Waltari / Yeah Yeah Die Die! A Death Metal Symphony In Deep C / 1996 / CD

von Peegee, 04.04.05.

  1. Peegee

    Peegee Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 04.04.05   #1
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    Waltari:
    Kärtsy Hatakka - der Bass und Voices in der Rolle von "John Doe"
    Jariot Levtinnen - die eine Gitarre
    Sami Yli-Sirniö - die andere Gitarre (wurde live bereits durch Roope Latvala ersetzt
    Janne Parviaeinen - der Ultramegagodlythunderstorm (in anderen Bands wird so der Drummer genannt)

    Gäste:
    The Avanti Symphony Orchestra - das Orchester
    Riku Niemi - der Dirigent und Arrangeur

    Eeva Karina Vilke - Gesang in der Rolle von "The Angel"
    Tomi Koivussari - Grunzshouter in der Rolle von "The Machine"

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    Tracklist:
    Misty Dreariness
    Sign
    Deeper Into The Mud
    The Struggle Of Life And Death Of Knowledge
    Completly Alone
    Move
    Time Irrelevant
    The Top + Bonus Track "How Long Can U Go?

    Homepage:
    http://www.waltari.de
    http://www.waltari.de/yeahyeahdiedie/index.htm


    Vorab:
    Liebhaber der "Rock goes Classic Werke" oder "Metallica´s S&M" seien gewarnt. Die Death Metal Symphony ist kein weiterer Versuch, Rock-/Metalmusik durch Orchestereinsatz zu versüßen und dadurch noch massenkompatibler zu machen. Das genaue Gegenteil trifft eigentlich eher zu. Klassikliebhaber werden fluchtartig den Raum verlassen und truen Metalheads wird es spätestens bei der Altstimme von Eeva Karina Vilke die Zehennägel aufrollen. Auch sind dies keine alten Songs, die man nun mit Orchester neu aufgenommen hat.
    Nein nein, wir haben es hier mit einer komplett durchdachten und nur für diesen Zweck komponierten Symphony zu tun. An dieser Stelle sei erwähnt, dass Kärtsy Hatakka das komplette Werk allein komponiert hat und damit wohl recht eindrucksvoll bewiesen hat, welch musikalisches Genie sich hinter dem pumuckel-look-alike Wuschelkopf verbirgt.
    Für die einzelnen Instrumente, sowie für das gesamte Orchester wurden die Stücke dann von dem Dirigenten Riku Niemi arrangiert. Der hat übrigens rigoros abgelehnt, als ihm der Job zum ersten Mal angeboten wurde, da er dachte, es ginge um so eine leidige Rock goes Classic Geschichte. Als sich dann jedoch herausstellt, dass es "richtig schöner Krach" sein sollte, hat er eingewilligt und dann headbangenderweise bei der Liveaufführung das Orchester dirigiert.

    Die Musik
    Die ersten Minuten werden wir mit dem Orchester alleingelassen, dessen tiefe Streicher sehr getragen und düsterer als alle Doom - Metaller nach und nach eine immer gespanntere Atmosphäre aufbauen. Zum Ende des ersten Stücks wird nur noch ein durchgehender Ton gehalten, der alle paar Takte von einem heftigen Gitarrenakkord unterbrochen wird.
    Dann...... Stille; in der man nur noch die aufgerissenen Gitarrenamps rauschen hört (Ja, auch so etwas kann man als sehr effektives Stilmittel einsetzen); vier kurze HiHat-Schläge und dann lässt uns die Band mit brachialem Sound wissen, warum es Death Metal Symhony heißt. Das Orchester setzt mal akzentuiert, mal mit Wucht dagegen, ohne jedoch dabei besänftigend zu klingen.

