Was genau ist "Singen" überhaupt -> habe ich das Rätsel gelöst?

von chamäleon333, 06.07.18.

  1. chamäleon333

    chamäleon333 Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    03.07.18
    Beiträge:
    12
    Zustimmungen:
    1
    Kekse:
    0
    Erstellt: 06.07.18   #1
    Ich glaube, man kann "gut klingen" u.U. auch ohne richtige Atmung/Technik usw. - zumindest insofern, dass Nicht-Sänger keinen Unterschied merken und andere Sänger trotzdem zu deinem Konzert gehen würden


    Ich finde es einfach interessant, falls das stimmen sollte, dass aufgrund von subjektiver Wahrnehmung (?) Singen nicht genau definiert wird ...und alle denken man könnte schon singen, wenn man Bauchatmung anwendet und Noten trifft - denn das konnte ich auch sofort und trotzdem sagt niemand ich kann singen ^^

    Vielleicht ist das jetzt nichts Neues für die, die das lesen, aber mich hat das anfangs sehr verwirrt
     
  2. glombi

    glombi Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    17.05.06
    Zuletzt hier:
    22.03.19
    Beiträge:
    1.382
    Ort:
    Aschaffenburg
    Zustimmungen:
    1.259
    Kekse:
    4.559
    Erstellt: 06.07.18   #2
    Mich jetzt auch... :confused:
     
  3. chamäleon333

    chamäleon333 Threadersteller Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    03.07.18
    Beiträge:
    12
    Zustimmungen:
    1
    Kekse:
    0
    Erstellt: 06.07.18   #3
    Meinst du mein Text ist verwirrend und Schwachsinn? :D
     
  4. blechgitarre

    blechgitarre Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    02.01.12
    Zuletzt hier:
    22.03.19
    Beiträge:
    965
    Zustimmungen:
    467
    Kekse:
    1.990
    Erstellt: 06.07.18   #4
    Manche Stimmen klingen für mich einfach gut, warum kann ich nicht sagen. Und ich habe auch keine Ahnung von Gesangstechnik. Viele gelernte und studierte Opernsänger und vor allem Sänerinnen klingen in meinen Ohren nicht gut.:evil:
     
  5. glombi

    glombi Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    17.05.06
    Zuletzt hier:
    22.03.19
    Beiträge:
    1.382
    Ort:
    Aschaffenburg
    Zustimmungen:
    1.259
    Kekse:
    4.559
    Erstellt: 06.07.18   #5
    Text verwirrend - ja, Schwachsinn - würde ich niemals jemandem unterstellen, könnte ich als total gesangstalentfrei auch inhaltlich garnicht beurteilen...
     
  6. Swingaling

    Swingaling Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    30.11.16
    Zuletzt hier:
    23.03.19
    Beiträge:
    589
    Ort:
    Freiburg
    Zustimmungen:
    368
    Kekse:
    1.350
    Erstellt: 06.07.18   #6
    Was "gut klingen" ist, ist meines Erachtens extrem subjektiv. Manche mögen hohe, zarte Stimmen, andere wiederum kräftige, schwere Stimmen mit viel Masse. Die einen hören gern Opernstimmen, die anderen lieben rauchige, rauhe, eigentlich "kaputte" Stimmen. Aber es geht beim Singen auch nicht nur um den "schönen" oder "angenehmen" Klang. Singen hat wahnsinnig viel mit Sich-Öffnen zu tun, mit Präsenz durch die Stimme, und da gibt es grundsätzlich sehr verschiedene Begabungen. Ich bin zum Beispiel der Meinung, dass Menschen aus von Natur aus "extrovertierten" Kulturen, wo im Gegensatz zur mitteleuropäischen Kultur nicht so viel Wert auf das Vermeiden einer potenziellen Ruhestörung und ein vorsichtig-leises gesellschaftliches Miteinander gelegt wird, von klein auf einen unverkrampfteren Umgang mit dem Einsatz der eigenen Stimme haben als der gemeine Mitteleuropäer. Nicht alle diese Leute sind natürlich musikalisch oder fürs Singen begabt, aber allein das Klangvolumen der Stimme ist da oft viel ausgeprägter, weil es nie künstlich unterdrückt wurde. Dabei entsteht scheinbar ganz von Natur aus die "richtige Atmung/Technik", die unsereins mühsam wieder lernen muss.

