Stimmumfang verkleinert

von wallabie, 13.05.16.

  1. wallabie

    wallabie Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.05.16   #1
    Hallo,

    vor 10 Jahren habe ich als zweiter Sänger (und Gitarrist) in einer Band gesungen und hatte auch Gesangsunterricht. Ich hatte eigentlich einen brauchbaren Stimmumfang. Ich bin mir jetzt unschlüssig, wie man das am besten skaliert... deshalb benutze ich die Oktavenforum C, c, c', c'' .... ) aber in der Tiefe ging es eben bis runter zum tiefen E, in der Höhe eigentlich zum G´, mit ein bisschen Anstrengung, wenn der richtige Laut dabei war (also kein I oder so) bis zum A'. Mit Kopfstimme bis zum F'' (The Lion sleeps tonight... ).

    Jetzt bin ich 10 Jahre älter, mache immer nur noch sporadisch etwas. Auftritte gibt's vielleicht noch 2 Mal im Jahr, wenig proben, Singen üben kann man kaum noch, weil sich die Nachbarn ständig echauffieren, man sich in der Wohnung auch nicht wirklich traut... usw. ... habe diese Woche nun aber ein paar der älteren Gesangsübungen wieder versucht... und beim D' war Schluss. Vor allem der Kehlkopf macht sofort zu.

    Ist das einfach eine Alterserscheinung, in Kombination mit mangelndem Training... oder gibt es Möglichkeiten, hier noch etwas zu tun? Damals als ich den Gesangsunterricht hatte, hab ich ca. 2 - 3 Stunden am Tag geübt, als Student hatte man ja Zeit... Zeit würde ich mir dafür ja auch wieder nehmen, weil es frustrierend ist, die ganzen Lieder von früher nicht mehr singen zu können....

    Aber wie geht man das am besten an? Oder hatte jemand ein ähnliches Problem und mag mit mir teilen, wie er/sie da wieder raus gekommen ist? Sachte und langsam die alten Gesangsübungen wieder machen in der Hoffnung, dass es sich bessert?
     
  2. moniaqua

    moniaqua Helpful & Friendly User HFU

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    Erstellt: 13.05.16   #2
    Was es ist, können wir aus der Ferne schlecht sagen :) Alter vermute ich weniger, eher mangelndes Training. Wenn der Kehlkopf zumacht, passt die Stütze nicht.
    Sachte und langsam klingt gut :great:
    Dass sich die Nachbarn nicht so aufregen müssen, könntest Du summen. Das hat auch den Vorteil, dass es automatisch etwas entspannter ist. Und immer schön locker bleiben, nicht auf die Stimme drücken. Darin vermute ich nämlich das Hauptproblem. Dein GL hat Dich damals bestimmt dazu erzogen, sauber zu stützen. Wenn aber die Muskeln mangels Training weg sind, stützt es sich ungleich schlechter.
     
  3. Bell

    Bell HCA Gesang HCA

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    Erstellt: 13.05.16   #3
    Ja.
    Bei vielen (nicht allen!) Menschen nimmt der Stimmumfang mit zunehmendem Alter ab bzw. wird die Stimme tiefer. Allerdings dürftest du noch gar nicht in diesem Alter sein, deshalb vermute ich mangelndes Training als Hauptursache.
    Ich würde auch den Stress nicht unterschätzen, den die lieben Nachbarn einem bereiten können: wenn man Angst hat, man könnte zu laut sein, verkleinert man automatisch die Stimme und auch das hat oft (negative) Auswirkungen.
     
  4. dann

    dann Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.05.16   #4
    Das erstaunt mich ehrlich gesagt überhaupt nicht, ich kann nur üben wenn ich alleine zuhause bin und ich weiss dass mich niemand hört. Oder ich gehe in meinen Übungsraum dort bin ich ungestört. In der Höhe wird es nun mal lauter geht man nicht in die Randstimme ( wobei auch dort ab einer gewissen Höhe ), das verträgt sich nicht mit dem Gedanke "man darf mich nicht hören";)
     
  5. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

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    Erstellt: 13.05.16   #5
    Alles: ja!

