"The Jack", Hohner (Typ I)

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Der "The Jack" war ein Angebot der Firma Hohner in den 1980ern, das das Steinberger-Patent zum headless bass aufgegriffen hatte. Im Gegensatz zum gleichzeitig angebotenenen "Paddel" hat "Der Hans" eine konventionelle Silhouette. Der Hans war, wie damals bei sorgfältig ausgearbeiteten Instrumenten üblich, kein Taschengeldartikel.

Headless – Steinbergersystem


Die Saiten werden an der Brücke eingehängt, zum Sattel gezogen, und dann, dann fragt man sich wie befestigen? Leider braucht „Der Hans“ double-ended strings. Die gibt es noch, aber leider nicht in so großer Vielfalt, wie man es von den Wickelsaiten gewohnt ist. Flats gibt es meines Wissens keine. Auch sind die Preise doch höher, als man gerne bezahlen würde. Ist die Saite aber einmal drauf, hält die Stimmung von Anfang an. Das Stimmen selbst ist erstaunlich angenehm und feinfühlig.

(Einschub: mit Dremel und etwas Phantasie lassen sich mit wenig handwerklichem Aufwand zuverlässige, passende Endhülsen für Standard-Saiten fräsen, sodass auch diese verwendet werden können.)

Die Intonation wird über verschiebbare Böckchen eingestellt. Stimmen, prüfen, lockern, schieben, arretieren, stimmen, prüfen … es wird ein bisschen fummelig. Am Ende erhält man ein gutes Ergebnis, und zieht alle Böckchen gemeinsam über eine seitliche Schraube fest. Es empfiehlt sich, die Böckchen beim Festziehen nieder zu drücken. Die Saitenhöhe wird über zwei (ausreichende) Stellschrauben auf die gewünschte Saitenlage eingestellt. Wie immer hat das Auswirkungen auf die Intonation. Die Einstellung wird vor der Arretierung der Böckchen gemacht. Insgesamt hat man hier also an mehreren Baustellen zugleich zu tun. Nach der Arretierung sollten die Schräubchen zur Saitenhöhe etwas nachgezogen werden, um eine gute Klemmung zur Grundplatte der Brücke zu sichern. Mit nur wenig Übung ist eine komplette Neueinstellung aber in 15 Minuten machbar.

Body

Der durchgehende Hals ist mit einer insgesamt traditionellen Silhouette kombiniert. Bis auf die visuell feinere Ausformung ist das Brett durchaus mit einem Prezi/Jazz vergleichbar. Die Beinauflage ist aber spürbar tiefer ausgeschnitten, sodass der Bass etwas weniger hoch, angenehmer im Schoß sitzt.

Das Holz ist wohl Ahorn, hart, schwer, und die Lackierung ist der damaligen Zeit angemessen robust. Der Lack ist glatt und zäh-elastisch, meiner Schätzung nach vielleicht ein 1K-Bootslack? Mein Bass hat bis auf kleinere Riefen keine spröde wirkenden Kratzer. Bei Druckstellen zieht der Lack wohl mit, statt aufzuplatzen.

Für mich liegen die Ausformungen schon ganz richtig. Die Handauflage rechts ist angenehm, die Bierbauchbeule schmiegt sich bei mir an den unteren Rippenbogen wie es sein soll. Mit meiner Armspannweite von 2 Metern komme ich gut um das Instrument herum.

Die Gewichtsverteilung ist ungewohnt – wenn man von F-Designs kommt. Kopflastig ist mal wirklich nichts – ohne Kopf. Dass die Linke den Hals nicht stützen muss wirkt erstmal befremdlich. Der Bass hängt einfach an der besten Stelle rum und wartet treu auf das Spiel. Der Hals steht „automatisch“ in etwa 35° bis 45° zur Horizontalen, und weist um 20° nach vorn. Man munkelt, das sei optimal. Kann ich bestätigen!

Um diese Position auch im Sitzen zu erzielen, muss ein Gurt genutzt werden. Sonst neigt der body zum Abgang nach rechts. Das ist aber - bis auf den Ibanez ED-A - bei allen mir bekannten Bässen so, weil das untere Horn einfach nix taugt. Wer hat sich das einfallen lassen … (und mit dem Ibanez ED-B wurde es wiederholt) ?!?

