[Technik] Gitarristen & MIDI, eine Geschichte von Vorurteilen und Irrtümern

von LennyNero, 27.09.04.

  1. LennyNero

    LennyNero HCA Gitarre: Racks & MIDI Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 27.09.04   #1
    Oder einfach nur eine "MIDI fuer Gitarristen"-FAQ

    MIDI, oder auch Musical Instruments Digital Interface wird von vielen Gitarristen gemieden, wie das Weihwasser vom Teufel.... das Woertchen Digital schreckt da viele ab.

    Dies ist jedoch unbegruendet, denn, wer moechte (und wer das noetige Kleingeld hat)kann ein Setup haben das sehr wohl ueber MIDI gesteuert wird, jedoch einen rein analogen Signalweg hat.
    Wer nicht so viele Vorurteile oder Beruehrungsaengste hat, hat mit MIDI die Moeglichkeit ein komplett programmierbares Rig zu haben (die Moeglichkeit gab und gibt es auch ohne MIDI, der Vorteil dabei ist, das sich mit MIDI mehrere Geraete gleichzeitig kontrollieren lassen).

    Was ist MIDI?
    MIDI ist ein Standard, den fuehrende Keyboard- und Synthesizerhersteller 1983 erstellt haben. Der einfache Plan dabei war es das eine Keyboard von einem Anderen aus zu kontrollieren (und damit dessen Sounds zu nutzen).

    Was passiert da?
    Nehmen wir ein Klavier: man drueckt auf eine Taste, eine Mechanik laesst einen Hammer auf zwei (oder drei) Saiten fallen und der Ton ist da. Bei einer (elektrischen) Orgel wird "einfach" ein Stromkreis geschlossen (vereinfacht ausgedrueckt) und dieser Stromkreis erzeugte dann den Ton (wie gesagt, vereinfacht ausgedrueckt).

    Mit MIDI kommt jetzt noch ein Schritt dazwischen: die Taste wird gedrueckt und erzeugt lediglich eine Information. Diese Information besagt lediglich welche Note gespielt wird, wie stark sie angeschlagen wurde (bei nicht anschlagdynamischen Keyboards wird diese Information vorgegeben), und welches Instrument gespielt wurde.

    Diese Information wird dann an einen Klangerzeuger geschickt (meistens ist der intern im Geraet vorhanden), und der wandelt diese Informationen in Toene. Dabei gibt es Grundsaetzlich zwei Methoden:

    1. FM Synthese:
      Der Ton wird mit einer Sinuskurve erzeugt, die, entsprechend dem gewuneschten Instrument, so bearbeitet wird das sie aehnlich klingt wie das Original. Mit etwas Fantasie kommt das dann auch hin.
    2. Soundsamples:
      Es werden Originalaufnahmen von Instrumenten genutzt, die dann dem entsprechend abgespielt werden. Je hoeher die Qualitaet der Samples, desto natuerliche klingt das Instrument

    Welche Instrumente sich hinter welcher Information verstecken ist auch standardisiert und wird mit dem Begriff General MIDI umschrieben. Dabei werden die 16 MIDI-Kanaele (mehr Infos dazu spaeter) so unterteilt, das sich auf den Kanaelen 1 - 9 und 11 - 16 verschiedene Instrumentensets chromatischer Instrumente (Klavier, Gitarre, Violine etc.) befinden und auf dem Kanal 10 Schlaginstrumente (Drums, Precussion etc.).

    Eine Uebersicht findet ihr hier.

    Damit ist auch die generelle Struktur einer MIDI-Datei erklaert, die ja so ziemlich auf jeden PC zu finden ist, bzw. passiert dort nichts anderes wie auf dem Keyboard. Der Unterschied liegt halt darin, das hier keiner auf irgendwelche Tasten drueckt, sondern der MIDI-Player diese Information einfach an die Soundkarte weitergibt, und die bemuhet dann den eigenen Klangerzeuger daraus die Toene zu machen, die dann aus den Lautsprechern kommen.

    Weitere Informationen zu den MIDI-Standards gibt es auf Midi.org, der Seite der Manufacturers Association, die den Standard festgelegt hat.

