LordB
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Das ist ein sehr persönliches Thema und ich habe lange überlegt, ob ich das im Internet teilen soll.
Schlussendlich bin ich aber der Meinung, dass es eher zu neuen Erkenntnissen führen dürfte, statt Schaden anzurichten, sodass ich meine Geschichte hier teile.
Ich hoffe auf neue Ideen und Austausch mit anderen Betroffenen.
Zuvor möchte ich erwähnen, dass ich mein Leben lang immer sehr auf mein Gehör geachtet habe. Als Kind und Teenager habe ich weder mit meinem Walkman noch der Stereoanlage laut Musik gehört. Ich war später so gut wie nie auf irgendwelchen lauten Konzerten, bis auf eine Ausnahme 2010; Jean-Michel Jarre in Oberhausen - der war so LAUT, dass es noch mehr als 1h in den Ohren klingelte/pfiff. Ab da habe ich immer Gehörschutz auf Konzerten verwendet. Motorrad bin ich auch nur mit Gehörschutz gefahren. Meine Audiogramme beim Hörtest waren über die Jahre immer sehr gut, bis auf einen schon immer da gewesenen leichten Einbruch im Bereich 1 KHz.
Nun zum Thema: Seit 2004 habe ich Tinnitus im Bereich 9.000 Hz auf beiden Ohren. Es kam zusammen mit Drehschwindel, welcher über mehrere Monate anstand, und blieb seit dem bestehen.
Zu dieser Zeit versuchte man dem noch mit Infusionen, Täglich über mehrere Tage gegeben, die Durchblutung zu fördern. Zudem gab es Lidocain. Geholfen hat es nichts.
Eine Organische Ursache an den Ohren wurde nicht gefunden, bzw. Berufsstress als Auslöser gesehen, was zu einem gewissen Teil auch stimmte.
Der damals behandelnde Arzt sagte mir als Therapie-Ansatz: „Lernen Sie damit zu leben.“
Etwas, dass mal mehr und mal weniger gut gelang. In den folgenden Jahren habe ich neben verschiedenen Medikamenten auch andere Ansätze ausprobiert:
Es gab 2016 aber mal 3 Monate, in denen der Tinnitus über Nacht fast weg war. Ich war völlig überrascht und so Dankbar. Allerdings kam er genauso über Nacht auch wieder zurück. Eine Erklärung dazu habe ich nicht finden können.
2018 begann ich intensiv mit dem Recording und Musik machen als Hobby. Ich hatte 2019 durch die Unachtsamkeit eines Drummers dann einen einseitigen Hörsturz. (Der Depp hat ohne Vorwarnung in einem kleinen Proberaum volles Pfund auf seine Snare eingedroschen.) Ich war danach rechts fast Taub. Cortison hat es dann einigermaßen wieder ins Lot gebracht. Diskussion über sein Verhalten / mögliche Körperverletzung etc. ist hier aber kein Thema! Das schon mal vorweg.
Seit dem leide ich aber immer wieder unter Hörstürzen. Allerdings nicht bzw. nur noch einmalig durch Geräusche ausgelöst. Sie ereilen mich idR. einfach so, und das beidseitig. Seit 2024 häufen sich diese Hörstürze und mein Hörvermögen ab 2 KHz verschlechtert sich zunehmend. Auch der Tinnitus ist in den letzten Jahren immer lauter geworden. Die Gabe von Cortison in Stoßtherapie (Tag 1 60mg, Tag 2 40mg, Tag 3 20mg usw.) hat kaum geholfen. Zudem habe ich starke Nebenwirkungen von Cortison. Es haut mich richtig um. Ich habe dann starke Gliederschmerzen, bin Müde und erschöpft plus Fresssucht.
Im Oktober 2025 bin ich unerwartet mit einer Gallenkolik ins Krankenhaus gekommen. Seit dem ich von der Narkose aufgewacht bin ist der Zustand meines Tinnitus massiv schlimmer geworden. Es gibt im rechten Ohr einen neuen Ton, der zunächst leise und pulsierend dazu kam, aber binnen mehrere Tage lauter wurde und zu einem weiteren Dauerton festigte. So weit ich mit einem Frequenzgenerator es testen konnte ein Rechteckton um 7.500Hz. Zusätzlich zu den vorhandenen 9 KHz auf beiden Ohren. Die Lautstärke all dessen schwankt je nach Tagesform zw. etwa 70-80dB. Und ja, das ist laut.