Ein Spiel auf dem linken Bein, a la Konzertgitarrist ist wegen der schieren Größe leider nicht möglich. Dazu braucht es einen shorty. Gewicht: um 3,5kG.

Hals

Das Profil des Halses ist von der dicken Sorte, nahezu ein Halbkreis aka baseball bat. Je nach Handgröße wird man damit Schwierigkeiten haben, oder auch nicht. Ob man etwas zum Zufassen braucht, oder auch nicht. Sonst ist das Ganze doch recht unauffällig. Das Palisander-Griffbrett ist lackiert. Die Bünde stehen nicht raus, der trussrod geht noch. Es gibt einen Nullbund, der bei mir schon etwas eingegraben ist. Auf Spiel, Saitenlage und Intonation hat das keinen Einfluss.

Der Hals hat untypische dead spots. Sie liegen allemal deutlich höher als gewohnt – kein Hals ohne dead spots! Und ihre Intensität ist wie ich gehörlich finde, aber auch nachmessen kann, geringer als sonst. Ohne aufmerksam zu suchen, findet man sie nicht.

Übrigens, wenn jemand behauptet, es fehle ihm beim headless die Bremse für die linke Hand, dann unterstelle ich eine sehr unkonventionelle Spielweise. Ich wüsste jedenfalls nicht, wie man so eine Bremse brauchen täten müsste ...


Tonabnehmer

Mein Bass hat die „designed by ...“ Teile eingebaut. Ein Pärchen humbucker, die noch nie gebrummt haben. Die zweite Serie des „Jack“ wird wohl mit single coils ausgestattet sein. Die sollten durchaus brummen, wenn einzeln betrieben. Die Einstellung der humbuckers auf den richtigen Saitenabstand und die Klangwaage E- nach G-Saite ist leicht. Es handelt sich offenbar um ganz normale (Gitarren?)-TAs, was will man mehr?

Klang

Der Bass bietet aktiven und passiven Betrieb an. Passiv klingt's wie ein Prezi/Jazz, halt leicht nasal, knötterig, hohl bis wuchtig, je nach dem. Erstaunlicherweise bringt der aktive Betrieb einen sehr ähnlichen sound. Allerdings kann der mit den Klangstellern nach unten deutlich pointiert werden, ohne Höhen zu verlieren. Nach oben kommt noch einiges mehr, ist aber nicht so weit auszudehnen wie etwa bei meinem Ibanez SR. Glasige Höhen ja, aber dann doch wieder – im direkten Vergleich - etwas gedämpft. Der Einsatzpunkt des Klangstellers liegt im Mittenbereich für einen eher schmissig bissigen sound.

Das Rauschen der Elektronik ist erstaunlich gering, eigentlich unhörbar. Brummen/Sirren (vom Kabel her) sind im Vergleich zum passiven Betrieb schlicht weg.

Fazit

„The Jack“ ist ein typischer Vertreter seiner Zeit. Mein Exemplar ist in Ehren gereift, funktioniert und bringt Spaß. Die Ergonomie des headless macht für mich den Wert des Instrumentes aus. Klanglich würde ich mir einen Piezo wünschen, und sonst das untere Horn: absägen und neu drankleben, aber wer macht sowas mit 'nem oldie?
 
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Meine Erfahrungen zum Jack (V1, 2 Humbucker, passiv, braun gebeizt):

Meiner (gebraucht bei eBay bekommen) reagierte immer sehr empfindlich auf kraftvolles Spiel (Schnarren), was mich insgesamt dazu brachte weniger in die Saiten zu hauen. Den Spielkomfort fand ich aber immer ganz angenehm, nur der lackierte Hals (der bei meinem auch noch "natural Aging" hatte) war nicht ganz so mein Fall, ließ sich aber auch spielen.

Das Einstellen der Saiten fand ich dagegen immer sehr einfach, Schraube los, Intonation einstellen, Schraube wieder anziehen, passt. Ich habe aber auch von einigen Leuten gehört die mit der Art des Einstellens der Intonation ihre Probleme hatten...?

BEAD-Tuning war bei meinem Problemlos möglich, was ich auch eine Zeit lang in einer Metall-Band verwendet habe.

Im Endfeffekt hatte ich meinen ein bisschen Steampunk-mäßig mit einem Schlagbrett verziehrt, eine 2-Band-Elektronik eingebaut und später, als ich mir meinen Custombass habe bauen lassen, verkauft:

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