    Gitarristen und MIDI

    Mal abgesehen von Gitarrensynthesizern nutzen wir Gitarristen MIDI lediglich zum fernsteuern unseres Equipment. Der Gag dabei ist das man mit einem Tritt auf das MIDI-Board die Einstellungen an mehreren Geraeten aendern kann (der ansonsten benoetigte Stepptanz zwischen Kanalschalter und Pedalen entfaellt).

    Wirklich relevant dabei sind vier MIDI-Message-Typen: Program Changes, Continous Controller, MIDI-Clock und System-Exclusive. Bevor wir dazu kommen noch ein paar Infos zur Verbindung (und Einstellungen die evt. getaetigt werden muessen).

    Gitarristen und MIDI, MIDI Verbindung und MIDI-Channel

    Oben wurde ja schon erwaehnt das wir Gitarristen MIDI zum fernsteuern nutzen. Dazu brauchen wir zum einen die Fernsteuerung (meistens ein MIDI-Board, wie das hier so beliebte Behringer FCB1010, das Roland FC200, das Rocktron MIDImate etc.), und natuerlich auch Geraete die die gesendeten Informationen verstehen koennen (Preamps, Multi-FX, Router, Switcher etc.).

    Die Verbindung geschieht ueber 5-polige DIN-Stecker, bei denen laut Standard allerdings nur 3 belegt sind (die anderen beiden werden von einigen Herstellern dazu misbraucht ihre Geraete ueber das MIDI-Kabel mit Strom zu versorgen. Andere (z.B. Rocktron) machen das ueber 2 zusaetzliche Adern, so das dort 7-polige DIN-Stecker genutzt werden).

    Code:
    Standard MIDI-Stecker
    
                   5pol-DIN
                      2
                      o
                  5 o   o 4
                 3 o     o 1
    
    Pin1 : frei
    Pin2: Abschirmung
    Pin3: frei
    Pin4: Daten plus
    Pin5: Daten minus
    
    Beim sendenden Geraet steckt man das Kabel in die MIDI-Out Buchse, beim empfangenden Geraet in die MIDI-In Buchse.
    Wenn mehrere Geraete angeschlossen werden sollen geht man dann von diesem Geraet aus der MIDI-Thru Buchse (die gibt einfach die gleichen Daten weiter, die das Geraet am MIDI-In empfangen hat) und von dort zum MIDI-In des naechsten Geraetes.

    Bemerkung: Einige Geraete haben eine kombinierte MIDI-Thru/MIDI-Out Buchse! Dabei werden entweder die Daten aus dem Geraet und aus dem MIDI-In zusammengelegt (MIDI-Merge), oder man muss am Geraet einstellen welche Belegung die Buchse haben soll.

    Wird diese MIDI-In - MIDI-Thru Kette zu lang kann es zu Verzoegerungen des Signals am Ende der Kette kommen (ein Problem mit dem eher Keyboarder zu kaempfen haben), dafuer gibt es kleine Helfer, die ein MIDI-In Signal auf mehrere MIDI-Thru Signale verteilen (z.B.: M-Audio Thru 1x4.

    Ist die Hardwareverbindung geschaffen, muss noch auf den MIDI-Kanal geachtet werden. Damit die Geraete miteinander kommunizieren koennen (bzw. damit das empfangende Geraet ueberhaupt auf das gesendete reagiert) muessen sie auf den gleichen MIDI-Kanal (1 bis 16) eingestellt werden.
    Sendet das MIDI-Board z.B: seinen Befehl auf Kanal 1, das empfangende Geraet ist aber auf Kanal2 eingestellt, so empfaengt es zwar die Daten, ignoriert jedoch die Anweisung. Einige Geraete koennen allerdings auf allen Kanaelen gleichzeitig empfangen, und einige MIDI-Boards sind in der Lage auf verschiedenen Kanaelen gleichzeitig (verschiedene) Befehle zu senden.

