Überschätzen Musiker den Wert ihres Hobbys? Hobbymusiker wollen Geld.

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  • #341
Die Rechnung ist ja grundsätzlich richtig, aber glaubst du wirklich, dass für eine Nachwuchsband oder überhaupt für normale lokale Bands jemand bereit ist, eine entsprechende Gage zu zahlen?
Da beisst sich die Katze dann in den Schwanz. Genau da liegt doch das auch hier bezeichnete Problem. Dem DJ zahlt man jederzeit Geld, wenn man ihn bucht, dem Hochzeitsfotografen erst recht, nur der Band, die man buchen möchte, versucht man gleichzeitig einzureden, man solle froh sein, überhaupt spielen zu dürfen. Also, klare Antwort "Nein, leider honorieren viele den Wert der Musik nicht".

Den Fehler, dass man dann den Slot wegen überzogener Geldforderungen verliert, macht man eher nur einmal.
Wir entscheiden das selbst. Wird der Slot nicht adäquat ("überzogen" hängt von der Blickrichtung ab) vergütet, lehnen wir i.d.R. dankend ab. Da findet dann schon mal kurz ein Gruppencall statt, um zu entscheiden, ob es Gründe geben könnte, trotz schlechter Konditionen zu spielen. Wenn uns da nichts einfällt, freuen wir uns über ein freies Wochenende mit unseren Familien.
So sieht die Realität da draußen aus. Zumindest für die typischen Nachwuchsbands, die einfach mal spielen wollen oder tatsächlich noch an den Erfolg glauben. Wer hat das in seiner Jugend nicht?
Klar, für echten Nachwuchs mag das zutreffen, und damit habe ich auch kein moralisches Problem, hatte ich nie. Wer ohne viel Live-Erfahrung mit seiner/ihrer ersten Band ein bisschen Bühnenluft schnuppern will, muss das nicht sofort gegen Honorar tun. Wenn sich aber Mittvierziger mit Hunderten von Konzerten auf dem Buckel derart abspeisen lassen sollen, läuft imho was verkehrt, selbst wenn die Band erst kurze Zeit besteht.
Auch da wieder der Vergleich zum Hochzeitsfotografen. Käme irgendwer auf die Idee, von dem zu verlangen, den Job pro bono zu machen, weil man ja schließlich noch nie geheiratet hat und noch keine Erfahrung mit ihm hat? Nein, natürlich nimmt man die Kosten in Kauf, und wenn das Ergebnis dann nicht gefällt, ist man hinterher schlauer.

Versteh mich nicht falsch, die Realität kenne ich schon auch, aber deshalb müssen wir als aktive sie noch lange nicht in allen Punkten hinnehmen.
 
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  • #342
man jederzeit Geld, wenn man ihn bucht, dem Hochzeitsfotografen erst recht,
Ach, die haben doch m.W. oft die gleichen Probleme dieser Abgrenzung. Da machen das auch oft Verwandte oder Freunde …
 
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  • #343
Da beisst sich die Katze dann in den Schwanz. Genau da liegt doch das auch hier bezeichnete Problem. Dem DJ zahlt man jederzeit Geld, wenn man ihn bucht, dem Hochzeitsfotografen erst recht, nur der Band, die man buchen möchte, versucht man gleichzeitig einzureden, man solle froh sein, überhaupt spielen zu dürfen. Also, klare Antwort "Nein, leider honorieren viele den Wert der Musik nicht".
Nur ist es halt auch so, dass der DJ-Abend für den Clubbetreiber leider in der Regel eine günstigere Kostenrechnung ergibt als der Gig-Abend (mit lokalen Bands). Da muss schon die Hütte sich beim Gig sehr gut füllen das sich das ausgeht...
 
