Umbau Leslie 760

M
MartinM68
Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
21.07.21
Registriert
14.04.21
Beiträge
6
Kekse
0
Ich hatte die Gelegenheit ein Leslie 760N für wenig Geld zu erwerben. Ich konnte das Leslie vor dem Kauf leider nicht Probehören. Bei dem Preis von 250€ habe ich kleinere Reparaturen eingeplant, was dann auch erforderlich war.
- die Endstufe des Hochtöners war defekt
- Motor des Bassrotors quitschte beim Abbremsen
- Basstrommel musste ausgewuchtet werden
- Schimmel unter der Stoffbespannung der Basstrommel
- Brummen der Bassendstufe
Nach kurzem Überlegen habe ich mich dazu entschlossen eine komplette Herz-, Leber- und Nierentransplantation vorzunehmen, also Alles bis auf Lautsprecher und Mechanik rausschmeissen.
Man sollte die Arbeitszeit für so einen Komplettumbau nicht unterschätzen, für die Zeit hätte ich mir auch ein vergoldetes 147 kaufen können.
Mit dem Ergebnis bin ich voll zufrieden.
Eine Kleinigkeit verwundert mich jedoch: Trotz original 15" und riesigem Volumen ist die Tiefbasswiedergabe mäßig, da sollte eigentlich noch mehr kommen. Die Frequenzweiche und die Endstufe bilden sauber den gesamten Frequenzbereich ab.
Interessant wäre natürlich ein 1:1 Vergleich mit einem original 760er.
Hat jemand schon ähnliche Erfahrungen gemacht?
Der nächste Schritt wäre noch ein Röhren-Preamp, kein Umbau auf komplett Röhre.
Die interne Lesliesimulation der HX3 ist wirklich sehr gut, dennoch ist ein echter rotierenden Hochtöner noch authentischer, das hat aber auch sein Gewicht.
 

Anhänge

  • photo_2021-04-13_06-46-48.jpg
    photo_2021-04-13_06-46-48.jpg
    79,2 KB · Aufrufe: 104
  • photo_2021-04-13_06-47-00.jpg
    photo_2021-04-13_06-47-00.jpg
    103,9 KB · Aufrufe: 75
  • photo_2021-04-13_06-47-16.jpg
    photo_2021-04-13_06-47-16.jpg
    96,2 KB · Aufrufe: 78
AchimK
AchimK
Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
24.07.21
Registriert
31.01.21
Beiträge
190
Kekse
722
Ort
Raum Köln Bonn Aachen
Spannend, Martin,
was hast Du denn da alles verbaut?
Sehe 2 Transistor-Verstärker, eine Frequenzweiche für einen Kanal, regelbaren Motor für die Trommel auf den Fotos.
Ich habe gerade über Weihnachten einen Röhrenleslie revidiert und komplett umgebaut, aber mit weitgehend Originalteilen und einem Marshall Amp.
Mit Grüßen
Achim
 
Don Leslie
Don Leslie
HCA Hammond/Leslie
HCA
Zuletzt hier
20.07.21
Registriert
29.08.05
Beiträge
1.863
Kekse
2.324
Ort
Düsseldorf Aachen Köln
Martin,

der 760er hat üblicherweise einen sehr starken Baß und die beiden Kanäle lassen sich ja noch in ihren Pegeln (Eingangspoti) beeinflussen. Ich weiß nicht, ob Du das auch vorgesehen hast.

Meine lapidare Antwort: dann stimmt die Nachbildung des Frequenzgangs in Deiner aktiven Weiche nicht.

Was hast Du da auf der rechten Platine (aktive Frequenzweiche?) verbaut? Ich sehe da zwar viele Trimpotis aber keine kapazitiven Bauelemente.