    Gitarristen und MIDI, Fall 1: Presetauswahl ueber Program Changes
    So, wer brav bis hierhin alles gelesen hat wird sich an den Abschnitt mit der Instumentenwahl (General MIDI) erinnern. Der Befehl der dabei ausgefuehrt wird ist der sog. Program Change Befehl (Kurz PC), und normalerweise wird dort eben ein Instrument ausgewaehlt (Klavier, Gitarre, etc.).

    Das macht ja bei der Gitarre so keinen Sinn, denn unsere Geraete stellen ja nicht verschiedene Instrumente zur Verfuegung. Damit es doch Sinn macht misbrauchen wir die Information, und waehlen statt eines Instrumentes ein Preset (haeufig auch Patch genannt) aus.

    Um das besser zu erklaeren nehmen wir ein konkretes Beispiel: auf meinem MIDI-Board (Roland FC-200) druecke ich auf der Bank 0 die Taste 5 (man muss sich die Bank quasi wie die 10er-Stelle vorstellen, und die Taste dementsprechend als die 1er-Ziffer. Ironischerweise geht die 10er-Stelle von 0 bis 12, die 1er-Stelle von 0 bis 9 (manchmal auch von 1 bis 10))... zurueck zum Beispiel... Bank 0 ist gewaehlt und Taste 5 gedrueckt, dadurch wird das FC200 den PC 5 senden.

    Am anderen Ende des MIDI-Kabels ist jetzt mein Marshall JMP-1. Der empfaengt nun den PC 5, und schaltet auf den gespeicherten Patch 5 um (darin sind die Werte fuer Volume, Gain, EQ etc. abgespeichert). Waehle ich beim FC200 jetzt die Bank 9 und druecke die Taste 7 wird es den PC 97 senden, und der JMP-1 wird brav die Einstellungen des Patches 97 laden.

    Eigentlich ganz einfach... wenn sich die Leute nicht so uneinig waeren: einige Hersteller verwenden als Basis fuer die PC-Nummern die 0 (so waere es auch MIDI-Standard) andere nehmen als Basis die 1. Das hat im obigen Beispiel zur Folge das, wenn mein FC200 den PC 1 sendet beim JMP1 auf den Patch 0 geschaltet wird.
    Zusaetzlich irritierend ist, das der JMP1 "nur" 100 Speicherplaetze hat, aber trotzdem auf alle 128 Program Changes Befehle reagiert.

    Damit dies funktioniert gibt es bei vielen Geraeten eine MIDI-Mapping-Tabelle. Diese hat meist 128 Zeilen (0 bis 127, oder 1 bis 128), eine Spalte in der festgelegt wird welcher Patch aktiviert wird (bei der Werkseinstellung des JMP1 wird bei PC 117 z.B. "einfach" der Patch 17 augerufen) und evt. welchen Befehl das Geraet am eigenen MIDI-Out sendet. Die Information fuer MIDI-In ist in der Tabelle ja nciht notwendig, bzw. entspricht sie der Zeilenzahl.

    Jetzt gibt es aber Geraete, die einen MIDI-Eingang haben, aber offensichtlich nicht programmierbar sind.... um dieses Beispiel zu demonstrieren bieten sich zwei Geraete von Engl:

    1. Engl E-580, ein programmierbarer MIDI-Preamp
      Der Engl E580 ist ein programmierbarer Preamp (genauso wie z.B. der Marshall JMP-1, oder der (die, das) Mesa Triaxis), und bietet 256 Speicherplaetze fuer Presets (beim JMP1 sind es 100, bei der Triaxis 90 Benutzerspeicherplaetze). Wird nun via PC einer dieser Presets abgerufen, werden die gespeicherten Einstellungen aktiviert (Auswahl des Grundsounds (Modi bei Engl, Channel bei Marshall, Modes bei Mesa), Einstellungen von Volume, Gain, EQ etc.).