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  • #344
Da beisst sich die Katze dann in den Schwanz. Genau da liegt doch das auch hier bezeichnete Problem. Dem DJ zahlt man jederzeit Geld, wenn man ihn bucht, dem Hochzeitsfotografen erst recht, nur der Band, die man buchen möchte, versucht man gleichzeitig einzureden, man solle froh sein, überhaupt spielen zu dürfen. Also, klare Antwort "Nein, leider honorieren viele den Wert der Musik nicht.
Na da sind aber auch mal grundsätzlich ganz andere Voraussetzungen die du hier vergleichst. Wann spielt den mal in der Kneipe ein DJ? Und wenn der da spielt, bekommt der dann wirklich mehr oder muss er nur durch weniger teilen?
Und bei Hochzeiten sitzt der Geldbeutel auch deutlich lockerer wie im Alltag. Ebenso bei Stadtfesten und Firmenevents oder Jubiläumsfeiern. Das betrifft Band, Fotograf und was weiß ich noch alles. Bei Hochzeiten & co spielen eben die von mir schon beschriebenen Top40 Bands. Da sind Bands mit eigenen Liedern eher die Ausnahme.

Aber ja, ich gebe dir recht. Es wird teilweise nicht wertgeschätzt, was viele Musiker tatsächlich an Arbeite mit allem drum und dran reinstecken. Wenn du das aber monetarisieren willst, wird das eben schnell problematisch, weil die Bereitschaft dieses Geld zu bezahlen sehr schnell abnimmt. Auch wenn die Musiker moralisch absolut im recht sind.

Und wer auf seinen Preis besteht, ihn nicht bekommt, kann natürlich auch ablehnen. Das ist frei Marktwirtschaft. Da ist das alles absolut legitim.
Wenn man sich aber über die Gesamtumstände nur beschwert, wird es sicher nicht besser.

Auch wenn du moralisch sicher recht hast, bringt das gar nichts wenn die moralisch richtige Entscheidung am Geld scheitert, sprich an der Bereitschaft ein anständiges Geld für eine anständige Leistung zu bezahlen.
Was das Totschlag-Argument der geldgeilen Veranstalter angeht, klar gibt es die, aber das sind viel weniger als man denkt. Für gewöhnlich, und ich vermute in 70-80% der Fälle, ist es ein klarer Vergleich, zwischen Kosten und Einnahmen. Wenn ich für die Band 500,- Euro zahle, hab ich das dann nach der Veranstaltung auch entsprechend mehr in der Kasse? Spült die Band tatsächlich so viele Leute in meinen Laden und lassen diese Leute dann auch entsprechend Geld liegen? Anders gesagt denkt sich der Veranstalter: "Leg ich drauf, wenn ich die Band für dieses Geld spielen lasse?"
Wenn die Band gut genug ist, und sie eine Fangemeinschaft aufgebaut haben, dann geht der Preis automatisch in die Höhe, weil ihr Wert steigt. Wenn nicht, dann eben nicht. Das ist grundsätzliche Marktwirtschaft.
Dummer Weise arbeitet sie genau entgegen der Philosophie, das anständige Arbeit auch anständig entlohnt wird; zumindest am Anfang.

Ich spiele selber in einer kleinen Punkrock-Band. Ich bin aber auch in einem Verein tätig, der es sich zur Aufgaben gemacht hat, Nachwuchsbands zu fördern. Ich kenne also beide Seiten des Geschäfts. In unserem Verein versuchen wir tatsächlich den Bands eine anständig Gage zu gewähren. Es gibt bei uns keine Band die umsonst spielt - und das bieten nicht wenig Bands von sich aus an. Die Mindestgage auf freiwilliger Basis liegt bei 50,- Euro, was wenigstens das Spritgeld widerspiegeln soll. Aber wir gehen auch auf die Bands ein, wenn sie Gagenforderungen stellen. Bis jetzt konnten wir uns noch immer einigen, auch bei bekannteren Bands, die deutlich über der 1000,- Euro Grenze Gagen aufrufen. Gerade bei den klassischen Headliner haben wir oft den Preis deutlich drücken können, weil wir es sonst nicht hätten zahlen können. Wir sind nun mal ein Ehrenamtlicher Verein. Aber unsere Zielsetzung ist schon auch etwas, das in solchen Fällen für uns spricht.
 
