anderes auszuprobieren. Oft passiert es dann auch, dass man zu seinem ursprünglichen Stil zurückkehrt, aber vielleicht ein paar Elemente von dem "Ausflug" mitnimmt und einbaut. Dadurch entstehen letztlich doch individuelle Stile.

Ganz nützlich finde ich diesbezüglich sich einfach mal zu beobachten und darauf zu achten, welche "primal sounds" man denn selbst so im Alltag produziert. Ob man z.B. in emotionalen Momenten eher zum Belten/Schreien oder vielleicht zum weinerlichen Jammern tendiert oder etwa in die Kopfstimme verfällt.

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Sehe ich genauso. Ich persönlich finde gerade dieses Vermischen von tatsächlichen Vorgängen und mehr oder weniger hilfreichen Gedankenstützen eher verwirrend als hilfreich. Ich könnte so nicht lernen oder gar lehren. Nichts spricht gegen das Verwenden von Bildern und Wahrnehmungskonzepten, aber dann doch bitte gezielt und als pädagogische und nicht reale Konzepte gekennzeichnet.

So sollte es auch nicht rüberkommen. Das ist ein reines Selbstwahrnehmungskonzept und hat nichts mit physiologischen Vorgängen zu tun. Natürlich werden durch das Erhalten diese Wahrnehmung physiologische Effekte getriggert, aber welche das sind ist für die Praxis im Prinzip egal.

Was die akustischen Trigger angeht waren meine Kommentare jetzt auf die tatsächliche Praxis bezogen, z.B. auf einer lauten Bühne. Beim Üben macht Hören und Nachmachen natürlich sehr viel Sinn.
 
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Oh, ich seh jetzt erst diesen Tröd. *verpenn*

Danke für die vielen Beiträge und die lieben Worte. ;) Momentan bin ich übrigens mal wieder krank - öfter mal was Neues. Vielleicht lerne ich nach Dauer-Bello-Husten ja doch nochmal das Belten so ganz nebenbei... :rolleyes:

Momentan fühle ich mich tatsächlich im "Mix mit viel Kopfstimmenanteil" wohl. Lustigerweise ist das aber erst durch den klassischen Gesangsuntericht gekommen, den ich ca. 5-6 Jahre hatte. Davor habe ich, aus Instinkt, genau das Gegenteil gemacht. Meine Vorbilder waren Aguilera und Spears *hust* und ich habe übelst die Bruststimme hochgezogen und war danach oft heiser. Im Chor hab ich dann halt rumgekiekst. Aber ein "Natursänger" bin ich, wenn man's genau nimmt, nicht.

Danke für die Diskussion, gerne weiter. :)

Übrigens finde ich die ganzen theoretischen Abhandlungen zu Kopfraum, Spannungsverhältnis, Atemdruck, etc. sehr spannnend - allerdings hab ich momentan beruflich/studentisch schon so viel mit Theorie und Papierkram zu tun, dass mir gerade ein bisschen die Motivation fehlt, mich da vollends reinzudenken. :redface:
 
Oh, ich seh jetzt erst diesen Tröd. *verpenn*

Danke für die vielen Beiträge und die lieben Worte. ;) Momentan bin ich übrigens mal wieder krank - öfter mal was Neues. Vielleicht lerne ich nach Dauer-Bello-Husten ja doch nochmal das Belten so ganz nebenbei... :rolleyes:

Momentan fühle ich mich tatsächlich im "Mix mit viel Kopfstimmenanteil" wohl. Lustigerweise ist das aber erst durch den klassischen Gesangsuntericht gekommen, den ich ca. 5-6 Jahre hatte. Davor habe ich, aus Instinkt, genau das Gegenteil gemacht. Meine Vorbilder waren Aguilera und Spears *hust* und ich habe übelst die Bruststimme hochgezogen und war danach oft heiser. Im Chor hab ich dann halt rumgekiekst. Aber ein "Natursänger" bin ich, wenn man's genau nimmt, nicht.

Danke für die Diskussion, gerne weiter. :)

Übrigens finde ich die ganzen theoretischen Abhandlungen zu Kopfraum, Spannungsverhältnis, Atemdruck, etc. sehr spannnend - allerdings hab ich momentan beruflich/studentisch schon so viel mit Theorie und Papierkram zu tun, dass mir gerade ein bisschen die Motivation fehlt, mich da vollends reinzudenken. :redface:

Wenn du das aus Instinkt gemacht hast, spräche das zumindest mal dafür, dass dir das Belten nicht allzu fern liegt. Kann aber natürlich auch sein, dass du's nur gemacht hast, um den Klang deiner gesanglichen Vorbilder zu imitieren, das kann man manchmal schwer auseinanderhalten ;)
 
Ich denke, prinzipiell sind wir uns einig.

Was die akustischen Trigger/Primal Sounds angeht, gelten im Übrigen die gleichen Regeln wie bei jedem anderen Ansatz: Du übst es "im Trockenen", damit es ins muscle memory übergeht und sich automatisiert. Dann kannst du dich auf der Bühne auf dein Körpergefühl verlassen, anstatt immer lauter zu schreien. Das steht dir, wenn es sich einmal automatisiert hat, immer zur Verfügung. Natürlich ist es suboptimal, wenn es laut ist und man sich selbst nicht richtig hört, und ein bisschen überzukompensieren ist da glaube ich relativ normal. Ich weiss aber von mir selbst, dass das bei gutem Körpergefühl und technischer Sicherheit deutlich weniger wird.