    Tomi Koivussari eröffnet in tief grunzender Weise den Reigen der Sänger/innen. Wem dieser Name bekannt vorkommt, hier die Auflösung. Er ist der Rythmusgittarist von Amorphis und hat früher dort auch "gesungen". Seine tief-markante Stimme hat wohl nicht unerheblich zum Kultstatus des Klassikers "Tales from the thousand Lakes" beigetragen. Kärtsy Hatakka übernimmt den zweiten männlichen Gesangspart und die eigentliche Hauptrolle. Seine leicht quäkende Stimme bildet in unterschiedlichen Variationen einen prächtigen Kontrast zur tiefen Stimme Koivussaris. Der richtige Kontrapunkt kommt aber erst mit dem Einsatz von Eeva Karina Vilke. Diese Opernsängerin wirkt mit ihrer ausgebildeten Altstimme im ersten Moment völlig deplaziert zwischen den beiden "bösen Jungs". Doch dieser erste Eindruck täuscht gewaltig und das Ganze wird beim näheren und auch öfteren Hinhören immer homogener.

    Die Musik bleibt auch im späteren Verlauf sehr facettenreich und reicht von "getragen" über "rockig" bis zu "an den Haaren ziehend". Mal spielen Band und Orchester zusammen; mal im schnellen Wechsel; oder auch mal über längere Passagen "allein". Großartige spieltechnische Einzelleistungen bekommt man nicht zu hören und wären wohl auch ziemlich fehl am Platz.
    Die Voices wechseln auch ständig durch, so dass Eintönigkeit das genaue Gegenteil von dieser Symphony bildet.
    Aber es gibt auch überraschende Momente. Denn Waltari wären nicht Waltari, wenn es nicht mindestens zwei Stücke auf der CD gäbe, bei denen man das breite Grinsen auf den Gesichtern aller Beteiligten regelrecht heraushören kann. Hat schon mal jemand eine (mehroderweniger) Metalband zusammen mit einem Orchester "Techno" spielen hören? So lange man "The Top" noch nicht kennt, wohl kaum. So etwas gibt es nur bei Waltari.

    Der Sound
    Auch wenn sich Kärtsy heutzutage über den Sound beschwert, finde ich ihn schlichtweg genial. Das Orchester drückt gewaltig, säuselt sanft, oder lässt mit doomigen Celli Gänsehaut entstehen, während die Band einen herrlich brachialen Sound fährt, der einfach echt und wie live klingt. Mit Grauen stelle ich mir vor, wie es klingen würde, wenn man noch 20- 30 weitere Gitarrenspuren; Synthies usw hinzufügt und dann auch noch Blind Guardianmäßig weichspült.
    Nee Nee, das braatzt ordentlich und das ist auch gut so!

    Spezial
    Es gibt zumindest zwei unterschiedliche Versionen der CD. Ein Freund von mir besitzt eine CD, auf der es nur ein Stück gibt. Ich hingegen habe eine, bei der man acht verschiedene, anwählbare Tracks hat. Wohlgemerkt, es ist nicht mehr Musik darauf, sondern sie ist nur in einzelne Stücke unterteilt. Weiterhin gibt es auf meiner CD ein paar Computerschmankerl wie Pics; Bandvorstellung; Discographie usw. In einer Funktion kann man die unterschiedlichen Spuren (nur Ausschnitte) der Death Metal Symphony mal alleine anhören und zusammenmischen. Nette Idee.

    Fazit
    Ich muss eingestehen, dass es mir sehr schwergefallen ist, mich hinsichtlich dieser außerordentlichen CD entsprechend zu artikulieren. Normalerweise verwende ich lieber Vergleiche anstatt Schubladen, um anderen verständlich zu machen, was man sich unter der Musik vorstellen kann. Doch wie vergleicht man ein einmaliges Stück Musikgeschichte? Vielleicht fällt ja einem der Wortgewandten Kollegen dazu etwas Besseres ein.
    Zugegeben: Die Death Metal Symphony ist keine leichte Kost und wird die meisten "Duchschnittshörer" schlichtweg überfordern. Aber wenn man offen für Neues ist und auch mal gerne über den Tellerand seiner normalen Hörgewohnheiten blickt, dann ist diese Scheibe meine Empfehlung Nummer Eins!
    Auch wenn es keine Musik für "mal eben" ist und auch nicht zu jeder Gelegenheit passend ist, kann ich allein aufgrund der Genialität und der enormen Innovation nicht anders, als die Höchstwertung zu vergeben.