      Gerade der E580 macht das sehr schoen, den er bietet Potis, die von einem LED-Kranz umgeben sind. Auf diesem Kranz werden dann die Einstellungen angezeigt (je mehr LEDs leuchten, desto hoeher der eingestellte Wert). Die Triaxis macht das mit 7-Segment-Displays (die jeder von einem Radiowecker kennt) fuer jeden einstellbaren Wert. Marshall ist da den Weg gegangen der sehr haeufig bei programmierbaren Geraeten gemacht wird: es gibt einen Regler und ein Display fuer alle Werte, die durch einzelne Taster abgerufen werden.

      Vom Prinzip her muss man sich bei all diesen Modellen (und anderen programmierbaren Preamps) das so vorstellen, als ob im Geraet ein paar kleine Maennchen auf Knopfdruck alle Regler des Amps bewegen (wunderbar zu beobachten beim Yamaha DG1000 , der motorbetriebene Potis hat, die bei Abruf die gewuenschten Einstellungen uebernehmen).
    2. Engl E-570, ein MIDI-steuerbarer Preamp
      Hierzu habe ich leider keinen Link mit Bild gefunden, der wird evt. nachgereicht. :(

      Zum Prinzip: der E570 hat 4 Kanaele, alle haben ihre eigenen Regler und der einzige der die bewegt ist der Gitarrist selbst (oder eine mutige Person die der Gitarrist an sein Equipment laesst).

      Aber auch hier werden die Kanaele ueber PC-Befehle abgerufen, dabei macht das (integrierte) MIDI-Modul nichts anderes wie das Verhalten eines "normalen" Fuss-Schalters zu simulieren: hat man es dementsprechend programmiert, schaltet der Amp bei PC 5 auf Kanal 3, bei PC 100 auf Kanal 2 etc, ("Entdecke die Moeglichkeiten" ;) ).

      Aehnlich arbeiten auch MIDI-Switcher, wie das Engl Z11 oder das Nobels MS-4, die den "normalen" Footswitch eines Amps (oder eines schaltbaren FX) ersetzen koennen.

    Bei beiden Versionen passiert im Hintergrund wieder das Gleiche: in einer Internen Tabelle werden die Daten fuer die Presets gespeichert (bei den programmierbaren Geraeten eben sehr viele Parameter, bei den MIDI-steuerbaren Geraeten lediglich die Information welcher Schalter / Kanal aktiviert wird).

    Diese Daten werden im System Exclusive Format gespeichert, ein Format das die "Erfinder" von MIDI fuer alles vorgesehen haben, an das sie am Anfang nicht gedacht haben (dazu spaeter noch mehr).

    Gitarristen und MIDI, Fall 2: Echtzeitkontrolle
    Nun wird es schick: neben dem "plumpen" Auswaehlen einzelner Patches lassen sich mit MIDI Einstellungen auch in Echtzeit steuern. Dies passiert bei einigen Geraeten ueber die bereits erwaehnten System Exclusive Daten (hat den Vorteil das sich damit idR mehr steuern laesst, aber den Nachteil das man unbedingt das zum zu steuernden Geraet passende Board haben muss), oder ueber Continuous Controll Befehle (kurz CC).

    Diese CC#s entsprechen auch wieder dem MIDI-Standard, und hier laesst sich das wunderbar anhand des CC#7 verdeutlichen: auf diesem CC erwarten die meisten Geraete den Wert fuer Volume, so auch viele Multi-FX (es soll nicht verheimlicht werden das sich das auch anderes einstellen laesst... aber CC#7 fuer Volume waere der Standard).

    Dazu benoetigen wir zunaechst ein Geraet das die Moeglichkeit hat CC#s zu senden (und das ist der Punkt wo sich einige (ueberwiegend aeltere Boards) disqualifizieren. Ob das jetzt ueber ein Expression-Pedal geschieht (Onboard, wie beim Behringer FCB1010, Roland FC200, oder ein zusaetzlich anschliessbares, wie beim Rocktron MIDIMate) oder einen Taster ist zunaechst mal egal.