Der einzige Grund, warum ich persönlich so auf Primal Sounds rumreite ist, dass gefühlte 99% von Schülern z.B. sofort in die richtige Einstellung kommen, wenn ich z.B. sage (und v.a. vormache!): "Gib mir mal das beste Babygeschrei, dass Du kannst, in etwa so: xxxxxx!" Oder oder oder, ich will die jetzt nicht alle durchgehen. Das eine Prozent, was es nicht kann, ist in aller Regel gehemmt und peinlich berührt, wenn einfach mal Urlaute gemacht werden sollen. Auch daran kann man arbeiten, ist aber schwieriger.
Die Erfolgsrate verringert sich dramatisch, wenn ich sage: "Mach mal hinten zu und sing über einen imaginären Bleistift" oder " Mach' mal mehr Vordersitz!" oder "Stell Dir vor, Du singst aus einem Laserstrahl an Deiner Nasenwurzel!" Wie gesagt: Ich habe null Probleme mit Bildern und benutze die hin und wieder selbst (allerdings immer weniger, weil's einfach meist nicht nötig ist), nur sollte man das nicht durcheinandermixen. Und in die Richtung geht der Buchholz z.B. leider auch, auch, wenn da so getan wird, als sei das alles ganz anatomisch korrekt.


Ich denke übrigens auch, dass niemand sich verstellen sollte (und die Meinung zum nasalen Einheitsgequäke in Musical Theatre teile ich leider auch). Es ging hier halt nur darum, dass ja Unzufriedenheit mit den stimmlichen Möglichkeiten geäussert wurde, und da stimme ich broeschies schon zu: Das muss nicht sein, und da kann man dran arbeiten und Lösungsvorschläge machen. Das heisst ja im Umkehrschluss nicht, dass die Stimme nicht toll ist. Es geht halt einfach darum, Neues auszuprobieren, zu sehen, was geht - selbst wenn man dann anschliessend entscheidet, dass man vornehmlich doch lieber so und so singen möchte.
 
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Hm.

broeschies, das ist mir zu viel Grüner Tisch, zu wenig rauhe Bretter.

Kleine Gedankenwelt dazu: Ich möchte Unterricht nehmen, ich möchte singen, vielleicht wieder eine Band haben, vielleicht solo Dinge machen. Unterricht deshalb, um mehr über mein Instrument zu wissen und es dann besser einsetzen zu können (im Sinne von Grenzen erweitern, nicht kaputtsingen, neue Klangfarben entdecken,...). Ziel ist zu singen. Gerne mit anderen, gerne vor Leuten. Nun lese ich hier viel mit über den ganzen Technikkram und versuche für mich schon mal ein bisschen Infos draus zu ziehen. Und komme zu einem - vielleicht gar nicht so erstaunlichen - Schluss: zumindest im kontemporalen Bereich lernt man Singen durch Singen. Üben ist gut, um im oben genannten Sinne das Instrument besser zu kennen, aber nur Üben und vor mich hin theoretisieren, bringt mich nicht entscheidend weiter.

Sunny hat Sorge, dass ihre Stimme nicht durchhält, ich denke über eine hinreichende Tessitur nach. Und was bringt uns das? Nüscht, nix, nada, niente.

Klampfe stimmen, einstöpseln los. Alles andere ist nur Unterstützung auf dem Weg, aber nicht der Weg selber.

Das ist - für mich zumindest - halbwegs greifbar und hilfreich. Hoffentlich kann ich dann auch was draus machen......

Beste Grüße,
6f
 
Hm.

broeschies, das ist mir zu viel Grüner Tisch, zu wenig rauhe Bretter.

Kleine Gedankenwelt dazu: Ich möchte Unterricht nehmen, ich möchte singen, vielleicht wieder eine Band haben, vielleicht solo Dinge machen. Unterricht deshalb, um mehr über mein Instrument zu wissen und es dann besser einsetzen zu können (im Sinne von Grenzen erweitern, nicht kaputtsingen, neue Klangfarben entdecken,...). Ziel ist zu singen. Gerne mit anderen, gerne vor Leuten. Nun lese ich hier viel mit über den ganzen Technikkram und versuche für mich schon mal ein bisschen Infos draus zu ziehen. Und komme zu einem - vielleicht gar nicht so erstaunlichen - Schluss: zumindest im kontemporalen Bereich lernt man Singen durch Singen. Üben ist gut, um im oben genannten Sinne das Instrument besser zu kennen, aber nur Üben und vor mich hin theoretisieren, bringt mich nicht entscheidend weiter.

Sunny hat Sorge, dass ihre Stimme nicht durchhält, ich denke über eine hinreichende Tessitur nach. Und was bringt uns das? Nüscht, nix, nada, niente.

Klampfe stimmen, einstöpseln los. Alles andere ist nur Unterstützung auf dem Weg, aber nicht der Weg selber.

Das ist - für mich zumindest - halbwegs greifbar und hilfreich. Hoffentlich kann ich dann auch was draus machen......

Beste Grüße,
6f
Da gebe ich dir vollkommen Recht. Deshalb verbringe ich auch nur einen Bruchteil meiner Zeit, in der ich mich mit Gesang beschäftige, hier im Forum und ich denke die meisten anderen tun das auch. Aber in einem Forum ist es ja irgendwie klar, dass es theoretischer und analytischer zugeht. Ansonsten bin ich absoluter Verfechter des Grundsatzes: Learning by doing!

Ein Forum ist halt ganz gut, um mal Anregungen zu bekommen. Man hört ein neues Wort (z.B. Twang ;-) schaut nach wie das geübt wird und probiert es auf Teufel komm raus einfach aus. Ich klaube mir halt ein Sammelsurium an Ideen und Übungen überall im Internet zusammen und probier dann einfach alles aus, behalte das was mir gefällt und werfe den Rest weg.
 

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