    Das andere ist, dass sich auch die Wahrnehmung des Gehörs verändert, wenn man sich länger mit dem eigenen Stimmklang und dem Training dieses Klanges auseinandersetzt. Man fängt zum Beispiel an zu hören, welche Profi-Sänger Knödeln oder Pressen, bei wem künstlich nachgeholfen werden muss, damit der-/diejenige so klingt, wie man es gerne hören möchte, etc. pp. Dass Nicht-Sänger also keinen Unterschied bemerken, heißt erst einmal nicht viel. Und auch nicht jeder Sänger legt bei "Kollegen" unbedingt Wert darauf, ob die Stimme im klassischen Sinne "gut geschult" klingt. Manchmal mag man auch einen bestimmten Klang, auch wenn man hört, dass er nicht perfekt produziert ist.

    Abgesehen davon glaube ich aber (ich habe jetzt seit rund 2,5 Jahren Gesangsunterricht, nicht ganz regelmäßig, aber doch kontinuierlich), dass man seiner Stimmfunktion mit professionellem Unterricht schon was Gutes tut. Das gilt besonders dann, wenn man von Natur aus (oder selbst antrainiert) zu richtigen Technikfehlern neigt, die die Stimme überbeanspruchen und einen immer wieder heiser werden lassen. Meine Stimme ist immer noch weit davon entfernt, "professionell" (egal in welchem Genre) zu klingen, aber ich werde zum Beispiel nicht mehr heiser, kann Kopf- und Bruststimme ohne Übergang mischen, habe im Laufe der Zeit ein leichtes Vibrato entwickelt und kann meinen Atem vernünftig regulieren. Das hat bei mir für meinen Geschmack lange gedauert, ich bin ein ungeduldiger Mensch und darüberhinaus ziemlich verkopft. Aber letztendlich hat es nur das kontinuierliche Training über all die Zeit gebracht. Ich bin z. B. niemand, bei dem der Knoten "über Nacht" geplatzt ist, bei mir kommen die Fortschritte graduell.

    Wie das bei dir sein wird, wird sich zeigen. Es gibt definitiv Leute, die haben am Anfang schon einen großen physiologischen (oder psychologischen) Vorsprung und kommen schnell so weit, dass sie bühnentauglich singen. Die allermeisten, die ich so aus meinem Sing-Umfeld kenne, trainieren aber hartnäckig über viele Monate und Jahre an ganz bestimmten Knackpunkten und überwinden diese langsam.

    LG

    Nicole
     
  7. antipasti

    antipasti Singemod Moderator

    Im Board seit:
    02.07.05
    Beiträge:
    28.659
    Ort:
    Wo andere Leute Urlaub machen
    Zustimmungen:
    7.474
    Kekse:
    109.577
    Erstellt: 09.07.18   #7
    Hallo chamäleon333,
    Die Lösung des Rätsels ist viel einfacher und steht sogar auf Wikipedia.


    Singen bezeichnet nichts anderes als die musikalische Nutzung der menschlichen Stimme. Da gibt es objektiv zunächst mal kein gut, kein schlecht, kein richtig oder falsch.

    Wie der/die Singende das macht, ist egal. Der Klang ist egal. Im Prinzip ist auch egal, ob die Töne getroffen werden. Denn auch schief singen ist singen.

    Wenn deine Frage eigentlich lauten sollte "Was ist gutes/richtiges/professionelles Singen?" dann ist es eine Frage der Perspektive. Die Fans von zB Marius Müller Westernhagen werden eine andere Meinung dazu haben als der eine oder andere klassische Gesangslehrer. Dennoch ist nicht alles subjektiv oder Geschmacksache: Im Durchschnitt würde ich den meisten mir bekannten Pop/Rocksängern objektiv die Fähigkeit zu singen auch dann nicht absprechen, wenn ich ihre Musik und ihre Stimme subjektiv scheußlich finde.


