Treffen der Generationen - RCF ART 412a Mk 2 vs. 710a Mk 5 vs. 910a

mix4munich
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Kein Review, kein hochwissenschaftlicher Vergleich mit Messungen, einfach ein kurzer Test mit Vergleich von drei Generationen RCF.

Die Sonne schien in Strömen letzten Montag, und wahrscheinlich wegen der Dualität von Welle und Teilchen kam besagter Sonnenschein in festem Aggregatzustand auf der Erde an. Ja, es hagelte Ende März. Was tun? Ganz klar, ein kurzer PA-Vergleich! Eigentlich wollte ein Bekannter vorbeikommen, um seine neuen RCF ART 710a Mk 5 und meine neuen RCF ART 910a zu vergleichen. Aber weil ich sie eh hier habe, und weil in der Doppelgarage noch etwas Platz war, habe ich auch zwei meiner alten RCF ART 412a Mk 2 dazugestellt.

IMG_3281.png


Oben ein kleines Bild vom Testaufbau in unserer Garage. Angesteuert wurde das ganze von meinem UI24r. Ich hatte meine Soundchecksongs auf USB-Stick parat, aber der Kollege brachte neben seinen 710 auch ein modernes Keyboard mit, aus dem er diverse Styles abfeuerte. Alle Lautsprecher waren ohne jede Klangregelung im Einsatz, die Lautstärke war "Pi mal Daumen" in etwa aneinander angeglichen. Hier in Kürze unsere Eindrücke:

Die alten 412 behaupten sich immer noch. Jedoch hört man auch, dass in die anderen beiden Modelle seitdem über zehn Jahre Entwicklung eingeflossen sind. An den Sound der 4xx bin ich seit etwa 13 Jahren gewöhnt, und er gefällt mir nach wie vor, habe ja auch lange Jahre ganze Bands damit übertragen ohne zusätzlichen Subwoofer (und ich wurde damals mehr als ein paarmal gefragt, wo ich die Subwoofer versteckt hätte). Ich empfand den Grundsound der 412er erstmal als ausgewogen. Beim Umschalten auf die 710 dann erschienen diese ausgewogener, aber auch frischer, spritziger oder etwas aggressiver. Im Bassbereich können die 710 überraschend gut mit den größeren Boxen mithalten, ich würde vermuten, die 712 können etwas mehr Bass als die 412. Ausserdem sind die 710 zumindest auf dem Papier auch lauter - wir haben keine Maximalpegel ausgefahren, aber (und dazu sind wir aus der Garage weit auf die Strasse gegangen - ich wohne in einer Seitenstrasse, in der nur ein paar Autos pro Tag durchfahren da geht das schonmal, ohne sich gleich in Lebensgefahr zu begeben) haben zumindest mal die 710er recht weit aufgerissen. In 15 Metern Entfernung war es damit schon unangenehm laut, und die Boxen hätten wohl noch 10 dB mehr liefern können.

Dann die ART 910a - schau an, die Höhen klingen etwas weniger aggressiv, lösen dafür aber geringfügig feiner auf als bei der 710. Die eigentlich Überraschung aber sind die Bässe - weicher, aber gleichzeitig tiefer, fundamentaler. Ich weiß, daß RCF in dieser Serie eine andere Art von Limiter für den Woofer eingebaut hat - statt einfach nur das elektrische Signal zu überwachen und dann zu limitieren, wenn die Elektronik glaubt, es könnte zuviel werden (so wie in allen vorherigen Serien, 3xx, 4xx und 7xx), überwacht ein Sensor tatsächlich die Auslenkung des Woofers und schreitet erst dann limitierend ein, wenn tatsächlich Xmax, also die maximal mögliche Auslenkung des Woofers, erreicht ist. Insgesamt empfinde ich den Sound der ART 910 als angenehm und äußerst entspannt, so als ob die Box dem Zuhörer sagen wollte "wo das herkommt, gibt's noch vieeeel mehr davon".

Vom Rauschverhalten sind die drei Boxentypen quasi identisch - man hört es, wenn man davor steht, aber ab 2 Metern Entfernung oder wenn jemand in Hörweite sich unterhält, ist es so gut wie unhörbar. Im ruhigen Wohnzimmer dagegen würde ich sie nicht einsetzen wollen. Wir haben den ganzen Test dann nochmal mit aktiviertem Bass-Boost ausprobiert. Und was ich bei Livemusik nicht empfehlen würde (ich habe es mal probiert, es klang einfach nicht besonders, viel zuviel Bass), klang bei fertig produzierten Styles und Konservenmusik sehr ordentlich. Wenn es leise zugeht und man etwas mehr Substanz braucht, dann kann man den Bass-Boost durchaus mal ausprobieren. Für laute Livemusik ist das mMn eher nichts, aber für DJs, die bei kleinen Veranstaltungen mal den Subwoofer zuhause lassen wollen, ist das ein sinnvolles Feature.

Wie ging der Vergleich aus? Die alte 412 ist nach wie vor eine brauchbare Box, die ich auch weiterhin einsetzen werde. Wenn man sie zu einem fairen Preis gebraucht bekommt, schlagt zu. Wichtig zu wissen ist, dass es keine Ersatzteile mehr gibt (zumindest bei meinen kleinen Modellen 408), und die Speaker der 7xx-Serie passen mechanisch nicht hinein. Die 710 klingt besser, moderner, frischer und kann etwas lauter spielen. Und die 910 schlägt sie dann nochmal im Bass, in den Höhen und (so sagen es die Unterlagen) auch beim maximal möglichen Pegel. Aber da fehlt mir bereits an 412 und 710 nichts. Die Unterschiede sind dabei eher gering - man hört, dass diese Boxen aus derselben Schmiede kommen, und wenn man eine Box hat, muss man nicht gleich losrennen, um die nächste Generation zu kaufen. Wenn man aber nach einer neuen Box sucht und das Budget dafür hat, sollte man sich neben der 7er auch mal die 9er anhören. Für harten Rock oder optimales Preis/Leistungsverhältnis würde ich Stand April 2026 tatsächlich die ART 710a Mk 5 empfehlen. Für gediegeneren Sound, bessere Höhenauflösung und überhaupt vielfältiger einsetzbaren Sound würde ich persönlich die ART 910 wählen. Ein Paar davon habe ich, ein weiteres Paar werde ich noch anschaffen. Zwar läuft es bei mir langfristig auf Lautsprecher von Seeburg hinaus, aber noch habe ich nicht die Mittel für eine komplette Anlage, und zumindest das Monitoring ist in den nächsten paar Jahren bei mir noch von RCF.


Thomann-Links:
(die 4xx-Serie ist schon seit Jahren nicht mehr lieferbar)
 
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