Vergleich CLP-675 Kawai CA-78

von Boschy, 09.10.18.

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  1. Boschy

    Boschy Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.10.18   #1
    Hallo,
    ich habe bisher hier fleißig mitgelesen und möchte nun einmal etwas zurückgeben, indem ich einen Vergleich vom CLP-675 (mein altes Piano) und dem Kawai CA-78 (mein neues seit kurzem) anstelle. Speziell zum Vergleich dieser zwei Konkurrenten habe ich wenig im Netz finden können. Wer sich mit einer Kaufentscheidung beschäftigt, möge daraus Nutzen schöpfen! Ich werde nicht so sehr auf nachlesbare Details (wie Bluetooth-Konnektivität, Anzahl Boxen usw.) eingehen, sondern auf Dinge, die teils subjektiv sind und sich erst erschließen, wenn man davor sitzt.

    Zu meinem Spiel: 85% Klassik (Chopin, Schubert, Beethoven, Bach, Mozart) und 15% Modern (Ameilie, Pop, Rock-Cover).
    Meine Erfahrung: 20 Jahre Digitalpiano (angefangen mit Yamaha-50-Euro-Keyboard über Masterkeyboard mit Soundmodul bis zum CLP470) / Zwischendurch auch mal echtes Klavier und Flügel

    -Aufbau:
    Bekanntermassen sind diese beiden Versionen die jeweils besten noch aufbaubaren ihrer Klasse. Eine Stufe höher (CLP685 bzw CA98) wird's A) teurer und B) nicht mehr alleine auf- und abbaubar (bzw mit hohem Aufwand). Das war für mich jeweils mit eine Kaufentscheidung und ich muss sagen: Alleine schleppen kann man die Dinger nicht aber der Aufbau gestaltet sich denkbar einfach und ist in 30 min erledigt. Sehr ähnliche Systeme der beiden Pianos, was den Aufbau betrifft.

    -Tastatur (und Pedal):
    Entscheidender Vorteil hier beim Kawai: Sie ist extrem leise!!! Ein wesentlicher Grund für den Verkauf vom CLP war die sehr laute Tastatur. Sie war in Nachbarräumen noch hörbar, was den Kopfhörermodus für mich obsolet gemacht hat (habe leider auch eine empfindliche Frau). Das gleiche gilt übrigens fürs Pedal. Auch dieses ist beim Kawai fast nicht hörbar und beim Yamaha lauter.

    Vom Spielgefühl muss jeder selbst entscheiden, welche Tastatur ihm mehr liegt. Kawai ist aus meiner Sicht deutlich leichtgängiger und lässt besser "piano" bis "panissimo" zu. Auch Triller gelingen mir jetzt wieder besser. Beim wuchtigen Reinhauen ist Yamaha berechenbarer. Zum Teil habe ich die Übergänge beim Kawai vom normalen Spiel zum Fortissimo als zu abrupt empfunden. Selbstverständlich kann man das aber in der Klangregulierung einstellen.

    Die Wertigkeit der Tasten ist bei Kawai durch das seitlich sichtbare Holz und die Textur der Oberfläche hoch. Yamaha hat jedoch die sauberere Verarbeitung. Beim Kawai waren nach dem Aufbau noch minimale Kleber(?)-Rückstände an vereinzelten Tasten (ich will lieber nicht wissen, was passiert, wenn die in die Mechanik geraten). Ausserdem ist an jeder Taste ein feiner Grat erkennbar im Bereich der Tasten"lippe" (oben vorn die Wölbung - schwer zu erklären). Stört aber keineswegs beim Spiel und ist nur bei genauem Betrachten auffällig. Der Fairness halber muss ich aber (zugunsten von Kawai) dazu sagen, dass eine Taste beim Yamaha ein leichtes "Klack" beim Repetieren hören liess. Nicht wirklich schlimm aber an der Grenze zum Reklamierbaren (habs nie reklamiert). Wird wohl ein Einzelfall gewesen sein.

    -Klang (hauptsächlich Flügelklang):
    Ich weiss nicht wieviele Stunden ich den Leuten vom Just-Music in Hamburg auf den Zeiger gegangen bin mit Probespielen. Die dezenten Hinweise vom Personal haben mir gezeigt, dass es wohl zu viel und zu laut war. Danke, Jungs, für Eure Geduld. :)
    Ich hatte sowohl CLP-4,5,6er Serie als auch Kawai CA-67,97,78,98 sowie Roland LX (mit Physical Modelling - so gar nicht mein Fall - viel zu schwammig und überlagert der Klang aus meiner Sicht) und Casio (auch nicht mein Ding) unter meinen Fingern.