    Pausen und Alter fordern Tribut. Aber es gibt Hoffnung. Vor zwei Jahren habe ich nach längerer Pause wieder angefangen, Songs zu schreiben. Das capodaster rutscht kontinuierlich weiter nach oben. Mittlerweile habe ich jeden Song ein bis zwei Ganztöne hochtansponiert.
     
  6. Jed

    Jed Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 13.05.16   #6
    Hi, Wallabie,
    wenn ich dein Trainingspensum von vor 10 Jahren mit dem von heute vergleiche, wundert es mich überhaupt nicht, dass deine jetzige Leistung gegen damals arg abfällt!

    Wie ich hier sitze und schreibe, streift mein Blick über das Regal mit den 6 Ruderpokale, die ich im Alter von 20 gewann (im Achter und Vierer mit Steuermann). Jetzt werde ich bald 70 und würde nicht wagen, davon zu träumen, an die sportliche Leistung von damals anzuknüpfen. Damals sang ich schon und spielte schon Banjo, aber heute (sagt man) wird meine Stimme immer noch voller und mein Solo-Banjospiel immer besser.

    Klar, nach der Rudersaison 1966 hörte ich auf, 6 Tage die Woche auf dem Wasser zu trainieren; seitdem habe ich nie aufgehört zu singen und zu spielen. Und seit meiner Pensionierung hat sich mein (musikalisches) Trainingspensum noch gesteigert.

    Musik - und vor allem Singen - ist eine sehr körperliche Sache, genau wie Leistungssport. Dazu muss man den passenden Körperbau bzw. die Muskulatur mitbringen und die entsprechenden Muskelpartien gezielt trainieren. Auch die Technik, die man braucht, um diese Muskulatur optimal einzusetzen, muss dauernd eintrainiert werden.

    Nebenbei bemerkt: das Leistungsrudern hat mir eine hervorragende Basis (Bauchmuskulatur, Lungenfunktion) für den Gesangsunterricht verschafft!

    Cheers,
    Jed
     
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  7. Tim

    Tim Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 21.05.16   #7
    Das kenn ich leider auch, Nachbarn nerven und die Stimme macht zu.
    Echt traurig das es anscheinend fast überall so intollerante Menschen gibt, die anderen die Lebensfreude nehmen wollen...

    Ich sehe das jetzt anders, nämlich als Herausforderung trotz der Nachbarn laut und hoch zu singen, das fällt mir natürlich nicht immer leicht, aber es ist sicher eine Übung, die einem auch nützt, wenn man mal Auftritte machen will, denn da darf auch nicht vor Schüchternheit der Kehlkopf zu machen.
    Vielleicht gewöhnen sich auch Deine Nachbarn an Dein Singen mit der Zeit, außerdem könntest Du mit denen ja mal freundlich darüber sprechen, vielleicht finden sich zumindestens Übungszeiten, wo nicht ganz so viele zu Hause sind.

    Was die Töne angeht, dem entnehme ich mal daß Du ein normaler bis höherer Bariton bist oder warst. Durch sinnvolles Üben könnte ich mir schon vorstellen, daß Du die Töne von vor 10 Jahren auch wieder gewinnst. Allerdings ist es wichtig, daß Du mit richtiger Technik singst und den Kopf dabei frei hast, erstrecht nicht beim Singen noch an die Nachbarn denken, das wäre sehr kontraproduktiv. ;)

    Sympathisch, ich bin auch mal eine Zeit lang gerudert, allerdings nicht so leistungsorientiert, leider hab ich damals noch nicht gesungen und heute mache ich so gut wie keinen Sport mehr, singe dafür aber.
    Ich hab mal gehört, daß man beim Singen ähnlich viel Kalorien verbrennt wie beim Sport, vermutlich ist damit aber klassicher Operngesang gemeint.

    Gruß
    Tim
     
  8. Jed

    Jed Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 15.06.16   #8
    Noch einen Nachsatz zu Singen, Sport und dem Gang der Zeit ...