    Ein CC# kann einen Wertebereich zwischen 0 und 127 haben. Bei einem Taster kann man damit lediglich zwischen 2 Werten hin- und herschalten (das ist dann meistens 0 und 127, off und on), und das zu steuernde Geraet wandelt das dann fuer sich selbst um (neben dem logisch erscheinenden CC#7 Value ist 0, Lautstaerke ist auch 0, und CC#7 ist 127, Lautstaerke ist Maximum, lassen sich oft andere Werte Einstellen (CC#7 Wert 0, Lautstaerke 20%, CC#7 Wert 127, CC#7 Wert 127, Lautstaerke 80%).

    Hoert sich ja bis hierhin schon ganz toll an, aber wieso nennt sich das Continuous, also kontinuierlich wenn man nur 2 Extremwerte zur Verfuegung hat?

    Das bisher besprochene ist Quasi der Fall wenn ich den CC#Befehl mit einem Taster sende, der kann eben nur an (127) oder aus (0). Mit den ebenfalls erwaehnten Expressionpedalen habe ich aber die gesamte Bandbreite zur Verfuegung! D.h. habe ich das Pedal in Mittelstellung wird z.B. CC#7 Wert 63 gesendet (und im Geraet z.B. in Lautstaerke 50% umgewandelt).

    Sehr praktisch, und genau das laesst sich fuer viele andere Effekte benutzen, in erster Linie z.B. fuer ein Wah, einen Pitch Shifter, die Lautstaerke einzelner Effekte (so laesst sich Prima ein Delay einblenden). Auch hier gibt es nahezu unbegrenzte Moeglichkeiten (okay, begrenzt werden die durch die Moeglichkeiten des sendenden und emfpangenden Geraetes).

    Aber auch CC#Befehle ueber Taster koennen Sinn machen: so laesst sich bei einigen Geraeten die Delayzeit ueber einen CC# eintappen (und dazu muss das Board ja nur 127 (on) senden, halt im getappten Tempo, oder um einfach einzelne Effekt im Patch an- bzw. abzuschalten.

    Eine andere Moeglichkeit ein Tempo (fuer Delay, Tremolo, Panning) einzugeben waere die synchronisation mit anderen Geraete ueber MIDI Clock, dabei wird ein Geraet quasi etwas wie einen Zeitimpuls senden, der von dem empfangenden Geraet umgewandelt werden kann, bzw. das Geraet kann mit diesem Wert die Delayzeit einstellen. Dies bietet sich an wenn man mit Click spielt, oder Sampler nutzt. Allerdings wird dieses Feauture von relativ wenig (von Gitarristen genutzten) Equipment unterstuetzt.

    Gitarristen und MIDI, MIDI-Implementation Chart
    Wie bekommt man nun heraus was ein Geraet kann, und was nicht?

    Dazu sollte bei jedem Geraet die MIDI-Implementation Chart beiliegen (meist ziemlich weit hinten im Handbuch). In dieser Tabelle steht (in mehrere Sektionen unterteilt) was ein Geraet senden (send) kann und was es empfangen (recognize) kann.

    Mehr im Teil 2....
     
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  2. LennyNero

    LennyNero Threadersteller HCA Gitarre: Racks & MIDI Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 27.09.04   #2
    Gitarristen und MIDI, Fall 3: Gitarrensynthesizer
    Ignorieren wir mal die Geschichte der Gitarrensynthesizer und schauen uns den aktuellen Markt an... bzw. fangen wir erstmal damit an was technisch passiert.

    Saemtliche (mir bekannten) Systeme arbeiten derzeit mit einem Tonabnehmer pro Saite (z.B. Roland GK3 , Shadow MIDI-Pickup, weitere Produkte gibt es von Axon, RMC Pickups Graph Tech und Yamaha (die Liste ist nicht komplett!!!)).

    Gemeinsam ist allen Systemen das sie jede Saite einzeln abnehmen, waehrend das Shadow System daraus sofort MIDI-Daten erzeugt (Note On) die sofort an einen Klangerzeuger geschickt werden koennen, geben die anderen Systeme die Signale der 6 Saiten an einen Converter weiter, der die Umwandlung vornimmt (das Roland GI 20 ist so ein reiner Wandler), und die Daten dann an einen Klangerzeuger weitergibt. Bei Geraeten wie dem Roland GR 20 ist der Klangerzeuger gleich mit im Geraet.