    10/10 Punkten

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  2. Jogi`s Rockfabrik

    Jogi`s Rockfabrik Registrierter Benutzer

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    ich befinde mich auf der Suche nach einem neuen So
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    Erstellt: 04.04.05   #2
    Also mein Gefühl sagt mir, dass es für mich persönlich vielleicht nicht das Wahre sein könnte, aber Du hast mich sehr neugierig gemacht. Aus diesem Grund werde ich Deinem Ratschlag folgen und mal intensiv reinhören.
     
  3. Hel

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    Erstellt: 05.04.05   #3
    Also leicht eingängig ist das Album bestimmt nicht, man braucht gehörig Zeit, um sich von der Musik überzeugen zu lassen, der erste Höreindruck überfordert. Zu gegensätzlich sind die verschiedenen Stilelemente die hier wie selbstverständlich vermischt werden. Aber nach dem x-ten Hördurchlauf ist man von dem Album gefangen, irgendwann erschließt sich einem die Musik.

    Inzwischen finde ich die Scheibe auch sehr genial, habe aber allerdings einen Kritikpunkt: Die verzerrten Vocals klingen meiner Meinung nach extrem beschissen, das hätte man sich sparen können und stattdessen zünftig growlen können ;)
    Auch geht meine Liebe zu Techno-Beats nicht soweit dass mir "The top" gefallen würde, sonst aber wie schon gesagt 1a Musik...
     
  4. Liwjatan

    Liwjatan Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.04.05   #4
    Passt zwar nicht hundertprozentig zum eigentlichen Thema, aber wer die Symbiose zwischen Chaos und Wahnsinn mag, sollte sich mal The Project Hate MCMXCIX anhören - Death Metal meets Elektro und was weiß ich. Schön krank aber definitiv nicht für jeder Mann ;)
     
  5. Peegee

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    Erstellt: 08.04.05   #5
    Mehr als die Neugier eines Lesers zu wecken, kann man sich nicht wünschen. Ich bin sehr gespannt auf deine Reaktion. Schön, dass es auch noch Leute gibt, die sich mal eingehender mit einer CD beschäftigen, obwohl sie glauben, dass ihnen die Musik nicht gefallen wird. :great:


    Sehr schön umschrieben. So erging es mir auch. Anfangs habe ich gar keinen Zugang zu dieser Musik gefunden, aber wenn man sie dann verstanden hat, ist es einfach genial.

    Also wenn ich mich nicht irre, zieht Kärtsy nur in "The Struggle For Life And Death Of Knowledge" seine Stimme durch eine Zerre, oder? Und da passt es doch ganz zu der Kakophonie, in die dieser Song sich gesteigert hat.

    Ich finde es einfach nur erfrischend, mit welcher Unverfrorenheit die Waltaris solche Dinge in ihre Musik einfließen lassen. Breaking the Limits! :great:

    Irgendwie hätte ich eine etwas andere Antwort von dir erwartet. Wie geht es an, dass Jay mal nicht zu einer schnippisch/sarkastischen/zickenden Antwort ausholt? :D
     
  6. Hel

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    Erstellt: 08.04.05   #6
    Also wenn man meinen Tinitus-geplagten Ohren trauen kann, sind außerdem bei "Deeper into the mud" und "Time irrelevant" verzerrte Vocals zu hören.

    mir ist grad aufgefallen, dass ich 6 Schläge zähle *klugscheiss* ;)
     
  7. Peegee

    Peegee Threadersteller Mod Emeritus Ex-Moderator HFU

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    Erstellt: 08.04.05   #7
    Stimmt. Die ersten beiden Schläge sind noch ganz am Ende des ersten Songs. Für die Review hatte ich mir die CD noch mal auf den MP 3 Stick gezogen. Nur hat man bei MP3 halt keine fließenden Übergänge und schon bin ich wieder mal reingefallen. :D :o
     
  8. Liwjatan

    Liwjatan Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.04.05   #8
    Wieso auch? Ich hör doch selber die Scheibe ab und zu :( buhu.. alle denken ich bin ein.. SCHEISSKIND :aus dem musikerboard rausbang:

    jaja, der Titel ist nicht von Waltari hehe
     
  9. Der Konrad

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    Erstellt: 09.04.05   #9
    Gibbet denn auch ordentliches Gerülpse, dann werd ich mir das auch mal antun!
     