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  • #345
Wir sind nun mal ein Ehrenamtlicher Verein. Aber unsere Zielsetzung ist schon auch etwas, das in solchen Fällen für uns spricht.
Und genau für solche Sachen schlägt mein Herz, da verzichte ich gerne auf einen relevanten Teil der Gage. Gäbe es solche Engagement nicht, könnten wir als Gesellschaft komplett zusperren!!!
 
  • #346
Es wird teilweise nicht wertgeschätzt, was viele Musiker tatsächlich an Arbeite mit allem drum und dran reinstecken. Wenn du das aber monetarisieren willst, wird das eben schnell problematisch, weil die Bereitschaft dieses Geld zu bezahlen sehr schnell abnimmt.

Was "viele Musiker tatsächlich an Arbeit mit allem drum und dran reingesteckt haben" interessiert mich z. B. absolut nicht.

Für mich zählt das, was ich sehe und höre: Gefällt mir, oder gefällt mir nicht. Wenn's mir gefällt gebe ich einen Zwanni in den Hut, bzw. zahle Eintritt wenn ich die Band kenne, wenn's mir nicht gefällt gehe ich odere trinke an der Theke und mir ist schnuppe, was die da spielen.
 
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  • #347
Die ganze Diskussion lässt sich sich doch komplett unter "Angebot und Nachfrage" zusammenfassen 😉

Wenn ich etwas anbiete, was keiner haben will, kriege ich kein oder wenig Geld. So ist das nun mal.

In manchen Bereichen gibt es deshalb Kulturförderung, weil irgend jemand an den Geldtöpfen der Meinung ist, dies oder jenes sei förderwürdig. Das kann man sehen wie man will ... muss man vielleicht woanders diskutieren.
Hier geht es ja um den "freien Markt".

Das was @eizo930 schreibt, klingt vielleicht etwas hart, aber als Publikum geht es mir doch genauso.
OK, als Musiker gebe ich "unter Kollegen" trotzdem immer mal einen kleinen Obulus, auch wenn es mir musikalisch nicht so gefällt. Aber das kann man von "normalen Leuten" nicht verlangen.

Wenn es ums Geldverdienen geht, muss man das dann auch quasi professionell angehen.
 
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  • #348
Da beisst sich die Katze dann in den Schwanz. Genau da liegt doch das auch hier bezeichnete Problem. Dem DJ zahlt man jederzeit Geld, wenn man ihn bucht, dem Hochzeitsfotografen erst recht, nur der Band, die man buchen möchte, versucht man gleichzeitig einzureden, man solle froh sein, überhaupt spielen zu dürfen. Also, klare Antwort "Nein, leider honorieren viele den Wert der Musik nicht".
Hier muss man aufpassen WAS man meint sollte honoriert werden:
bei den Beispielen kann man 1:1 erstmal "nur" eine Partyband vergleichen die für die Hochzeit gebucht wird. Die Songs spielen die dem Publikum gefallen, ggf. noch ein zwei Nummern auf Wunsch des Brautpaares einstudieren.
Ob der Wert der Musik honoriert wird kann man dann wie folgt absehen (ganz plump gesagt):
zählt die Stunden zusammen für Brutto-Spielzeit, inkl. Auf- und Abbau, aber ohne Hin- und Rückfahrt/Einladen im Proberaum etc. Multipliziert mit der Anzahl der Musiker habt ihr die "geleisteten" Stunden. Die Gage durch diese Stunden geteilt ergibt den "Stundenlohn". Und jetzt wird's interessant:
die Differenz von diesem Wert zu "ungelernten Kräften" die auf der Hochzeit arbeiten (Garderobe, Bedienungen, Reinigung) - DAS ist das was als Musik honoriert wird - inkl. Equipment-Kauf, jahrelanges Üben etc . Deswegen die Fahrten rausgerechnet - die bekommen die anderen Kräfte auch nicht bezahlt.