    Was habe ich mich schwer getan! Ich kam von einem CLP-470 und bin zunächst zum CLP-675 gewechselt. Das CLP-575 ist aus meiner Sicht die unglücklichste Sound-Entwicklung von Yamaha bisher. Viel zu dumpf und undefiniert. Das hat sogar einer der sonst Yamaha-affinen Verkäufer zugegeben. Aber auch das CLP-675 ist aus meiner Sicht nicht wirklich natürlicher vom Klang her, als das CLP-470. Ich war enttäuscht vom Kopfhörerklang und von den Höhen. Schwer zu beschreiben aber irgendwie synthetisch. So richtig ist mir das erst zuhause aufgefallen. Dafür ist die Dynamik deutlichst besser geworden. Wenn man richtig in die Tasten haut, kommt auch was rum beim 675. Das kann schon beeindruckend sein.

    Die Kawai-Modelle 67 und 97 hatte ich natürlich immer mit probegespielt aber damals kam mir der Klang bei denen noch unnatürlicher vor (was auch an der Raumakustik gelegen haben kann). Tastatur fand ich immer sehr gut aber der Klang hatte mich nicht überzeugt.
    Ganz anders hingegen war es beim CA-78. Was mir persönlich besonders schnell auffiel und sehr gut gefällt, sind die wunderbarst in Szene gesetzten höheren Töne!!! Die schweben und klirren und perlen!!! Das kann man besser kaum umsetzen. Ich komme ins Schwärmen! Muss wohl auch am Onkyo-Soundsystem liegen. Die Bässe sind dafür teils etwas zu dominant. Jedoch gibt es zahlreiche Flügel und auch Einstellungsarten. Hier muss ich noch ausprobieren, was geht. Sehr schön auch die Übertragung des Charakters des jeweiligen Instruments. Beim Upright-Piano klingen ganz spezielle Töne immer völlig anders, als die benachbarten. So als wäre das eben die Charakteristik dieser einen angeschlagenen Seite. Natürlich gibt's auch die Resonanzeffekte sowohl bei Yamaha als auch Kawai.
    Sehr sehr schön umgesetzt hat Kawai das Geräusch beim Pedaldrücken und Tasten-Loslassen. Insbesondere ist es von der Ortung her mindestens oktavengenau zuzuordnen. Die Lautstärke variiert je nach Intensität des Drucks (aufs Pedal) bzw. Loslassens (der Tasten).
    Der Vollständigkeit halber sei auch erwähnt, dass es beim Kawai endlich mal Sinn hat, die Streicher einzusetzen. Klassische Stücke - nur mit Streichern gespielt - kommen sehr gut zur Geltung. Beim Yamaha klang das eher abgehackt und synthetisch. Extreme Auswahl an fantastischen Orgeln und orgelähnlichen Instrumenten beim Kawai (ca. 10-15 Stück). Die Gitarre fand ich beim Yamaha besser aber kam nur am Rande zum Einsatz. Harpsichord gleichwertig. Harfe beim Kawai aus meiner Sicht schwach umgesetzt - bei Yamaha aber gar nicht vorhanden. Honkey-Tonk fehlt beim Kawai (sehr schade), ist beim 675 okay aber nicht hervorragend.

    -Kopfhörer-Klang:
    Ich nutze die Beyerdynamics DT-990 Pro (offen - 250 Ohm). Beim Yamaha war mir der Klang eindeutig zu "synthetisch". Es hat etwas gefehlt, was die Echtheit des Flügelklanges betrifft. Beim Kawai bin ich da schon viel mehr angetan vom Klang. Auch die erwähnten Side-Effects (Pedalgeräusch, Tastengeräusche) kommen perfekt räumlich angeordnet zur Geltung. Manchmal war es mir zu wuchtig und zu dominant über Kopfhörer. Hier muss ich aber noch einiges ausprobieren, um ein Urteil zu fällen.

    -Bedienfeld:
    Es ist etwas unfair, das veraltete Knöpfchen-System von Yamaha mit dem neuen Touch-Screen von Kawai zu vergleichen. Was mich aber schon immer bei Yamaha gestört hat, war die Ermangelung an Speichermöglichkeiten der Instrumenteneinstellungen. Sehr nervig, immer wieder alles erst neu einprogrammieren zu müssen (Hall, Touch-Curve, etc). Das hatte Kawai wohl auch schon beim CA-67/97 drauf.