  10. Liwjatan

    Liwjatan Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 09.04.05   #10
    Nein, es ist Musik für Leute die sich nicht mit Schweinsgedärmen jeden Morgen selbst auspeitschen (;
    Nicht bös' nehmen :g:
     
  11. Blashyrkh

    Blashyrkh Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.05.05   #11
    Wer sagt den dass sich leute die sich mit Schweinegedärmen auspeitschen kein breitgefächertes Musikspektrum haben können? :confused:
     
  12. Liwjatan

    Liwjatan Registrierter Benutzer

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    Erstellt: 05.05.05   #12
    Tierschützer sowie Miss Piggy.
     
  13. ars ultima

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    Erstellt: 28.09.07   #13
    Ich habe sie gerade mal wieder gehört, und da dachte ich mir, ich Kram das Review mal einfach wieder raus, damit hier im Board jemand auf dieses Juwel von CD aufmerksam wird :D
    Ich hab die Scheibe jetzt auch schon einige Zeit, und finde sie immer wieder großartig. Ich höre sie echt oft. Immer wenn ich mal wieder bewusst ein ganzes Album hören will (und nicht Random-Songs im Hintergrund durchlaufen lassen will), stell ich mich vors CD Regal, stöbere mich durch - und übermäßig oft landet dann Yeah!Yeah!Die!Die! im CD-Spieler.
    Es macht einfach Spaß zuzuhören, in der Form habe ich das selten bei anderen CDs. ICh habe ständig ein Grinsen im Gesicht- Das Album ist teilweise so herrlich abgedreht und insgesamt echt witzig - dabei aber musikalisch (zumindest was die Klassikparts angeht) wesentlich reifer und hochwertiger als so manch andere "Klassik-meets-Metal-und-mehr"-Scheibe, welche vielleicht sehr ernst und dramtisch sein will, aber im Endeffekt eher peinlich und unfreiwillig komisch wirkt.
    Diese CD verdient mal wirklich die Bezeichnung "Crossover", wobei die Reduzierung auf "Death Metal meets Klassik" das gar nicht ausreichend beschreibt bzw. nicht das besondere an Ihr ausmachen. Selbst die Orchesterparts sind in sich sehr variabel, und reichen typischen Filmscore-Atmo-Sounds bis zu modern-groovigen Sachen.
    Gibt es wirklich auch eine Version mit einzeltuiteln? Meine hat keine einzelanwählbaren Tracks, aber vermisse ich auch nicht. Jemanden einen Teil vorzuspielen, um zu zeigen wie cool die scheibe ist, bringt es eh nicht.
    Also, wer offen ist für gewagte musikalische Experimente, und Spaß an Musik hat: Kaufen. Ich habe jetzt die "Spaßkomponente" vielleicht etwas sehr betont, möglichweise empfindet das nicht jeder so, wenn er die Platte hört. Ist aber auch etwas als leichte Warnung an die Leute zu verstehen, die eine hochintelektuell-vertrackt-düster-progressive CD erwarten.
    Ich konnte bisher auch nirgends eine DVD finden, würde mich echt interessieren. Immerhin ist das ja als Aufführung geplant worden. Das Album wurde erst nach der Live-Show aufgenommen.
     
  14. Ataca del Rasha

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    Erstellt: 01.10.07   #14
    jetzt bin ich auch neugierig geworden, wenn mal wieder Geld da ist werd ich nen Versuch wagen.
     
  15. ars ultima

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  16. Peegee

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    Erstellt: 10.07.08   #16
    Oh je....erst heute drauf gestoßen. ich habe mich ja eine Zeit lang etwas aus dem Board zurückgezogen.
    Öhm....ginge auch VHS? Da wäre das gesamte Konzert drauf. Ist zwar nur recht mittelmäßige Qualität, aber trotzdem recht nett.
    Die könnte ich dir mal ausleihen. Von Düsseldorf nach Düsseldorf kann ja nicht soooo weit sein. *g*
    ( Hmmm... jetzt müsste ich nur mal überlegen, wer das Video im Moment hat) :rolleyes:
     
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