Wenn Ihr jetzt merkt dass Euch dieser Betrag sehr gering erscheint (gerade auch wenn man eine ähnliche Vergleichsrechnung etwa mit dem Fotografen oder dem DJ machen würde), dann kann das zu mehreren Erkenntnissen führen:
- ihr verkauft Euch zu billig und erhöht die Gagen. Dann schaut man ob man immer noch genug von der Nachfragekurve trifft
- man erkennt dass man das ganze auch macht weil man Spaß daran hat - mehr Spaß als die erwähnten ungelernten Kräfte an ihren Tätigkeit. Das kann einem dann reichen oder nicht - dann lässt man das.

Aber der Vergleich Hochzeits-Dienstleister mit einer Band die aus Spaß/künstlerischer Selbstverwirkung ihre Musik macht - das sind mehr als Äpfel und Birnen.
Klar, für echten Nachwuchs mag das zutreffen, und damit habe ich auch kein moralisches Problem, hatte ich nie. Wer ohne viel Live-Erfahrung mit seiner/ihrer ersten Band ein bisschen Bühnenluft schnuppern will, muss das nicht sofort gegen Honorar tun. Wenn sich aber Mittvierziger mit Hunderten von Konzerten auf dem Buckel derart abspeisen lassen sollen, läuft imho was verkehrt, selbst wenn die Band erst kurze Zeit besteht.
Es muss halt jemand dafür zahlen wollen.
Um im Beispiel zu bleiben:
wenn Mucker mit Hunderten Hochzeiten auf dem Buckel sich in einer neuen Formation zusammenfinden, dann dürfte es nicht schwierig sein hier Gagen zu argumentieren die in gleicher Höhe zu vergleichbaren alteingesessenen Band sind.
Andere Variante:
Punkband A ist Nachwuchs, ohne viel Live-Erfahrung.
Punkband B besteht aus den Mittvierzigern, frisch formiert aber alle absolute Routiniers.
Wer hat "Anspruch" auf eine höhere Gage? Vom "Musik honorieren" ist es legitim zu sagen B.
Vom marktwirtschaftlichen würde ich als Veranstalter sagen "diejenige die höchstwahrscheinlich mehr Publikum zieht und daher meine Einnahmenseite positiv beeinflusst"
Auch da wieder der Vergleich zum Hochzeitsfotografen. Käme irgendwer auf die Idee, von dem zu verlangen, den Job pro bono zu machen, weil man ja schließlich noch nie geheiratet hat und noch keine Erfahrung mit ihm hat?
Das Bild ist auch schief - natürlich nicht, genauso wenig wie man von einem Maurer verlangen würde umsonst zu mauern weil man noch nicht vorher gebaut hat und noch keine Erfahrung mit ihm hat. Der Punkt hier, genau wie vorher: der Maurer ist Dienstleister der macht wofür man ihn bezahlt.
 
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  • #349
Die ganze Diskussion lässt sich sich doch komplett unter "Angebot und Nachfrage" zusammenfassen 😉

Wenn ich etwas anbiete, was keiner haben will, kriege ich kein oder wenig Geld. So ist das nun mal.

Im Grunde ja. Bei Musik kommt eben die Komponente hinzu, dass professionelle Anbieter mit Hobbyisten konkurrieren.

Wenn Du einen Wasserrohrbruch hast oder es in dein Dach regnet, wirst Du kaum jemand finden, der dir die benötigten Handwerkerleistungen für Lau anbietet, weil er auch gerne mal das Dach oder die Wasserleitungen eines anderen Hauses als das Eigene reparieren möchte.