Das wiederum geht einher mit einem weiteren Hörsturz, den ich seit der OP habe. Ich höre ab 500Hz dramatisch schlechter mit bis zu 80dB Verlust. Mein Audiogramm schaut aus wie die Inflationsrate türkischer Lira.
Das wirklich Gemeine: Mit dem Hörsturz, und dem neuen Tinnitus, ist auch noch Hyperakusis - Geräuschüberpfindlichkeit - hinzu gekommen.
Was sich hier jetzt wie ein schlechter Film liest, ist leider meine aktuelle Realität. Ich höre schlecht, bin dennoch empfindlich auf Lautstärke und habe 24/7 9 und 7,5 KHz mit ca. 70-80dB im Kopf.
Organische Ursachen an den Ohren wurden ausgeschlossen. Cortison in Tablettenform half nichts. Ich war in einer Fachklinik und es wurden folgende Vorschläge gemacht:
Nach Gesprächen mit Arzt und Oberarzt fallen die Behandlungsmöglichkeiten gering bis nicht vorhanden aus:
Gegen den Hörsturz kann ich weiterhin versuchen mir Cortison durch die Trommelfelle direkt in die Ohren spritzen zu lassen.
Gegen die Geräusche und Hyperakusis gibt es keine kurative Behandlung.
Das bedeutet, man kann da nichts machen, denn die Blutgefäße und Hörnerven verlaufen direkt am Stammhirn entlang, sodass eine OP ausgeschlossen ist. Es könnte dadurch mehr Schaden entstehen, als zu helfen. Das Stammhirn ist u.a. für die Atemfrequenz, Herzfrequenz usw. zuständig.
Lernen sie damit zu leben und versuchen Sie eine Verhaltenstherapie…
Hörgeräte verbieten sich durch die Hyperakusis und der Problematik, die Haarzellen noch mehr zu reizen. (Gilt übrigens auch für die eine Zeit lang gern verschriebenen Rauschgeneratoren - diese schaden mehr, als dass sie helfen.)
Sie können es noch bei einer Tinnitus-Klinik in Hessen versuchen, die nehmen aber nur Privatpatienten und Selbstzahler.
Was die Situation, besonders die Dauerbelastung durch den lauten Tinnitus, aber auch das ständig konzentriert hinhören müssen, weil man sonst nichts mehr versteht, für die Psyche, die körperliche Belastung durch Schlaflosigkeit Erschöpfung etc. bedeutet, muss ich vielleicht nicht weiter erläutern. Es besteht enormer Leidensdruck. Es ist kurzgesagt eine beschissene Situation und ich möchte oft genug nur noch mit dem Kopf so lange gegen die Wand schlagen, bis es aufhört. :-/
Musik öder Hörbücher zum Einschlafen funktionieren schon lange nicht mehr, die muss ich so laut stellen, dass damit nicht an Schlaf zu denken ist.
Aktuell nehme ich ein Schlafförderndes Medikament, dass auch Unruhe eindämmt. Macht etwas weich im Kopf hilft aber ein Wenig.
Meiner Arbeit gehe ich weitgehend normal nach, ist aber anstrengend und ich falle hin und wieder aufgrund von Übermüdung aus.
Was ich hier nicht möchte: Mitleid und Diskussionen über zu laute Konzerte oder den o.g Drummer. Die Problematik ist in meinem Fall die Anatomie.
Was ich mir aber wünsche wäre ein Austausch mit anderen Betroffenen, die ebenfalls unter lautem Tinnitus leiden und wie sie damit umgehen. Was sie für Lösungen für sich gefunden haben.
Tinnitus ist individuell von den Ursachen verschieden, damit klarkommen muss aber dennoch jeder, der damit gezwungen ist zu leben.
Wer das nicht öffentlich machen möchte, kann mich gerne per PN anschreiben.
Ich bedanke mich fürs lesen und jede Antwort im Voraus.
Schlussendlich bin ich aber der Meinung, dass es eher zu neuen Erkenntnissen führen dürfte, statt Schaden anzurichten, sodass ich meine Geschichte hier teile.
Ich hoffe auf neue Ideen und Austausch mit anderen Betroffenen.