Ich hatte mal den 760er Amp in LTSpice simuliert. Hier ist der Frequenzgang, blaue, bzw. grüne durchgezogene Linie - nicht vom Phasenplot (gestrichelt) irritieren lassen:
 

Anhänge

  • Bildschirmfoto 2021-04-14 um 09.36.56.png
    Bildschirmfoto 2021-04-14 um 09.36.56.png
    621,9 KB · Aufrufe: 45
Zuletzt bearbeitet:
M
MartinM68
Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
21.07.21
Registriert
14.04.21
Beiträge
6
Kekse
0
Kurze Projektbeschreibung;
- zwei digitale Endstufen , Leistung ohne Ende an 4 und 16 Ohm und 160VA Trafo
- zwei BLDC Motoren und Motorcontroller aus Fernost, günstig. Haben aber auch ihre Eigenheiten. Für den Einsatz aber ausreichend.
- 24V Netzteil, DCDC-Wandler für symmetrische 15V Spannung und 5V für den Arduino Controller
- Frequenzweiche: Basis ist ein Statevariable Filter mit einem UAF44 (Universal Active Filter), das hat die Kapazitäten schon an Bord, braucht nur ein paar Widerstände. Liefert Hoch- und Tiefpass, Trennfrequenz ist sehr genau 800Hz mit geradlienigem Frequenzverlauf, kein Abfall im Bassbereich. Habe ich ausgemessen.
In einem 760 lassen sich die beiden Endstufen getrennt im Pegel regeln, aber es ist keine zusätzliche Bassanhebung. Dafür habe ich auch die beiden Trimmpotis. Das Dritte ist für die Filtergüte, also für die Filtercharakteristik (Bessel, Butterworth usw.).
Filter ist zweiter Ordnung, In einem 760 ist das original ähnlich, nur mit Transistoren aufgebaut, soweit ich die Schaltung verstanden habe.
Wichtig war mir ein elektrisch sicher Aufbau, daher viele dicke PE und Masseleitungen. Die alten Kisten sind ja eigentlich sicherheitstechnisch bedenklich.
Ein paar Kilo habe ich durch den Wegfall der Originalmotoren eingespart.
Mein Bassproblem vermute ich im Lautsprecher, der sieht nicht wirklich gut aus.
Ich kann das Problem aber eingrenzen: Einfach die Endstufe an meine bewährte Bassbox hängen, die kann wirklich tief. Dann kann ich die Elektronik ausschließen.
 
Don Leslie
Don Leslie
HCA Hammond/Leslie
HCA
Zuletzt hier
20.07.21
Registriert
29.08.05
Beiträge
1.863
Kekse
2.324
Ort
Düsseldorf Aachen Köln
Danke für die Eräuterungen. Das Originalfilter im passiven Filter des Röhrenleslie ist ein m-derived filter. Und das aktive Filter im 760 ist dem nachgebildet.
Bist Du sicher, daß Du einen 4 Ohm Speaker drin hast? Oft schleichen sich falsche Speaker ein in diesen Transistor Leslies. Gut, mit Deinen Class-D-Verstärkern
hast Du ja eh' genügend headroom, um da nachzuregeln und anzupassen.

Der Original 4Ohm Lautsprecher hat ja (in den meisten Fällen) die gewebeverstärkte Sicke (braun-orangefarben). Und wenn nichts kratzt, ist dieser Lautsprecher eigentlich die ideale Baßpumpe. Selbst JBL oder andere Ersatztypen haben nicht eine so steife Membran, wo nichts zum Flattern neigt.

Ich darf ja wohl sicher sein, daß Du den Deckel drauf hast, wenn Du den Baß aussteuerst :)

Nachtrag: in nachstehendem Bild seht Ihr meine Lösung, wie ich mal den Endverstärker etwas aufgemotzt hatte. Daneben sieht man auch noch abgebildet einen Class-D 100W Endverstärker. Die verbauten Verstärker haben nur etwa 50W jeder, was aber auch reicht, um den V21 zu killen (der muß dann ohnehin weichen).
 

