Wagner- Drittes Reich??

von nine, 09.09.06.

  1. nine

    nine Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.09.06   #1
    Hey!

    Kurze Frage an alle Wagner Fans:
    Warum spielte die musik Wagners im Dritten reich eine so große Rolle??
    Also das seine Stücke von Hitler sowie dessen Anhänger falsch gedeutet wurden und sie so als die Musik der Nationalsozialisten galten, ist mir bewusst. Nur gibt es doch mit Sichrhet noch einiges mehr zu diesem Thema??!!

    Lg
     
  2. VerbotenUNS

    VerbotenUNS Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.09.06   #2
    Weil sich Wagner auch Antisemit war und antisemitische schriften veröffentlicht hat (-> "Das Judemthum in der Musik") einfach aus dem Grund weil er neidisch auf den Erfolg seiner jüdischen Musikerkollegen war.
    Vielleicht auch weil Wagners Musik auch ein gewisses heroisches flair vermittelt und somit als traditonell und Ur-Deutsch Galt oder vielleicht deswegen gilt.



    Mfg, Tino
     
  3. Sunbird

    Sunbird Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.09.06   #3
    Da wird man bei google vieles drüber finden.
    Hier z.B bei Wikipedia ist ebenfalls etwas darüber erwähnt:

    Richard Wagner - Wikipedia

    Man sagt ja auch das Hitler selbst ein großer Wagner "fan" war und seine Musik zu Propaganda zwecken missbraucht hat. In seinen Stücken wird ja oft auch das Germanische Heldentum Glorifiziert usw.
     
  4. nine

    nine Threadersteller Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.09.06   #4
    Danke.
    Seit Ihr sicher das Wagner selbst nationalsozialistisch angehaucht war und `neidisch´ auf seine jüdischen Kollegen war?? Also nah dem was ich gelesen habe kommt es mir eher nicht so vor?!

    Lg
     
  5. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 09.09.06   #5
    Man kann an so etwas nicht mit der mentalität (und unwissenheit) von heute herangehen. Wenn Wagner über das judentum redete (besser, er hätte weniger geschrieben, aber er hatte das bedürfnis, für sich und sein werk zu werben) und Meyerbeer meinte - - - wer kennt und spielt heute noch Meyerbeer?
    Wie gern hätte Wagner seine "oper am Rhein" verwirklicht, freier eintritt für jedermann!
    Aber der barrikadenkämpfer von 1849 und politische, steckbrieflich gesuchte flüchtling musste einsehen "die verhältnisse, die sind nicht so", und ohne mäzene wie Ludwig II. und später die schlotbarone ging nichts in Deutschland, traurig, aber wahr. Sein werk passte in die gründerzeit mit ihrer germanentümelei, "Germania" auf der briefmarke, "Walhalla" bei Regensburg. Aber Wagner war mit Bakunin, dem anarchisten befreundet, kannte Karl Marx und den "fluch des goldes", welche widersprüche!
    Verdi schwamm gleichzeitig auf einer woge von patriotismus, aber die Italiener hatten besatzungsmächte und den kirchenstaat im land, da gab es das gefühl der befreiung, und niemand hat je daran gedacht, ihn "ent-faschistisieren" zu müssen, obwohl Mussolini ihn mochte, er hatte auch keine antisemitische schrift veröffentlicht. Zu einem einigen Deutschland führte der weg nur über 3 kriege mit allen ihren folgen.
    Und um einen irrtum zu berichtigen, von '33 -'45 wurde mehr Beethoven gespielt als Wagner, aber bum-bum-bum-bum hatte Radio London gepachtet, und so blieb er verschont.
    Hätte man doch nach '45 staat, justiz und wirtschaft so eifrig entnazifiziert wie die an allem unschuldige musik von Liszt und Wagner (Bruckner kam davon, weil die maßgeblichen leute ihn nicht kannten, dummheit hat manchmal etwas für sich) !
    Großartige musik übrigens, wir sollten stolz sein, sie zu haben !

    Und so ganz nebenbei, die nachkriegsdeutschen waren dieselben wie vorher, nur redeten sie jetzt anderen nach dem munde, so wie sie es vorher getan hatten und machten dabei nicht immer eine gute figur. Und wenn ich mich heute umschaue, ist es auch nicht viel anders, aber "verachtet mir die meister nicht und ehrt mir ihre kunst!"
     
