UKKO-Kontaktmikrophon

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Hallo Leute

vor einiger Zeit sah ich folgende Kontaktmikros für Schlagzeugkessel von dem Hersteller b-band.

Wie bereits in einem Forenbeitrag angekündigt habe ich mir für die Snaredrum solch ein Mikro bestellt. Der Preis ist zwar nicht gerade billig, aber sieht man im Vergleich ein neues SM57 o.ä., dann spielen diese ungefähr in der gleichen Liga.

Ich verwendete für mein SONOR Delite (14"x5" Snare, 13" Tom, 18" Standtom) zuvor jeweils auf der Schlagseite ein SM57 mit Rimclip (Snare), und je ein e604 mit Rimclip (Toms). Diesen Sound habe ich als Referenz genommen und ziehe diesen als Vergleich zu den UKKO's.

Aber jetzt erst von Anfang an...

Die Werbung:
Der Hesteller verspricht eine Soundabnahme ohne Übersprechen. D.h. der Klang der Snare wird übertragen und Toms, Bassdrum etc. werden über dieses Mikro nicht übertragen. So habe ich zumindest das Werbevideo verstanden und so heißt es auch auf einschlägigen Verkaufsseiten.
Das stimmt so nicht! Leider hört man Resonanzfellschwingungen (bedingt durch Bassdrum, Toms etc.) mit. Wer also glaubt, dass ein Übersprechen mit diesen Mikros der Vergangenheit angehört (so der Pressetext), der irrt. Der Fairnesshalber sei aber gesagt, dass es sich hingegen eines nicht ganz optimal positionierten SM57 verringert.

Die Montage:
Laut Montageanweisung, die leider nur in englischer Sprache beiligt, soll das Mikro 5mm unterhalb des Schlagfells in den Kessel geklebt werden. Bei Kesseln mit Verstärkungsringen sollte man das Mikro - da der Abstand nicht einzuhalten ist - unterhalb des Rings kleben. In meinem Fall konnte ich bei den Toms das Mikro auf den Rings kleben und dennoch den Abstand einhalten. Der Klebestreifen hält auch (seit einigen Monaten) bei mir. Für Liveeinsatz wäre mir diese Montage aber persönlich zu riskant. Wenn sich so ein Mikro löst, dann ist der Gig auf dem entsprechenden Kessel gelaufen. Eine erneute Montage würde das Lösen eines Felles mit sich ziehen und das Durchstimmen - das ist bei einem Livegig nicht drin.
Das Flachbandkabel kann dann durch den Luftauslass am Kessel nach außen zum Mikrophonverstärker geführt werden. Selbiger kann entweder am Rims festgeclipt werden oder mittels mitgelieferter Schraube am Luftauslassloch montiert werden. Leider klappt letzteres bei meinem Schlagzeug nicht, da Hardware im Weg ist (Floortom-Bein, Tomhaltesystem etc.). Geclipt funktioniert aber auch einwandfrei und sicher. Das Flachbandkabel des Mikros wird dann an den Vorverstärker angeschlossen.
ACHTUNG: Auf dem Stecker des Kabels befindet sich ein kleiner schwarzer Pfeil (der ist auf dem ebenfalls schwarzen Stecker nicht gut zu erkennen) und gibt die Anschlussrichtung an. Verdreht man's, so bekommt man ein miserables Signal. Bevor man das Plastikgehäuse des Mikrophonvorverstärkers schließt kann man via DIP-Schalter noch EQ-Einstellungen setzten und z.B. ber Snare eine Anhebung bei 500Hz (+3dB) und HiCut mit -6dB. Das ist bei den versch. Mikros (Tom, Snare, Kick) jeweils unterschiedlich. Für Liveeinsatz macht das Sinn und erleichtert dem Mischer etwas die Arbeit. Zu erwähnen bleibt noch, dass die Mikrophonvorverstärker Phantomspeisung brauchen. Ohne die funktionierts nicht.