Anhänge

  • IMG_7618.jpg
    IMG_7618.jpg
    241,3 KB · Aufrufe: 54
Zuletzt bearbeitet:
L
löwenzahn
Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
12.06.21
Registriert
05.04.08
Beiträge
136
Kekse
850
Sehr interessant Martin. Wie hast Du das Motorproblem mit den BLDC Motoren und deren Controllern gelöst. Ich bitte um detailliertere Beschreibung. Was war ausreichend, bzw. ging gerade so? Und laufgeräuschmäßig? Ramp up and down Verhalten?

Michael
 
M
MartinM68
Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
21.07.21
Registriert
14.04.21
Beiträge
6
Kekse
0
Zu den Motoren:
Von drehzahlgeregelten Systemen erwarte ich auch eine stabile Reglung der Drehzahl, das war bei den billigen Controllern so nicht der Fall, man kann den Motor bis zum Stillstand festhalten. Aber da die Last immer gleich ist, können die Drehzahlen halbwegs gut eingestellt werden.
Problematisch ist aber das Bremsverhalten, besonders bei der Trommel. Die Motoren werden jetzt quasi als Generator betrieben, die Energie muss dann durch den Controller abgeführt werden. Das hört sich an wie bei einer Strassenbahn beim Abbremsen.
Daher habe ich beim Bremsen die Endstufentransistoren deaktiviert und durch ein Halbleiterrelais zwei Phasen mit einem kleinen Lastwiderstand (1.5 Ohm) kurzgeschlossen. Da fehlt noch ein wenig Feinjustierung, aber das Prinzip funktioniert gut.
Die Windgeräusche sind auf jeden Fall lauter als die Motoren, von denen ist nicht viel zu hören.
 
L
löwenzahn
Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
12.06.21
Registriert
05.04.08
Beiträge
136
Kekse
850
Danke Martin für die ausführliche Antwort. Interessant, was man so tun kann.

Michael
 
M
MartinM68
Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
21.07.21
Registriert
14.04.21
Beiträge
6
Kekse
0
Jetzt ist meine HX3 mit dem 760er Leslie schon eine schöne Kombination, aber eins fehlt noch: die Röhren.
Aus einem alten AEG Röhrenosci meines alten Herrn habe ich noch einige Einschübe aufgehoben, das war noch sauberste Verarbeitung und die sahen aus wie neu.
Mit dem Röhrenchassis läßt sich leicht die Verdrahtung aufbauen. Dann habe ich noch zwei Telefunken ECC83 Röhren gefunden. Die hohe Ausgangsimpedanz der Röhrenden treibt aber keinen Audioübertrager, der sitzt im Leslie.
Daher habe ich noch einen Operationsverstärker nachgeschaltet.
Da brummt und rauscht gar nichts, scheinbar habe ich alles richtig gemacht.
Jetzt hat mein Örgelchen auch das gewisse Etwas.
Vielleicht kommt der Aufbau ins Leslie, in die Orgel oder in ein eigenes Gehäuse.
Ich kann jedem nur ein Röhrennachbrenner empfehlen, dem Klang ist sonst nicht beizukommen.
Für das richtige Geblubber fehlt wahrscheinlich noch die Röhrenendstufe, die aber auch laut gespielt werden will.
 

Anhänge

  • photo_2021-05-12_18-52-39 (2).jpg
    photo_2021-05-12_18-52-39 (2).jpg
    83,9 KB · Aufrufe: 22
  • photo_2021-05-12_18-52-39.jpg
    photo_2021-05-12_18-52-39.jpg
    82,4 KB · Aufrufe: 23
AchimK
AchimK
Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
24.07.21
Registriert
31.01.21
Beiträge
190
Kekse
722
Ort
Raum Köln Bonn Aachen
eins fehlt noch: die Röhren.
Die hast Du ja dann! Mit wieviel Volt betreibst Du den Pre(?)Amp? Was für ein Netzteil?
Dann kannst Du Dir ja einen Combo Preamp sparen? Line Ausgang max 1V bei der HX-3. Leslie Eingang max. 5Volt?
Kannst Du was zur Röhrenschaltung sagen? Ich habe mir einen solchen Vor-Verstärker nach dem Muster des Valve Casters gebaut. Habe aber noch Störungen vom Netzteil. Habe jetzt ein Labornetzteil geliehen, um zu probieren...