Zuvor möchte ich erwähnen, dass ich mein Leben lang immer sehr auf mein Gehör geachtet habe. Als Kind und Teenager habe ich weder mit meinem Walkman noch der Stereoanlage laut Musik gehört. Ich war später so gut wie nie auf irgendwelchen lauten Konzerten, bis auf eine Ausnahme 2010; Jean-Michel Jarre in Oberhausen - der war so LAUT, dass es noch mehr als 1h in den Ohren klingelte/pfiff. Ab da habe ich immer Gehörschutz auf Konzerten verwendet. Motorrad bin ich auch nur mit Gehörschutz gefahren. Meine Audiogramme beim Hörtest waren über die Jahre immer sehr gut, bis auf einen schon immer da gewesenen leichten Einbruch im Bereich 1 KHz.
Nun zum Thema: Seit 2004 habe ich Tinnitus im Bereich 9.000 Hz auf beiden Ohren. Es kam zusammen mit Drehschwindel, welcher über mehrere Monate anstand, und blieb seit dem bestehen.
Zu dieser Zeit versuchte man dem noch mit Infusionen, Täglich über mehrere Tage gegeben, die Durchblutung zu fördern. Zudem gab es Lidocain. Geholfen hat es nichts.
Eine Organische Ursache an den Ohren wurde nicht gefunden, bzw. Berufsstress als Auslöser gesehen, was zu einem gewissen Teil auch stimmte.
Der damals behandelnde Arzt sagte mir als Therapie-Ansatz: „Lernen Sie damit zu leben.“
Etwas, dass mal mehr und mal weniger gut gelang. In den folgenden Jahren habe ich neben verschiedenen Medikamenten auch andere Ansätze ausprobiert:
- Akupunktur, welche Zeitweise etwas Linderung brachte
- Rauschgeneratoren, was es schlimmer statt besser machte (wie man auch heute weiß und diese eigentlich nicht mehr einsetzt)
- Chiropraktik, weil sich die Halswirbel gerne mal aus der richtigen Position verschieben
- Manuelle Therapie des Nackens u. Kiefers, macht es nach der Anwendung lauter, danach im Grunde wie zuvor
- Nacken-Hängematte zum Dehnen und entspannen, hilft nichts
- Beißschiene für die Nacht, ohne Wirkung
- Kiefermuskulatur-Trainer, auch ohne Wirkung
- Fakir-Nackenrolle und Rücken-Auflage - fördert die Durchblutung, lindert Verspannungen, hilft aber leider nicht gegen den Tinnitus
Es gab 2016 aber mal 3 Monate, in denen der Tinnitus über Nacht fast weg war. Ich war völlig überrascht und so Dankbar. Allerdings kam er genauso über Nacht auch wieder zurück. Eine Erklärung dazu habe ich nicht finden können.
2018 begann ich intensiv mit dem Recording und Musik machen als Hobby. Ich hatte 2019 durch die Unachtsamkeit eines Drummers dann einen einseitigen Hörsturz. (Der Depp hat ohne Vorwarnung in einem kleinen Proberaum volles Pfund auf seine Snare eingedroschen.) Ich war danach rechts fast Taub. Cortison hat es dann einigermaßen wieder ins Lot gebracht. Diskussion über sein Verhalten / mögliche Körperverletzung etc. ist hier aber kein Thema! Das schon mal vorweg.
Seit dem leide ich aber immer wieder unter Hörstürzen. Allerdings nicht bzw. nur noch einmalig durch Geräusche ausgelöst. Sie ereilen mich idR. einfach so, und das beidseitig. Seit 2024 häufen sich diese Hörstürze und mein Hörvermögen ab 2 KHz verschlechtert sich zunehmend. Auch der Tinnitus ist in den letzten Jahren immer lauter geworden. Die Gabe von Cortison in Stoßtherapie (Tag 1 60mg, Tag 2 40mg, Tag 3 20mg usw.) hat kaum geholfen. Zudem habe ich starke Nebenwirkungen von Cortison. Es haut mich richtig um. Ich habe dann starke Gliederschmerzen, bin Müde und erschöpft plus Fresssucht.
Im Oktober 2025 bin ich unerwartet mit einer Gallenkolik ins Krankenhaus gekommen. Seit dem ich von der Narkose aufgewacht bin ist der Zustand meines Tinnitus massiv schlimmer geworden. Es gibt im rechten Ohr einen neuen Ton, der zunächst leise und pulsierend dazu kam, aber binnen mehrere Tage lauter wurde und zu einem weiteren Dauerton festigte. So weit ich mit einem Frequenzgenerator es testen konnte ein Rechteckton um 7.500Hz. Zusätzlich zu den vorhandenen 9 KHz auf beiden Ohren. Die Lautstärke all dessen schwankt je nach Tagesform zw. etwa 70-80dB. Und ja, das ist laut.