Der Klang:
Wie schon bereits erwähnt ist das "eliminierte Übersprechen" eher eine, nennen wirs mal "Falschübersetzung des Pressetextes" ;) Das Übersprechen ist, wenn auch in etwas abgeschwächter Version, vorhanden. Wer das komplett eliminieren will, der braucht entweder einen richtig guten Mischer mit entsprechendem Equipment, eliminiert total die Dynamik seines Drumkits oder steigt besser gleich auf E-Drums um. "Ein bisschen Übersprechen klingt doch viel lebendiger" sagte mal ein Freund zu mir.
Im Vergleich zu meinen oben genannten Standartmikros klingen die Ukkos (ohne EQ) eher trocken. Jemand meinte mal sie klingen "steril". Das würde ich so nicht unterschreiben. Ein SM57 klingt eher räumlicher als ein Ukko. Die Kontaktmikros kommen klanglich an ein dynamisches Mikro im Kessel dran. Das umschreibt es am besten. Mit eingeschalteten EQ's klingen sie akzeptabel und gehen schon in die Live-Richtung. Jedoch kommt man nicht um parametrische Mitten im FOH-Pult herum, wenns richtig fett zur Sache gehen soll. Für Aufnahmen nehme ich die Ukkos gerne ohne EQ's, da man beim Mischen noch genug Spielraum dafür hat.

Das Fazit:
Für jemanden, der in sein Hobby bereitwillig Geld investiert sind die Ukkos durchaus eine Investition wert. Jedoch sollte, gerade beim Liveeinsatz, ein fähiger Mensch mit entsprechender Technik am FOH-Platz stehen. Von der Optik her sind die Dinger natürlich der Kracher, da man sie so anbauen kann, dass man es vom Standpunkt des Publikums aus so gut wie garnicht erkennen kann, dass da Mikros an den Drums sind.
Meiner Meinung nach sind sie aber nicht so gut, dass man generel auf dynamische Mikros ab jetzt verzichten könnte. Dennoch sind die Teile ihr Geld wert.
 
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finerip

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Edit: Habe die Mikros jetzt seit rund vier Jahren in meinem Proberaum-Drumset gehabt. Meine Befürchtungen, dass die Mikros sich vom Kessel lösen könnten haben sich nicht bestätigt. Ich habe damit einige Aufnahmen für Demo CD's gemacht und es hat sich herausgestellt, dass auf den Toms die UKKO's meinen Livemikros (e604) überlegen waren.

Ich bin nun dazu übergegangen die Mikros in mein Live-Drumset zu bauen. Zuverlässigkeit haben sie vier Jahre lang bewiesen und wir haben immer ein Mischpult mit param. EQ in jedem Kanalzug (Presonus StudioLive oder besser) bei Livegigs am Start. Mal schauen wie sie sich im harten Bühnenalltag schlagen.

Fazit: Bisher kann ich nur positives von den UKKO's berichten. Der Support war superflink, da ich vor dem Umbau die Firma kontaktiert hatte und diese sich innerhalb eines Tages bei mir meldete. Lediglich der Einbau erfordert etwas Fingerspitzengefühl, ist aber mit entsprechender Sorgfalt von jedem Laien zu handhaben. (y)
 
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Bacchus#777

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Wow, danke für den mal echt guten Langzeittest! :-D

Coole Sache, die Rückmeldung, danke!

Liebe Grüße,
Bacchus
 
i-drummer

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Ja, sehr interessant. Vielen Dank dafür, dass du hier nochmal ein Update geliefert hast! :)
 
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Danke für den Langzeittest!

Magst du uns vielleicht ein paar Vergleichssamples liefern? (ohne EQ, mit EQ, "normales" Mikrofon an der selben Trommel)
Meine Erfahrungen mit Kontaktmikrofonen auf Drums sind äußerst bescheiden, mich würde interessieren ob diese Ukko-Dinger das besser machen, oder den selben Gesetzmäßigkeiten unterworfen sind...
 

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