Umsetzung von Chorälen auf dem MIII

von Bernnt, 08.07.18.

  1. Bernnt

    Bernnt Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 08.07.18   #1
    Hallo MIII-Spieler,

    mich würde interessieren, wie ihr die Stimmen von Chorälen auf dem MIII-Akkordeon verteilt. Bisher habe ich eigentlich immer drei Stimmen nach rechts gelegt und nur die Bass-Stimme auf dem MIII gespielt. Dabei bin ich regelmäßig auch Kompromisse eingegangen und habe Akkorde "zusammengepfercht", wenn der Abstand zwischen den Stimmen im Diskant zu groß wurde und ich sie darum schlecht auf meinen Tasten greifen konnte.

    Die Stimmen eines Chorsatzes sind natürlich anders verteilt. In der Regel ist ja der Tenor und der Bass im Bass-Schlüssel und der Sopran und der Alt im Violin-Schlüssel notiert. Vielleicht bietet es sich an, den Bass und den Tenor auf das Melodiebass-Manual zu legen. Was denkt ihr? Wie setzt ihr so etwas um?

    P.S. Mir geht es wirklich nur um Choralmelodien, nicht um komplexe Chorwerke, die in "Fugenmanier" gesetzt sind.
     
  2. Monteverdi

    Monteverdi Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.07.18   #2
    Ich finde Deine erste Idee (links nur den Bass zu spielen) klanglich am schönsten. Erst Recht, wenn es sich um Kantionalsätze aus dem Generalbasszeitalter handelt. Leider hast Du es da auf Tasten etwas schwerer als die Knopfspieler. Wie Du es ja schon machst, muss Du auf Tasten den Tenor des öfteren oktavieren, um es überhaupt greifen zu können (oder sogar den ganzen Akkord leicht umbauen). Aufpassen musst Du, dass sich dadurch keine unschönen Quintparallelen ergeben.
     
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  3. Bernnt

    Bernnt Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.07.18   #3
    Aufpassen ich werde, @Monteverdi, wenn ich weiß, was das eigentlich genau ist und wie ich in das Schlamassel rein komme.

    Gelernt habe ich beim Thema Quintparallelen, dass zwei Stimmen nicht parallel in einer Quinte geführt werden dürfen. Stimmt doch so, oder? (Wikipedia und google-Treffer sind mir hier meist zu kompliziert). Ich kriege aber bei Gitarren-Powerchords im Gegensatz zu Bach (?) keine Bauchschmerzen. Außerdem ist mein Gefühl dafür fast völlig abgestumpft, zumal so was ja heutzutage gehen und häufig verwendet wird. Wie erkenne ich bei den Chorälen sofort, dass ich laut den alten Regeln Mist mache? Gibts da irgendeine Brille, die man aufziehen kann?

    P.S. Ist das immer so, dass man die drei Stimmen nach rechts legt? Ich meine, man könnte doch wenn man wollte bestimmt alles mit einem 16'-Register rechts spielen und den Melodiebass darauf anpassen? Ist das bei allen Akkordeons klanglich so schöner? Oder ist das Problem, dass man es bei einem Choral ja gerne etwas lauter hätte, weil da viele Leute vielleicht mitsingen, man darum rechts ein 16'C+8'C-Register bräuchte, zu dem man links nichts passendes findet?
     
  4. Monteverdi

    Monteverdi Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.07.18   #4
    Wenn Alt und Tenor in Quartparallelen gehen (z.B. Alt c1-d1, Tenor g-a) und man dann den Tenor eine Oktave höher nimmt, erhält man automatisch Quintparallelen. Deswegen vermeidet man im doppelten Kontrapunkt ja auch Quartparallelen.

    In einem relativ strengen 4stimmigen Satz klingen Quintparallelen nunmal doof. Wenn Dich das nicht stört, mach sie halt ;-)
    Deine Powerchords auf der Gitarre haben damit gar nichts zu tun. Bach macht unter bestimmten Umständen natürlich auch Quintparallelen. Es kommt immer darauf an :-)

    Ich habe nicht gesagt, dass man die drei Oberstimmen immer nach rechts legen MUSS. Es klingt für mich nur einfach meist besser. That's all. Wieso findest Du zu rechts 16+8 links nicht passendes? Nimm doch einfach einen fetten Standardbass dazu. Oder bleib im Melodiebass in der letzten Oktave (was aufs Gleiche hinausläuft ... *g*):
     
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  5. Bernnt

    Bernnt Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.07.18   #5
    War vielleicht etwas extrem ausgedrückt. Aber ich will ja eigentlich, dass die Stimmen fast unterscheidbar zusammen klingen. Mit dem 16' wird das was, da passt die linke Seite ganz gut dazu. Spielt man rechts 16'+8', kriegt man zwar ein entsprechendes Register links, aber dieselben Töne oder Griffe unterscheiden sich schon ziemlich, je nachdem ob man links oder rechts spielt. Vielleicht ist das der Grund, warum du es besser findest, rechts drei Stimmen zu haben. Wahrscheinlich in der Tat aber einfach Geschmacksfrage und wohl abhängig vom Satz. Ich probier jetzt einfach mal ein paar verschieden gesetzte Choräle mit beiden Möglichkeiten aus, übt ja auch die MIII-Spielkunst.
     