Das wiederum geht einher mit einem weiteren Hörsturz, den ich seit der OP habe. Ich höre ab 500Hz dramatisch schlechter mit bis zu 80dB Verlust. Mein Audiogramm schaut aus wie die Inflationsrate türkischer Lira.
Das wirklich Gemeine: Mit dem Hörsturz, und dem neuen Tinnitus, ist auch noch Hyperakusis - Geräuschüberpfindlichkeit - hinzu gekommen.
Was sich hier jetzt wie ein schlechter Film liest, ist leider meine aktuelle Realität. Ich höre schlecht, bin dennoch empfindlich auf Lautstärke und habe 24/7 9 und 7,5 KHz mit ca. 70-80dB im Kopf.
Organische Ursachen an den Ohren wurden ausgeschlossen. Cortison in Tablettenform half nichts. Ich war in einer Fachklinik und es wurden folgende Vorschläge gemacht:
- Stationäre Cortison Gabe - 1000gm über 3 Tage > Scheidet für mich aufgrund der starken Neigung zu Nebenwirkungen aus
- Cortison direkt durch die Trommelfelle in die Ohren spritzen - 3 Anwendungen Mo, Mi, Fr, IGEL-Leistung > Aussichtschance wird aber eher gering bewertet, da der Hörsturz schon zu Lange besteht
- MRT machen um Tumor auszuschließen und der Ursache auf den Grund zu gehen
Nach Gesprächen mit Arzt und Oberarzt fallen die Behandlungsmöglichkeiten gering bis nicht vorhanden aus:
Gegen den Hörsturz kann ich weiterhin versuchen mir Cortison durch die Trommelfelle direkt in die Ohren spritzen zu lassen.
Gegen die Geräusche und Hyperakusis gibt es keine kurative Behandlung.
Das bedeutet, man kann da nichts machen, denn die Blutgefäße und Hörnerven verlaufen direkt am Stammhirn entlang, sodass eine OP ausgeschlossen ist. Es könnte dadurch mehr Schaden entstehen, als zu helfen. Das Stammhirn ist u.a. für die Atemfrequenz, Herzfrequenz usw. zuständig.
Lernen sie damit zu leben und versuchen Sie eine Verhaltenstherapie…
Hörgeräte verbieten sich durch die Hyperakusis und der Problematik, die Haarzellen noch mehr zu reizen. (Gilt übrigens auch für die eine Zeit lang gern verschriebenen Rauschgeneratoren - diese schaden mehr, als dass sie helfen.)
Sie können es noch bei einer Tinnitus-Klinik in Hessen versuchen, die nehmen aber nur Privatpatienten und Selbstzahler.
Was die Situation, besonders die Dauerbelastung durch den lauten Tinnitus, aber auch das ständig konzentriert hinhören müssen, weil man sonst nichts mehr versteht, für die Psyche, die körperliche Belastung durch Schlaflosigkeit Erschöpfung etc. bedeutet, muss ich vielleicht nicht weiter erläutern. Es besteht enormer Leidensdruck. Es ist kurzgesagt eine beschissene Situation und ich möchte oft genug nur noch mit dem Kopf so lange gegen die Wand schlagen, bis es aufhört. :-/
Musik öder Hörbücher zum Einschlafen funktionieren schon lange nicht mehr, die muss ich so laut stellen, dass damit nicht an Schlaf zu denken ist.
Aktuell nehme ich ein Schlafförderndes Medikament, dass auch Unruhe eindämmt. Macht etwas weich im Kopf hilft aber ein Wenig.
Meiner Arbeit gehe ich weitgehend normal nach, ist aber anstrengend und ich falle hin und wieder aufgrund von Übermüdung aus.
Was ich hier nicht möchte: Mitleid und Diskussionen über zu laute Konzerte oder den o.g Drummer. Die Problematik ist in meinem Fall die Anatomie.
Was ich mir aber wünsche wäre ein Austausch mit anderen Betroffenen, die ebenfalls unter lautem Tinnitus leiden und wie sie damit umgehen. Was sie für Lösungen für sich gefunden haben.
Tinnitus ist individuell von den Ursachen verschieden, damit klarkommen muss aber dennoch jeder, der damit gezwungen ist zu leben.
Wer das nicht öffentlich machen möchte, kann mich gerne per PN anschreiben.
Ich bedanke mich fürs lesen und jede Antwort im Voraus.
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