    ... oder umgekerhrt.

    Das ist tatsächlich keine besonders neue Erkenntnis. Die meisten SängerInnen der früheren Rock/Pop-Generationen bis in die 90erjahre waren Autodidakten und auch heute sind sie noch weit verbreitet. Die wussten nichts von "Technik".

    Unausgebildete Sänger benutzen deswegen aber nicht zwangsläufig eine "falsche Technik". Fast jeder, dessen Stimme stabil genug ist, um sich über Jahrzehnte erfolgreich gesanglich auszudrücken und durchzusetzen, macht dabei in der Regel auch einiges richtig.


    Ich kenne niemanden, der so denkt.
     
  8. Jed

    Jed Registrierter Benutzer

    Im Board seit:
    18.11.13
    Zuletzt hier:
    21.03.19
    Beiträge:
    552
    Zustimmungen:
    479
    Kekse:
    3.741
    Erstellt: 09.07.18   #8
    Natürlich kann man ein so weit verbreitetes Phänomen wie das Singen definieren! Allerdings gibt es verschiedene Aspekte davon. Zum einen ist Singen, wie @antipasti meint,
    .
    Das beinhaltet, dass man die Vokale beliebig lang oder kurz erklingen lässt und ihnen eine musikalische Tonhöhe gibt. Vielen ist diese Fähigkeit angeboren - bzw. sie entwickelt sich im Laufe des Sprechenlernens. Es ist klar, dass ein trainierter Sänger die langen Vokale der Barokoper eher schafft, als ein ungeübter. Wie bei der Athletik: jeder gesunde, jüngere Mensch kann rennen - aber we viele können 100 Meter in 10 Sekunden rennen? Nur diejenigen, die den Physis dazu haben und professionell trainiert werden!
    So auch beim Gesang!

    Zum zweiten gibt es die Definition: "Singing is the making of words more beautiful by means of music; the singing voice is only one of the means to this end." (Das Singen ist das Verschönern von Worten mittels Musik; die Singstimme ist nur eins der Mittel zu diesem Zweck.) Unter den anderen Mittel zum Zweck stelle ich mir die instrumentale Begleitung vor, aber auch die Mimik und Gestik des Sängers und die Artikulation der Konsonanten, die ja nicht von den Stimmbändern kommt. Analog kann man beim Vorlesen zwischen lebhaftem und langweiligem Vortrag unterescheiden.

    Zu Technik und Anlage: Ich verbrachte meine Jugend in einer Zeit und einer Umgebung, wo viel live gesungen wurde. Damals unterschied man zwischen "schöne Stimmen" und "gemachte Stimmen".
    Die Welt ist nun mal ungerecht: ein musikalisch begabter, junger Geiger kann sich ein besseres Instrument kaufen oder sponsern lassen; ein musikalisch begabter, junger Sänger muss mit der Stimme auskommen, die er nun mal hat. Allerdings kann man eine suboptimale Stimme "herrichten", so wie man eine suboptimale Geige. So entsteht kein Stradivari oder Pavarotti, aber evtl. etwas, das vielen Menschen Freude macht.

    Noch ein Aspekt: einer hat mal gesagt, Bob Dylan Kann nicht Gitarre spielen, nicht Mundharmonika spielen und nicht singen. Aber er kann ein Lied wie kein zweiter herüberbringen. Denkt darüber nach!

    So, Schluss für jetzt. Wer Englisch lesen kann, den lade ich auf meine Homepage ein. Da steht ein Essay über den Gesang als solchen. Wahrscheinlich mehr, als ihr wissen wolltet, aber es ist ein weites Feld!

    Cheers,
    Jed
     
    gefällt mir nicht mehr 1 Person(en) gefällt das
Die Seite wird geladen...

mapping