Allenfalls kannst Du diese Leistungen als Gefälligkeit im Bekanntenkreis beanspruchen, was dann aber auch entsprechend befähigte Bekannte und mittelfristig Gegengefälligkeiten vorausetzt.

Bei Musik gibt es zahlreiche "Anbieter", die frei von wirtschaftlichen Überlegungen bereit sind, Wochenlang einstudierte Musik auf zigtausend Euro an Equipment performt kostenlos anzubieten.

Wenn man mit etwas Geld verdienen möchte, was viele zum Spaß ausüben, muss man sich halt überlegen, wodurch man konkret den wirtschaftlichen Wert der eigenen Darbietung schafft.
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Was "viele Musiker tatsächlich an Arbeit mit allem drum und dran reingesteckt haben" interessiert mich z. B. absolut nicht.

Für mich zählt das, was ich sehe und höre: Gefällt mir, oder gefällt mir nicht.

So ist es eben am Ende aus Sicht "des Auftraggebers".

Gezahlt wird für die Performance. Wie viel Zeit da vorher in Songwriting, Arrangement, Proben, Instrumentenauswahl etc. geflossen sind... ist allenfalls mittelbar wichtig, soweit es sich auch auf die Perfomance in einer Weise auswirkt, die dem Publikum gefällt.

So manch ein Hit wurde in 30 Minuten geschrieben und mach "Meisterwerk" geht sang und klanglos irgendwo unter.
 
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  • #350
Was das Totschlag-Argument der geldgeilen Veranstalter angeht, klar gibt es die, aber das sind viel weniger als man denkt. Für gewöhnlich, und ich vermute in 70-80% der Fälle, ist es ein klarer Vergleich, zwischen Kosten und Einnahmen. Wenn ich für die Band 500,- Euro zahle, hab ich das dann nach der Veranstaltung auch entsprechend mehr in der Kasse? Spült die Band tatsächlich so viele Leute in meinen Laden und lassen diese Leute dann auch entsprechend Geld liegen? Anders gesagt denkt sich der Veranstalter: "Leg ich drauf, wenn ich die Band für dieses Geld spielen lasse?"
Das ist ein wichtiger Punkt.
Vor 20 Jahren schon hat der Wirt einer (ehemaligen) Musik-Kneipe gesagt "ich Veranstalte gerne Konzerte. Aber mittlerweile laufen Freitags und Samstag abends die Top-Spieler der Bundesliga die ich übertrage. Insbesondere wenn die Vereine spielen die vor Ort viele Anhänger haben ist der Laden gut gefüllt, und der Getränkeabsatz läuft ordentlich und kontinuierlich durch. Finanziell gibt es wenig Bands bei denen ich mich besser stelle wenn die hier am Wochenende stattdessen spielen".

Kurz gesagt: die geldgeilen Veranstalter gibt es sehr sehr selten. Und die finanziellen Vorteile die Bands bei anderen generieren werden von Musikern gerne schonmal deutlich überschätzt. Als Faustregel wird besser passen: wer heute Bands Auftrittsmöglichkeiten bietet ist deutlich häufiger Idealist als Raffzahn
 
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  • #351
Musik ist nunmal in erster Linie Hobby. Ganz wenige verdienen Geld damit. Ist ja im Sport ja nicht anders, Fußball und ein paar andere Sportarten mal ausgenommen. Hockey z.B. als eines der erfolgreichsten Sportarten in Deutschland (5 mal Weltmerister, 5 mal olympisches Gold) ist (fast) reiner Amateursport. Ist mir sympatischer als Fußball, der ja auch nicht unwesentlich von unseren Rundfunkgebühren bezahlt wird bzw. deswegen solche Preise verlangen kann.
 
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  • #352
Ich bin mal aus einer SemiProfi-Band gefeuert worden, weil ich kein Pay-toPlay akzeptierte.
Als Band hätten wir Tickets im Wert von mehreren Hundert Euro abnehmen müssen, um uns dann um den Verkauf selber drum können.