    Wenn ich die Wahl hätte, würde ich mir das Bedienfeld beim Kawai rechts wünschen. Für Rechtshänder eher ungewöhnlich, ein Touchpanel mit Links zu bedienen. Ist aber machbar. Graphisch auf hohem Niveau das Ganze - sehr schöne Instrumentendarstellung. Bedienbarkeit ist intuitiv und ohne große Macken. Ab und zu trifft man beim Scrolling das Ziel nicht aber das hält sich im Rahmen. Die Wartezeit ist mit ca. 12-15 sec recht hoch beim Hochfahren des Bedienfeldes. Gespielt werden kann aber schon eher (also bevor Touchscreen bereit ist). Beim Yamaha waren es etwa nur 5 sec, bis alles einsatzbereit war.

    So - das soll erstmal reichen. Ich bin sehr froh, nun endlich mit dem Kawai mein Gerät gefunden zu haben. Die Messlatte für Roland, Yamaha, Casio wurde mit der neuen Kawai-Serie extrem hoch gehängt, wie ich finde. Ich hoffe, dass die Qualität auch über Jahre hoch bleibt (insbesondere was die Tasten angeht). Hier hat Yamaha in der Vergangenheit immer Instrumente für Jahrzehnte geschaffen.

    Einen Wunsch hätte ich noch an alle Digitalpianohersteller: Baut endlich mal abschliessbare Deckel!!!!! Haben Eure Ingenieure denn keine Kinder? (Oder sind Kekskrümel unter den Tasten vielleicht sogar erwünscht, damit die Wartungstechniker auch beschäftigt werden?)

    Fragt mich gern zu weiteren Details - und sorry, falls ich zu parteiisch war - alles mein subjektiver ehrlicher Eindruck.
     
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  2. stuckl

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    Erstellt: 09.10.18   #2
    Hi,

    vielen Dank.

    Touchscreen wuerde mich wohl doch etwas stoeren.
     
  3. Boschy

    Boschy Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.10.18   #3
    Ja. Das ist echt Geschmackssache. Hat aber die Vorteile, dass es flexibler für Updates ist und beim Spielen quasi verschwindet. Dann hat man nur noch eine schwarze Oberfläche.

    Was stört dich eigentlich genau am Touchscreen? Ich meine drücken musst du ja so oder so was.
     
  4. Claus

    Claus MOD Brass&Keys - HCA Tp Moderator HCA

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    Erstellt: 09.10.18   #4
    Ich finde den Touch Screen zeitgemäß.



    Eine mechanische "Schalter & Knöpfe"-Lösung würde auch bei Display-Anzeige entweder deutlich weniger Funktionen bieten oder das Home Piano Design zum Cockpit verunstalten, man kennt das von den Yamaha CVP-Modellen. :rolleyes:

    upload_2018-10-9_14-54-36.png
    Quelle https://www.thomann.de/de/yamaha_cvp_709_pe.htm

    Gruß Claus
     
  5. sirweasel

    sirweasel Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 18.10.18   #5
    Danke für diesen Vergleich. Ich lerne jetzt schon seit knapp 3 Jahren und habe noch mein Yamaha YDP-S51 mit dem ich begonnen habe. Nicht das ich jetzt schon sonderlich gut Klavier spielen könnte ;) aber schön langsam kommt bei mir auch Lust auf nach etwas das dem Original etwas näher kommt. Auch was die Anschlüsse angeht habe ich damals noch nicht so sehr darauf geachtet. Hatte mir letztes Jahr Klinkenkabel gekauft um mein Piano fix mit meinem Audio-Interface am PC zu verbinden nur um dann festzustellen dass meins gar kein Line-Out hat. :rolleyes:
    Das Kawai steht CA-78 steht bei mir auch sehr hoch auf meiner Favoritenliste - damals habe ich auch mit dem CA-67 geliebäugelt. Berichte gerne über deine Langzeiterfahrungen - ich werde wahrscheinlich fühestens im nächsten Jahr upgraden. Ich kann mich erinnern dass es bei der letzten CA Serie hin und wieder Beschwerden gab dass sich die Tasten schnell abgreifen.
     
  6. coucou

    coucou Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 25.10.18   #6
    kann ich leider bestätigen. Ich habe das CA 98 seit Februar und einige viele Tasten (noch nicht alle) erzeugen leise aber trotzdem störende undefinierbare Nebengeräusche. Das ist ca 3-4 Monate nach Kauf aufgetreten.
     
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