    Im groben passiert hier das gleiche wie bei den Keyboard Synthesizern: der Wandler erkennt am Signal welcher Ton gespielt worden ist, und macht daraus die benoetigte MIDI-Information, die dann der Wandler an den Klangerzeuger weitergibt.

    Ein Nachteil dieser Systeme ist die Ansprechzeit: gerade bei den tiefen Saiten kommt es zu merkbaren Latenzen... sprich zwischen dem Anschlag und dem Erklingen des Tones vergeht etwas Zeit, wobei hier Piezosysteme (RMC) eindeutig besser abschneiden als Magnetische (Roland).

    Aehnlich wie bei einem Keyboard-Synth kann man (je nach System) das Griffbrett in veschiedene Bereiche einordnen, und diesen Bereichen unterschiedliche Instrumente zuweisen. Dies kann einerseits Saitenweise geschehen (je nach System 2 verschiedene, oder gar mehr!), bei einigen Systemen werden auch die Buende erkannt. Das bedeutet man legt z.B: bis zu 12. Bund einen Streichersatz auf die Saiten, und ueber dem 12. Bund ein Saxophon. Zusaetzlich lassen sich mehrere Sounds uebereinanderlegen.

    Wichtig ist, das man zwar die Klaenge zur Verfuegung hat, sich das ganze aber immer noch anders anhoert als bei einem Keyboard (selbst wenn man den gleichen Klangerzeuger nutzt!). D.h. wenn man Gitarrensynthesizer spielt sollte man seine Spielweise dem Instrument (das man hoeren moechte) anpassen.... ein normales Akkordgeschraddel mit einem Klaviersound... hoert sich einfach seltsam an (kann aber auch ein Mittel zum Zweck sein).

    Neben den breits erwaehnten (nachruestbaren) Pickups gibt es Gitarren die diesen bereits an Bord haben. Dies laeuft haeufig unter dem Satz "GK-Ready".

    Diese Systeme eignen sich (in Verbindung mit der richtigen Software und einer Verbindung mit dem Rechner) auch dazu das gespielt sofort in einem Notensatzprogramm zu notieren.

    Eine schoene Uebersicht inkl. FAQ gibt es bei MIDI-Guitar unofficial Home Page.

    Last not Least noch ein Wort zum Roland VG88: obwohl es zur Tonabnahme die gleiche Technik wie die Roland Gitarrensynth nutzt, faellt das Geraet nicht unter Synthesizer, denn die Absicht der VG-Systeme ist es den kompletten Signalweg einer E-Gitarre (Gitarrentyp, Pickup, Amp, FX, Speaker) zu simulieren und ist von da aus eher mit der Kombination Variax und POD zu vergleichen.

    Gitarristen und MIDI, Fall 4: System Exclusive
    Wie bereits erwaehnt wurde, als MIDI erschaffen wurde, auch ein Bereich festgelegt, der Sachen beinhaltet an die die Schoepfer von MIDI damals nicht gedacht haben. System Exclusive Daten (kurz SysEx) dienen ueberwiegend dazu, die Einstellungen der Patches abzuspeichern. Je nach Geraet kann diese Tabelle (als solche sehen wir sie jetzt einmal an) recht gross werden (man ueberlege sich wieviele Daten insgesamt in einem Multi-FX gespeichert werden... allerdings muss man das relativ sehen... gemessen an den aktuellen Festplatten sind SysEx Daten Peanuts, z.B. alle Daten des JMP1 brauchen gerade mal 1316 Bytes).

    Was interessiert den Gitarristen SysEx? Bevor unsere Geraete mit USB ausgestattet wurden, konnte man die SysExdaten auf einem anderen Geraet speichern. Zunaechst bietet sich da einmal ein baugleiches Geraet an, frueher Hardwaresequenzer, heute auch Softwaresequenzer und zunehmend auch spezielle SysEx-Programme wie z.B. Midi Ox. Fuer viele Geraete werden mittlerweile sog. Patch Editoren und Librarians vom Hersteller (oder als Share- und Freeware) angeboten.