Die spinnnen, die Amerikaner!

Namen nenne ich nicht. Es geht zumindest um eine bekannte Kette.
 
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  • #353
Ich komme gerade nochmal aus anderer Perspektive auf das Thema wo ich ein wenig ins Grübeln gekommen bin.
Musiker quasi als nicht als "Veranstalter", aber dennoch als quasi "Arbeitgeber".

Themengebiet: Aushilfe

Betrifft die (Rock-)Bands weniger, bei Orchestern/BigBands/ggf. Cover-Bands aber kein unübliches Thema:
man hat einen Gig, als Anfrage oder schon gebucht. Jetzt fällt ein Musiker aus ohne den es nicht geht, man benötigt nunmehr eine Aushilfe. Da kommen wir ziemlich schnell auf "die andere Seite": man muss sich fragen, was bin ich bereit dem Musiker zu zahlen? Wenn es ein Profi ist kann dessen normaler Tarif locker schonmal 25% und mehr der Gesamtgage betragen.
Wenn es Hobbymusiker aus einem anderen Verein/Klangkörper etc. ist der das Repertoire mit mehr oder weniger Vorbereitung ebenfalls spielen kann - was ist man bereit dem als Aufwandsentschädigung zu zahlen?

Der Hobbymusiker tut was er sowieso macht, und beim Konzert auch noch genau den Teil des Hobbys der (den meisten) am meisten Spaß macht.
Wenn ich mal andere Hobbys als Vergleich nehme: ein Sportverein macht eine Veranstaltung mit der er Einnahmen erzeugt. Nun fällt bei denen eine wichtige Person aus (bspw. Schiedsrichter - auch wenn das vermutlich nicht der Fall ist dass der eigene Verein den stellt, geht mir um das Beispiel der Unverzichtbarkeit) und ein Qualifizierter aus einem anderen Verein würde einspringen - was zahlt man dem als Aufwandsentschädigung? Muss man die "aufwändigere Ausbildung" des Musikers honorieren, oder fasst man es unter "Hobby ist Hobby" zusammen?

Kam' ich nur gerade aus aktuellen Anlass drauf wo wir eine Anfrage haben und mehrere Aushilfen benötigen würden - da hat man dann die "Veranstalter-Brille" auf und fragt sich: lohnt sich das, oder lassen wir es bleiben?
 
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  • #354
Ein Gedanke grad ...
Wenn ich das alles so lese, scheint es mir irgendwie zwei Arten von Musikern zu geben:
Die einen wollen einfach nur spielen, Musik machen, mit anderen, für andere, von innen heraus, im Grunde egal wo und wie ... irgendeine Entlohnung dafür völlig unwichtig ...
Für die anderen ist Musik machen vor allem auch eine Tätigkeit um etwaszu damit zu erreichen, irgendeine Art von Erfolg, "Ruhm und Ehre", Vorteile bei der Partnersuche, oder eben Geld.
Und jede Menge dazwischen ...
Und alles völlig ok.

Nur ein Gedanke. stark vereinfacht ausgedrückt.
 
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  • #355
Muss man die "aufwändigere Ausbildung" des Musikers honorieren, oder fasst man es unter "Hobby ist Hobby" zusammen?

Das hängt doch maßgeblich davon ab, wie

1. Der Ersatzmusiker tickt
2. Wie wichtig der Gig ist.

Ich kann mir vorstellen, dass viele Musiker einfach gegen den rechnerischen Gagenanteil einspringen. Weil sie Spaß daran haben und darauf vetrauen, dass umgekehrt andere Musiker dies bei Bedarf genau so machen würden.

Hat der Ersatzmusiker aber weniger Lust auf den Gig, darf er natürlich Gagenforderungen stellen. Die dann eben für den Rest in der Gesamtschau akzeptabel sind oder nicht.