    Wie ich oben schon erwähnte, werde ich bald 70, d.h. es steht ein runder Geburtstag ins Haus. Da habe ich mir gedacht, statt eine lange Rede zu halten, singe ich den Gästen einfach was vor. Und was läge da näher als der Sinatra-Hit "My Way"!
    Allerdings ist der Tonumfang dieses Liedes erheblich weiter als bei den irischen Volkslieder, die ich seit Jahrzehnten singe. Wenn ich die Noten richtig lese, handelt es sich um eine Oktave plus einen Sext. Also habe ich das verfügbare Playback mittels Audacity in die für mich optimale Tonart (C-Dur) transponiert und es mal versucht.
    Grässlich!
    Gerade die hohen Töne im Refrain müssen kräftig kommen, also gibt's keinen Ausweg in die Kopfstimme, wie bei manchen Kunstliedern.

    Ich musste etwas unternehmen. Also das Fahrrad aus dem Winterschlaf geholt und jeden halbwegs regenfreien Tag zu einer Trainingsrunde genutzt. Keine langen Spazierfahrten, sondern etwa 10 km bei einem Durchschnitt von knapp 20 kmh, um vor allem Lunge und Bauch durchzuwalken. Und nach jeder Radfahrt ging die nächste Singübung besser und die hohen Töne fielen mir leichter.

    Jetzt klappt's. Mit der Kombination aus Kraft (Radfahren) und Technik (Singübungen)!

    Cheers,
    John
     
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  9. Jed

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    Erstellt: 19.06.16   #9
    So, die Feier ist gelaufen. "My Way" ist zu meiner vollen zufrieenheit gelaufen.

    Denn zu den Singübungen und dem Krafttraining kam noch eine Komponente hinzu: die Aufführungssituation. Da sitzen im Saal an die 70 Augen- und Ohrenpaare - einige davon gehören erfahrenen Sängern und Musikern - also fließt das Adrenalin. Dazu an die 70 Menschen, die ich mit meinen gesungenen Worten ansprechen wollte, die erfahren sollten, wie ich mich fühle; denen ich unbedingt etwas rüberbringen wollte.
    Und auf einmal fielen mir die hohen Töne ganz leicht.

    Fazit: wie gut du ein Lied beherrschst, merkst du nicht im GU oder vor dem heimischen Aufnahmegerät. Die Aufführung ist für den Sänger wie für den Sportler der Wettkampf: schon die Situation steigert die Leistung.
    Deshalb mein Rat an junge Sänger: tretet auf! Wie sportliche Wettkämpfe gibts aufführungen auf diversen Niveaus. Es muss nicht "Bundesliga" sein. Es gibt auch offene Bühnen, oder auch Familienfeiern, wo man seine Leistung unter "Feldbedingungen" testen kann.

    Ich weiß nicht, wie es heute ist, aber zu meiner Zeit gehörte die Teilnahme an Wettsingen mit zum Gesangsunterricht. Meine GLin wusste genau, bei welchen Wettsingen auf welchem Niveau ich eine reelle Chance hätte, im Mittelfeld (oder besser) zu landen, und schicket mich hin!

    Cheers,
    Jed
     
  10. Basselch

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    Erstellt: 19.06.16   #10
    Hallo,

    ...den Absatz sollten wir vielleicht mal rahmen lassen :great: Ein netter Praxisbericht und ein schönes Fazit!

    Viele Grüße
    Klaus
     
  11. Tim

    Tim Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 19.06.16   #11
    Mein Glückwunsch! :)

    Krafttraining kann aber auch kontraproduktiv sein, meinte mein Gesangslehrer zumindest mal.
    Ausdauer und alles was die Atmung stärkt wird aber vermutlich nützen.

    Die Aufführungssituation ist ein sehr interessanter Faktor, vorallem das Du diese als durchweg leistungssteigernd einstufst, finde ich interessant.
    Nach meiner Erfahrung kann das manchmal die Leistung steigern, wenn aber die Angst bzw. Lampenfieber zu stark wird, kann es sich auch hinderlich auswirken.
     
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