  6. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 11.09.06   #6
    Das das thema einiges interesse gefunden hat, möchte ich es vertiefen.
    Wagner war wie viele seiner zeitgenossen demokrat, aber an eine republik war zu seiner zeit nicht zu denken. Sächsische revolutionsweisheit :"mir wollen geen börcherkriech, mer sin jo alle eenig, mir schwöern uff de republik un unsern gudn kenich!". Während der revolutionen 1848/49 traten die gekrönten häupter als "erste bürger" ihrer staaten auf, der preußische "kartätschenprinz", der gern auf die canaille geschossen hätte, begab sich nach England, hohe persönlichkeiten fliehen nicht, er wurde dann erster deutscher kaiser.
    Deutsche mythologie war "in", die brüder Grimm sammelten märchen und sagen, Hoffmann aus Fallersleben schuf neben unserer hymne wie Friedrich Silcher viele bis heute als volkslieder gehandelte lieder, Schwind malte die rekonstruierte Wartburg aus usw.usf.
    Die Siegfried-sage war in unscharfen konturen in der Edda überliefert, klarer in dem höfischen Nibelungenlied, Wagner, der selbst alle seine texte schrieb, gab den alten sagen eine neue deutung, er mixte den christlichen erlösungsdrang hinein, alle seine helden müssen durch ein reines weib erlöst werden, treu bis in den tod! Was er selbst erlebt hatte in seiner ersten ehe mit Minna, einer schauspielerin, entsprach gewiss nicht diesen vorstellungen, ob es die liason mit Mathilde Wesendock und die spätere ehe mit Cosima geb. Liszt oder d'Agoult (die waren ja nicht verheiratet), geschiedene v.Bülow tat, wage ich zu bezweifeln, aber leben und phantasie gehen oft getrennte wege. Aber einige gedanken Wagners waren neu. Im "Ring des Nibelungen" sind es die götter selbst, die schuldig sind des wortbruchs, der intrige, des verstoßes gegen die eigenen gesetze und dadurch die katastrophe heraufbeschwören (bei christen sind es immer die sündigen menschen), die "Götterdämmerung" ("Ragnarök" gibt es als endzeit-vorstellung schon in der Edda). Über macht- und geldgier als wurzel vieler übel lohnt nachzudenken.
    Aus der nummernoper wurde musikalisches drama (Mozart und Weber waren vorausgegangen), das orchester bekam eine gewichtige rolle, griff mit "leitmotiven" in die handlung ein, enthüllte verborgene gedanken. Und im "Tristan" verließ Wagner die gewohnte tonalität und betrat musikalisches neuland. "Hut ab, ein genie!" hatte Schumann über Chopin geschrieben, wieviel mehr gilt das für Richard Wagner.
    Die idee von festspielen in der sommerpause, wenn sänger und musiker frei von verpflichtungen waren, hatte schon lange gespukt, Wagner hatte nach langen und entbehrungsreichen irrwegen finanzkräftige gönner gefunden, Wagner-vereine wurden gegründet, und schließlich entstand nicht die deutsche oper am Rhein, sondern das nun allerdings ausschließlich Wagners schaffen gewidmete festspielhaus in Bayreuth. Dorthin pilgerten die "großen" der kaiserzeit, der Weimarer republik, die des nationalsozialistischen Deutschlands wie jetzt gerade wieder die der Bundesrepublik, um von Wagners nachkommen festlich empfangen zu werden. Über die kontinuität möge sich jeder seine eigenen gedanken machen.
     