Es gibt da in meinen Augen keine objektiv faire Lösung, weil es am Ende eben rein subjektiv ist, was das Einspringen für den Ersatzmusiker bedeutet. Einfach ein Job, der vielleicht sogar mit anderen Verdienstmöglichkeiten (auch abseits der Musik) in Konkurrenz steht... oder reine Freude beim gemeinsamen musizieren?
Beitrag automatisch zusammengefügt:

Musik ist nunmal in erster Linie Hobby. Ganz wenige verdienen Geld damit.

Man kann mit Musik Geld verdienen, dann muss man aber das Ganze eben auch als Dienstleistung verstehen. Wenn man hingegen die Musik als Teil der Selbstverwirklichung betreibt, muss man schon sehr viel Glück haben (neben Talent, Aussehen, Charisma etc.) um eine zahlende Zuhörerschaft zu finden.

Wenn man etwas zu bieten hat, dass Leute anspricht, kann man auch mit Straßenmusik durchaus Geld verdienen. Da muss man halt auch der Typ dafür sein.
 
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  • #356
Es gibt da in meinen Augen keine objektiv faire Lösung, weil es am Ende eben rein subjektiv ist, was das Einspringen für den Ersatzmusiker bedeutet. Einfach ein Job, der vielleicht sogar mit anderen Verdienstmöglichkeiten (auch abseits der Musik) in Konkurrenz steht... oder reine Freude beim gemeinsamen musizieren?
+1 - oder ggf. auch eine "kollegiale Vertretung" (kann ja sein, dass ich auch mal nicht kann...)
 
  • #357
Ein Gedanke grad ...
Wenn ich das alles so lese, scheint es mir irgendwie zwei Arten von Musikern zu geben:
Die einen wollen einfach nur spielen, Musik machen, mit anderen, für andere, von innen heraus, im Grunde egal wo und wie ... irgendeine Entlohnung dafür völlig unwichtig ...
Für die anderen ist Musik machen vor allem auch eine Tätigkeit um etwaszu damit zu erreichen, irgendeine Art von Erfolg, "Ruhm und Ehre", Vorteile bei der Partnersuche, oder eben Geld.
Und jede Menge dazwischen ...
Und alles völlig ok.

Nur ein Gedanke. stark vereinfacht ausgedr
Das jede Menge dazwischen unterschreibe ich sofort - schon bei "Ruhm und Ehre" sind ja die meisten dabei dass das durchaus Teil des Spaßes es ist, Stichwort "der Applaus ist das Brot des Künstlers". Im stillen Kämmerlein (allein oder mit Gleichgesinnten) zu spielen und gar nicht auf die Bühne WOLLEN - das gibt es sicher nicht selten, aber der Großteil dürfte da wohl etwas anders ticken.
Das hängt doch maßgeblich davon ab, wie

1. Der Ersatzmusiker tickt
2. Wie wichtig der Gig ist.

Ich kann mir vorstellen, dass viele Musiker einfach gegen den rechnerischen Gagenanteil einspringen. Weil sie Spaß daran haben und darauf vetrauen, dass umgekehrt andere Musiker dies bei Bedarf genau so machen würden.
Solange es kein (regelmässiges) "ich bei Euch, einer von Euch bei uns" gib denke ich auch ist der rechnerische Gagenanteil das Mindeste - dass jemand aushilft und die Band die Gage allein einstreicht (ob sie das ausbezahlt oder im Band/Vereinstopf lässt ist ja ihre Entscheidung) und er dann gar nicht davon sieht, das wäre sicher nicht fair.
Bei Vereinen/BigBands kommt man dann allerdings schon leicht auf einen Quotienten der sich schon fast im Münz- als im Schein-Betrag wiederfindet. Und da wird es schon interessanter ;-)
+1 - oder ggf. auch eine "kollegiale Vertretung" (kann ja sein, dass ich auch mal nicht kann...)
das ist etwas das ich mir auch gut vorstellen kann da mal ans Netzwerken zu kommen, dass mehrere Klangkörper ihre Situation verbessern. Ich weiß alle Stimmen sind gleich wichtig - in der Theorie ;-) Aber bspw. im BigBand-Bereich: wenn wir einen Drummer brauchen dann nehmen wir da einen Profi der das Set verlässlich gut hinbekommt, das wird vermutlich auch so bleiben.
Aber es gibt ja auch Ausfälle wo man sagen würde: "es ist weit entfernt von ideal ohne vierte Trompete zu spielen, aber deswegen sagen wir den Gig nicht ab". Und ich denke da kann man schon Lösungen finden wo man sagt "Kollege X von Band Y spielt mit, das Ergebnis ist schlechter als mit unserer Stammkraft aber insgesamt besser als wenn niemand die Stimme spielt". Mal sehen.....
 