VG
Achim

Valve caster Vorverstaerker.png
 
M
MartinM68
Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
21.07.21
Registriert
14.04.21
Beiträge
6
Kekse
0
Ich betreibe die Röhren mit 125V DC. Ein Brummfreies Netzteil ist das Wichtigste. Das Netzteil besteht aus zwei Trafos. Einmal von 220V AC auf 12V AC und dann wieder das andere von 12V AC auf 110V AC. Nach der Gleichrichtung und Filterung usw. bleiben dann 125V DC mit einem sehr kleinen Ripple übrig. Das Netzteil liefert mir die symmetrische 12V Spannung für den OP und die Heizung und auch die 125V.
Bei der Verdrahtung ist schon etwas Aufwand erforderlich, kurze Wege, saubere Masse. Ich bin immer noch überrascht wie sauber der Preamp klingt. Keine Nebengeräusche und die Röhren sind auch bestimmt schon 40 Jahre alt.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: 1 Benutzer
M
MartinM68
Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
21.07.21
Registriert
14.04.21
Beiträge
6
Kekse
0
Kurzer Nachtrag:

Die ganzen Schaltungen für Röhrenpreamps, die so im Netz zu finden sind, sind meiner Meinung nach unbrauchbar.
Die Übersteuerung ist mehr ein Kratzen als eine kultivierte Sättigung der Röhren.
Die ganzen mehrstufigen Röhrenverstärker, auch der Valve Caster, verstärken das Signal immer weiter, ein langsamer Übergang
in den Sättigungsbereich ist nicht vorhanden. Außerdem wird das Signal recht unsymmetrisch, welches geradzahlige Oberwellen
verursacht, das klingt grausig.
Bei kleiner Anodenspannung arbeiten die Röhren nicht richtig, definierte Arbeitspunkte lassen sich nicht einstellen. Ich habe jetzt meine Spannung auf 200V hochgesetzt.
Gut klingende Röhrenverstärker sind nicht in einem Feierabendprojekt zu haben. Mit diesen Vorlagen oder Bausätzen
wird keiner glücklich. Auch etablierter Röhren-Schmieden mit gut klingendem Namen leisten sich üble Schnitzer.
Natürlich schreckt die hohe Spannung viele Bastler ab, aber
No risk no fun.
 
AchimK
AchimK
Registrierter Benutzer
Zuletzt hier
24.07.21
Registriert
31.01.21
Beiträge
190
Kekse
722
Ort
Raum Köln Bonn Aachen
einen Röhrenleslie revidiert und komplett umgebaut, aber mit weitgehend Originalteilen und einem Marshall Amp
Die ganzen mehrstufigen Röhrenverstärker, auch der Valve Caster, verstärken das Signal immer weiter, ein langsamer Übergang
in den Sättigungsbereich ist nicht vorhanden
Interessante Info. Aber bei meinem Set-up sorgt der Marshall ja schon allein für das Röhrenbebrutzel. Der Valvecaster soll nur noch die Verzerrung bei Zimmerlautstärke ermöglichen. Laut braucht es den nicht, das kann der Marshall alleine: aber ich sitze nur 1,5m neben meinem Leslie und dann fliegen mir die Ohren weg...
 

Ähnliche Themen

Neue Themen

Unser weiteres Online-Angebot:
Bassic.de · Deejayforum.de · Sequencer.de · Clavio.de · Guitarworld.de · Recording.de

Musiker-Board Logo
Oben