  7. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 11.09.06   #7
    Wagner in der zeit des nationalsozialismus, ich mag "drittes reich" ebensowenig wie "1 000jähriges" oder "reichskristallnacht" u.a., weil es nazi-jargon ist, und Wagner, der antisemit.
    Fragt man nach vorstellungen über die NS-zeit, hört man, "da gab es konzentrationslager, es wurden juden verfolgt und massenhaft umgebracht", "dann kam der krieg, die befreiung, der kriegsverbrecherprozess", nach den übrigen 100 mio großdeutschen und ihrem befinden fragt niemand. Die hatten nämlich die sorgen des täglichen lebens, mussten sich wie in jeder diktatur arrangieren, das leben ging weiter, sie mussten sich durch die schule quälen, sich in den nazi-organisationen betätigen oder sich davor drücken, alle einschränkungen ertragen, für sie begann das große sterben erst später. Ich kann das nicht im detail beschreiben, aber das schicksal der juden war kein thema, und selbst Hitler mochte nie über KZs sprechen oder davon hören. Von Auschwitz hörte ich erst, als ich selbst hinter stacheldraht saß, und Dachau lernte ich 1947 auch noch von innen kennen.
    Als Wagner seinen aufsatz schrieb, war "antisemitismus" noch nicht erfunden, geschweige denn geächtet, das wort stammt aus wiener kreisen und ist schlecht gewählt, denn semiten, angehörige einer sprachfamilie, sind z.b. auch die Palästinenser. Es ist lange her, dass ich den aufsatz gelesen habe, aufregend oder anstößig fand ich ihn nicht.
    Der geschmack von meist körperlich kleinen diktatoren geht oft ins monumentale, schlimmer als die skulpturen von Breker waren die von Thorak, und die architektur kam über kolonnaden und reihungen nicht hinaus, war doch jeder modernismus verpönt. Weimar leidet noch immer unter den bauten seines gauleiters, aber es ist soviel beton verbaut und so unterkellert, dass man den komplex schwer abreißen kann, woanders haben bomben das ihrige getan, und vieles ist zum glück nicht fertiggeworden oder wurde nie angefangen.
    Und nun nenne man mir einen komponisten dieser epoche, der monumentale musik gemacht hätte! Atonalität und andere modernismen waren "entartet", und mit Hermann Nielebock (Herms Niel) und Barnabas von Geczy und natürlich Norbert Schultze waren zwar marsch- und tanzmusik und "patriotische" lieder vertreten, gut und professionell gemachte UFA-schlager gab es natürlich auch, aber fürs feierliche mussten Beethoven, Bruckner, seine 1stündigen und längeren sinfonien waren monumental, und Wagner herhalten. Und Frau Winifred war stolz, den führer in Bayreuth begrüßen zu dürfen.
    Wie in jeder diktatur oder absoluter herrschaft schmückte man sich mit kunst und kultur, am nötigen geld mangelte es nicht, und für wenig geld konnte man viel erleben, ich hörte als schüler fast alle großen dirigenten, sänger und instrumentalisten, es gab auch ein NS-sinfonieorchester, da trugen die musiker statt des schwarzen einen braunen frack! Aber auf Strawinsky, Mahler, Schönberg und viele andere mussten wir verzichten.
    Aber eines ist sicher: Wagner konnte nichts dafür! Nietzsche, ein anderer lange verfehmter auch nicht. Es gibt ein böses wort über die deutschen, das auf manche aber zutrifft: "sie haben es mit den stiefeln, entweder sie treten dich damit, oder sie lecken sie dir". Sie, eine minderheit, hatten dazu gelegenheit als sieger und besiegte. Schluss!
     
  8. topo

    topo HCA Recording Ex-Moderator HCA

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    Erstellt: 11.09.06   #8
    Kannst Du das noch mal näher erläutern, wie du das gemeinst hast ?????

    Topo :cool:
     
  9. Günter Sch.

    Günter Sch. HCA Piano/Klassik HCA

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    Erstellt: 11.09.06   #9
    Mit einem thema aus "Les préludes" von Liszt wurden sondermeldungen über siege, versenkte tonnage usw. angekündigt, jahrelang nach dem krieg traute sich niemand, das werk zu spielen, das hauptthema aus der 3.sinfonie von Bruckner wurde ebenso verwendet, aber von den hütern musikalischer moral nicht erkannt, blieb also unbehelligt. Auch Wagner wurde unter quarantäne gestellt, demgegenüber ist bekannt, dass der NS-justizapparat völlig in die BRD übernommen wurde, großindustrielle, als kriegsverbrecher angeklagt, milde davonkamen und Adenauer ausgerechnet Globke die arbeit machen ließ, ebenden, der die anti-judengesetze kommentiert und damit gebrauchsfähig gemacht hatte. Es gibt der beispiele mehr, wir haben das schon einmal diskutiert. Aber wenn noch fragen offen sind, bitte!
     
  10. kleinershredder

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    Erstellt: 11.09.06   #10
    welches thema war das genau, ich habs nämlich irgendwann mal gehört, und fand das stück sehr schön.
     
  11. Günter Sch.

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    Erstellt: 12.09.06   #11
    Liszt oder Bruckner? "Les préludes" (sinfonische dichtung nach einem gedicht von Lamartine) fängt sachte an und entwickelt sich zu dem bewussten, gewaltigen thema (12/8).
    Das fanfarenmotiv Bruckners (seine 3.sinfonie ist Richard Wagner gewidmet) ist das hauptthema des ersten satzes, kehrt aber triumphal im finale wieder.
    Beide werke sind hörenswert.
     
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