    Ein Patch Librarian verwaltet eigentlich nur verschiedene Sets von SysEx Daten (und das je nach Geraet auch nur fuer jeweils komplette Saetze), ein Editor erlaubt das einstellen des Geraetes am PC (je nachdem wieviel Muehe sich der Programmierer gegeben hat auch ueber ein schoens GUI).

    Um die Daten an den PC zu uebertragen wird der MIDI-Ausgang des Geraetes genutzt und an ein MIDI-Interface des PC angeschlossen (z.B. ein USB Midi Interface oder ein einfaches Adapterkabel das an den Gameport des PCs angeschlossen wird).

    Gitarristen und MIDI, Welches Setup ist das richtige fuer mich?
    MIDI dient dem Gitarristen (wie bereits erwaehnt) nur als Fernsteuerung des Equipment (und wieder lassen wir die Gitarrensynth aussen vor). Von daher sollten die MIDI-Moeglichkeiten eines Geraetes erstmal hintenan stehen, und das Geraet nach den gewuenschten Soundeigenschaften ausgewaehlt werden.

    Hat man dieses (oder gleich mehrere) und noch kein MIDI-Board sollte man sich die MIDI-Steuermoeglichkeiten des Geraetes anschauen (MIDI-Implementation Chart und Handbuch) und danach das Board aussuchen (das Board evt. auch nach Buehnentauglichkeit).

    Moechte man nicht-midifiziertes Equipment in sein Setup aufnehmen, muessen Switcher und Router (haeufig auch Looper) genannt herhalten. Ueber MIDI-Switcher steht bereits etwas bei Program Changes, Router werden wir jetzt kurz ueberfliegen:

    Einen Router muss man sich wie ein Geraet vorstellen das eigentlich nur aus (seriellen) Einschleifwegen besteht (auch da gibt es Ausnahmen, aber die ignorieren wir jetzt mal). In den verschiedenen Presets stellt man nun ein, welche Loop bei welchem Preset aktiv ist (und damit welches Geraet im Signalweg liegt, und welches nicht!).

    Und schon haben wir wieder Ausnahmen!!!! Waehrend Geraete wie das Rocktron Patchmate (wird nicht mehr gebaut), das Ibanez Epp400 (wird auch nicht mehr gebaut), das [http://www.axess-electronics.com/_grx4.htm]Axxess Electronics GRX4[/url] oder das [http://www.t-rex-engineering.com/default.asp?show=page&id=2339]T-Rex Engineering Mac[/url] sich mit PC#s steuern lassen, reagieren Geraete wie der DMC Guitar Audio Switcher oder die Systeme von CAE (Bob Bradshaw) nur auf CC#s, dabei ist je einer Loop ein CC# zugeordnet und somit muss das MIDI-Board in der Lage sein mehrere Befehle gleichzeitig zu senden.

    Das koennen die eigenen Boards wunderbar, viele gar nicht und bei einigen reicht die Anzahl der gleichzeitig sendbaren Befehlen nicht aus.

    Gitarristen und MIDI, (Vorlaeufiges) Fazit?
    MIDI kann den Live Einsatz eines Rigs stark vereinfachen, jedoch kostet eine ordentliche Loesung einiges an Talern UND man muss sich vor dem Spielen sehr viele Gedanken machen (Verbindungen der Geraete, Programmierung etc.). Also alles nur keine Plug'n'Play Loesung.

    Das MIDI ueber kurz durch andere Standards (und Verbindungen) abgeloest wird sehe ich nicht, der Vorteil dabei ist und bleibt das man mit wenig relativ Aufwand neues und altes Euqiment zusammensetzen kann, und alle verstehen die gleiche Sprache.

    Einen kompletten Ueberblick an MIDI-Geraeten fuer Gitarristen moechte und kann ich nicht geben, dazu waren schon zu viele Sachen da und werden noch sehr viele kommen.

    Falls noch Fragen sind.... dieses Forum bietet sich wunderbar dafuer an.

    Schoenen Gruss,
    Markus
     
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