  • #358
Ich kann mir vorstellen, dass viele Musiker einfach gegen den rechnerischen Gagenanteil einspringen.
So läuft das in meiner Szene. In der Regel wird die Gage zu gleichen Teilen aufgeteilt. Auch wenn manche Vollprofis sind und andere Laien, und vom Können her deutliche Unterschiede bestehen. Das fand ich als Anfänger immer sehr fair. Auch wenn jemand kurzfristig dazukommt, mehr Aufwand hat usw. Es wird bei der Anfrage gesagt, was es gibt, und dann sagt man halt ja oder nein.

Es gibt aber auch Bands, wo das anders läuft, wenn zB eine "Rampensau" sich die Musiker zusammenholt.
Bei klassischen Orchestern weiß ich es nicht genau, kann aber wenn von Euch Interesse besteht gern nachfragen. Ich glaube da gibt es auch einen üblichen (inoffiziell) Satz. Kann aber sein, dass Berufseinsteiger oder Studenten weniger bekommen oder das individuell vereinbart wird (zwischen dem Musiker, der was anderes vorhat und der Aushilfe).

"Kollege X von Band Y spielt mit, das Ergebnis ist schlechter als mit unserer Stammkraft aber insgesamt besser als wenn niemand die Stimme spielt".
Das kenne ich so. ZB Veranstalter hat 5 Leute gebucht, einer krank, einer sagt kurzfristig ab ... da kann man schlecht zu dritt aufschlagen. Man möchte ja die Erwartung des AG erfüllen. Musikalisch merkt es eh nur unter 1% der Leute, also holt man sich zwei andere Musikanten dazu, auch wenn es dann nicht so groovt. Ist aber für die anderen teilweise echt anstrengend, wenn zB ein Basser unrythmisch spielt.
 
  • #359
Bei klassischen Orchestern weiß ich es nicht genau,
Gewerkschafts-Infoflyer zu den Mindesthonoraren (Spielzeit 2025/26) . Das richtet sich aber an Profis und verlässt damit den Gegenstand dieses Threads. Ist höchstens zum Vergleich interessant.

Das kenne ich so. ZB Veranstalter hat 5 Leute gebucht, einer krank, einer sagt kurzfristig ab ... da kann man schlecht zu dritt aufschlagen. Man möchte ja die Erwartung des AG erfüllen. Musikalisch merkt es eh nur unter 1% der Leute, also holt man sich zwei andere Musikanten dazu, auch wenn es dann nicht so groovt. Ist aber für die anderen teilweise echt anstrengend, wenn zB ein Basser unrythmisch spielt.
Deswegen ist es essentiell wichtig, Teil einer örtlichen Szene bzw. eines Netzwerks zu sein und einem Veranstalter nicht konkrete Musiker, sondern nur Zahl und Funktion zuzusagen. Aber auch das ist ein Schritt hin zur Qualitätssicherung in der Dienstleistung - allgemein führt der Dienstleistungsgedanke, und allgemein "Geld" immer vom Thema "Hobbymusiker" weg, wie der Thread ja eindrücklich zeigt.
 
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