  6. Monteverdi

    Monteverdi Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 10.07.18   #6
    Du meinst ununterscheidbar, oder? Das ist allerdings gar nicht erwünscht, der Bass hat (neben dem Sopran) immer eine besondere Rolle zu spielen und es ist gut, wenn er sich klanglich von den Mittelstimmen abhebt.

    Mit 16+8 spielt man in der Regel eine Oktave höher, Du machst es aber offenbar in tiefer Lage, so dass alles quasi eine Oktave tiefer klingt? Das stelle ich mir klanglich sehr unsauber vor, gerade bei Chorälen auf Tasten, wo die rechte Hand eher in enger Lage spielt.
     
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  7. Akkordeonengel

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    Erstellt: 10.07.18   #7
    Hallo,


    ich habe eine ähnliche Meinung, wie Monteverdi. Was die Stimmen betrifft, hängt alles von der Akustik des Raums ab, in dem ich spiele. In dem kleinen Raum von meinem Wohnzimmer reichen nur eine oder zwei Stimmen ( 8´ oder 16´+ 8´) im Diskant genug. Größere Räumen erfordern manchmal die Zugabe einer 4´- Oktave. Dies hat jedoch schon einen ziemlich negativen Einfluss auf die Klarheit und Brillanz des Spiels. Aber das ist nur meine subjektive Meinung.
    Ich denke, Bernnt hat eine Frage gestellt, die nicht mit ein paar Sätzen beantwortet werden kann. Jedes Werk muss einzeln und individual trainiert und studiert werden. Das Instrument selbst und seine klangdynamischen Fähigkeiten haben einen großen Einfluss auf das Ergebnis des Spiels. Die Art der Diskant-Tastatur (Tasten/Knöpfe) und des Basseinzeltonmanuals (vorgelagert / Konverter) sind ebenfalls wichtig. Und das Publikum und seine Ansprüche sind auch von Bedeutung...

    Gruss, Vladimir
     
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  8. morino47

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    Erstellt: 10.07.18   #8
    Das verwundert mich etwas. Die Ergänzung des Klangs durch den 4' ist doch in einem größeren Raum in einiger Entfernung vom Spieler gar nicht mehr hörbar. Erst recht, wenn der Raum mit Zuhörern besetzt ist. Vielleicht gilt Deine Aussage, Vladimir, vor allem für den Spieler selbst, dass er eine größere Brillianz beim Spiel mit dem 4' empfindet.

    Nebenbei: ich war mal bei einem Galliano-Konzert, saß etwa in der 5. Reihe eines großen Konzertsaals. Ich habe gesehen, dass Galliano öfters das Register gewechselt hat. Klanglich gab es für mich durch die Registerwechsel jedoch nie einen Unterschied, es klang halt stets nach Akkordeon. Aber vielleicht sind auch meine Ohren nicht mehr gut genug.

    Viele Grüße

    morino47
     
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  9. Monteverdi

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    Erstellt: 10.07.18   #9
    Ich würde so sagen: in extrem kleinen Räumen nervt der 4' ein wenig, in etwas größeren Räumen hören wir dann deutlich Oktaven bei 8+4. In großen Räumen aber verschmelzen 8+4 zu einem einzigen Klang - und das ist eigentlich gewünscht, nämlich dass der 4' nur eine Klangfärbung des 8' bewirkt. Also ich höre diese Unterschiede sehr deutlich, auch mit großem Abstand vom Instrument.
     
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  10. Akkordeonengel

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    Erstellt: 10.07.18   #10
    Hallo,

    große Räume verhalten sich akustisch oft sehr "unvorhersehbar". Während Sie im leeren Raum einen Soundtest machen können, ist es nicht möglich, den Test vor der vollen Halle zu machen. Es ist klar, dass der Zuhörer einen anderen Klang hört als der Spieler wahrnimmt. In solchen Fällen sind die Registrierungswechsel für den Spieler wichtiger als für den Zuhörer. Zumindest, weil sie dem Spieler in einem unbekannten Raum erlauben, sein eigenes Spiel besser wahrzunehmen...

    Liebe Grüße, Vladimir
     
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